# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1848 09 15_S15 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) andem dagegen näherten ſich dem Widerſpiel, in⸗ dem ſie meinten, die Gnade wirke bei der Bekeh⸗ nung unwiderſtehlich. Woher kamen nun dieſe und andere Streitigkeiten? Nicht aus der rich⸗ tigen Beweisführung aus Gottes Wort, nämlich aus der gehörigen Zuſammenſtellung ſolcher Be⸗ weisſtellen der heiligen Schrift, die wider beide ent⸗ gegengeſetzte Irrthümer gerichtet ſind; desgleichen nicht aus den Bekenntniß⸗ und Lehrbüchern der Kirche auf ähnliche Weiſe, ſondern alſo geſchah es, daß die Streitenden aus Gottes Wort und den Symbolen einzelne Stellen, die ihren Irr⸗ thum zu bekräftigen ſchienen, aus dem geſunden Verbande mit den gegenſeitigen Stellen einſeitig herausriſſen und auf ihren Irrthum zogen. Was kann nun aber z. B. ein Meſſer, das zum Schneiden der Speiſe beſtimmt iſt, dafür, wenn ein Menſch ſich und andere damit verletzt? Was hat ein richtig gemachter Mannes⸗Anzug für Schuld, wenn verkehrte Köpfe darüber kom⸗ men und die Aermel zu Hoſen und umgekehrt machen? um aber die letztgenannten und andere ſich ent⸗ gegengeſetzte Irrthümer und Lehrſtreitigkeiten aus Rden richtig zuſammengeſetzten Worten heiliger Schrift gründlich zu erledigen, ſo geſchah es, daß gläubige, kirchlich geſinnte und gründlich gelehrte Theologen die Eintrachts- oder Concordienformel abfaßten; und wo obige Irrthümier und Streiter dieſelbige mit aufrichtigen Herzen annahmen und ihrer ſcharfſinnigen Beweisführung Gehör ſchenk- ten, da ward auch in der That die Eintracht wie⸗ derhergeſtellt und die Einheit und Reinheit der Lehre wieder gewonnen. Wo aber ſtörrige und hoffärtige Geiſter ſie verwarfen und um ſo heftiger im Streit entbrannten; wo vielleicht aus frü⸗ herem Irrthum des Verſtandes bei Mangel an aufrichtiger Geſinnung jetzt böswillige Irrlehre des Herzens wurde, war da, wie Herr Dr. K. meint, dann dieſe Eintrachtsformel Schuld daran? Summa, Herr Dr. K. hat, wie hoffentlich dem unpartheiiſchen Leſer jetzt zur Genüge dargethan iſt, nicht eben wie ein Doctor der Gottesgelahrt⸗ heit, ſondern als ein Unkundiger und Schein⸗ macher oder gar als böswilliger Partheimann ge⸗ redet, indem er die ſymboliſchen Bücher und die angemeſſene Verpflichtung auf ſie und zu ihnen als die Urſache von allerlei Zerwürfniſſen und 1 Eteitigkeiten angibt. (Schluß folgt.) * (Eingeſandt.) Stocken der Ruſſiſchen Praſelytenmacherei unter den Lutheranern in Lievland. (Siehe: Lutheraner, Jahrg. 3, Seite 18.) Die in Leipzig herauskommende Zeitſchrift, „Die Grenzboten“, enthält im 13ten Heft vom 1. April d. J. darüber im Weſentlichen Folgendes: In dem Rechenſchaftsberichte, den der Miniſter des Innern, Parowski, im vergangenen Jahre veröffentlichen ließ, hieß es: „Das bemerkens⸗ wertheſte Ereigniß des verfloſſenen Jahres iſt der Uebertritt von circa 20,000 lievländiſchen Bauern von der lutheriſchen zur rechtgläubigen Kirche.“) Auch der diesjährige Bericht lautet in ähnlicher Weiſe, jedoch iſt die Zahl der Con⸗ *) So wie die unirte Kirche ſich die evangeliſche, und die papiſtiſche ſich die allein ſeligmachende, ſo nennt ſich die griechiſche die rechtgläubige Kirche. 