# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S171 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Ouark eben viel Wichtiges verborgen liegt; das Geheimnißvolle, womit ſich dieſe Geſellſchaften umgeben, iſt wohl nichts, als der Speck, den man in die Falle legen muß, wenn man Mäuſe fan⸗ gen will. Es muß ja freilich etwas da ſein, um die Geldbeiträge der kindiſchen Neugierde zu ſichern. Aber gewiß kannſt du über die Sache nicht ſein, und wie du mit Zweifeln, d. h. mit Sünde hineingetreten biſt, ſo mußt du auch mit Zweifeln, d. h. mit Sünde, darin bleiben. Denn biſt du gewiß, daß man dir Alles offenbart hat? Haſt du alle Grade? Und wenn du ſie haſt, biſt du gewiß, daß die oberſten Häupter nicht noch etwas für ſich behalten? Ich ſehe, du lächelſt mit großer Selbſtzufriedenheit, du biſt vielleicht ein Prophet, oder gar ein Sachem, oder wie ſie ihr Oberhaupt nennen mögen, aber mein lieber Freund, es hat ſchon mancher auf ſeinem hohen Poſten gemeint, daß er der eigentliche Mann ſei, der alle Fäden in ſeiner Hand habe, und alles lenke und leite, wie er eigentlich auch alles durchſchaue und wiſſe, und hat's am Ende doch einſehen müſſen, daß er nichts mehr und nichts weniger als ein Gimpel geweſen, dem man eben Sand in die Augen geſtreut hat: Fürſtenrock, Krone und Scepter ſieht man auf dem Thron, ſelten aber den eigentlichen Fürſten und Regen⸗ ten. Woher weißt du, daß man dir den eigent⸗ lichen Zweck der Geſellſchaft offenbart habe? Wäre es denn ſolch ein unerhört Ding, wenn der nur den eigentlichen Leitern bekannt wäre, von denen man weder viel ſähe noch hörte, die die Einfältigeren der Geſellſchaft äußerlich an die Spitze ſtellten, und ſie mit ganz kindiſcher und harmloſer Geheimnißkrämerei beſchäftigten, wäh⸗ rend ſie als die eigentlicher Leiter das rechte Ge⸗ heimniß für ſich und die rechten Eingeweiheten behielten, und es durch den Haufen ausführen licßen? Schon als rechtlicher Staatsbürger darfſt du kein Glied ſolcher gehemnen Geſellſchaften ſein, viel weniger als ein Chriſt. C. Du hüllſt dich immer mehr für mich in ein myſtiſches Dunkel, und ſprichſt in lauter Rüäthſeln! Was in aller Welt hat denn das Staatsbürgerthum mit den geheimen Geſellſchaf⸗ ten zu thun? P. Nun, ich denke, das wird euch das prak⸗ tiſche Volk von Amerika bald lehren, vielleicht früher, als ihr denkt. Laßt es nur erſt mehr auf⸗ merkſam auf euch werden, es wird euch bald aus⸗ einanderſtieben! Und es iſt mir jetzt ſchon unbe⸗ greiflich, wie ein republicaniſches Volk mit ſeiner Regierung, das mit der größten Eiferſucht über ſeine Inſtitute wachen ſollte, ſolche Geſellſchaften beſtehen läßt, oder wenn es ſie nicht hindern will, nur noch für einen einzigen Menſchen ſtimmen kann, der ein Glied einer geheimen Geſellſchaft iſt. C. Komm! dreh dich einmal um, ich muß doch nachſehen, ob dir der deutſche Polizeizopf noch im Nacken hängt! Menſch! du mußt einen ſchweren Schaden an der Leber haben, daß du Alles ſo ſchwarz anſiehſt! Es iſt mir gerade, als hörte ich