# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S170 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) keit um die blanken Thaler, weiter wißt ihr nichts, doch davon vielleicht nachher! Du meinſt, ich ſolle mich aufnehmen laſſen, und du habeſt Recht daran gethan, einzutreten, um ſelbſt darüber ein Urtheil fällen zu können. Wie? wenn dein Eintritt ſchon Sünde, und eine Verleugnung deines Glaubens geweſen wäre? C. Mein Eintritt eine Sünde, und eine Ver— leugnung meines Glaubens? In der That, du ſprichſt in Räthſeln! P. Das glaube ich gern, denn du haſt dir die Sache noch nie ernſtlich angeſehen, und darü— ber nachgedacht. Ich ſage natürlich: für dich war es Sünde, einzutreten, denn du biſt ein Chriſt. Ueberhaupt, verſtehe mich recht: Ueber die geheimen Geſellſchaften, als welt— liche, urtheile ich nicht, auch nicht über den Ein— tritt derer, die nicht Chriſten ſind, denn was gehen mich die an, die draußen ſind (1 Cor. 5, 12. 13.), die wird Gott richten; aber über das, was unter uns, als Chriſten, ge— ſchieht, darüber ſteht uns allerdings ein Urtheil zu, und da ſage ich nochmals, dein Eintritt war Sünde! C. Wie ſo denn? Bitte, erkläre mir doch das deutlich. P. Gern! und es iſt ſehr einfach. Wußteſt du, ehe du eintrateſt, was die Geſellſchaft ſei? was für Grundſätze ſie habe, welche Zwecke ſie verfolge? C. Natürlich nicht, ſonſt wäre es ja eben keine geheime Geſellſchaft. P. Gut. Du wußteſt alſo nicht, ob es eine Gott wohlgefällige, erlaubte, oder eine gottwidrige, unerlaubte Geſellſchaft war; ihre Grundſätze, Glaube, Bekenntniß und Zwecke konnten ebenſo— wohl widerchriſtlich, als chriſtlich ſein, darüber mußteſt du in Zweifel ſtehn, und konnteſt nicht mit völliger Glaubensgewißheit deinen Schritt thun. Der Apoſtel ſagt aber klar und deutlich, wer über etwas zweifelt, und thuts doch, der iſt verdammt, denn es geht nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben geht, das iſt Sünde! (Röm. 14. 23.9 C. Es ſteht auch geſchrieben: Richtet nicht, ſo werdet ihr nicht gerichtet, verdammet nicht, ſo werdet ihr nicht verdammet! Wer biſt du, der du einen fremden Knecht richteſt? (Röm. 14, 4.) P. Mein lieber Carl, werde nicht böſe! ſieh doch, ich richte und verdamme dich nicht, ſondern weil ich dich wahrhaftig liebe, wie du weißt, ſo zeige ich dir dein Gericht, und deine Verdammniß, damit du ihm enngeheſt, und dich retteſt. Gottes Wort richtet und ver⸗ dammet deinen Schritt, nicht ich. Biſt du ein Chriſt der That, und nicht blos dem Na— men nach, ſo mußt du Gottes Wort folgen, und dein Thun und Treiben darnach einrichten, und nicht nach deinen eigenen, ſogenannten „guten Meinungen“, denn es iſt nicht genug, daß du ſa⸗ geſt, ich habe es nicht böſe gemeint. Gott hat uns ſein Wort gegeben, als ein Licht auf unſerm Wege, damit wir eben nicht unſerm verfinſterten Herzen folgen ſollten. Aber das iſt der Greuel bei den heutigen „Gläubigen und Frommen“, 17⁰ daß ſie ſo leichtfertig mit dem Wort umgehen, und nur das herausnehmen, was ihnen eben zu— ſagt, und ihnen eine falſche Ruhe giebt, ſonſt nach ihren eigenen „guten Meinungen“ gehen, als gäbe es keinen „Betrug der Sünde“ mehr für ſie. Denn wahrlich, hätteſt du Gottes Wort gefragt, du hätteſt über dieſe „Geheimen Geſellſchaften“ nicht lange zweifelhaft ſein können; denn darin ſind ſie verboten, eben weil ſie geheim ſind. Aber ſelbſt das, was offenbar iſt, iſt gegen das Chriſtenthum, und muß einen jeden Chriſten abſchrecken, einzutreten. C. Ich muß geſtehen, ich habe Gottes Wort bei meinem Eintritt nicht zu Rathe gezogen; ich dachte, es könne ja nicht ſchaden, ich könnte ja immer wieder austreten, und nun, da ich wirklich nichts Unchriſtliches, ſondern im Gegentheil ſo viel Gutes und Chriſtliches darin ſehe, wüßte ich nicht, warum ich ſie verlaſſen ſollte. P. Biſt du deiner Sache ſo gewiß? Der HErr ſagt Joh. 3, 20.: Wer Arges thut, der haſ— ſet das Licht, und kommt nicht an das Licht, auf daß ſeine Werke nicht geſtraft werden, wer aber die Wahrheit thut, der kommt an das Licht, daß ſeine Werke offenbar werden, denn ſie ſind in Gott gethan. Haben nun die „geheimen Geſellſchaf— ten“ etwas Gutes im Sinn, warum ſind ſie ge— heim? Die Welt mag dergleichen Geſellſchaf— ten bilden, aber was hat ein Chriſt damit zu thun? Was hat das Licht für Gemeinſchaft mit der Finſterniß? Ihr aber, ſagt der HErr, meine Jünger nemlich, ſeid das Licht