Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 132

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 132

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2, 11—18.) Ich erfahre nun mit der Wahr⸗
heit, mein HErr Chriſtus iſt ein Heiland aller
Sünder ohne Ausnahme, er will auch ein Hei⸗
and der Heiden ſein; auch die Heiden ſind ſeine
Schaafe, für die er ſein Leben gelaſſen und die
er ſich zu ſeinem Eigenthum erkauft hat; ſie ſind
die „andern“ Schaafe, die nicht aus dem Stalle
JIsraels ſind; dieſelbigen will und muß er auch
herführen, ſie ſollen auch ſeine Stimme hören.

und ſoll Eine Heerde und Ein Hirte werden,

(Joh. 10, 15. 16.) Ja, nun erfahre ich mit
der That, daß Gott — ſo ſpricht Petrus ſelbſt
ſpäter, — auch „den Heiden den heiligen Geiſt
gibt, gleichwie auch uns Juden, und macht kei⸗
nen Unterſchied zwiſchen uns und ihnen, und
reinigt auch ihre Herzen durch den Glauben.“
(Apoſt. 15, 8. 9.)

Weit entfernt alſo, daß der Apoſtel mit jenen
Worten ſagen wollte, daß der Menſch in jeder
Religion ſelig werden könne, daß der Glaube an
den Heiland der Welt dazu nicht erſt nöthig ſei;
ſo will er im Gegentheil ſagen, daß Gott mit
dee Sendung des Heilandes für das Heil Aller
Menſchen geſorgt habe, daß Gott in ſeinem lie⸗
ben Sohne allen Menſchen einen Weg zur
Seligkeit eröffnet habe, daß Gott die geſtiftete
Verſöhnung und Erlöſung niemanden mißgönne,
ſondern jedem Menſchen zu gute kommen laſſen
wolle; daß Gott auch der Heiden um Chriſti
willen ſich erbarmen, ſie nicht als Unreine,
die nicht zu ſeinem Volke gehören, von ſich ſto⸗
ßen, ſondern ſelbſt einen Heiden, der in aller
Abgötterei und Bosheit dahin gegangen iſt, ſich
angenehm ſein laſſen wolle, ſo er ſich nur
von ſeinen falſchen Göttern zu dem lebendigen
Gott bekehrt, an den ihm verkündigten Hei⸗
land aller Welt glaubt und daher dieſen
Glauben dadurch offenbaret, daß er Hott

»fürchtet und rechtuthut.

Daß dies die rechte Auslegung der Worte
Petri ſei, ſehen wir deutlich noch daraus, daß
Petrus in der ganzen auf dieſe Worte folgenden
Predigt dem CorneliusChriſtum als den predigt,
in welchem das Heil durch den Glauben und
zwar allein zu finden ſei. Er ſpricht unter An⸗
drem: „Von dieſem (nehmlich von IEſu Chri⸗
ſto) zeugen alle Propheten, daß durch ſeinen Na⸗
men alle, die an ihn glauben, Vergebung
der Sünden empfangen ſollen.“ V. 43.

Hierzu kommt noch dieſes. Cornelius war
zwar ein Heide, aber nicht in dem Sinne, daß er
noch in heidniſcher Abgötterei und in heidniſcher
Unwiſſenheit lebte; ſondern nur inſofern, als er
weder von Abraham leiblich abſtammte, noch
durch die Annahme der Beſchneidung' ein jüdi⸗
ſcher Proſelyt geworden war. Dabei aber kannte er
den wahren Gott wohl, glaubte an ihn, fürchtete
ihn und diente ihm. Auch das alte Teſtament und
inſonderheit die Propheten, auf die ſich daher der
Apoſtel in'ſeiner Predigt berufen konnte, kannte
er und er glaubte ihnen und an die darin enthal⸗
tenen Weiſſagungen von einem zu erwartenden
Weltheiland von Herzen. Cornelius ſtand alſo
mit einem Wort, noch ehe Petrus zu ihm kam,
im Glauben, nehmlich in dem Glauben, wel⸗
chen alle Gläubige des Alten Bundes hatten und