chineſiſch reden, ich verſtehe kein Wort davon. P. Und liegt doch Alles auf der flachen Hand, 17¹ daß es ein Kind faſſen könnte. Wie ſollte es mir nur im Traume einfallen, einem Menſchen irgend etwas in meinen Privatgeſchäften anzu⸗ vertrauen, der, Gott weiß wozu, ſeiner Geſellſchaft verbunden iſt; der vielleicht hart verpflichtet iſt, Alles im Intereſſe und zum Vortheil der Geſell⸗ ſchaft zu betreiben, oder der doch ein unbewußtes Werkzeug ſein könnte, das andere, tiefer Einge⸗ weihte, zu ihrem Vortheil, aber zu meinem Scha⸗ den benutzen. Und nun noch ein öffentliches Amt! Glaͤubſt du, daß das Volk dem Spiel lange zuſehen wird? C. Gott ſei Dank, es iſt hier ein freies Land, und ich fürchte nicht, daß ſich die europäiſchen fürſtlichen Inquiſitionen ſo bald hierher verpflan⸗ zen werden; das wäre dech zu abſcheulich, wenn die koſtbare Freiheit hier ſollte ſo zu Grunde gehen. P. Eben weil die Freiheit ſo koſtbar iſt, iſt es die Pflicht eines jeden rechtſchaffenen Bürgers, ſie mit Eiferſucht zu bewaffnen, und alle Gefah⸗ ren, die ihr drohen, auf rechtlichem Wege im Keime zu erſticken. Was für Bürgſchaft haben die treuen Bürger, daß in euren geheimen Ge⸗ ſellſchaften dieſe koſtbare Freiheit nicht heimlich untergraben wird, damit ſie, oder ehrgeizige Män⸗ ner durch ſie, ſich zu Herren machen? C. Paul, trink ein Glas kaltes Waſſer, damit du wacker wirſt! Du träumſt und ſiehſt uns ſchon mit voller Muſik und Regalien nach. dem Capitol ziehen, den Präſidenten abſetzen, den Congreß auseinanderjagen, und einen zweiten Napoleon zum Kaiſer ausrufen. In der That, das iſt zu luſtig. Ich glaube wirklich, du biſt krank! Wie kannſt du vernünftiger Menſch auf ſolche Gedan⸗ ken kommen, die ich nur den allerärmſten Schwach⸗ köpfen zugetraut hätte; um die man ſich eben nicht zu bekümmern braucht. P. Ich habe dir ſchon früher geſagt, daß ich hinter dem ganzen Quark nicht viel Wichtiges vermuthe, noch viel weniger fürchte ich mich vor irgend etwas der Art; denn ich weiß, daß mein HErr und König im Himmel auch hier auf Er⸗ den Alles regiert und leitet. Sollte dies Land ſeine Freiheit verlieren, was Gott in Gnaden ver⸗ hüten möge, ſo wäre dies eine Strafe Gottes für die Sünden des Volks, und darein müßten wir uns mit Geduld ſchicken, ſo ſchwer es Fleiſch und Blut ankommen möchte. Du kannſt es aber keinem vernünftigen Menſchen verargen, wenn er gegen dieſe immer mächtiger werdenden Geſell⸗ ſchaften Mißtrauen hegt, woran ſie ſelbſt Schuld ſind, da ſie ſich gefliſſentlich in Geheimniſſe ein⸗ hüllen, und das Licht ſcheuen.. Denn auch auf die bürgerlichen Verhältniſſe hat der Ausſpruch Chriſti ſeine volle Anwendung: „Wer Arges thut, haſſet das Licht.