Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 171
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-15, Seite 171
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge · Loge 4
Ouark eben viel Wichtiges verborgen liegt; das
Geheimnißvolle, womit ſich dieſe Geſellſchaften
umgeben, iſt wohl nichts, als der Speck, den man
in die Falle legen muß, wenn man Mäuſe fan⸗
gen will. Es muß ja freilich etwas da ſein, um
die Geldbeiträge der kindiſchen Neugierde zu
ſichern. Aber gewiß kannſt du über die Sache
nicht ſein, und wie du mit Zweifeln, d. h. mit
Sünde hineingetreten biſt, ſo mußt du auch mit
Zweifeln, d. h. mit Sünde, darin bleiben. Denn
biſt du gewiß, daß man dir Alles offenbart hat?
Haſt du alle Grade? Und wenn du ſie haſt,
biſt du gewiß, daß die oberſten Häupter nicht
noch etwas für ſich behalten? Ich ſehe, du
lächelſt mit großer Selbſtzufriedenheit, du biſt
vielleicht ein Prophet, oder gar ein Sachem, oder
wie ſie ihr Oberhaupt nennen mögen, aber mein
lieber Freund, es hat ſchon mancher auf ſeinem
hohen Poſten gemeint, daß er der eigentliche Mann
ſei, der alle Fäden in ſeiner Hand habe, und
alles lenke und leite, wie er eigentlich auch alles
durchſchaue und wiſſe, und hat's am Ende doch
einſehen müſſen, daß er nichts mehr und nichts
weniger als ein Gimpel geweſen, dem man eben
Sand in die Augen geſtreut hat: Fürſtenrock,
Krone und Scepter ſieht man auf dem Thron,
ſelten aber den eigentlichen Fürſten und Regen⸗
ten. Woher weißt du, daß man dir den eigent⸗
lichen Zweck der Geſellſchaft offenbart habe?
Wäre es denn ſolch ein unerhört Ding, wenn
der nur den eigentlichen Leitern bekannt wäre,
von denen man weder viel ſähe noch hörte, die die
Einfältigeren der Geſellſchaft äußerlich an die
Spitze ſtellten, und ſie mit ganz kindiſcher und
harmloſer Geheimnißkrämerei beſchäftigten, wäh⸗
rend ſie als die eigentlicher Leiter das rechte Ge⸗
heimniß für ſich und die rechten Eingeweiheten
behielten, und es durch den Haufen ausführen
licßen? Schon als rechtlicher Staatsbürger darfſt
du kein Glied ſolcher gehemnen Geſellſchaften ſein,
viel weniger als ein Chriſt.
C. Du hüllſt dich immer mehr für mich in
ein myſtiſches Dunkel, und ſprichſt in lauter
Rüäthſeln! Was in aller Welt hat denn das
Staatsbürgerthum mit den geheimen Geſellſchaf⸗
ten zu thun?
P. Nun, ich denke, das wird euch das prak⸗
tiſche Volk von Amerika bald lehren, vielleicht
früher, als ihr denkt. Laßt es nur erſt mehr auf⸗
merkſam auf euch werden, es wird euch bald aus⸗
einanderſtieben! Und es iſt mir jetzt ſchon unbe⸗
greiflich, wie ein republicaniſches Volk mit ſeiner
Regierung, das mit der größten Eiferſucht über
ſeine Inſtitute wachen ſollte, ſolche Geſellſchaften
beſtehen läßt, oder wenn es ſie nicht hindern will,
nur noch für einen einzigen Menſchen ſtimmen
kann, der ein Glied einer geheimen Geſellſchaft iſt.
C. Komm! dreh dich einmal um, ich muß
doch nachſehen, ob dir der deutſche Polizeizopf
noch im Nacken hängt! Menſch! du mußt einen
ſchweren Schaden an der Leber haben, daß du
Alles ſo ſchwarz anſiehſt! Es iſt mir gerade, als
hörte ich chineſiſch reden, ich verſtehe kein Wort
davon.