—

durch den dieſe ſelig geworden ſind. Es feblte
dem Hauptmann nur noch an Einem, nehmlich
an der Erkenntniß, daß der auch von ihm erwar⸗
tete und erſehnte Heiland bereis gekommen, und
daß derſelbe: IEſus von Nazareth (B. 38.),
der Gekreuzigte und Auferſtandene ſei. Und die⸗
ſes dem alten gottesfürchtigen Kriegsmann zu

offenbaren, dazu hatte Petrus nach einer wun⸗

derbaren beſonderen Veranſtaltung Gottes zu ihm
kommen und ihm predigen müſſen.
„Der liebe Leſer ſieht hieraus, jene Worte Petri
ſind gerade ein Beweis dafür, nicht nur, daß
niemand überhaupt ohne den Glauben an einen
Heiland ſelig werden könne, ſondern daß, nach⸗
dem der Heiland in IEſu Chriſto von Nazareth
erſchienen iſt, nun auch der Glaube inſonderheit
zur Seligkeit nöthig ſei, daß dieſer Heiland der
IEſus von Nazareth iſt, welcher am Kreuze auf
Golgatha geſtorben und am dritten Tage wieder
von den Todten auferſtanden iſt. Denn, obwohl
Cornelius bereits, ſo zu ſagen, in dem altteſta⸗
mentlichen Glauben ſtand, ſo hatte ihm doch der
Engel des HErrn ausdrücklich ſagen müſſen:
„Laß fordern den Simon, mit dem Zunamen
Petrus; der wird dir Worte ſagen, dadurch
du ſelig werdeſt.“ (Apoſt. 11, 13. 14.)
Sprichſt du nun aber, lieber Leſer, etwa: wie?
ſo ſollte alſo wircklich alles allein am Glauben
liegen? ſo ſollte alſo wirklich der Glaube allein
dem Menſchen die Seligkeit bringen? — Wird
durch eine ſolche Lehre nicht aller Eifer in der
Gottſeligkeit und in guten Werken erſtickt? Wer⸗
den bei ſolcher Lehre nicht die Leute ſagen: Wohl—
an! wenn alles allein auf den Glauben an⸗
kommt, und nichts darauf, wie man lebt, ſo
wollen wir glauben, und dabei leben, wie wir
wollen, ſo muß uns ja doch der Himmel werden!
— Hierauf antworten wir in der Kürze dieſes:
Wer ſo denkt und redet, der weiß gar nicht, was
glauben iſt und heißt; denn glauben, heißt nach
der Schrift nicht etwa ein bloßes todtes Beifall⸗
geben und Zuſagen zu allem, was in der Bibel
ſteht, mit den Lippen. O nein! An Chriſtum
glauben heißt nach der Schrift, ſich Chriſti von
Herzen tröſten, alſo daß man in ſeinem Herzen
ein ſolches Vertrauen auf Chriſtum und ſein
Verdienſt trägt, daß man damit alle Zweifel, alle
Anfechtungen, Noth, Tod und Höllenſchrecken
überwinden kann. Einen ſolchen Glauben kann

aber nur Gott vurch ſeinen heil. Geiſt einem

Menſchen in das Herz geben; und Gott wirkt
denſelben durch das Evangelium nur in ſolchen
Herzen, die ihre Sünde aus dem Geſetz lebendig
erkannt haben⸗und darüber vor Gott auf's tiefſte
gedemüthigt, zerbrochen und zerſchlagen ſind;
und wenn in einem Menſchen das himmliſche
Licht und Feuer eines ſolchen wahren Glaubens
angezündet iſt, dann zeigt ſich derſelbe auch da—
durch als ein göttliches Werk, daß er des Men⸗
ſchen Herz umwandelt, dasſelbe reinigt und Haß

gegen die Sünde, Verüchtung gegen der Welt

Eitelkeit, Liebe zu Gott und zu allen Menſchen,
inſonderheit zu ſeinen Brüdern und Schweſtern
im Glauben, und Luſt und Eifer zu allen guten
Werken darin wirket. Daher kommtes, daß die!
heilige Schrift, wenn ſie einen Gläubigen be⸗

ſchreibt, oft nichts von ſeinen Glauben ſagt, ſon⸗
dern nur von ſeinen guten Werken redet; wie
z. B. Petrus ſagt: „Wer Gott fürchtet und recht
thut;“ weil dies nehmlich Früchte ſind, die dem
Glauben nothwendig uud gewißlich folgen und
dadurch ſich derſelbe vor der Welt offenbaret.

