# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S135 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) zufahren habe. Es ſei ihnen (den Shebahyon⸗ kern) Bedürfniß, die Sonne in den See nieder⸗ dauchen zu ſehen, auf ſeinen eiſigen Feldern zu gehen und zu fahren ꝛc. Sollten ſie das alles entbehren, ſo würde es ihnen ſehr hart gehen. Was aber noch ſehr zu bedenken ſei, wäre das, daß die Methodiſten das ſtille einſame Shebah⸗ honk nicht ſo bedrängten, als das mit Bethanien der Fall ſei. Sie, die Shebahyonker, hätten uehr Ruhe und Frieden vor ihren Feinden und ſiien glücklich, dem Unterrichte ihres rechtgläubi⸗ gen Paſtors ungeſtört folgen zu können. Daſſelbe michten ſie auch ihren Brüdern zu Bethanien wünſchen und bäten deshalb dieſelben, zu ihnen zu kommen.— In Bezug auf die Verſorgung einer jeden Familie mit einer gewiſſen Ackerzahl von Land, ſo wären ſie erfreut, daß ſolches in Ausſicht ſtände, denn der Ackerbau mache ihnen ie länger, je mehr Freude und ſie wären mit uns überzeugt, daß ſie ſo allein einen Halt gegen die Gefahr gewinnen könnten, aus dem Lande gewieſen zu werden.— Wir hörten dieſen Be⸗ peisführungen gern zu und mußten unſern Deils geſtehen, daß wir vorläufig gleichfalls zu Gunſten der gemeinſchaftlichen Anſiedlung in Shebahyonk geſtimmt wären, daß aber freilich der andere Theil auch zu hören ſei, ehe man ein Urtheil fällen könne. Eine auffallende Erſchei⸗ „nung lieferte uns noch einer der jungen Män⸗ ner, der bei der Veſprechung der Frage über das Bedürfniß von Ehefrauen für die letzteren die Zuverſicht ausſprach, daß auch wohl deutſche N,idchen von ihnen gefreit werden könnten. Da wir nun nicht genau wußten, ob die Landesge⸗ ſetze dem nicht etwa entgegen wären, ſo gaben vir keinen endlichen Beſcheid in dieſer Sache, nndern ſagten nur, daß es nicht unſeres Amtes ſei, die Jungfrauen unſrer deutſchen Gemeinden u bereden, in ein anderes Volk hinein zu hei⸗ nithen, daß wir vielmehr ſolche Angelegenheiten un Gewiſſen der Einzelnen überlaſſen müßten. Schließlich verſprachen die verſammelten India⸗ un, daß Mehrere von ihnen uns im Winter abholen wollten, um mit uns einen Beſuch in Fein Council zu halten. Wir nahmen das gern en, ſchüttelten unſern Freunden die Hände und 4ſagten — Boſchu d. h. Lebewohl. Sie aber grüßten noch unſre Gemeinden und Familien und gingen ihrer Fiſcherei nach. Es blieb uns nur noch übrig, auch die Schule hin Augenſchein zu nehmen. Es kamen etwa „ 10 Kinder, erſt etwas ſchüchtern, dann aber zu⸗ 4 waulicher auf die Schule zu und legten vor unſern Ohren einige Proben ihrer Kenntniſſe ab, Woraus wir ſahen, daß auch an dieſen jungen Seelen das Cvangelium gewirkt hatte. Beſon⸗ ders gefiel uns die ſchöne Zucht, welche unter un Kindern herrſchte, und vermöge der ſie den Alten nach der Schrift Ehrfurcht erwieſen. Doch die Zeit unſers Bleibens in Shebahyonk war für das Mal zu Ende, wir beſtiegen daher uuſre Ponys, die ſich lange genug geruht hatten 6. und ritten gegen Abend am Saume des Waldes Em Dürflein Sibiwaiing wieder zu. Hier übernachteten wir in denſelbigen gaſtlichen Hethanien zu machen und mit den Vrüdern dort — 33— Räumen, wie auf der Hinreiſe, d. h. in dem alten Miſſionshauſe, dem erſten, das hier in der Gegend für die Indianermiſſionare erbaut wurde und nun ſeit Jahren von ihnen hat ge⸗ räumt werden müſſen. 