Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 15
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-15, Seite 15
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 4
andem dagegen näherten ſich dem Widerſpiel, in⸗
dem ſie meinten, die Gnade wirke bei der Bekeh⸗
nung unwiderſtehlich. Woher kamen nun dieſe
und andere Streitigkeiten? Nicht aus der rich⸗
tigen Beweisführung aus Gottes Wort, nämlich
aus der gehörigen Zuſammenſtellung ſolcher Be⸗
weisſtellen der heiligen Schrift, die wider beide ent⸗
gegengeſetzte Irrthümer gerichtet ſind; desgleichen
nicht aus den Bekenntniß⸗ und Lehrbüchern der
Kirche auf ähnliche Weiſe, ſondern alſo geſchah
es, daß die Streitenden aus Gottes Wort und
den Symbolen einzelne Stellen, die ihren Irr⸗
thum zu bekräftigen ſchienen, aus dem geſunden
Verbande mit den gegenſeitigen Stellen einſeitig
herausriſſen und auf ihren Irrthum zogen.
Was kann nun aber z. B. ein Meſſer, das
zum Schneiden der Speiſe beſtimmt iſt, dafür,
wenn ein Menſch ſich und andere damit verletzt?
Was hat ein richtig gemachter Mannes⸗Anzug
für Schuld, wenn verkehrte Köpfe darüber kom⸗
men und die Aermel zu Hoſen und umgekehrt
machen?
um aber die letztgenannten und andere ſich ent⸗
gegengeſetzte Irrthümer und Lehrſtreitigkeiten aus
Rden richtig zuſammengeſetzten Worten heiliger
Schrift gründlich zu erledigen, ſo geſchah es, daß
gläubige, kirchlich geſinnte und gründlich gelehrte
Theologen die Eintrachts- oder Concordienformel
abfaßten; und wo obige Irrthümier und Streiter
dieſelbige mit aufrichtigen Herzen annahmen und
ihrer ſcharfſinnigen Beweisführung Gehör ſchenk-
ten, da ward auch in der That die Eintracht wie⸗
derhergeſtellt und die Einheit und Reinheit der
Lehre wieder gewonnen. Wo aber ſtörrige und
hoffärtige Geiſter ſie verwarfen und um ſo heftiger
im Streit entbrannten; wo vielleicht aus frü⸗
herem Irrthum des Verſtandes bei Mangel an
aufrichtiger Geſinnung jetzt böswillige Irrlehre
des Herzens wurde, war da, wie Herr Dr. K.
meint, dann dieſe Eintrachtsformel Schuld daran?
Summa, Herr Dr. K. hat, wie hoffentlich dem
unpartheiiſchen Leſer jetzt zur Genüge dargethan
iſt, nicht eben wie ein Doctor der Gottesgelahrt⸗
heit, ſondern als ein Unkundiger und Schein⸗
macher oder gar als böswilliger Partheimann ge⸗
redet, indem er die ſymboliſchen Bücher und die
angemeſſene Verpflichtung auf ſie und zu ihnen
als die Urſache von allerlei Zerwürfniſſen und
1 Eteitigkeiten angibt.
(Schluß folgt.)
*
(Eingeſandt.)
Stocken der Ruſſiſchen Praſelytenmacherei
unter den Lutheranern in Lievland.
(Siehe: Lutheraner, Jahrg. 3, Seite 18.)
Die in Leipzig herauskommende Zeitſchrift,
„Die Grenzboten“, enthält im 13ten Heft vom
1. April d. J. darüber im Weſentlichen Folgendes:
In dem Rechenſchaftsberichte, den der Miniſter
des Innern, Parowski, im vergangenen Jahre
veröffentlichen ließ, hieß es: „Das bemerkens⸗
wertheſte Ereigniß des verfloſſenen Jahres iſt der
Uebertritt von circa 20,000 lievländiſchen Bauern
von der lutheriſchen zur rechtgläubigen
Kirche.“) Auch der diesjährige Bericht lautet
in ähnlicher Weiſe, jedoch iſt die Zahl der Con⸗
*) So wie die unirte Kirche ſich die evangeliſche,
und die papiſtiſche ſich die allein ſeligmachende,
ſo nennt ſich die griechiſche die rechtgläubige Kirche.
