Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 10 › Seite 146
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-01-08, Seite 146
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von der deutſchen ebangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten.
Redigirt von C. F. W. Walther.
Zahrgang 6.
St. Louis, Mo., den 14. Mai 1850.
No. 10.
Bedingungen: Der Poſheld p erſcheint alle zwei Wo
tragen haben. — In St. Louis wi
vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu
ur die Briefe, welche N
enthalten,
chen einmal für den
ittheilungen für das Blatt enthalten,
jährlichen Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber,
rd jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft.
ſund an den Redacteur, alle anderen aber, welche Geſchäftliches,
unter der Adreſſe: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Wa ther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden.
welche denſelben
Beſtellungen, Abbeſtellungen, Gelder ꝛc.
(Eingeſandt von P. Gruber.)
Ehrengedächtniß
des ſeligen Herrn
Gotthold Heinrich Löber,
treuverdienten Paſtors der evang.⸗Iuth. Gemeinde
zu Altenburg, Perry Co., Mo.,
geſtorben am 19. Auguſt 1849.
Neun Monate bereits ruhen die Gebeine dieſes
treuen Knechtes Chriſti auf der ſtillen, einſamen,
waldumkränzten Anhöhe des Friedhofes zu Alten⸗
burg, im dunkeln Schooß der mütterlichen Erde,
neben den Gebeinen ſeiner vorausgegangenen
Schweſter und mitten unter den Gräbern ſeiner
vor und nach ihm entſchlafenen Gemeindeglieder;
ſein Gedächtniß aber lebt fort unter den Seinigen
hier und im alten Vaterlande; es lebt fort in ſei⸗
nen Gemeinden dort und hier; es lebt fort in der
ganzen lutheriſchen Kirche dort und hier. Nicht
darum wird daher dieſes Ehrengedächtniß ihm
geſetzt, damit ſein Name der Vergeſſenheit ent⸗
riſſen werde, ſondern darum, weil Gottes Wort
gebietet, der im wahren Glauben entſchlafenen
Lehrer zu gedenken; darum, weil die Liebe von
dem, wovon das Herz voll iſt, reden muß, ſo laut
und ſo weit ſie nur vermag; darum, daß auch
andere Brüder, die den Seligen nicht ſo lange
und wohl gekannt, als wir, mit uns klagen mö⸗
gen über ſein frühes Dahinſcheiden; darum, daß
auch die jüngern Amtsbrüder ein ermunterndes
Vorbild treuer Seelſorgerarbeit mehr haben;
darum endlich, daß auch das noch kommende Ge⸗
ſchlecht der Kirche wiſſe, wer und was für ein
Arbeiter der ſelige Löber geweſen, welcher nach
Gottes wunderbarem Wege die lutheriſche Kirche
in dieſer letzten Weltzeit hier im fernen Abend⸗
lande hat pflegen und bauen helfen. Wir wollen
daher zuerſt die göttliche Leitung ſeines Lebens⸗
ganges von ſeiner Geburt an bis zu ſeinem ſeli⸗
gen Ende überſchauen und dann das Bild ſeines
Wandels, wie es in den letzten Jahren uns er⸗
ſchien, uns vorhalten.
Unſer theurer Löber war geboren zu Cahla,
einem Städichen des Herzogthums Altenburg, am
5. Januar 1797. Sein Vater, den er früh ver⸗
lor, war Superintendent daſelbſt, ſeine Mutter
(1823 auch am 19. Auguſt entſchlafen) eine ge⸗
borne Stopffel ebendaher.Von drei Söhnen
war er der mittlere. Zwei ſeiner Ahnen waren
Generalſuperintendenten des Herzogthums Alten⸗
burg geweſen, der letztere davon, Friedemann
Löber, auch der letzte rechtgläubige Oberaufſeher
der Altenburgiſchen Landeskirche. Die Erinne⸗
rung an dieſe ehrenwerthen Ahnen hat den Seli⸗
gen in ſeiner Amtsführung oft ermuntert. Wer
muß aber nicht die Wege Gottes bewundern, der
einen Zweig dieſes alten Predigerſtammes in
Ober⸗Sachſen in dieſes ferne Abendland verſetzt
und ihn nun hier von neuem in ſeinen leiblichen
und geiſtlichen Kindern wachſen und grünen läßt?
