Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 136

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 136

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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gemäßes Bekenntniß, das alte Bekenntniß der
evang.⸗lutheriſchen Kirche, wieder auf den Leuch⸗
ter geſtellt, während es vor ihm verdunkelt und
vergeſſen war. Denn ſo weit der Nuhm berech⸗
tigt iſt, den unſre Lauenburger Kirche jetzt ge⸗
nießt, daß ſie nämlich nicht mehr bloß nominell,
ſondern faktiſch wieder eine wirkliche lutheriſche
Kirche geworden ſei, ſo weit iſt er ihm zu ver⸗
danken. Und zwar hat es hierzu nicht eigener
Fündlein und allerlei neuer Mittel bedurft, ſon⸗

dern einfach einer offenen, muthigen und ent⸗

ſchiedenen Rückkehr zur alten Kirchenordnung.
Die alte treffliche Kirchenordnung unſres Lan⸗
des, die Niederſächſiſche vom Jahre 1585, war
zwar nie ausdrücklich als rechtliche Grundlage
unſrer Kirche beſeitigt, aber ſie galt als antiquirt
und hatte bei Behörden, Geiſtlichkeit und Volk
ihre eigentliche Auktorität verloren; die Meiſten
kannten ſie nicht einmal. Zwar äußere Einrich⸗
tungen und Gebräuche erin nerten noch an ihre
Geltung, aber der Hauptpunkt, Aufrechthaltung
des Bekenntniſſes und der reinen Lehre, war zur
Rebenſache geworden, das Konſiſtorium ſelbſt
hatte, wie damals überall die Konſiſtorien, mehr
oder weniger das Bewußtſein verloren, daß es
auf der Kirchenordnung ruhe und eine von welt⸗
lichen Behörden ſpezifiſch verſchiedene geiſtliche
Stellung einnähme. Und das iſt nun das große
bleibende Verdienſt Catenhuſens, daß er zunächſt
dem weltlichen Regimente gegenüber die Kirchen⸗
ordnung wieder zur bewußten faktiſchen Geltung
gebracht, daß er unſrer Kirche und ihrer geiſtli⸗
chen Oberbehoͤrde, dem Konſiſtorium, die Frei⸗
heit und Selbſtſtändigkeit wieder gewonnen hat,
die ihr nach der Kirchenordnung zukommt. Hand
in Hand hiermit ging bei Catenhuſen das Stre⸗
ben, auch nach Innen die Kirchenordnung zur
Geltung zu bringen; unerſchütterlich beſtand er
darauf, daß Alles nach der Kirchenordnung in
Kirchen und Schulen gehalten werden ſolle. Vor
Allem bei Beſetzung der Pfarren und bei Ver⸗
pflichtung der Kirchen⸗ und Schuldiener auf das
Bekenntniß. Darum war auch bei dem theolo⸗
giſchen Examen für ihn immer die Hauptſache
die Reinheit des Bekenntniſſes, das Verſtändniß
der Kirchenlehre zu prüfen, dann erſt das Wiſſen
des Examinanden. Da konnie der ſonſt ſo milde
und weiche Mann hart und eiſern ſein, wenn
Jemand ein Kirchenamt begehrte und doch dem
Glauben der Kirche widerſprach. Doch war es
fern von ihm, ſich zum Gewiſſensrichter und In⸗
quiſitor über den Einzelnen aufzuwerfen: mit
großartigem Vertrauen, allezeit das Beſte hof⸗
fend, hielt er ſich nur an das offene, unmißver⸗
ſtändliche Bekenntniß, das Jemand über ſeinen

Glauben von ſich gab. Sodann in den Kir⸗

chenviſitationen, die nach der Kirchenordnung
bei jeder Kirche alle zwei Jahre gehalten werden
ſollen, wobei manche Mißbräuche abgeſtellt, man⸗
ches Wort der Vermahnung von ihm an die Ge⸗
meinden gerichtet wurde, das Frucht getragen
hat; in den Schulangelegenheiten: die Errich⸗
tung einer eignen Vorbereitungs⸗Anſtalt für
Schullehrer, ſo wie die im Jahre 1845 geſche⸗
hene Gründung einer Lauenburgiſchen Gelehr⸗
ienſchule in Ratzeburg, die auf dem Grunde der

