Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 16
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-15, Seite 16
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German transcription machine transcription, uncorrected
ilatpu, Clear Water und Tſchimakain. Letztes
Jahr jedoch wurde die Station der Methodiſten zu
Dalles unſern Brüdern übertragen. Dr. Whit⸗
man hatte früher die Aufſicht über Waiilatpu;
Herr Spalding arbeitete unter den Nez Perces zu
Clear Water; und die Herren Cells und Walker
wohnten unter den Flat Heads in Tſchimakain.
Die Station in Dalles beſorgte Herr Hinmann,
dem ein Neffe des Dr. Whitman als Gehülfe zur
Seite ſtand.
Ueber die Urſachen jenes beklagenswerthen Er—
eigniſſes, welches ſo unerwartet die Ausſichten der
Miſſion verdunkelt hat, ſagt Herr Spalding, wie
man ſehen wird, nichts Gewiſſes. Die Angaben,
welche in den Zeitungen erſchienen, ſind gewiß
theilweiſe richtig; aber es iſt ſehr fraglich, ob die
ganze Wahrheit berichtet iſt. So werden die an⸗
geführten Bekenntniſſe des Herrn Rogers, welche
Dr. Whitman und Herrn Spalding in eine Ver⸗
ſchwörung gegen die Indianer verwickeln, in kei⸗
nem an das Miſſionshaus gelangten Briefe er⸗
wähnt. Der Leſer wird nicht verfehlen, ſich den
Theil der folgenden Mittheilung zu merken, welcher
das Zuſammentreffen des Herrn Spalding mit
einem Römiſch-katholiſchen Prieſter beſchreidt. Es
erſcheint in der That ganz außerordentlich, daß
unter ſolchen Umſtänden den Kindern der Mörder
die Taufe ertheilt wurde. Und dieſer Vorfall ge—
winnt eine erhöhte Wichtigkeit, wenn wir beden—
ken die unabläſſigen Anſtrengungen der Römer,
ihren Einfluß über die Indianer von Oregon aus⸗
zudehnen. Innerhalb weniger Monate hat eine
bedeutende Verſtärkung von Prieſtern und Nonnen
jenes entfernte Gebiet betreten; in mehreren Punk⸗
ten ſind Miſſionen errichtet, nicht weit von Waii—
latpu und Clear Water.
Obſchon wir keinen Grund haben, zu vermu—
then, daß die Römiſchen einen unmittelbaren An⸗
theil an der Ermordung von Hrn. und Frau Whit⸗
man haben, ſo iſt es doch möglich, daß ſie etwas
geſagt und gethan haben, welches eine unvorherge⸗
ſehene und unabſichtliche Verbindung mit dieſem
traurigen Ereigniſſe hat. Wie man ſagt, äußerte
Dr. Whitman ſeine Furcht, daß ihre Maßregeln
ihm Schaden bringen würden; beſonders als die
Krankheiten (Maſern und Ruhr), die von den
Einwanderern aus den Ver. Staaten mitgebracht
waren und den Indianern ſich im letzten Herbſt
ſo verderblich zeigten, von den Prieſtern für ein
Gericht erklärt wurden, welches Gott über die
Amerikaner wegen ihrer Ketzerei und Schlechtigkeit
geſandt habe. Einige von den Kaynſe-Häupt⸗
lingen weigerten ſich um dieſe Zeit, länger ſeinen
Unterricht zu hören. Indeß muß eine weitere
Erörterung über dieſen Gegenſtand noch ſo lange
verſchoben werden, bis genauere Nachrichten ein⸗
gegangen ſind. ....
Die Ermordung des Dr. Whitman und An⸗
derer berichtet Herr Spalding in einem Briefe
vom Sten Januar 1848:
„Ich habe die ſchmerzliche Pflicht, Sie von
einem höchſt beklagenswerthen Ereigniſſe zu be—
nachrichtigen. Ich habe jedoch nur wenig Zeit
zum Schreiben, da der Bote morgen früh von hier
nach den Staaten abgeht. Ich kaun jetzt nur die
ſchreckliche Thatſache angeben, indem ich künftiger
Mittheilung die Einzelnheiten überlaſſe. Unſer
theurer Bruder und Schweſter Whitman ſind
von den Indianern ermordet, und mit ihnen zwölf
andere Perſonen, nämlich Herr Rogers, der ſich
ſeit zwei Jahren auf das Predigtamt vorbereitete,
in der Abſicht, ſich unſrer Miſſion zu widmen;
John und Francis Sagar, die beiden älteſten
Knaben der Waiſen-Kinder; Herr Kimble von
Indiana, Saunders, Hall, Marsh, Hoffmann
von Elmira, New York, Gillan, Roung, Sails
und Bulee, von der letzten Einwanderung, welche
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auf der Station zu überwintern geblieben waren.