Hier ſehen wir ja die Verheißung vor Augen
erfüllt: das Geſchlecht der Frommen wird geſegnet
ſein, Pſ. 112.— Nach ſeines Vaters frühem
Tode beſuchte der Selige eine Zeitlang die Kna⸗
benſchule zu Cahla, dann das Gymnaſium zu
Altenburg, wo er, von wohlthätigen Verwandten
unterſtützt, fünf Jahre verweilte. Oft erinnerte
er ſich der ſtillen Sonntagsfeier im elterlichen
Hauſe, oft auch des noch ziemlich unverfälſchten
Katechismusunterrichts in der Knabenſchule zu
Cahla, oft auch des Glaubens, des Gebets und
der Thränen ſeiner in kümmerlichem Wittwen⸗
ſtande lebenden Mutter. Auf dem Gymnaſium
wurde zwar durch den damaligen Religionsunter⸗
richt des Niemeyer ſchen Lehrbuchs die zarte Pflanze
des Glaubens nicht gepflegt, doch konnte ſie der
Feind auch nicht ganz zertreten. Ein glimmen⸗
des Fünklein des Glaubens blieb, leuchtete in
dem Fleiß und ſittſamen Betragen, das ihm aller
Lehrer und Mitſchüler Zuneigung erwarb, und
loderte wieder heller auf, als er die Univerſität
Jena Oſtern 1816 bezogen hatte. Da wandte
er ſich bald ab mit ſeinem Herzen von der heil⸗
loſen rationaliſtiſchen Exegeſe und Dogmatik des
alten damals noch hochgefeierten Gabler und
ſchloß ſich an die Profeſſoren Schott und Köthe
näher an, welche damals als die erſten Träger
des neu, wenn auch ſehr ſpärlich aufgehenden
evangeliſchen Lichtes zu Jena lehrten. In die⸗
ſem erſten Univerſitätsjahre geſchah es auch, daß
dem Schreiber dieſes durch Gottes gnädige Hand
in dem ſeligen Löber ein Freund zugeführt wurde,
der 33 Jahre hindurch bis an ſein Ende durch
treuen Beiſtand in allerlei leiblicher Noth, ſowie
durch geiſtliche Handreichung in Ermahnung und
Ermunterung, Troſt und Warnung ſich als einen
wahren Freund erwieſen hat. — Bei einer im
homiletiſchen Seminar gegebenen Preisaufgabe
erwarb er ſich den erſten Preis durch eine wohl⸗
ausgeführte Predigt. Nach wohlbeſtandenem Era⸗
men 1819, darin er Chriſtum nicht verleugnete,
ward er Candidat des heiligen Predigtamts.
Nach einem kurzen Aufenthalt im mütterlichen
Hauſe ward er von den zwei Gebrüdern Frei⸗
herren von Ziegeſar zu Hummelshain und Dra⸗
kendorf zum Hauslehrer ihrer Kinder berufen.
Dieſe fünf im Hauslehrerſtand verlebten Jahre
waren ſehr arbeitsvolle Jahre. Die ihm über⸗
tragene Aufſicht über die Kinder, die vielen und
viel Vorbereitung erfordernden Lehrſtunden, dazu
der ſtarke Trieb ſeines Herzens und Gewiſſens,
ſich zugleich auf das Predigtamt noch weiter vor⸗
zubereiten, zwangen ihn faſt zum nächtlichen Ar⸗
beiten. Dadurch ward aber auch der Grund zu
ſeiner ganzen ſpätern Kränklichkeit und Ver⸗
dauungsſchwäche gelegt, die ihn mehrmals an
den Rand des Grabes brachte. — Auch in dieſen
vornehmen Familien ſchämte er ſich des Bekennt⸗
niſſes zu dem ganzen Wort Gottes nicht und
er hatte beſonders über dem Bekenntniß zu der
Lehre von dem Satan und ſeinem ganzen Reich
manchen harten Stand, wurde aber doch wegen
ſeiner unerſchütterlichen Feſtigkeit geachtet und
geehrt. Im Jahr 1824 folgte er dem Ruf ſeines
ältern Bruders, dem nach dem Tode der Mutter
das Rittergut Eichenberg bei Cahla zuge⸗
fallen war, in das dortige Predigtamt, dem die Gemeinde Bibra als Filial zugeordnet war, be⸗
kannte Chriſtum abermals in der Prüfung vor
dem Conſiſtorio und trat am dritten Advents⸗
ſonntag mit vielen heiligen Vorſätzen und mit
viel Gebet und Flehen ſein Amt an. Ein Jahr
darnach verehelichte er ſich mit der älteſten Tochter
des Paſtor Zahn zu Waſſerthalleben bei Son⸗
dershauſen und fand in ihr, was er geſucht, eine
English translation AI translation
Der Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall not pass away, now or evermore."
Published by the German Evangelical Lutheran Synod of Missouri, Ohio, and Other States.
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 6.
St. Louis, Mo., May 14, 1850.
No. 10.
Terms: This paper appears once every two weeks, at an annual subscription price of one dollar for out-of-town subscribers, who must pay it in advance and bear the postage. In St. Louis, each individual number is sold for 5 cents. Only those letters containing communications for the paper are to be sent to the editor; all others, however, containing business matters, orders, cancellations, money, etc., are to be sent here under the address: Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo.
