Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 5, Nummer 2 › Seite 170

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1848-09-15, Seite 170

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Loge · Loge 4 · Loge 6

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keit um die blanken Thaler, weiter wißt ihr nichts,
doch davon vielleicht nachher! Du meinſt, ich ſolle
mich aufnehmen laſſen, und du habeſt Recht daran
gethan, einzutreten, um ſelbſt darüber ein Urtheil
fällen zu können. Wie? wenn dein Eintritt ſchon
Sünde, und eine Verleugnung deines Glaubens
geweſen wäre?

C. Mein Eintritt eine Sünde, und eine Ver—
leugnung meines Glaubens? In der That, du
ſprichſt in Räthſeln!

P. Das glaube ich gern, denn du haſt dir
die Sache noch nie ernſtlich angeſehen, und darü—
ber nachgedacht. Ich ſage natürlich: für dich
war es Sünde, einzutreten, denn du biſt ein
Chriſt. Ueberhaupt, verſtehe mich recht: Ueber
die geheimen Geſellſchaften, als welt—
liche, urtheile ich nicht, auch nicht über den Ein—
tritt derer, die nicht Chriſten ſind, denn was
gehen mich die an, die draußen ſind (1 Cor. 5,
12. 13.), die wird Gott richten; aber über
das, was unter uns, als Chriſten, ge—
ſchieht, darüber ſteht uns allerdings ein Urtheil
zu, und da ſage ich nochmals, dein Eintritt war
Sünde!

C. Wie ſo denn? Bitte, erkläre mir doch das
deutlich.

P. Gern! und es iſt ſehr einfach. Wußteſt
du, ehe du eintrateſt, was die Geſellſchaft ſei?
was für Grundſätze ſie habe, welche Zwecke ſie
verfolge?

C. Natürlich nicht, ſonſt wäre es ja eben keine
geheime Geſellſchaft.

P. Gut. Du wußteſt alſo nicht, ob es eine
Gott wohlgefällige, erlaubte, oder eine gottwidrige,
unerlaubte Geſellſchaft war; ihre Grundſätze,
Glaube, Bekenntniß und Zwecke konnten ebenſo—
wohl widerchriſtlich, als chriſtlich ſein, darüber
mußteſt du in Zweifel ſtehn, und konnteſt nicht
mit völliger Glaubensgewißheit deinen Schritt
thun. Der Apoſtel ſagt aber klar und deutlich,
wer über etwas zweifelt, und thuts doch, der iſt
verdammt, denn es geht nicht aus dem Glauben.
Was aber nicht aus dem Glauben geht, das iſt
Sünde! (Röm. 14. 23.9

C. Es ſteht auch geſchrieben: Richtet nicht,
ſo werdet ihr nicht gerichtet, verdammet nicht, ſo
werdet ihr nicht verdammet! Wer biſt du, der du
einen fremden Knecht richteſt? (Röm. 14, 4.)

P. Mein lieber Carl, werde nicht böſe! ſieh
doch, ich richte und verdamme dich nicht,
ſondern weil ich dich wahrhaftig liebe, wie du
weißt, ſo zeige ich dir dein Gericht, und
deine Verdammniß, damit du ihm enngeheſt, und
dich retteſt. Gottes Wort richtet und ver⸗
dammet deinen Schritt, nicht ich. Biſt
du ein Chriſt der That, und nicht blos dem Na—
men nach, ſo mußt du Gottes Wort folgen, und
dein Thun und Treiben darnach einrichten, und
nicht nach deinen eigenen, ſogenannten „guten

Meinungen“, denn es iſt nicht genug, daß du ſa⸗

geſt, ich habe es nicht böſe gemeint. Gott hat
uns ſein Wort gegeben, als ein Licht auf unſerm
Wege, damit wir eben nicht unſerm verfinſterten
Herzen folgen ſollten. Aber das iſt der Greuel
bei den heutigen „Gläubigen und Frommen“,

