Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 15 › Seite 119

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-03-18, Seite 119

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And dasſelbe anbeten?“ „Omnein, nein!“ rief
n aus, „das würde ich nicht; denn ich weiß,
aaß mein HERR Chriſtus im Himmel zur Rechten
Ens allmächtigen Vaters ſitzt, das ſagt mir ja der
laube, den wir mit einander beten, aber wenn
ih ein Bild von Ihm hätte, ſo würde, weil ich
Pricht leſen kann, mich dasſelbe immer an Chri⸗
s erinnern, und das Wort, das Sie uns In⸗
Innern von Ihm ſagen und erzählen, wurde mir
natei einfallen, und wenn ich es anſchaute, ſo
würde mein Herz weit, weit weggehen, dahin,
Chriſtus für uns gekreuzigt iſt und dahin, wo
(nun wohnt und wo auch ich, weil Er für
Ewich geſtorben iſt, ba“d hingehen darf, und wenn
es anſchaute, ſo könnte ich es meinen Kindern
rigen, und könnte ihnen ſagen: „Hütet euch vor
un Sünde; macht es nicht wie wir alten In⸗
khaner es gemacht haben, ehe Gottes Wort zu
ns kam; ſehet, Gottes Sohn hat um meiner
und eurer Sünde willen müſſen Menſch werden,
Anüſſen unter Pontio Pilato ſo viel leiden,
Pnd den böſen Kreuzestod ſterben, damit wir er⸗
liſt und ſelig wirden; darum hütet euch vor der
Eünde, denn ſie gefällt Gott nicht, und bringt euch
s Verderben, in dieſer Welt, wie wir darinnen
naten, und in die Hölle. „Sehen Sie“, fügte
nroch hinzu, „dazu hätte ich gern ein Bild von
+u HERR9e Jeſu Chriſto am Kreuz; weil ich
dettes Buch nicht leſen kann, ſo könnte ich dieſes
miehn und es würde meinem Herzen wohl thun“.
uh, dachte ich, Du edle Ein falt, du! du liebe
lie Indianerſeele! ob du ſchon noch nie ein Bild
huun deinem Erlöſer am Kreuze geſehen, ſondern
rdavon gehört haſt, und zwar von Solchen
Wes als Waffe gegen die lutheriſche Kirche ge/
huuchen, (nämlich die Methodiſten), und dir es
ndächtig machen wollten; ſo hätteſt du es doch
rmne in deinem Hauſe und würdeſt ſo einen
Pien Gebrauch davon zu machen wiſſen! wäh⸗
Undich noch vor wenigJahren, obgleich ich Gottes
dur leſen kann, was dir mangelt, an dieſem
Zild aus falſchem Verſtande mich oft und viel
uherte; und während Tauſende mit mir, die
Giti Namen an ihrer Stirne tragen, ſich die⸗
3 Bildes heute noch ſchämen, daran ſich ärgern
u als römiſche Ketzerei verſchreien! aber es iſt
nvahr, wie ge ſchrieben ſtehet: „Den Reinen iſt
Mes rein; den Unreinen aber und Ungläubigen
i Richts rein, ſondern unrein iſt beide ihr Sinn
nd Gewiſſen“. Titus 1, 15. Es war mir die⸗
ſr Vorfall ſo ganz unerwartet, daß ich mich nicht
uunz wundern konnte, wie dieſer alte Indianer
fſelchen Gedanken gekommen ſei, da es früher
ſchwarz vor die Augen der Indianer gemalt
id von den verläumderiſchen Methodiſten⸗Miſ⸗
men als ein ſchrecklicher Gräuel geſchildert
ſuude, „wie die Deutſchen, Bilder
dnicht den lebendigen Gott an⸗
eteten!“ Aber der Leſer erſieht auch hieraus,
6 wo die reine Lehre und das lautere Bekennt⸗
s Glaubens zu Hauſe iſt, man da, ſei
Iu run von Jugend auf in der chriſtlichen Kir⸗
erzogen, oder erſt kürzlich aus den Heiden
Irrh Gottes Guade, durch den heiligen Geiſt
JRiitelſt der Predigt des göttlichen Worts ge⸗
ault und in die ſelbe gebracht, gleich weit ent⸗
Fint iſt von allem abergläubiſchen Gebrauch der
a, wie von allem ungläubigen Abthun der⸗
den. Den rechten Gebrauch eines Crucifix
mie dieſer alte Indianer ſicherlich manchen
Hriten lehren, es würde das Grauen vor einem

119—

Bilde, das die ernſteſten und heiligſten Gedan⸗
ken in uns erweckt, gar bald ſchwinden, wenn
wir es zu dem Zwecke, den der Indianer im Auge
hatte, allenthalben in Kirchen und Häuſern auf⸗
ſtellten; hanptſächlich aber, würde Niemand mehr
etwas Römiſches daran finden, ſondern vielmehr
es der chriſtlichen Freiheit überlaſſen, dasſelbe zu
gebrauchen oder nicht.

