Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 135
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 135
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
zufahren habe. Es ſei ihnen (den Shebahyon⸗
kern) Bedürfniß, die Sonne in den See nieder⸗
dauchen zu ſehen, auf ſeinen eiſigen Feldern zu
gehen und zu fahren ꝛc. Sollten ſie das alles
entbehren, ſo würde es ihnen ſehr hart gehen.
Was aber noch ſehr zu bedenken ſei, wäre das,
daß die Methodiſten das ſtille einſame Shebah⸗
honk nicht ſo bedrängten, als das mit Bethanien
der Fall ſei. Sie, die Shebahyonker, hätten
uehr Ruhe und Frieden vor ihren Feinden und
ſiien glücklich, dem Unterrichte ihres rechtgläubi⸗
gen Paſtors ungeſtört folgen zu können. Daſſelbe
michten ſie auch ihren Brüdern zu Bethanien
wünſchen und bäten deshalb dieſelben, zu ihnen
zu kommen.— In Bezug auf die Verſorgung
einer jeden Familie mit einer gewiſſen Ackerzahl
von Land, ſo wären ſie erfreut, daß ſolches in
Ausſicht ſtände, denn der Ackerbau mache ihnen
ie länger, je mehr Freude und ſie wären mit
uns überzeugt, daß ſie ſo allein einen Halt gegen
die Gefahr gewinnen könnten, aus dem Lande
gewieſen zu werden.— Wir hörten dieſen Be⸗
peisführungen gern zu und mußten unſern
Deils geſtehen, daß wir vorläufig gleichfalls zu
Gunſten der gemeinſchaftlichen Anſiedlung in
Shebahyonk geſtimmt wären, daß aber freilich
der andere Theil auch zu hören ſei, ehe man ein
Urtheil fällen könne. Eine auffallende Erſchei⸗
„nung lieferte uns noch einer der jungen Män⸗
ner, der bei der Veſprechung der Frage über das
Bedürfniß von Ehefrauen für die letzteren die
Zuverſicht ausſprach, daß auch wohl deutſche
N,idchen von ihnen gefreit werden könnten. Da
wir nun nicht genau wußten, ob die Landesge⸗
ſetze dem nicht etwa entgegen wären, ſo gaben
vir keinen endlichen Beſcheid in dieſer Sache,
nndern ſagten nur, daß es nicht unſeres Amtes
ſei, die Jungfrauen unſrer deutſchen Gemeinden
u bereden, in ein anderes Volk hinein zu hei⸗
nithen, daß wir vielmehr ſolche Angelegenheiten
un Gewiſſen der Einzelnen überlaſſen müßten.
Schließlich verſprachen die verſammelten India⸗
un, daß Mehrere von ihnen uns im Winter
abholen wollten, um mit uns einen Beſuch in
Fein Council zu halten. Wir nahmen das gern
en, ſchüttelten unſern Freunden die Hände und
4ſagten — Boſchu d. h. Lebewohl. Sie aber
grüßten noch unſre Gemeinden und Familien
und gingen ihrer Fiſcherei nach.
Es blieb uns nur noch übrig, auch die Schule
hin Augenſchein zu nehmen. Es kamen etwa
„ 10 Kinder, erſt etwas ſchüchtern, dann aber zu⸗
4 waulicher auf die Schule zu und legten vor
unſern Ohren einige Proben ihrer Kenntniſſe
ab, Woraus wir ſahen, daß auch an dieſen jungen
Seelen das Cvangelium gewirkt hatte. Beſon⸗
ders gefiel uns die ſchöne Zucht, welche unter
un Kindern herrſchte, und vermöge der ſie den
Alten nach der Schrift Ehrfurcht erwieſen.