der Welt! Es mag die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen ſein. Man zündet auch kein Licht an, und ſetzt es unter einen Scheffel, ſondern auf einen Leuchter, ſo leuchtet es denen allen, die im Hauſe ſind. C. Nur weiter im Text! „Alſo laſſet euer Licht leuchten, daß ſie eure guten Werke ſehen, und Euren Vater im Himmel preiſen! Und wahrlich, die Werke dieſer geheimen Geſellſchaf— ten ſcheinen hell genug in die Welt hinein, und zeugen, daß nicht Finſterniß, ſondern Licht bei uns iſt. P. Ja wahrlich, da haſt du recht! In allen Zeitungen, auf euren Fahnen, in euren Feſtreden, allenthalben poſaunt ihr ſie aus, und ſchmückt ſie aufs Schönſte, trotz dem beſten Phariſäer Matth. 6, 1. und 2. Aber ein Wagen, der viel Geraſſel macht, wenn er über's Pflaſter fährt, zeugt von ſich ſelbſt, daß nichts darauf iſt, und ein leeres Faß giebt einen hellen Ton. Die Phariſäer ſchie— nen auch ſchön vor den Leuten, und riſſen dem Volk die Augen und das Maul auf mit ihren Almoſen und ſonſtigen Werken, und waren doch in den Augen des gerechten Richters nichts als übertünchte Gräber voll Moder und Todtengebein. Matth. 23, 27. Ich bleibe bei dem Ausſpruch meines HErrn: Kommt ans Licht! — C. Nun, das klingt mir wunderlich aus dem Munde eines Gläubigen! Iſt doch das ganze Chriſtenthum durchweg Ein Geheimniß, und kommt mir's doch oft unwillkürlich in den Sinn, als ſeien unſere Pfarrer die rechten Geheimniß— krämer. P. Mein lieber Carl! Als ich dieſe Antwort, auf gröbere Weiſe freilich ausgedrückt, in einigen unſerer ſo trefflichen deutſchen Blätter fand, da wunderte ich mich nicht, denn was verſtehet der Eſel vom Lautenſchlagen, aber daß du ſo ſprichſt, betrübt mich. Siehſt du nicht den Unterſchied? Wo tritt die Kirche irgendwie auf eine geheimniß— volle Weiſe auf? Der HErr ſagt Matth. 10, 27.: Was ich euch ſage in Finſterniß, das redet im Licht, und was ihr höret in das Ohr, das pre⸗ digt auf den Dächern, und hat damit von vorn⸗ herein in Seiner Kirche aller Geheimnißkrämerei den Stempel des Unchriſtlichen und Ungöttlichen aufgedrückt. Der heilige Paulus rühmte, daß er ſeinen Gemeinden nichts vorenthalten, ſondem ihnen den ganzen Plan Gottes offenbart habe. Unſere Prediger lehren laut und öffentlich auf der Kanzel, in der Chriſtenlehre, im Confirmanden⸗ unterricht, in den Häuſern; wir haben Nichts, was wir irgend einem Menſchen vorenthalten; wir haben keine geheimen Zwecke, keine geheime Zeichen, keine geheime Verſammlungen! Alles wird frei und öffentlich gelehrt; jedem iſt der Zu— tritt offen, ja man bringts in Büchern und mündlichen Geſprächen auch denen ins Haus, die nicht von ſelbſt kommen, damit Niemand ſich ent⸗ ſchuldigen könne, er habe es nicht gehört. Es iſt ja in alle Lande ausgegangen des Evangeliums Schall, und in alle Welt ſeine Worte! Röm. 10, 18. Ja die Schrift verflucht den Prediger, der nicht friſch, frank und frei das Wort Gottes ver⸗ kündigt. Wohl lehrt die Kirche Geheimniſſe, d. h. ſolche Dinge, die kein menſchlicher Verſtand hat erſinnen können, ſondern die uns von Gott haben müſſen offenbaret werden, und auch von Ihm offenbart ſind, ja ſie ſelbſt iſt ein Geheimniß denen, die keine von Gott er— leuchtete Sinne haben, aber ſie iſt nicht ge— heim und handelt nicht heimlich, und hält nichts geheim, ſondern ſie iſt ftei offenbar, eine Stadt, die auf dem Berge liegt, und ihre Wächter laut poſaunen und trommeten läßt, damit alle einfältige Seelen, die dem zu— künftigen Zorn entrinnen wollen, dahin fliehen, und ſich bergen können; ihr aber bildet eine ge— heime Geſellſchaft, von der man nicht wiſſen kann, ob ſie mit dem Teufel oder mit Gott im Bunde ſteht. C. Nun, du wirſt doch nicht glauben, daß wir etwas Böſes im Sinne haben! Was ſind denn unſere Geheimniſſe? Wir haben natürlich- ge— heime Einweihungs-Ceremonien, auch nur uns bekannte Zeichen, damit ein Bruder den andern erkennen, und z. B. kein Unwürdiger uns betrü⸗ gen, und auf Unterſtützung Anſpruch machen kann, die nur dem Brüder gebührt. Das iſt Alles! Du trauſt mir doch ſo viel zu, daß ich keine Minute in einer Geſellſchaft bleiben könnte, die irgend einen unerlaubten Zweck im Auge hätte. P. Dnu ſprichſt gerade, als wüßteſt du nichts von dem Betrug der Sünde, Cbr. 3, 13. Träte die Sünde immer in ihrer wahren Geſtalt auf, ſo würde der Chriſt dafür ſicher ſein. Ich glaube nun zwar ſelbſt nicht, daß hinter dem ganzen