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daß ſie ſo leichtfertig mit dem Wort umgehen,
und nur das herausnehmen, was ihnen eben zu—
ſagt, und ihnen eine falſche Ruhe giebt, ſonſt nach
ihren eigenen „guten Meinungen“ gehen, als
gäbe es keinen „Betrug der Sünde“ mehr für ſie.
Denn wahrlich, hätteſt du Gottes Wort gefragt,
du hätteſt über dieſe „Geheimen Geſellſchaften“
nicht lange zweifelhaft ſein können; denn darin
ſind ſie verboten, eben weil ſie geheim ſind.
Aber ſelbſt das, was offenbar iſt, iſt gegen das
Chriſtenthum, und muß einen jeden Chriſten
abſchrecken, einzutreten.

C. Ich muß geſtehen, ich habe Gottes Wort
bei meinem Eintritt nicht zu Rathe gezogen; ich
dachte, es könne ja nicht ſchaden, ich könnte ja
immer wieder austreten, und nun, da ich wirklich
nichts Unchriſtliches, ſondern im Gegentheil ſo viel
Gutes und Chriſtliches darin ſehe, wüßte ich nicht,
warum ich ſie verlaſſen ſollte.

P. Biſt du deiner Sache ſo gewiß? Der
HErr ſagt Joh. 3, 20.: Wer Arges thut, der haſ—
ſet das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf
daß ſeine Werke nicht geſtraft werden, wer aber
die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß
ſeine Werke offenbar werden, denn ſie ſind in Gott
gethan. Haben nun die „geheimen Geſellſchaf—
ten“ etwas Gutes im Sinn, warum ſind ſie ge—
heim? Die Welt mag dergleichen Geſellſchaf—
ten bilden, aber was hat ein Chriſt damit zu
thun? Was hat das Licht für Gemeinſchaft mit
der Finſterniß? Ihr aber, ſagt der HErr, meine
Jünger nemlich, ſeid das Licht der Welt!
Es mag die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht
verborgen ſein. Man zündet auch kein Licht an,
und ſetzt es unter einen Scheffel, ſondern auf
einen Leuchter, ſo leuchtet es denen allen, die im
Hauſe ſind.

C. Nur weiter im Text! „Alſo laſſet euer
Licht leuchten, daß ſie eure guten Werke ſehen,
und Euren Vater im Himmel preiſen! Und
wahrlich, die Werke dieſer geheimen Geſellſchaf—
ten ſcheinen hell genug in die Welt hinein, und
zeugen, daß nicht Finſterniß, ſondern Licht bei
uns iſt.

P. Ja wahrlich, da haſt du recht! In allen
Zeitungen, auf euren Fahnen, in euren Feſtreden,
allenthalben poſaunt ihr ſie aus, und ſchmückt ſie
aufs Schönſte, trotz dem beſten Phariſäer Matth.
6, 1. und 2. Aber ein Wagen, der viel Geraſſel
macht, wenn er über's Pflaſter fährt, zeugt von
ſich ſelbſt, daß nichts darauf iſt, und ein leeres
Faß giebt einen hellen Ton. Die Phariſäer ſchie—
nen auch ſchön vor den Leuten, und riſſen dem
Volk die Augen und das Maul auf mit ihren
Almoſen und ſonſtigen Werken, und waren doch
in den Augen des gerechten Richters nichts als
übertünchte Gräber voll Moder und Todtengebein.
Matth. 23, 27. Ich bleibe bei dem Ausſpruch
meines HErrn: Kommt ans Licht! —

C. Nun, das klingt mir wunderlich aus dem
Munde eines Gläubigen! Iſt doch das ganze
Chriſtenthum durchweg Ein Geheimniß, und
kommt mir's doch oft unwillkürlich in den Sinn,
als ſeien unſere Pfarrer die rechten Geheimniß—
krämer.