Doch die Zeit unſers Bleibens in Shebahyonk
war für das Mal zu Ende, wir beſtiegen daher
uuſre Ponys, die ſich lange genug geruht hatten
6. und ritten gegen Abend am Saume des Waldes
Em Dürflein Sibiwaiing wieder zu. Hier
übernachteten wir in denſelbigen gaſtlichen
Hethanien zu machen und mit den Vrüdern dort
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Räumen, wie auf der Hinreiſe, d. h. in dem
alten Miſſionshauſe, dem erſten, das hier in der
Gegend für die Indianermiſſionare erbaut
wurde und nun ſeit Jahren von ihnen hat ge⸗
räumt werden müſſen. 5 Jahre lang hatte der
Miſſ. Auch und ſein Gehilfe den damals in
Sibiwaiing wohnenden Heiden das Evangelium
treulich gepredigt; aber dieſelben hatten es be⸗
harrlich verſchmäht; daher er denn endlich den
Staub von ſéeinen Füßen ſchütteln und zu ſeiner
jetzigen kleinen Heerde ziehen mußte, die das
Wort Gottes williger aufnahm, als der gottloſe
wilde Häuptling Noktſchikemä und ſeine Bande.
Der Schreiber dieſes kann ein wehmüthiges
Trauern nicht unterdrücken, wenn er bedenkt,
welch ſchreckliches Gericht die Armen ereilen wird ⸗
falls ſie nicht in dieſer Gnadenzeit noch zur
Buße kommen und dem HErrn die Ehre geben,
O daß der HErr ihnen noch ſolche Buße gäbe und
ſie mit uns ſelig würden durch den Glauben!
Lebe wohl, lieber Leſer. So Gott will,
werde ich Dir bald berichten können, zu welchem
Entſchluß die Brüder in Bethanien vom HErrn
gelenkt worden ſind. Bete Du indeß mit mir,
daß des HErru Reich komme.
Frankenluſt
den 2. December 18538.
Ferdinand Sievers,
luth. Paſtor.
Karl Friedrich Wilhelm Katenbuſen,
Superintendent des Herzogthums Lauenburg, erſter geiſtli⸗
cher Aſſeſſor des Königl. Konfiſtorii, Pastor primarius an
der St. Peirikirche, Ephorus der Gelehrtenſchule zu Ratze⸗
burg, Kommandeur des Dannebrogordens u. Dannebrogs⸗
mann.
(Schluß.)
Werfen wir jetzt einen Blick auf ſein Wirken.
Im 24ſten Lebensjahre in's Amt gerufen, mit
Allem, was zum Prediger des Evangeliums be⸗
fähigt, äußerlich und innerlich reich begabt, legte
er mit unerſchrockenem Muthe und jugendlichem
Eifer ſein Bekenntniß von Chriſto ab, welches
als fröhlicher, unerſchütterlicher Glaube in ſei⸗
nem Herzen lebte. Es war noch jene Zeit, wo
auch im Lauenburgiſchen Lande der rationaliſti⸗
ſche Unglaube die meiſten Kanzeln inne hatte
und wo dem aus alter Zeit übrig gebliebenen
Glaubensleben meiſtens die zum Bekennen nö⸗
thige Erkenntniß und Kraft fehlte. Wir finden
ihn zu jener Zeit wie im entſchiedenen muthigen
Kampfe gegen den Rationalismus (Cer betheiligte
ſich auch öffentlich an dem Harmfiſchen Theſen⸗
ſtreite durch eine Druckſchrift: „Zeugniſſe der
lutheriſchen Kirche über Vernunftreligion,“ Kiel.