1⁵ vertiten (Bekehrten) geringer. Ungefähr der achte Theil der lievländiſchen Bauern iſt bereits zur Staats⸗, nämlich zur griechiſchen Kirche über⸗ geführt, die Zahl ſtellt ſich jedoch für die grie⸗ chiſche Kirche noch günſtiger, wenn man dabei in Anſchlag bringt, daß in den amtlichen Tabellen die Kinder der Convertiten nicht aufgeführt ſind, während nach dem allgemeinen Staatsgeſetze die Abkömmlinge einer jeden Familie, in welcher ent⸗ weder der Vater oder die Mutter der griechiſchen Kirche angehört, dem Religionsbekenntniſſe der⸗ ſelben folgen müſſen. Bisher hat man dieſes Geſetz noch nicht in Anwendung gebracht, aber es wird ſchon kommen. Gegenwärtig ſcheint der Schwin⸗ del, welcher die Bauernſchaft anderthalb Jahre lang ergriffen hatte und dem Schaͤfſtalle der grie⸗ chiſchen Kirche entgegen trieb, verraucht zu ſein, man iſt endlich enttäuſcht worden, und es ſind in Folge deſſen ſeit einem halben Jahre faſt gar keine Uebertritte vorgekommen. Die griechiſchen Popen ſehen ſich vergeblich nach zu rettenden See⸗ len um und verſchieben die Erlangung der zu einer Ordenspräſentation erforderlichen Anzahl auf einen günſtigeren Zeitpunkt, an deſſen Er⸗ ſcheinen ſie gar nicht zweifeln; aber ſo viel iſt gewiß, für den Augenblick iſt alles ſtill. Nach⸗ dem die Convertiten lange Zeit vergeblich auf die Erlangung des „Seelenlandes“, das ihnen in Widerſpruch mit der officiellen Erklärung der Regierung von den über das ganze Land ver⸗ breiteten Emiſſären und Popen als Lohn ihres Uebertrittes zur „Religion des Kaiſers“ verſpro⸗ chen worden war, gehofft hatten, wurden ſie denn doch dieſes erfolgloſen Harrens und der bloßen Vertröſtungen überdrüſſig und rückten ihren Bekehrungs⸗Apoſteln ernſtlich mahnend und drohend zu Leibe. Plötzlich verbreitet ſich das Gerücht, zunächſt unter der eſthniſchen Bevölke⸗ rung Lievlands, daß das erwartete „Seelenland“, wie man es ſehr bezeichnend nannte, in Ples ko w an alle „Leute des Kaiſers“ vertheilt werde. Die ganze Grenze gerieth in Aufruhr, eine wahnſin⸗ nige Freude über die endliche Belohnung der reli⸗ giöſen Opfer ſchwang ihre zerſtörende Fackel. Das wenige Eigenthum wird verſchleudert und von den ruſſiſchen Speculanten um einen Spott⸗ preis in Empfang genommen; das, was nicht losgeſchlagen werden kann, wird zertrüm mert, vor allem die Wohnungen, welche dem Herren gehören, theils angezündet, theils mit ſo ener⸗ giſchem Rachegefühl verwüſtet, daß kein Fenſter, kein Ofen, keine Thür, kein zerſtörbarer Theil mehr übrig blieb. Und nun zogen die armen Bethörten in vielen einzelnen Haufen von 100, 200, 300 Mann aus, um das Seelenland in Empfang zu nehmen. In Pleskow angelangt, werden ſie von den Gouvernementsbehörden in Empfang genommen und erhalten vorerſt kein Seelenland, wohl aber Mann für Mann Stock⸗ prügel quod satis und auch wohl noch einige drüber. Pferde, Wagen und andere Habſelig⸗ keiten werden den Auswanderern von der ruſſi⸗ ſchen Polizei zur Deckung der Verpflegungskoſten u. ſ. w. abgenommen, und ſie ſelbſt in getrennten Haufen unter ſtarker militäriſcher Begleitung in ihre lievländiſche Heimath zurückgeſchickt. Der Jammer war unbeſchreiblich, Hunderte in Lumpen gehüllter Hungerphyſiognomien, ſieche Weiber, verſchmachtende Kinder, welche der rohen Mißhandlung der ruſſiſchen Kalpusniks theils lautes Winſeln und Heulen, theils aber auch einen verbiſſenen, rachebrütenden Ingrimm ent⸗ gegenſetzten. Nach abermaliger, maſſenhaft vor⸗ genommener Execution