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vertiten (Bekehrten) geringer. Ungefähr der achte
Theil der lievländiſchen Bauern iſt bereits zur
Staats⸗, nämlich zur griechiſchen Kirche über⸗
geführt, die Zahl ſtellt ſich jedoch für die grie⸗
chiſche Kirche noch günſtiger, wenn man dabei in
Anſchlag bringt, daß in den amtlichen Tabellen die
Kinder der Convertiten nicht aufgeführt ſind,
während nach dem allgemeinen Staatsgeſetze die
Abkömmlinge einer jeden Familie, in welcher ent⸗
weder der Vater oder die Mutter der griechiſchen
Kirche angehört, dem Religionsbekenntniſſe der⸗
ſelben folgen müſſen. Bisher hat man dieſes Geſetz
noch nicht in Anwendung gebracht, aber es wird
ſchon kommen. Gegenwärtig ſcheint der Schwin⸗
del, welcher die Bauernſchaft anderthalb Jahre
lang ergriffen hatte und dem Schaͤfſtalle der grie⸗
chiſchen Kirche entgegen trieb, verraucht zu ſein,
man iſt endlich enttäuſcht worden, und es ſind in
Folge deſſen ſeit einem halben Jahre faſt gar
keine Uebertritte vorgekommen. Die griechiſchen
Popen ſehen ſich vergeblich nach zu rettenden See⸗
len um und verſchieben die Erlangung der zu
einer Ordenspräſentation erforderlichen Anzahl
auf einen günſtigeren Zeitpunkt, an deſſen Er⸗
ſcheinen ſie gar nicht zweifeln; aber ſo viel iſt
gewiß, für den Augenblick iſt alles ſtill. Nach⸗
dem die Convertiten lange Zeit vergeblich auf die
Erlangung des „Seelenlandes“, das ihnen in
Widerſpruch mit der officiellen Erklärung der
Regierung von den über das ganze Land ver⸗
breiteten Emiſſären und Popen als Lohn ihres
Uebertrittes zur „Religion des Kaiſers“ verſpro⸗
chen worden war, gehofft hatten, wurden ſie denn
doch dieſes erfolgloſen Harrens und der bloßen
Vertröſtungen überdrüſſig und rückten ihren
Bekehrungs⸗Apoſteln ernſtlich mahnend und
drohend zu Leibe. Plötzlich verbreitet ſich das
Gerücht, zunächſt unter der eſthniſchen Bevölke⸗
rung Lievlands, daß das erwartete „Seelenland“,
wie man es ſehr bezeichnend nannte, in Ples ko w
an alle „Leute des Kaiſers“ vertheilt werde. Die
ganze Grenze gerieth in Aufruhr, eine wahnſin⸗
nige Freude über die endliche Belohnung der reli⸗
giöſen Opfer ſchwang ihre zerſtörende Fackel.
Das wenige Eigenthum wird verſchleudert und
von den ruſſiſchen Speculanten um einen Spott⸗
preis in Empfang genommen; das, was nicht
losgeſchlagen werden kann, wird zertrüm mert, vor
allem die Wohnungen, welche dem Herren
gehören, theils angezündet, theils mit ſo ener⸗
giſchem Rachegefühl verwüſtet, daß kein Fenſter,
kein Ofen, keine Thür, kein zerſtörbarer Theil
mehr übrig blieb. Und nun zogen die armen
Bethörten in vielen einzelnen Haufen von 100,
200, 300 Mann aus, um das Seelenland in
Empfang zu nehmen. In Pleskow angelangt,
werden ſie von den Gouvernementsbehörden in
Empfang genommen und erhalten vorerſt kein
Seelenland, wohl aber Mann für Mann Stock⸗
prügel quod satis und auch wohl noch einige
drüber. Pferde, Wagen und andere Habſelig⸗
keiten werden den Auswanderern von der ruſſi⸗
ſchen Polizei zur Deckung der Verpflegungskoſten
u. ſ. w. abgenommen, und ſie ſelbſt in getrennten
Haufen unter ſtarker militäriſcher Begleitung in
ihre lievländiſche Heimath zurückgeſchickt.
Der Jammer war unbeſchreiblich, Hunderte in
Lumpen gehüllter Hungerphyſiognomien, ſieche
Weiber, verſchmachtende Kinder, welche der rohen
Mißhandlung der ruſſiſchen Kalpusniks theils
lautes Winſeln und Heulen, theils aber auch
einen verbiſſenen, rachebrütenden Ingrimm ent⸗
gegenſetzten. Nach abermaliger, maſſenhaft vor⸗
genommener Execution wurden die einzelnen Fa⸗
milien ihren betreffenden Gutsherrn auf Gnade
und Ungnade wieder überliefert, und hiermit
endete der Seelenlands⸗Traum.
