Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 113
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 113
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Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten
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εν „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergeht nun und nimmermehr.“
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(Offenb. Iih. Cay. 14 v. 6. 70
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Nedigirt von C. F. W. Walther.
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1.
St. Louis, Mo.,
den 18. März 1851.
No. 15.
—dedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jährlichen
ö ſriptienspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelben vorauszube⸗
adlen und das Peſtgeld zu tragen haben. — In St. Lonis wird jede einzelne Ro. für'5 Cents verkauft.
Eein Wort Luthers
nen die, welche das Evangelium durch
alſhe Nachgiebigkeit zu fördern gedenken.
Als Luther den Cardinal Albrecht, Erzbiſchof
zu Mainz, etwas hart geſtraft hatte, da dieſer
Lardinal von der Wahrheit überzeugt worden
par und doch ſich unredlich zeigte, ſo nahm dies
des Cardinals Prediger und Rath, ein ebenfalls
von der Wahrheit überwundener Mann, Wolf⸗
gung Fabricius Capito, übel auf und ſchrieb des⸗
vegen an Luthern. Dieſer aber antwortete dem
Rrediger u. A. folgendermaßen (was wir zu Nutz
Innd Frommen aller derjenigen mittheilen, die
Euch heutzutage ſich ärgern, wenn von Luthera⸗
nern ſo ſchonungslos das Schwarze ſchwarz, das
Gaure ſauer genannt wird): *)
„Du ſchreibſt, du habeſt eine andere Weiſe er⸗
funden, denn wir, das Evangelium auszubrei⸗
tn und zu fördern. Was iſt das anders, denn
dah entweder deine Meinung oder meine unrecht
I ſo doch des Geiſtes Amt nicht im geringſten
entgegen muß ſein. Denn auch St. Paulus
beſehlet den Corinthern Titum (2 Cor. 12, 18.)
daum, daß er mit ihm in einerlei Fußtapfen ge⸗
gaugen ſei.
Ih hätte aber meiner Gunſt halben zu dir dies
Oert, daß ich ſage: eine andre Weiſe, gern ge⸗
lndert, wenn du mich es durch deine eigene Deu⸗
ung nicht ſelbſt ſo zu verſtehen zwängeſt, wie du
ſgeſt: Das Evangelium würde dadurch fortge⸗
ſt, wenn man großen Herren etwas zu gute
) Siebe butters Weree Hall. A. Tom. XIX. S. 662. f.
hielte, durch die Finger ſähe, ihrer verſchonte,
ihre (böſen) Thaten entſchuldigte, und (wie deine
Worte lauten) uns dermaßen hielten, daß wir
mit harter Strafe und Scheltworten nicht einen
Krieg erregten.
Dieſe deine Meinung iſt meines Erachtens eine
rechte Heuchelei, und Verleugnung chriſtlicher
Wahrheit. Ich wollte meinen Feinden nicht
wünſchen, daß ſie dieſe deine Meinung ihnen ge⸗
fallen ließen; will geſchweigen, daß ich dem
Evangelio wünſchen ſollte, daß es durch
ſolche Weiſe gefördert ſollte werden. Summa:
Mir iſt nichts heftiger entgegen, denn eben dieſe
Meinung. Und Chriſtus helfe, nicht daß du
nichts ausrichteſt, ſondern, daß du mit uns ſo
erhalten werdeſt, daß du nicht Schaden thuſt.
Du begehreſt Sanftmüthigkeit und Gütigkeit;
das geſtehe ich wohl. Was für Gemeinſchaft aber
kann einChriſt mit einem Heuchler haben? Das
Chriſtenthum iſt ein öffentlich aufrichtig Ding,
ſie het die Sachen an, und bekennet ſie, wie ſie an
ſich ſelbſt ſind. Es wünſchen auch die Heiden
denen alles Unglück, ſo ihrer Freunde Sünden
und Laſter billigen; wie ſollte denn die Wahrheit
Chriſti Laſter und gottloſes Weſen billigen?
Wir wollen aber unſre Meinung dir auch an⸗
zeigen, und dieſelbige getroſt dir und der ganzen
Welt darthnn, und ohne alle Scheu, unangeſehn,
daß du ſchreibeſt, das gemeine Volk ärgere ſich
daran, wenn man ſo heftig um ſich beiße. Denn
wen ärgerte Chriſtus nicht, oder wen ſtrafte er
nicht? Auch ſtraft der Geiſt der Wahrheit und
ſchmeichelt nicht; er ſtrafet aber nicht allein et⸗
liche Perſonen, ſondern die ganze Welt.
Nur die Briefe, welche Mitibellunzen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen
aber. welches Geſchäfluiches, Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder 1c. enthalten, unter der Adreſſe
NMr. F. W. Barthel, care of C. P. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
Derhalben iſt dieſes unſre Meinung, daß man
ſtracks alles ſoll herumziehen, ſtrafen, zu Schan⸗
den machen, nichts verſchonen, nicht durch die
Finger ſeben, nichts entſchuldigen, auf daß die
Wahrheit klar und öffentlich auf freiem Plan
ſtehe.
Weiter aber iſt's ein ander Ding, daß, wenn
du die, ſo du geſtrafſt haſt, mit rechter Sanft⸗
muth aufnimmſt, duldeſt und zum Guten rei⸗
zeſt. Solches gehört alsdenn zum Exempel
chriſtlicher Liebe; wie Beides das Predigtamt
treibet, als Chriſtus lehret Luc, 24, 47: Daß in
ſeinem Namen ſollte gepredigt werden Buße und
Vergebung der Sünden. Denn auch Chriſtus,
nachdem er Jedermann aufs heftigſte geſtraft
hat, wünſcht er darnach eine Kluckhenne zu ſein,
daß er ſie unter ſeine Flügel ſammle. Matth.
23, 37. Lnc. 13, 34. Die Liebe verträgt alles,
vertrauet alles, ſie hoffet alles, ſie duldet alles.
1 Cor. 13, 7. Der Glaube aber, oder
das Wort leidet gar nichts, ſondern
ſtrafet und friſſet um ſich; oder wie Jeremias
Cap. 1, 10. ſagt: reißet aus, zerbricht, zerſtöret,
verderbet. Item: Jerem. Cap. 48, 10: Ver⸗
flucht ſei, wer des Herrn Werk läſſig thut.
Es iſt ein ander Ding, mein lieber Fabrici,
das Laſter loben oder gering machen; und ein
andres, dasſelbe mit Güte und Freundlichkeit
heilen. Man ſoll für allen Dingen ſagen, was
recht und unrecht iſt; darnach, wenn der Zuhö⸗
rer ſolches hat an genommen, ſoll man ihn
dulden, und wie Paulus ſagt, Röm. 14, 1. den
Schwachen im Glauben aufnehmen.
Deine Meinnng aber machet, daß die Wahr⸗
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