wurden die einzelnen Fa⸗ milien ihren betreffenden Gutsherrn auf Gnade und Ungnade wieder überliefert, und hiermit endete der Seelenlands⸗Traum. Die Folgen dieſer temporären Auswanderung ſind in mehrfacher Hinſicht nachhaltig und bedeu⸗ tend. Einmal zog ſie eine Mißernte nach ſich, die ſich bereits in dringender Noth bemerklich macht; denn da der Aufbruch im Frühjahr ge⸗ ſchah, ſo blieb ein großer Theil des Sommerfeldes unbeſtellt, zumal da die ausgeplünderten Bauern bei ihrer Rückkehr wegen Verſchleuderung ihrer Pferde keine Arbeitskraft mehr beſaßen, um das Verſäumte nachzuholen. Dann aber hat die ſchnöde Abfertigung, welche die Convertiten von ihren neuen „Glaubensbrüdern“ erfuhren, alle religiöſe Täuſchung verſcheucht und keinen Zwei⸗ fel über die eigentlichen Abſichten der Regierung mehr übrig gelaſſen. Daher fielen alle erneuerten Verſprechungen auf unfruchtbaren Boden, und alle Luſt zum Uebertritte iſt ſeitdem verſchwunden. (Eingeſandt.) Lutherthum in Naſſau. Wahrſcheinlich entſinnen ſich noch einzelne Leſer dieſes Blattes, daß in der erſten Hälfte des dritten Jahrgangs der Uebertritt der in dem ganz unirten Herzogthum Naſſau gelegenen Gemeinde Steeden zur Lutheriſchen Kirche, und die deshalb in Aus⸗ ſicht ſtehende Vertreibung des Paſtors jener Ge⸗ meinde, Herrn Brunn's, gemeldet wurde. Lange verlautete hier zu Lande nichts von dem ferneren Verlauf dieſer Sache und mancherlei Befürch⸗ tungen gewannen Raum. Neulich jedoch wird in einem Privatſchreiben mitgetheilt, daß Herrn Paſtor Brunn's Vertreibung wirklich ſtattgehabt, die Gemeinde Steeden jedoch, während er in be⸗ nachbarten Ländern und beſonders bei den preu⸗ ßiſchen Glaubens⸗ und Amtsbrüdern ſich aufhielt, ſeine Familie verſorgt hat und bei dem Ausbruch der politiſchen Wirren beabſichtigte, ihren früheren treuen Seelſorger zur Rückkehr und ferneren Ver⸗ waltung des heiligen Amtes in ihrer Mitte zu erſuchen, ſo daß er ihr jetzt wahrſcheinlich ſchon wieder das Wort vom Kreuze predigt. Auch außerhalb dieſer Gemeinde haben ſich in Folge dieſer Vorgänge Viele veranlaßt gefunden, die ſymboliſchen Bücher der lutheriſchen Kirche näher zu prüfen und Manche, beſonders auch Schul⸗ lehrer jenes Landes, danken jetzt dem HErrn, daß Er ſie auf entſchieden Lutheriſchen Standpunkt geführt hat. A. S. Wer Chriſtum vor leeren Bänken mit Demuth und Freudigkeit predigt, der ſteht auf einer ſehr hohen Stufe im Reiche Gottes; während Der⸗ jenige, um den viele Tauſend zuſammenſtrömen, wenn ſich dabei, wie's wohl geſchieht, etwas Menſchliches in ihm regt, in Gottes Augen viel niedriger ſteht. Theremin. * (Eingeſandt von P. Fick.) Oregon. Wir entnehmen dem „Missionary Herald“ die folgenden Mittheilungen über Oregon und die Ermordung des Herrn Dr. Whitman, die in dieſen Blättern bereits kurz erwähnt wurde. Einleitungsbemerkungen. Die Leſer des Herald“ ſind bereits von dem Unglücke benachrichtigt, welches die Miſſion unter. den Oregon⸗Indianern betroffen hat. Eine von den Stationen iſt zerſtört und die dort beſchäftig⸗ ten Arbeiter ſind ermordet von dem Stamme, welchen ſie von der Entartung und den Laſtern des Heidenthums zu retten ſuchten. Bis auf die neueſte Zeit gab es in Oregon nur drei Stationen unter der Leitung der Geſellſchaft. Nämlich die American Board of Commissio- ners for Foreign Missions. Dieſe waren Wai⸗