Die Folgen dieſer temporären Auswanderung
ſind in mehrfacher Hinſicht nachhaltig und bedeu⸗
tend. Einmal zog ſie eine Mißernte nach ſich,
die ſich bereits in dringender Noth bemerklich
macht; denn da der Aufbruch im Frühjahr ge⸗
ſchah, ſo blieb ein großer Theil des Sommerfeldes
unbeſtellt, zumal da die ausgeplünderten Bauern
bei ihrer Rückkehr wegen Verſchleuderung ihrer
Pferde keine Arbeitskraft mehr beſaßen, um das
Verſäumte nachzuholen. Dann aber hat die
ſchnöde Abfertigung, welche die Convertiten von
ihren neuen „Glaubensbrüdern“ erfuhren, alle
religiöſe Täuſchung verſcheucht und keinen Zwei⸗
fel über die eigentlichen Abſichten der Regierung
mehr übrig gelaſſen. Daher fielen alle erneuerten
Verſprechungen auf unfruchtbaren Boden, und
alle Luſt zum Uebertritte iſt ſeitdem verſchwunden.
(Eingeſandt.)
Lutherthum in Naſſau.
Wahrſcheinlich entſinnen ſich noch einzelne Leſer
dieſes Blattes, daß in der erſten Hälfte des dritten
Jahrgangs der Uebertritt der in dem ganz unirten
Herzogthum Naſſau gelegenen Gemeinde Steeden
zur Lutheriſchen Kirche, und die deshalb in Aus⸗
ſicht ſtehende Vertreibung des Paſtors jener Ge⸗
meinde, Herrn Brunn's, gemeldet wurde. Lange
verlautete hier zu Lande nichts von dem ferneren
Verlauf dieſer Sache und mancherlei Befürch⸗
tungen gewannen Raum. Neulich jedoch wird
in einem Privatſchreiben mitgetheilt, daß Herrn
Paſtor Brunn's Vertreibung wirklich ſtattgehabt,
die Gemeinde Steeden jedoch, während er in be⸗
nachbarten Ländern und beſonders bei den preu⸗
ßiſchen Glaubens⸗ und Amtsbrüdern ſich aufhielt,
ſeine Familie verſorgt hat und bei dem Ausbruch
der politiſchen Wirren beabſichtigte, ihren früheren
treuen Seelſorger zur Rückkehr und ferneren Ver⸗
waltung des heiligen Amtes in ihrer Mitte zu
erſuchen, ſo daß er ihr jetzt wahrſcheinlich ſchon
wieder das Wort vom Kreuze predigt. Auch
außerhalb dieſer Gemeinde haben ſich in Folge
dieſer Vorgänge Viele veranlaßt gefunden, die
ſymboliſchen Bücher der lutheriſchen Kirche näher
zu prüfen und Manche, beſonders auch Schul⸗
lehrer jenes Landes, danken jetzt dem HErrn, daß
Er ſie auf entſchieden Lutheriſchen Standpunkt
geführt hat. A. S.
Wer Chriſtum vor leeren Bänken mit Demuth
und Freudigkeit predigt, der ſteht auf einer ſehr
hohen Stufe im Reiche Gottes; während Der⸗
jenige, um den viele Tauſend zuſammenſtrömen,
wenn ſich dabei, wie's wohl geſchieht, etwas
Menſchliches in ihm regt, in Gottes Augen viel
niedriger ſteht. Theremin.
*
(Eingeſandt von P. Fick.)
Oregon.
Wir entnehmen dem „Missionary Herald“
die folgenden Mittheilungen über Oregon und die
Ermordung des Herrn Dr. Whitman, die in
dieſen Blättern bereits kurz erwähnt wurde.
Einleitungsbemerkungen.
Die Leſer des Herald“ ſind bereits von dem
Unglücke benachrichtigt, welches die Miſſion unter.
den Oregon⸗Indianern betroffen hat. Eine von
den Stationen iſt zerſtört und die dort beſchäftig⸗
ten Arbeiter ſind ermordet von dem Stamme,
welchen ſie von der Entartung und den Laſtern
des Heidenthums zu retten ſuchten.
Bis auf die neueſte Zeit gab es in Oregon nur
drei Stationen unter der Leitung der Geſellſchaft.
Nämlich die American Board of Commissio-
ners for Foreign Missions. Dieſe waren Wai⸗
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