P. Und liegt doch Alles auf der flachen Hand,
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daß es ein Kind faſſen könnte. Wie ſollte es
mir nur im Traume einfallen, einem Menſchen
irgend etwas in meinen Privatgeſchäften anzu⸗
vertrauen, der, Gott weiß wozu, ſeiner Geſellſchaft
verbunden iſt; der vielleicht hart verpflichtet iſt,
Alles im Intereſſe und zum Vortheil der Geſell⸗
ſchaft zu betreiben, oder der doch ein unbewußtes
Werkzeug ſein könnte, das andere, tiefer Einge⸗
weihte, zu ihrem Vortheil, aber zu meinem Scha⸗
den benutzen. Und nun noch ein öffentliches
Amt! Glaͤubſt du, daß das Volk dem Spiel
lange zuſehen wird?
C. Gott ſei Dank, es iſt hier ein freies Land,
und ich fürchte nicht, daß ſich die europäiſchen
fürſtlichen Inquiſitionen ſo bald hierher verpflan⸗
zen werden; das wäre dech zu abſcheulich, wenn
die koſtbare Freiheit hier ſollte ſo zu Grunde
gehen.
P. Eben weil die Freiheit ſo koſtbar iſt, iſt es
die Pflicht eines jeden rechtſchaffenen Bürgers,
ſie mit Eiferſucht zu bewaffnen, und alle Gefah⸗
ren, die ihr drohen, auf rechtlichem Wege im
Keime zu erſticken. Was für Bürgſchaft haben
die treuen Bürger, daß in euren geheimen Ge⸗
ſellſchaften dieſe koſtbare Freiheit nicht heimlich
untergraben wird, damit ſie, oder ehrgeizige Män⸗
ner durch ſie, ſich zu Herren machen?
C. Paul, trink ein Glas kaltes Waſſer, damit
du wacker wirſt! Du träumſt und ſiehſt uns ſchon
mit voller Muſik und Regalien nach. dem Capitol
ziehen, den Präſidenten abſetzen, den Congreß
auseinanderjagen, und einen zweiten Napoleon
zum Kaiſer ausrufen. In der That, das iſt zu
luſtig. Ich glaube wirklich, du biſt krank! Wie
kannſt du vernünftiger Menſch auf ſolche Gedan⸗
ken kommen, die ich nur den allerärmſten Schwach⸗
köpfen zugetraut hätte; um die man ſich eben
nicht zu bekümmern braucht.
P. Ich habe dir ſchon früher geſagt, daß ich
hinter dem ganzen Quark nicht viel Wichtiges
vermuthe, noch viel weniger fürchte ich mich vor
irgend etwas der Art; denn ich weiß, daß mein
HErr und König im Himmel auch hier auf Er⸗
den Alles regiert und leitet. Sollte dies Land
ſeine Freiheit verlieren, was Gott in Gnaden ver⸗
hüten möge, ſo wäre dies eine Strafe Gottes für
die Sünden des Volks, und darein müßten wir
uns mit Geduld ſchicken, ſo ſchwer es Fleiſch und
Blut ankommen möchte. Du kannſt es aber
keinem vernünftigen Menſchen verargen, wenn er
gegen dieſe immer mächtiger werdenden Geſell⸗
ſchaften Mißtrauen hegt, woran ſie ſelbſt Schuld
ſind, da ſie ſich gefliſſentlich in Geheimniſſe ein⸗
hüllen, und das Licht ſcheuen.. Denn auch auf
die bürgerlichen Verhältniſſe hat der Ausſpruch
Chriſti ſeine volle Anwendung: „Wer Arges
thut, haſſet das Licht.“ ‚
Aber geſetzt auch, die Geſellſchaften wären für
den Augenblick noch ganz harmlos, deſſen du
aber durchaus nicht gewiß ſein kannſt,
ſo liegt dennoch die Gefahr für die Zukunft kei⸗
neswegs in der Einbildung einiger Schwachköpfe,
ſondern in dem Weſen der Geſellſchaften ſelbſt.