lutheriſchen Kirche ſteht, iſt eigentlich allein Ca⸗
tenhuſens Werk und ſeinem Einfluſſe in Kopen⸗
hagen zu verdanken; in der Wiederbelebung der
Kirchenzucht, von der zwar ein kleiner äußerlicher
Ruf aus alter Zeit erhalten war, mit deren ei⸗
gentlicher Handhabung man aber erſt unter ſei⸗
ner Superintendentur wieder den Anfang mach⸗
te. Denn das iſt wohl zu beachten, ſo entſchie⸗
den und unerſchütterlich er auf das Bekenntniß
der Kirchenordnung hielt, ſo weiſe und vorſich⸗
tig ging er vor in Wiedereinführung der äußern
Einrichtungen und Gebräuche, die in derſelben
vorgeſchrieben ſind. Es war ſeine Ueberzeugung,
daß man namentlich die ganze Strenge der öf⸗
fentlichen Kirchendisciplin den Gemeinden in
jetziger Zeit, wo ſie keineswegs zur Erbauung
und Förderung dienen würde, nicht aufdringen,
ſondern in geduldiger Hoffnung zu Gott warten
müſſe, bis die Gemeinden durch neues Glau⸗
bensleben wieder zum chriſtlichen Mannesalter
gereift wären. Denn nicht aus äußern Mitteln
und Inſtitutionen, ſondern allein aus dem Worte
Gottes erwartete er Heilung unſrer Schäden
und beſſere Zeiten für die Kirche, wenn ſie uns
überhaupt beſchieden ſind. ö
Catenhuſens ſegensreiche Wirkſamkeit für un⸗
ſer Land erwies ſich aber nicht bloß in der Wie—
dergeltendmachung der Kirchenordnung, ſondern
eben ſo ſehr auch in dem großen heilſamen Ein⸗
fluſſe, den ſeine ausgezeichnete Perſönlichkeit auf
Gemeinden und Geiſtlichkeit des Landes gehabt
hat. Er war frei von Herrſchſucht und ſtrebte
nicht nach dem zweideutigen Ruhme, eine Par⸗
thei an ſeinen Namen zu binden; auch iſt es
nie Jemandem eingefallen, ihm dieſen Vorwurf
zu machen; den noch hat ſein muthiges, unmiß⸗
verſtändliches Zeugniß, recht eigentlich ein per⸗
ſönliches Zeugniß, die kräftigſte und deutlichſte
Wirkung in allen Kreiſen gehabt und ſelbſt die
Widerſtrebenden haben ſich derſelben nicht ganz
entziehen können. Während vor ihm hier, wie
anderswo, der lutheriſche Name geächtet war,
ſind jetzt unter den Geiſtlichen nur ganz wenige
Einzelne, die nicht nach dem lutheriſchen Namen
als nach einem Ruhme trachteten. Die ungläu⸗
bigen Elemente, die etwa vorhanden waren, ha⸗
ben unter ſeiner Superintendentur wenigſtens
ſich verkrochen und den Muth zur offenen Leug⸗
nung verloren; die gottlob weitaus überwiegen⸗
den gläubigen dagegen erſtarkten je länger je
mehr an ſeinem Zeugniſſe und reiften aus der
Gläubigkeit zur Kirchlichkeit, aus allgemein chriſt⸗
licher Entſchiedenheit zur konfeſſionellen Erkennt⸗
niß und Entſchiedenheit. Damit ſoll aber die⸗
ſes Alles keineswegs ſeinem Verdienſte allein
zugeſchrieben werden; wir wiſſen es ja, daß wir
es der Barmherzigkeit und den Führungen Got⸗
tes zu danken haben, daß unſer Land jetzt mit
vielen treuen Predigern geſegnet iſt und daß Got⸗
tes Wort reichlich in ihm vorhanden iſt; doch
iſt ohne Zweifel Catenhuſens Zeugniß eines der
wichtigſten Mittel göttlicher Führung geweſen.
Während er ſo ein rechter Vorkämpfer der Geiſt⸗
lichkeit war, erſtreckte ſich die Einwirkung ſeiner
Perſönlichkeit auch auf alle andern Stände und
auf alle Gemeinden des Landes. Wie er alle