(Submitted by P. Gruber.)
In Honored Memory
of the blessed
Gotthold Heinrich Löber,
faithfully devoted pastor of the Evangelical Lutheran congregation
at Altenburg, Perry Co., Mo.,
who died on August 19, 1849.
Nine months now the bones of this faithful servant of Christ have rested on the quiet, solitary, forest-crowned height of the churchyard at Altenburg, in the dark bosom of mother earth, beside the bones of his sister who went before him, and in the midst of the graves of his congregation's members who fell asleep before and after him; but his memory lives on among his own, here and in the old fatherland; it lives on in his congregations there and here; it lives on in the whole Lutheran Church there and here. This memorial of honor is therefore set for him not so that his name might be snatched from oblivion, but because God's Word commands that teachers who have fallen asleep in true faith be remembered; because love, of that whereof the heart is full, must speak, as loudly and as far as it is able; because other brethren also, who did not know the blessed one as long or as well as we, might mourn with us over his early departure; because the younger brothers in office might have yet another encouraging example of faithful pastoral labor; and finally, because the generation of the church yet to come might know who and what kind of laborer the blessed Löber was, who, by God's wondrous way, helped to tend and build the Lutheran Church in this last age of the world here in this distant West. We will therefore first survey the divine guidance of his life's course from his birth to his blessed end, and then set before us the picture of his conduct as it appeared to us in his last years.
Our dear Löber was born at Cahla, a small town of the Duchy of Altenburg, on January 5, 1797. His father, whom he lost early, was superintendent there; his mother (who likewise fell asleep on August 19, in 1823), a née Stopffel from the same place. Of three sons he was the middle one. Two of his forefathers had been general superintendents of the Duchy of Altenburg, the latter of these, Friedemann Löber, also the last orthodox chief overseer of the Altenburg territorial church. The memory of these honorable forebears often encouraged the blessed one in the conduct of his office. But who must not admire the ways of God, who transplanted a branch of this old line of preachers in Upper Saxony into this distant West, and now lets it grow and flourish anew here in his bodily and spiritual children? Here indeed we see fulfilled before our eyes the promise: the generation of the righteous shall be blessed, Ps. 112. After his father's early death, the blessed one attended for a time the boys' school at Cahla, then the Gymnasium at Altenburg, where, supported by benevolent relatives, he remained five years. He often recalled the quiet Sunday observances in his parents' house, and often too the still fairly unadulterated catechism instruction in the boys' school at Cahla, and often also the faith, the prayer, and the tears of his mother, who lived in straitened widowhood. At the Gymnasium, it is true, the tender plant of faith was not cultivated through the religious instruction then given from Niemeyer's textbook, yet the enemy could not entirely trample it either. A glimmering spark of faith remained, shone forth in the diligence and modest conduct that won him the affection of all his teachers and fellow pupils, and blazed up brighter again when he entered the University of Jena at Easter 1816. There he soon turned away in his heart from the pernicious rationalistic exegesis and dogmatics of the then still highly celebrated old Gabler, and attached himself more closely to Professors Schott and Köthe, who at that time taught at Jena as the foremost bearers of the newly, though very sparsely, dawning evangelical light. In this first year at the university it also happened that the writer of this was, through God's gracious hand, given a friend in the blessed Löber, who for thirty-three years, until his end, proved himself a true friend through faithful support in all manner of bodily need, as well as through spiritual ministration in admonition and encouragement, comfort and warning. At a prize assignment given in the homiletical seminary he won the first prize with a well-executed sermon. After successfully passing his examination in 1819, in which he did not deny Christ, he became a candidate of the holy preaching office. After a short stay in his mother's house he was called by the two brothers, the Barons von Ziegesar of Hummelshain and Drakendorf, to be tutor to their children. These five years spent as a house tutor were very laborious years. The oversight of the children entrusted to him, the many lessons requiring much preparation, together with the strong impulse of his heart and conscience to prepare himself further for the preaching office at the same time, drove him almost to working through the nights. This, however, also laid the foundation of his whole later frailty and weakness of digestion, which more than once brought him to the brink of the grave. Even in these distinguished families he was not ashamed of the confession of the whole Word of God, and especially over the confession of the doctrine of Satan and his whole kingdom he had many a hard stand, yet was respected and honored for his unshakable steadfastness. In the year 1824 he followed the call of his elder brother, to whom, after their mother's death, the manor estate of Eichenberg near Cahla had fallen, into the pastoral office there, to which the congregation of Bibra was assigned as a filial congregation; he again confessed Christ in the examination before the Consistory and entered upon his office on the third Sunday in Advent with many holy resolutions and with much prayer and supplication. A year later he married the eldest daughter of Pastor Zahn of Wasserthalleben near Sondershausen, and found in her what he had sought: a devout, faithful, and sensible wife and helpmate.