“ ‚ Aber geſetzt auch, die Geſellſchaften wären für den Augenblick noch ganz harmlos, deſſen du aber durchaus nicht gewiß ſein kannſt, ſo liegt dennoch die Gefahr für die Zukunft kei⸗ neswegs in der Einbildung einiger Schwachköpfe, ſondern in dem Weſen der Geſellſchaften ſelbſt. Sie haben ja leider ſchon ſolch eine fühlbare ſchädliche Macht, daß ein ordentlicher Mann, der die Ruhe ſeines Gewiſſens lieber hat, als das tägliche Brod, und Gewiſſens halber in dieſe Ge⸗ ſellſchaften nicht eintreten kann, ſeine bittere Noth hat, entweder ein Geſchäft anzufangen, oder es fortzuſetzen, wenn er nicht zu dieſen „Brüder⸗ orden“ gehört, weil die „Brüder“ natürlich ein⸗ ander die Kundſchaft zuwenden. Nun weiß Jedermann, wo Macht iſt, die nicht bewacht oder eingeſchränkt werden kann, da liegt der Mißbrauch ſehr nahe. Die Begierde, die Macht auszuüben, und mit Unterdrückung An⸗ derer zu herrſchen, iſt das ſtete Spiel der Welt, vom König bis zum niedrigſten Polizeidiener; wäre da nicht das Mißtrauen des Volks ein ge⸗ gründetes, daß auch die Geſellſchaften dazu möch⸗ ten verſucht werden, wenn ſie erſt zu ſolchem Gipfel der Macht geſtiegen fein werden? Die Maſſen der Geſellſchaften ſind durch alle Staaten hindurch organiſirt; mit dem ſteigenden Einfluß ſteigt natürlich das ſtolze Bewußtſein dieſes Ein⸗ fluſſes und dieſer mächtigen Gewalt, und in dem⸗ ſelben Verhältniß das Gefallen daran. Es be⸗ darf nur eines äußern Anſtoßes, und eines ehr⸗ geizigen, willenskräftigen, gewandten Mannes, und wie leicht iſt eine ſolche Maſſe zur Ausfüh⸗ rung ehrgeiziger Pläne fortgeriſſen. Und wie geſagt, wer bürgt dir dafür, daß du nicht jetzt ſchon ein unbewußtes Werkzeug ſolcher Pläne biſt? Das Mißtrauen hat ſich auch ſchon hie und da in engliſchen ſowohl wie deutſchen Blättern Luft gemacht, und namentlich auf den böſen Einfluß hingewieſen, den dieſer auf die Gerichtsverhand⸗ lungen wenigſtens haben könne. Aber wenn auch nichts daran iſt, ſo ſollte ein guter Staats⸗ bürger Allem und Jeglichem ausweichen, das Mißtrauen und Beſorgniß in den Gemüthern erzeugen könnte. C. Du würdeſt deine Befürchtungen und Beſorgniſſe bald aufgeben, wenn du unter uns wäreſt und ſäheſt, wie fein und ordentlich, brü⸗ derlich, offen und frei Alles unter une verhandelt wird, du würdeſt bald Ein Herz und Eine Seele mit uns ſein. P. Das iſt nun einmal ein Ding der Un⸗ möglichkeit, denn ich habe dir bewieſen, und du haſt mir's bis jetzt nicht widerlegt, daß es gegen Gottes Wort, alſo Sünde iſt, in eine geheime Geſellſchaft einzutreten, weil es nicht aus dem Glauben geht, und noch größere Sünde, darin zu bleiben, weil alle Geheimnißkrämerei gegen das Chriſtenthum iſt. Wie ein guter Staats⸗ bürger an ſolchen Geſellſchaften keinen Antheil nehmen darf, weil es Unrecht iſt, wenn man's vermeiden kann, auch nur Anlaß zu Mißtrauen und Beſorgniß zu geben, das muß dir auch klar geworden ſein. Wie kannſt du als ein Chriſt es nun verantworten, ein Glied derſelben zu ſein, die der HErr JeEſus ſelbſt geradezu als ſolche bezeichnet hat, die das Licht ſcheuen, und vom Lichte geſtraft werden, um nicht noch Aergeres zu ſagen. Haſt du wohl je daran gedocht, welche Aergerniſſe du und alle Chriſten der chriſtlichen Gemeinde geben, wenn ſie ſich ſolchen Geſellſchaf⸗ ten anſchließen? C. Aergerniſſe, nun in That, das wüßte ich