Der Leſer erkennt aus dieſer Erzählung, daß
das Wort Gottes auch unter den Indian ern die⸗
ſes Landes ſich kräfiig erweiſet, und als eine
Gotteskraft lebendig macht Alle, die daran glau⸗
ben; er ſieht, daß hie und da ein Sämlein em⸗
porwächſt, das Früchte zu tragen verſpricht;
daß alte Indianer ſich der Erlöſung von ihren
Sünden durch Jeſum Chriſtum freuen, ſich der⸗
ſelben getröſten, und in dieſem Glauben zu ſterben
wünſchen; er freut ſich auch gewiß hierüber miit
uns, die wir unter den Heiden arbeiten, wenn
von der Thränenſaat ein Körnlein nur keimt,
und zur Ehre unſeres Gottes und Heilandes
grünt; lebt auch gewiß mit uns der getroſten
Hoffnung, daß der HERR, der ſein Werk in
dieſen Indianern angefangen hat, es vollfuhren
werde bis auf den Tag unſern HERRN Jeſu
Chriſti; und wenn er ſein Herz im Gebete zu
Gott erhebt, ſo wird er nicht vergeſſen, auch für
dieſe Indianer nach Gottes Wort zu thun „Ge⸗
bet, Fürbitte und Dankſagung!“ Gott aber,
der heilige Geiſt, wolle gnädiglich auch aus den
Heiden dieſes Landes, durch die Predigt des
Evangeliums immer Mehrere berufen, ſammeln,
erleuchten und im rechten einigen Glauben hei⸗
ligen und erhalten! und unſer Keinen fallen
laſſen „von des rechten Glaubens Troſt“. Amen.

Unſere Indianerſchule blühet mehr auf in ge⸗
genwärtiger Zeit als in den zwei letzten Jahren.

Der alte Indianerhäuptling Noktſchikomy ſchickt

ſeine Kinder regelmäßig; andere ſeiner Bande
folgen ſeinem Beiſpiel, ſo daß wir 14 — 18 Kin⸗
der immer um uns haben; möge der gute Same
göttlichen Worts, in ihre jungen Herzen geſäet,
aufgehen und zu Gottes Ehre Früchte tragen!

Die Gemeinde in Shibahyonk wünſchte ſehr,
daß ich zu ihr zöge und mich ihr ausſchließlich
widmete; aber nun iſt Sibiwaing doch auch noch
nicht zum Aufgeben reif, und habe ich in der letz⸗
ten Zeit für die hieſigen Indianer wieder mehr
Hoffnung; auch haben mir die Deutſchen hier ei⸗
nen Beruf gegeben, daß ich nämlich, ſo lange
nicht eine ſtarke Gemeinde hier iſt, in bishe⸗
riger Weiſe Seelſorge an ihr üben möchte;
und kommen dieſes Frühjahr 4 —6 Fami⸗
lien mit viel Kindern hieher, die alle kirchlichen
Sinn haben und von Herzen mein Bleiben wün⸗
ſchen; was ſoll ich nun thun? — — Jedenfalls
muß in Shibahyonk ein Wohnhaus gebaut, und
jene Gemeinde beſonders gepflegt werden; und
dieſe Indianer dürfen wir auch nicht aus dem
Auge verlieren, müſſen vielmehr fortfahren und
wider Hoffnung hoffen, ob der HERR Gnade
gebe, und ſie zu Seiner Erkenntniß führen wolle.
Beten Sie, theurer Herr Präſes, für mich, daß
mich der HERR durch Seinen heiligen Geiſt er⸗
leuchten und regieren wolle! Amen.

In vieler Liebe Ihr geringer Mitbruder im
HENRN:
J. J. S. Auch.

(Eingeſandt.)
Pſ. 84, 12. 13.

Denn Gott, der Herr, iſt Sonne und Schild, der Herr

gibt Gnade und Ehre; er wird kein Gutes mangeln
laſſen den Frommen.

Herr Zebaoth, wohl dem Menſchen, der ſich auf dich

verläßt !

Der Herr iſt meine Sonne,
Und nicht blos Morgenſtern!
O, übergroße Wonne,

Er iſt mir niemals fern!
Die ird'ſche Sonne gehet
Am Abend von mir weg:
Die ew'ge Sonne ſtehet

Bei mir auf Weg und Steg.

Ob ich auch oft muß klagen
In dieſem Jammerthal, —
Ob Trübſalswolken ſagen
Von großer Noth und Qual:
Die Sonne bleibet immer,
Mein Jeſus, meine Freud;
Drum zage ich auch nimmer
Im allergrößten Leid.

Die Erdenſonne ſinket

Oft ſchon vor Mittag hin:
Doch meine Sonne blinket,
Wenn ich im Dunkeln bin.

Sie will ſich mein nicht ſchämen,
Mein Jeſus bleibet mein:

Was will ich mich denn grämen,
Und gar ſo ängſtlich ſein?

Und ob die Hitze drücket

In mancher Trübſalszeit:
Sein Schatten mich erquicket
Auch in dem ſchwerſten Streit.
Der Feinde Pfeile fliegen

Mit Spott, Verfolgung, Hohn;
Doch werd' ich endlich ſiegen:
Mein Jeſus hilft mir ſchon.

Mein Schild iſt er genennet
In ſeinem theuren Wort:
Drum bleib ich ungetrennet

Von meinem treuen Hort!

Mein Herz kann nur verwunden,
Wer Sein Herz erſt durchſticht:
Er bleibt unüberwunden,
Darum fall' ich auch nicht.

Und ob Er ſchon ſich ſtellet,
Als hört' Er nicht ihr Droh'n:
Jedennoch Er ſie fället,

Er lachet ihrer ſchon!

Was toben doch die Heiden

In ihrem tollen Sinn?

Mein Jeſus reicht mit Freuden
Mir Siegespalmen hin!

Zwar hab' ich nichts verdienet,
Als lauter Straf' und Pein:
Doch Er hat mich verſühnet,
Nun gilt die Gnad? allein.
Gott hat den Sohn geſchenket,
So iſt denn Alles mein!
Wenn das mein Herz gedenket,
Muß ich nicht ſelig ſein?

English translation

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