5 Jahre lang hatte der Miſſ. Auch und ſein Gehilfe den damals in Sibiwaiing wohnenden Heiden das Evangelium treulich gepredigt; aber dieſelben hatten es be⸗ harrlich verſchmäht; daher er denn endlich den Staub von ſéeinen Füßen ſchütteln und zu ſeiner jetzigen kleinen Heerde ziehen mußte, die das Wort Gottes williger aufnahm, als der gottloſe wilde Häuptling Noktſchikemä und ſeine Bande. Der Schreiber dieſes kann ein wehmüthiges Trauern nicht unterdrücken, wenn er bedenkt, welch ſchreckliches Gericht die Armen ereilen wird ⸗ falls ſie nicht in dieſer Gnadenzeit noch zur Buße kommen und dem HErrn die Ehre geben, O daß der HErr ihnen noch ſolche Buße gäbe und ſie mit uns ſelig würden durch den Glauben! Lebe wohl, lieber Leſer. So Gott will, werde ich Dir bald berichten können, zu welchem Entſchluß die Brüder in Bethanien vom HErrn gelenkt worden ſind. Bete Du indeß mit mir, daß des HErru Reich komme. Frankenluſt den 2. December 18538. Ferdinand Sievers, luth. Paſtor. Karl Friedrich Wilhelm Katenbuſen, Superintendent des Herzogthums Lauenburg, erſter geiſtli⸗ cher Aſſeſſor des Königl. Konfiſtorii, Pastor primarius an der St. Peirikirche, Ephorus der Gelehrtenſchule zu Ratze⸗ burg, Kommandeur des Dannebrogordens u. Dannebrogs⸗ mann. (Schluß.) Werfen wir jetzt einen Blick auf ſein Wirken. Im 24ſten Lebensjahre in's Amt gerufen, mit Allem, was zum Prediger des Evangeliums be⸗ fähigt, äußerlich und innerlich reich begabt, legte er mit unerſchrockenem Muthe und jugendlichem Eifer ſein Bekenntniß von Chriſto ab, welches als fröhlicher, unerſchütterlicher Glaube in ſei⸗ nem Herzen lebte. Es war noch jene Zeit, wo auch im Lauenburgiſchen Lande der rationaliſti⸗ ſche Unglaube die meiſten Kanzeln inne hatte und wo dem aus alter Zeit übrig gebliebenen Glaubensleben meiſtens die zum Bekennen nö⸗ thige Erkenntniß und Kraft fehlte. Wir finden ihn zu jener Zeit wie im entſchiedenen muthigen Kampfe gegen den Rationalismus (Cer betheiligte ſich auch öffentlich an dem Harmfiſchen Theſen⸗ ſtreite durch eine Druckſchrift: „Zeugniſſe der lutheriſchen Kirche über Vernunftreligion,“ Kiel. 1820,) ſo im innigen Anſchluſſe an die andern, damals noch wenig zahlreichen Bekenner des ge⸗ offenbarten Evangeliums in unſerm Lande⸗ Welche nun und wie groß die Früchte ſeiner Ar⸗ beit an den Gemeinden waren, die ihm anver⸗ traut worden ſind, (er ward 1831 als Kloſter⸗ prediger nach Ueterſen und 1834 als Superin⸗ tendent und Haupipaſtor an der St. Petrikirche nach Ratzeburg berufen,) darüber ſteht ja das Urtheil menſchlichen Blicken nicht zu; iſt es doch die Art des Wortes Gottes, daß von ſeinen Die⸗ nern nur Treue veflangt wird, der Erfolg