Die drei erſten haben zahlreiche Familien hinter⸗
laſſen.
Das Blutbad fand den 29. November 1847
ſtatt. Herr Smith und ſeine Familie waren in
der Sägemühle, 20 Meilen davon; eben ſo Herr
Young, ſeine Frau und ſeine drei Söhne. Am
folgenden Tage kam Herr Roung nach der Station
wegen Lebensmittel und wurde getödtet. Nach
den übrigen wurde neun Tage nach der ſchreck—
lichen That geſchickt, und ihnen wurde das Leben
geſchenkt, damit ſie die Aufſicht über die Mehl⸗
Mühle führen möchten. Weiber und Kinder
aber, achtundvierzig an der Zahl (einſchließlich
meine älteſte Tochter, welche zu der Zeit auf der
Station war), wurden von den Mördern zu
Sclaven gemacht und auf das Grauſamſte und
Roheſte behandelt.
Acht Tage nach dem erſten Morde wurden die
Herren Sails und Bulee, zwei junge Männer,
welche krank lagen, aus ihren Betten geriſſen,
geſchlachtet und auf das gräßlichſte in Stücken
geſchnitten, in Gegenwart der Frauen und Kinder,
ihre todten Körper lagen 48 Stunden lang nahe
der Thür in Schmutz und Blut; die Gefangenen,
unter ihnen war eine Schweſter Bulee's, waren
genöthigt über dieſelben zu ſchreiten, und Holz
und Waſſer zu holen. Niemand wurde geſtattet,
dieſelben zu waſchen und zu begraben, bis zwei
Nez Perces kamen.
Dr. Whitman war gerade von dem Begräbniſſe
eines Indianiſchen Kindes zurückgekehrt und mit
Leſen beſchäftigt. Um ſeine Aufmerkſamkeit ab⸗
zulenken, ſtellte ſich ein Indianer, als ob er ihn
um Medizin bitten wollte, während ein anderer
hinter ihn trat und ihn mit einem Tomahawk auf
den Hintertheil ſeines Kopfes ſchlug. Ein zweiter
Schlag auf den Scheiiel ſtreckte ihn leblos zu
Boden. Da warf ſich Tilaukait, einer der erſten
Häuptlinge, welcher unzählige Liebesbeweiſe vom
Doctor erhalten hatte und gerade in die Kirche
aufgenommen werden ſollie, auf den Körper und
zerfetzte ihn fürchterlich, indem er Kopf und Ge⸗
ſicht zerſchnitt, das Herz heraus riß u. ſ. w. und
in den Koth ſtreute. Andere Körper wurden eben
ſo grauſam behandelt; die kleinen gefangenen
Mädchen wurden gezwungen, oft über dieſelben
zu ſchreiten, um ſie zu quälen. Sie lagen 48
Stunden (vom Montage bis zum Mittwochen)
auf dem Hofe umher. Niemandem war erlaubt,
dieſelben aufzunehmen und zu begraben. Selbſt
den betrübten Wittwen wurde nicht geſtattet,
hinauszugehen und die letzten Augenblicke ibrer
ſterbenden Männer zu verſüßen, von denen einige
ſich lange im Todeskampfe quälten.
Frau Whitman floh hinauf, wo ſie durch das
Fenſter eine Wunde in die Bruſt empfing. Hr.
Rogers folgte ihr; ſie wurden jedoch überredet,
herunter zu kommen, da die Indianer verſpra⸗
chen, ſie nicht zu tödten. Dennoch wurden ſie
ſofort zur Thür geſchleppt und erſchoſſen. Frau
Whiman ſtarb ſogleich. Hr. Rogers litt noch
lange Zeit. Hr. Osborn, welcher krank war und
ſich mit ſeiner kranken Familie unter dem Fußbo⸗
den verbarg, hörte ihn, als er in Schmutze und
Blute lag, häufig ſagen: „HErr IEſus, komm
bald“, bis ihm die Stimme verging. Hr. Hall
floh von den Indianern, erreichte Walla Walla,
ſetzte über den Columbia und nahm ſeinen Weg
nach dieſem Platze; aber er iſt noch nicht ange—
kommen; und Indianiſche Nachrichten ſagen, er
ſei getödtet.