1820,) ſo im innigen Anſchluſſe an die andern,
damals noch wenig zahlreichen Bekenner des ge⸗
offenbarten Evangeliums in unſerm Lande⸗
Welche nun und wie groß die Früchte ſeiner Ar⸗
beit an den Gemeinden waren, die ihm anver⸗
traut worden ſind, (er ward 1831 als Kloſter⸗
prediger nach Ueterſen und 1834 als Superin⸗
tendent und Haupipaſtor an der St. Petrikirche
nach Ratzeburg berufen,) darüber ſteht ja das
Urtheil menſchlichen Blicken nicht zu; iſt es doch
die Art des Wortes Gottes, daß von ſeinen Die⸗
nern nur Treue veflangt wird, der Erfolg aber
und der Segen ſteht allein in Gottes Macht, iſt
auch in den meiſten Fällen nur Gott allein be⸗
kannt; doch ifl auch äußerlich erkennbar ſeine
Wirkſamkeit eine ſehr bedeutende und erfolgrei⸗
che geweſen. Seine Predigten, von denen auch
eine Anzahl zu verſchiedenen Zeiten gedruckt ſind,
waren im beſten Sinne einfach und populär,
für alle Stände und Lebensalter gleich verſtänd⸗
lich und anziehend, durchweg edel und ſchön in
der Form, herzlich und des Weges zu den Herzen
kundig, weniger durch Maſſe und blendenden
Wechſel mannigfacher Gedanken, als durch viel⸗
ſeitige, eindringliche und geiſtreiche Entfaltung
des Hauptgedankens ausgezeichnet, fern von auf⸗
regender, anſtürmender Leidenſchaftlichkeit, lehr⸗
haft: anregende, aber ruhige, ihrer Sache ge⸗
wiſſe Darlegungen der göttlichen Heilsthaten
und des Reichthums der Schrift, die nicht durch
redneriſche Kunſt, ſondern durch die ſelbſtwir⸗
kende Kraft der Wahrheit überzeugen und See⸗
len gewinnen wollen, immer aber beſeelt und
durchglüht von dem ſtillen, keuſchen Feuer einer
innigen Jeſusliebe und eines mannhaften, un⸗
erſchütterlichen Glaubens, der von den Zeugniſ⸗
ſen Gottes vor der Welt reden muß und ſich des
Evangeliums von Chriſto nicht ſchämt, immer
ſelbſt Zeugniſſe eines Lebens, das die Gnade
Gottes in Chriſto durch eigne Erfahrung ge⸗
ſchmeckt hat und in derſelven ſeines Heils gewiß
iſt, Zeugniſſe eines mit den Tiefen der Schrift
wohlvertrauten, durch ſie genährten in der Kreuz⸗
und Betſchule des Chriſtenlebens geprüften und
geübten Herzens. Ein ähnliches Gepräge tru⸗
gen auch ſeine Katecheſationen und ſein Konfir⸗
mandenunterricht, auf den er nicht allein die
größte Mühe und Sorgfalt, ſondern auch ein
ungewöhnlich großes Maaß von Zeit verwen⸗
dete. Sein Hauptaugenmerk auch hierbei war
die Lehre; es kam ihm vor Allem darauf an
den Katechumenen zum klaren, rechten Verſtänd⸗
niß der Heilswahrheiten zu verhelfen, er wollte
den Kindern vor Allem eine gründliche Erkennt⸗
niß, einen Schatz von Gottes Wort wuigeben,
der nicht mit augenblicklicher Stimnung und
Erregung käme und verſchwände, ſondern im
Gedächtniß und Herzen bewahrt einen Anhalt
im Leben gewähren und Frurcht bringen möchte
zu ſeiner Zeit. Der vorherrſchende Eindruck, den
alle bei ihm Unterrichteten empfangen haben, war
der einer herzgewinnenden Liebe und Milde, ei⸗
ner ſanftmüthigen, Vertrauen erweckenden Weis⸗
heit, welche die kindlichen Gemüther eben ſo ſehr
in der Tiefe zu bewegen und zur Liebe Gottes
zu erwärmeu, als mit dem Ernſte der Gottes⸗
furcht zu erfüllen wußte. Darum ſind auch ſo
Viele, welche mit beſonderer Dankbarkeit an den
bei ihm empfangenen Konfirmationsunterricht
zurückdenken.
Was aber unſerm Catenhuſen vor Allem An⸗
ſpruch auf ein ehrenvolles Andenken giebt auch
bei den Lutheranern außerhalb der Grenzen un⸗
ſres Ländchens, das ſind die Verdienſte, die er
ſich als Generalſuperintendent des Herzogthums
Lauenburg um die evang.⸗lutheriſche Landeskir⸗
che deſſelben erworben hat. Er hat unſer ſchrift⸗
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