Verhältniſſe des Landes auf's Genaueſte kann⸗
te, durch die Kirchenviſitatkionen allen Gemein⸗
den perſönlich bekannt wurde und durch ſein
treues Gedächtniß auch über das Specielle ge⸗
naue Ueberſicht hatte, ſo ſuchten und fanden auch
Alle bei ihm väterlichen Rath und Troſt: ſeine
ſich ſtets gleich bleibende Leutſeligkeit und Freund⸗
lichkeit, die ſich eben ſo ſehr in hohem Ernſte der

Vermahnung, als in liebreichem Zuſpruch er⸗

wies, gewannen ihm Aller Herzen. Insbeſon⸗
dere ſind es außer ſeiner eigenen Gemeinde die
Paſtoren, die Kandidaten, die Studioſen der

Theologie, die Lehrer in Städten und Dörfern,
die in ihm einen rechten Berather hatten, die
trotzdem, daß er täglich von Vielen angelaufen

wurde, allezeit Zugang und williges Gehör bei

ihm fanden, die es nun ſchmerzlich fühlen, daß

ſie einen Vater verloren haben. Denn der her⸗
vorſtechende Zug in ſeinem Charakter war Mil⸗

de, Sanftmuth und Liebe, und was ihm zum
Vorwurf gemacht wird, das geht meiſtens dar⸗

auf hinaus, daß er zu weich und zu milde gewe⸗

ſen, daß er es zu wenig verſtanden, harte und

abſchlägige Antworten auf Bitten und Fragen
geben zu können.
Verkehr mit ihm ſo anziehend und ſegensreich
machte, das war ſeine ungefärbte Liebe u. Treue,

die Vertrauen erwecken mußte, ſeine überaus

große Leutſeligkeit, die ihm die Herzen aller Be⸗

trübten, Armen und namentlich der niederen

Stände gewann, die Ruhe und feſte Zuverſicht,
die über ſein ganzes Weſen ausgebreitet war,
ſeine eben ſo liebliche und ſanfte, als lehrhafte
und gewürzte Redeweiſe, ſeine kindlich heitere

und ſorgloſe Fröhlichkeit, der er ſich, wenn es

Zeit dazu war, überlaſſen konnte, die ihn beſon⸗

ders zum anmuthigen Erzähler und überall gern
geſehenen Geſellſchafter machte. Seinem Leben
Zwar hatten we⸗

entſprach auch ſein Sterben.
der er ſelbſt noch Andere erwartet, daß er ſo bald

heimgefordert werden ſollte, (er ward nur 61 Jah⸗

re alt,) doch hatten die zahlreichen ſchweren, faſt
übermäßigen Obliegenheiten ſeines doppelten
Pfarr⸗ und Superintendentenamts ſchon lange
ſeine ſonſt rüſtige Geſundheit untergraben, und
es gehörte mit zu ſeiner großen Treue und Ge⸗
wiſſenhaftigkeit, daß er ſich auch nicht den klein⸗
ſten Theil ſeiner Amtsgeſchäfte von Andern ab⸗
nehmen laſſen wollte. Dazu hatten die Stür⸗
me der letzten Revolutionsjahre, ſo gerüſtet und
unerſchütterlich ſie ihn auch fanden, doch viel zur
Aufreibung ſeiner Kräfte gethan. In jenen
ſchweren Jahren iſt hauptſächlich durch ſein treues
Bekenntniß unſer Land von der Revolution und

dem äußern Verderben bewahrt worden; „durch

ihn, ſo darf die Leichenpredigt von ihm rülzpen,
hat der Herr damals das Schiff der Kirchesund
des mit ihr verbundenen Staats ſicher hindurch
geleitet durch die Wellen und Klippen. Feſt⸗
haltend wie an dem ganzen Worte Gottes, ſo
auch an dem Worte: Jedermann ſei unterthan
der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat! hielt er
das Wort des Herrn als einen ſchirmenden Schild
über unſer Land.“ Aber es hatte Jahre lange
ſchwere Kämpfe gekoſtet, dem Andrange der Re⸗
volution ſeine Bruſt entgegenzuſtellen und her⸗

Ja, was den perſönlichen

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