Hr. Canfield floh, nachdem er verwundet war,
verſteckte ſich in einem obern Zimmer bis zum
Dunkelwerden, dann floh er vier Meilen weit, und
verbarg ſich in den Büſchen während des Diens⸗
*
tages. Am Tage hörte er mehrere Gewehre, und
da an jenem Tage meine Rückkehr von Utilla er- .
wartet wurde, ſo hielt er es für ausgemacht, daß
ich gefallen wäre. Bei Nacht nahm er die Rich⸗
tung nach meiner Station; und, obſchon fremd,
erreichte er ſie dennoch durch Gottes Hülfe am
Sonnabend und brachte die ſchrecklichen Nach⸗
richten, indem er ſagte, ich ſei wahrſcheinlich ge⸗)
tödtet und meine Tochter ſei natürlich unter den
Gefangenen. Frau Spalding ſandte ſofort einen 4
Indianer aus, um, wo möglich, Eliza zu retten.
Hr. Osborn und ſeine kranke Familie flohen in
jener Nacht etwa drei Meilen und verbargen ſich
in den Büſchen. Am folgenden Tage reiſ'ten ſie
ungefähr fünf Meilen, als Frau Osborn zurück⸗
blieb. Hr. Osborn nahm ein Kind, indem er
ſein Weib mit zwei Kindern zurückließ, erreichte
Walla Walla, wo er Pferde und einen befreun⸗
deten Indianer fand, und nach langem Wandern
und Suchen erreichten ſie das Fort Freilag
Nachts; während der ganzen Zeit hatten Frau;
Osborn und die Kinder Nichts zu eſſen. Hr.
Stanley, ein Maler, war auf der Rückkehr von
Shimakaie nach Waiilatpu; als er aber zwei
Meilen von der blutigen Seene entfernt war, er⸗
fuhr er von einem kleinen Mädchen, daß an je⸗
nem Platze alle todt ſeien. Er entkam nach Walla
Walla.
ein Zeuge jener ſchrecklichen Begebenheit war,
reiſ'te am Freitage'ab und errreichte Clear Wa—
ter am Sonntage und brachte die Nachricht, daß
ich den Indianern entgangen ſei und die Richtung
nach Willamette genommen habe. Indeſſen ent⸗
fernte meine glückliche Ankunft, welche mit Gottes!
Hülfe Montag Nachts Statt fand, die ſchreckliche
Ungewißheit aus der Seele der Fr. Spalding.
(Schluß folgt.)
Anzeige.
Den Predigern des St. Louis⸗Conferenz⸗3
diſtricts der deutſch evangeliſch-lutheriſchen Sy⸗
node von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten dient
hiermit zur Nachricht, daß unſre diesjährige Con⸗
ferenz von dem 13ten bis 16ten des kommenden
Monats October in Neumelle, St. Charles Co.,“
Mo., (13 Meilen vom Miſſouri und 45 Meilen
von St. Louis) gehalten werden ſoll.
G. H. Löber.
2——
Anzeige.
Die im vorigen Jahrgange des Lutheranek
enthaltenen „Geſpräche zwiſchen zwei Lu⸗
theranern über den Methodismus“ ſind
beſonders — in Pamphletform — abgedruckt und
im Ganzen und Einzelnen zu 5 Cts. für 2 Stück
zu haben bei F. W. Barthel.
Erhalten
zur Synodal-Miſſions-Caſſe:
51.00 von Hrn. Kerkhof. 25 Cts. von Hrn. Schneller,
51.00 von Hru. Hermann. 51.473 von verſchiedenen Ge⸗
meindegliedern in St. Louis.
Bezahlt.
Die 2. Hälfte des 3. Jahrg. Hr. Rösner.
Die 1. Hälfte des 4. Jahrg. Die HH. Nicol. Koch,
Rösner.
Den 4. Jahrg. Die HH. Chr. Bende, Ellerbuſch, Ernſt
Janſen, P. Löber (für Roth), Mich. Thomas.
Die 1. Hälfte des 5. Jahrg. Die HH. Phil. Bücher,
Nicol. Koch.
Den 5. Jahrg. Hr. P. Löber (2 Ex.), Heinr. Bier⸗
mann.
Gedruckt bei Arthur Olshauſen,
Herausgeber des Anzeiger des Weſtens.
Ein Nez Perce, welcher anweſend und
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