Stoße dich darum, lieber Leſer, nicht daran,
wenn du höreſt, daß nach der Lehre der heiligen
Schrift allein der Glaube vor Gott gerecht und
ſelig macht; ſondern ſtoße dich vielmehr an dit
ſelbſt, daß du noch nicht weißt, was glauben
heißt.

Zum Schluſſe höre daher/ was Luther hier⸗
über ſchreibt und folge ſeinem treuen Rath. Die⸗
ſer theure Glaubensheld und Glaubensherold
ſchreibt nehmlich in ſeiner Vorrede zur Epiſtel St'
Pauli an die Nömer folgendermaßen:

„Glaube iſt nicht der menſchliche Wahn und
Traum, den etliche für Glauben halten; und
wenn ſie ſehen, daß keine Beſſerung des Lebens
noch gute Werke folgen, und doch vom Glauben
viel hören und reden können, fallen ſie in den
Irrthum und ſprechen: der Glaube ſei nicht ge⸗
nug, man müſſe Werke thun, ſoll man fromm und
ſelig werden. Das machet, wenn ſie das Evan⸗

gelium hören, ſo fallen ſie daher und machen ih⸗

nen aus eigenen Kräften einen Gedanken in Her⸗
zen, der ſpricht: Ich gläube. Das halten ſie denn
für einen rechten Glauben. Aber wie es ein
menſchlich Gedichte und Gedanke iſt, den des
Herzens Grund nimmer erfähret: alſo thut er
auch nichts, und folget keine Beſſerung hernach.“
„Aber Glaube iſt ein göttlich Werkin uns,
das uns wandelt und neu gebieret aus Gott Joh.
1, 13. und tödtet den alten Adam, machet uns
ganz andere Menſchen von Herz, Muth, Sinn
und Kräften und bringet den heil. Geiſt mit ſich.
O, es iſt ein lebendig, ſchäftig, thätig, mächtig
Ding um den Glauben, daß unmöglich iſt, daß!
er nicht ohne Unterlaß ſollte Gutes wirken! Er
fraget auch nicht, ob gute Werke zu thun ſind;“
ſondern ehe man fraget, hat er ſie gethan, und il.
immer im Thun. Wer aber nicht ſolcht
Werke thut, der iſt ein gottloſer
Menſch, tappet und ſiehet um ſich nach den
Glauben und guten Werken, und weiß weder!
was Glaube noch gute Werke ſind; wäſchet und!
ſchwatzet doch viel Worte vom Giauben und gu⸗
ten Werken.“
„Glaube iſt eine lebendige, erwegene Zuver⸗
ſicht auf Gottes Gnade, ſo gewiß, daß er tauſend⸗
mal darüber ſtürbe. Und ſolche Zuverſicht und
Erkenntniß göttlicher Gnade machet fröhlich, tro⸗
tzig und luſtig gegen Gott und alle Creaturen;
welches der heil. Geiſt thut im Glauben. Daher

der Menſch ohne Zwang willigund luſtig wird,

jedermann Gutes zu thun, jedermann zu dienen,

allerlei zu leiden, Gott zu Liebe und zu Lob, der
ihm ſolche Gnade erzeiget hat. Alſo daß unmög⸗
lich iſt, Werke vom Glauben ſcheiden, ja ſo un⸗
möglich, als Brennen und Leuchten vom Feuer
mag geſchieden werden. Darum ſiehe dich vor
vor deinen eigenen falſchen Gedanken und unnü⸗
tzen Schwätzern, die vom Glauben und gutun
Werken klug ſein wollen zu urtheilen, und ſi ind

die größeſten Narren. Bitte Gott, daß

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