Sie haben ja leider ſchon ſolch eine fühlbare
ſchädliche Macht, daß ein ordentlicher Mann, der
die Ruhe ſeines Gewiſſens lieber hat, als das
tägliche Brod, und Gewiſſens halber in dieſe Ge⸗
ſellſchaften nicht eintreten kann, ſeine bittere Noth
hat, entweder ein Geſchäft anzufangen, oder es
fortzuſetzen, wenn er nicht zu dieſen „Brüder⸗
orden“ gehört, weil die „Brüder“ natürlich ein⸗
ander die Kundſchaft zuwenden.
Nun weiß Jedermann, wo Macht iſt, die nicht
bewacht oder eingeſchränkt werden kann, da liegt
der Mißbrauch ſehr nahe. Die Begierde, die
Macht auszuüben, und mit Unterdrückung An⸗
derer zu herrſchen, iſt das ſtete Spiel der Welt,
vom König bis zum niedrigſten Polizeidiener;
wäre da nicht das Mißtrauen des Volks ein ge⸗
gründetes, daß auch die Geſellſchaften dazu möch⸗
ten verſucht werden, wenn ſie erſt zu ſolchem
Gipfel der Macht geſtiegen fein werden? Die
Maſſen der Geſellſchaften ſind durch alle Staaten
hindurch organiſirt; mit dem ſteigenden Einfluß
ſteigt natürlich das ſtolze Bewußtſein dieſes Ein⸗
fluſſes und dieſer mächtigen Gewalt, und in dem⸗
ſelben Verhältniß das Gefallen daran. Es be⸗
darf nur eines äußern Anſtoßes, und eines ehr⸗
geizigen, willenskräftigen, gewandten Mannes,
und wie leicht iſt eine ſolche Maſſe zur Ausfüh⸗
rung ehrgeiziger Pläne fortgeriſſen. Und wie
geſagt, wer bürgt dir dafür, daß du nicht jetzt
ſchon ein unbewußtes Werkzeug ſolcher Pläne biſt?
Das Mißtrauen hat ſich auch ſchon hie und da
in engliſchen ſowohl wie deutſchen Blättern Luft
gemacht, und namentlich auf den böſen Einfluß
hingewieſen, den dieſer auf die Gerichtsverhand⸗
lungen wenigſtens haben könne. Aber wenn
auch nichts daran iſt, ſo ſollte ein guter Staats⸗
bürger Allem und Jeglichem ausweichen, das
Mißtrauen und Beſorgniß in den Gemüthern
erzeugen könnte.
C. Du würdeſt deine Befürchtungen und
Beſorgniſſe bald aufgeben, wenn du unter uns
wäreſt und ſäheſt, wie fein und ordentlich, brü⸗
derlich, offen und frei Alles unter une verhandelt
wird, du würdeſt bald Ein Herz und Eine Seele
mit uns ſein.
P. Das iſt nun einmal ein Ding der Un⸗
möglichkeit, denn ich habe dir bewieſen, und du
haſt mir's bis jetzt nicht widerlegt, daß es gegen
Gottes Wort, alſo Sünde iſt, in eine geheime
Geſellſchaft einzutreten, weil es nicht aus dem
Glauben geht, und noch größere Sünde, darin
zu bleiben, weil alle Geheimnißkrämerei gegen
das Chriſtenthum iſt. Wie ein guter Staats⸗
bürger an ſolchen Geſellſchaften keinen Antheil
nehmen darf, weil es Unrecht iſt, wenn man's
vermeiden kann, auch nur Anlaß zu Mißtrauen
und Beſorgniß zu geben, das muß dir auch klar
geworden ſein. Wie kannſt du als ein Chriſt es
nun verantworten, ein Glied derſelben zu ſein,
die der HErr JeEſus ſelbſt geradezu als ſolche
bezeichnet hat, die das Licht ſcheuen, und vom
Lichte geſtraft werden, um nicht noch Aergeres zu
ſagen. Haſt du wohl je daran gedocht, welche
Aergerniſſe du und alle Chriſten der chriſtlichen
Gemeinde geben, wenn ſie ſich ſolchen Geſellſchaf⸗
ten anſchließen?
C. Aergerniſſe, nun in That, das wüßte ich
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