P. Mein lieber Carl! Als ich dieſe Antwort,
auf gröbere Weiſe freilich ausgedrückt, in einigen
unſerer ſo trefflichen deutſchen Blätter fand, da
wunderte ich mich nicht, denn was verſtehet der
Eſel vom Lautenſchlagen, aber daß du ſo ſprichſt,
betrübt mich. Siehſt du nicht den Unterſchied?
Wo tritt die Kirche irgendwie auf eine geheimniß—
volle Weiſe auf? Der HErr ſagt Matth. 10,
27.: Was ich euch ſage in Finſterniß, das redet
im Licht, und was ihr höret in das Ohr, das pre⸗
digt auf den Dächern, und hat damit von vorn⸗
herein in Seiner Kirche aller Geheimnißkrämerei
den Stempel des Unchriſtlichen und Ungöttlichen
aufgedrückt. Der heilige Paulus rühmte, daß er
ſeinen Gemeinden nichts vorenthalten, ſondem
ihnen den ganzen Plan Gottes offenbart habe.
Unſere Prediger lehren laut und öffentlich auf der
Kanzel, in der Chriſtenlehre, im Confirmanden⸗
unterricht, in den Häuſern; wir haben Nichts,
was wir irgend einem Menſchen vorenthalten;
wir haben keine geheimen Zwecke, keine geheime
Zeichen, keine geheime Verſammlungen! Alles
wird frei und öffentlich gelehrt; jedem iſt der Zu—
tritt offen, ja man bringts in Büchern und
mündlichen Geſprächen auch denen ins Haus, die
nicht von ſelbſt kommen, damit Niemand ſich ent⸗
ſchuldigen könne, er habe es nicht gehört. Es iſt
ja in alle Lande ausgegangen des Evangeliums
Schall, und in alle Welt ſeine Worte! Röm. 10,
18. Ja die Schrift verflucht den Prediger, der
nicht friſch, frank und frei das Wort Gottes ver⸗
kündigt. Wohl lehrt die Kirche Geheimniſſe,
d. h. ſolche Dinge, die kein menſchlicher Verſtand
hat erſinnen können, ſondern die uns von Gott
haben müſſen offenbaret werden, und auch von
Ihm offenbart ſind, ja ſie ſelbſt iſt ein
Geheimniß denen, die keine von Gott er—
leuchtete Sinne haben, aber ſie iſt nicht ge—
heim und handelt nicht heimlich, und
hält nichts geheim, ſondern ſie iſt ftei
offenbar, eine Stadt, die auf dem Berge liegt,
und ihre Wächter laut poſaunen und trommeten
läßt, damit alle einfältige Seelen, die dem zu—
künftigen Zorn entrinnen wollen, dahin fliehen,
und ſich bergen können; ihr aber bildet eine ge—
heime Geſellſchaft, von der man nicht wiſſen
kann, ob ſie mit dem Teufel oder mit Gott im
Bunde ſteht.

C. Nun, du wirſt doch nicht glauben, daß wir
etwas Böſes im Sinne haben! Was ſind denn
unſere Geheimniſſe? Wir haben natürlich- ge—
heime Einweihungs-Ceremonien, auch nur uns
bekannte Zeichen, damit ein Bruder den andern
erkennen, und z. B. kein Unwürdiger uns betrü⸗
gen, und auf Unterſtützung Anſpruch machen
kann, die nur dem Brüder gebührt. Das iſt
Alles! Du trauſt mir doch ſo viel zu, daß ich
keine Minute in einer Geſellſchaft bleiben könnte,
die irgend einen unerlaubten Zweck im Auge
hätte.

P. Dnu ſprichſt gerade, als wüßteſt du nichts
von dem Betrug der Sünde, Cbr. 3, 13. Träte
die Sünde immer in ihrer wahren Geſtalt auf,
ſo würde der Chriſt dafür ſicher ſein. Ich glaube
nun zwar ſelbſt nicht, daß hinter dem ganzen

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