aber und der Segen ſteht allein in Gottes Macht, iſt auch in den meiſten Fällen nur Gott allein be⸗ kannt; doch ifl auch äußerlich erkennbar ſeine Wirkſamkeit eine ſehr bedeutende und erfolgrei⸗ che geweſen. Seine Predigten, von denen auch eine Anzahl zu verſchiedenen Zeiten gedruckt ſind, waren im beſten Sinne einfach und populär, für alle Stände und Lebensalter gleich verſtänd⸗ lich und anziehend, durchweg edel und ſchön in der Form, herzlich und des Weges zu den Herzen kundig, weniger durch Maſſe und blendenden Wechſel mannigfacher Gedanken, als durch viel⸗ ſeitige, eindringliche und geiſtreiche Entfaltung des Hauptgedankens ausgezeichnet, fern von auf⸗ regender, anſtürmender Leidenſchaftlichkeit, lehr⸗ haft: anregende, aber ruhige, ihrer Sache ge⸗ wiſſe Darlegungen der göttlichen Heilsthaten und des Reichthums der Schrift, die nicht durch redneriſche Kunſt, ſondern durch die ſelbſtwir⸗ kende Kraft der Wahrheit überzeugen und See⸗ len gewinnen wollen, immer aber beſeelt und durchglüht von dem ſtillen, keuſchen Feuer einer innigen Jeſusliebe und eines mannhaften, un⸗ erſchütterlichen Glaubens, der von den Zeugniſ⸗ ſen Gottes vor der Welt reden muß und ſich des Evangeliums von Chriſto nicht ſchämt, immer ſelbſt Zeugniſſe eines Lebens, das die Gnade Gottes in Chriſto durch eigne Erfahrung ge⸗ ſchmeckt hat und in derſelven ſeines Heils gewiß iſt, Zeugniſſe eines mit den Tiefen der Schrift wohlvertrauten, durch ſie genährten in der Kreuz⸗ und Betſchule des Chriſtenlebens geprüften und geübten Herzens. Ein ähnliches Gepräge tru⸗ gen auch ſeine Katecheſationen und ſein Konfir⸗ mandenunterricht, auf den er nicht allein die größte Mühe und Sorgfalt, ſondern auch ein ungewöhnlich großes Maaß von Zeit verwen⸗ dete. Sein Hauptaugenmerk auch hierbei war die Lehre; es kam ihm vor Allem darauf an den Katechumenen zum klaren, rechten Verſtänd⸗ niß der Heilswahrheiten zu verhelfen, er wollte den Kindern vor Allem eine gründliche Erkennt⸗ niß, einen Schatz von Gottes Wort wuigeben, der nicht mit augenblicklicher Stimnung und Erregung käme und verſchwände, ſondern im Gedächtniß und Herzen bewahrt einen Anhalt im Leben gewähren und Frurcht bringen möchte zu ſeiner Zeit. Der vorherrſchende Eindruck, den alle bei ihm Unterrichteten empfangen haben, war der einer herzgewinnenden Liebe und Milde, ei⸗ ner ſanftmüthigen, Vertrauen erweckenden Weis⸗ heit, welche die kindlichen Gemüther eben ſo ſehr in der Tiefe zu bewegen und zur Liebe Gottes zu erwärmeu, als mit dem Ernſte der Gottes⸗ furcht zu erfüllen wußte. Darum ſind auch ſo Viele, welche mit beſonderer Dankbarkeit an den bei ihm empfangenen Konfirmationsunterricht zurückdenken. Was aber unſerm Catenhuſen vor Allem An⸗ ſpruch auf ein ehrenvolles Andenken giebt auch bei den Lutheranern außerhalb der Grenzen un⸗ ſres Ländchens, das ſind die Verdienſte, die er ſich als Generalſuperintendent des Herzogthums Lauenburg um die evang.⸗lutheriſche Landeskir⸗ che deſſelben erworben hat. Er hat unſer ſchrift⸗