Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 133
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 133
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
Wer über die Principien der Lehre von Kir—
che, Amt, Schlüſſelgewalt, Kirchenordnung und
dergleichen zur Klarheit und Glaubensgewißheit
kommen will, der leſe dieſes Buch, welches das
Verdienſt hat, die Schätze der Weißheit und Er⸗
kenntniß, welche in den beſtaubten Schriften un⸗
ſerer Gottesgelehrten Väter ſür ſo Viele vergra⸗
ben liegen, wieder hervorgeſucht und an's Licht
geſtellt zu haben. Zum Schluſſe bemerken wir,
daß das Buch ſehr ſchön und gut von der deut⸗
ſchen rühmlich bekannten Verlagshandlung ge—
druckt worden iſt. Druckfehler finden ſich nur
ſehr wenige.
——.—.———
(Eingeſandt.)
Ein Beſuch in Sbebahyonk, Mich.
unter den rothen Brüdern.
Wenn Ihr lieben Leſer des Lutheraners die
obige Ueberſchrift erblickt, wird es Euch freuen,
etwas Sicheres und Gewiſſes über Eure lieb en
Brüder unter den Indianern zu erfahren; ich
will alſo, ſo viel ich kann, Euch diesmal über die
zu Shebahyonk wohnenden der Wahrheit gemäß
berichten.
Es war am Freitag Morgen den 4. November
dieſes Jahres, nachdem die gewöhnliche Predi-
gerconferenz zu Frankenmuth beſchloſſen worden
war, als vier ihrer Glieder, der Paſtor Clöter,
die Miſſionare Mießler und Röder und der Un⸗
terzeichnete ſammt dem Dollmetſcher Gruet den
heimkehrenden Miſſionar Paſtor Auch nach She—
bahyonk begleiteten, um die Ausführung eines
längſt gefaßten Planes unſrer letzten Synodal⸗—
verſammlung vorzubereiten, die Verſchmelzung
der beiden Miſſionsſtationen Shebahyonk und
Bethanien zu einer einzigen Station betreffend⸗
Schon hatten die ſchönen Frankenmuther Glocken
die Gemeinde zun gewöhnlichen Morgengottes⸗
dienſte eingeladen, als wir alle auf kleinen
Indianer⸗Ponys unſern langen beſchwerlichen
Ritt begannen. Wir wollten heute mit Gottes
„Hilfe Sibiwaiing noch erreichen und ließen des—
halb unſere Roſſe eiligſt die Waldpfade durch—
laufen. Farm an Farm auch die beiden am
Caßfluſſe maleriſch gelegenen Städtchen Tuscola
und Vaſſy verſchwanden vor unſern Blicken und
der Mittag ſah uns 18 Meilen von Frankenmuth
in der Blockſcheure eines engliſchen Farmers
verſammelt. Hier verſorgten wir unſere genüg⸗
ſamen Ponvs mit etwas Stroh und Welſchkorn
und trabten, nachdem wir uns ſelbſt an der
gaſtlichen Tafel unſeres Wirthes erquickt hatten,
bald auf dem ſchmalen Waldpfade, vollends
nach Sibiwaiing, wo wir erſt Abends nach 8
Uhr, von der Dunkelheit und Kälte der Nacht
eurchſchauert eintrafen. Durch neue Nachtruhe
im Hauſe des lieben Herrn Auch ſenior geſtärkt,
gelangten wir am nächſten Tage Vormittags an
unſer Ziel in Shebahyonk und dankten dem
Herrn, daß Er uns auf unſerer weiten Reiſe ſo
gnädiglich behütet hatte.
Da der Paſtor Auch ſeine Einrichtungen ſo
getroffen hatte, daß in der deutſchen Sibiwaiinger
Gemeinde vollſtändige Sonntagsgottesdienſte
nebſt den nöthigen Amtshandlungen zu beſorgen
—131—
waren, ſo wurden die beiden Sonntags⸗Predig⸗
ten für die Indianer ſo vertheilt, daß der Miſſ.
Mießler des Morgens, Miſſ. Röder des Nach⸗
mittags predigen ſollten.
Kaum war es kund geworden, daß wir ein⸗
getroffen ſeien, als von allen Seiten die India⸗
niſchen Brüder mit Weib und Kind herbeieilten
und uns in pleno aufſuchten. Es war ſichtlich
nicht die Neugierde, von der ſie getrieben wur⸗
den, ſondern die große Sehnſucht, diejenigen zu
ſehen und zu grüßen, welche durch Chriſtum mit
ihnen ſo innig verbunden waren. Die ganze
Indianer⸗Gemeinde beſteht nur aus zwei Fa⸗
milienſtämmen, deren Häuptling Meganigiſchick
heißt. Der letztere hat 5 Brüder, von denen
die Mehrzahl verheirathet iſt; auch ſein alter
Vater lebt noch. — Nachdem wir uns eine
Stunde lang mit den Beſuchenden durch den
Dollmetſcher unterhalten hatten, entfernten ſie
ſich gegen Abend und freuten ſich der Zuſage⸗
daß morgen unter ihnen ſollte gepredigt werden.
Als ſie fort waren, mußten wir Einer dem An⸗
dern unſre freudige Verwunderung zu erkennen
geben, daß das Wort Gottes unter dieſem Völk⸗
chen ſo herrliche Früchte getragen hat. Auf den
erſten Blick ſieht man hier, daß ſie durch daſſelbe
ganz umgewandelt ſind. Ein demüthiges, ehr⸗
erbietiges und doch dabei kindlich offenes und
fröhliches Weſen iſt ihnen nun eigenthümlich
und die Freude über den Genuß der Segnungen
des Chriſtenthums leuchtet Allen aus den Augen.
Kein Wort der Bettelei kam über ihre Lippen.
Große Reinlichkeit und Rechtlichkeit that ſich in
ihrem Aeußern kund, ſo daß wir gern unter
ihnen verweilten. Ihre Freimüthigkeit und
Zutraulichkeit erwies ſich auch dadurch, daß ſie
fröhlichen Herzens in jeden ehrbaren Scherz mit
Lachen einſtimmten. ——
Am folgenden Sonntage lud das Glöcklein
auf der Kirche zum Gottesdienſte. Feſtliche
Freude ruhte auf allen Geſichtern, daß der Tag
des HErrn heute mit vollſtändiger Predigt be⸗
gangen werden ſollte. Schon eine Stunde vor
dem Gottesdienſte hatte ſich ein lieber treuer
Indianerbruder, Namens Kegek, eingefunden,
um die Küſterdienſte, z. B. das Einheizen ꝛc.
zu verrichten, wie er auch am Tage zuvor die
Reinigung des Gotteshauſes vollbracht hatte.
Dieſer Mann liefert den klarſten Beweis, daß
auch der Indianer ſich durch die Macht des
Chriſtenthums an eine feſte und gewiſſe Ordnung
des Lebens ſich gern gewöhnen läßt.
Beim Beginn des Gottesdienſtes erſchollen
aus hellen Kehlen die ind ianiſchen Lieder, deſſelben
Inhalts, wie unſre deutſchen Kirchenlieder, aber
freilich in Versmaaße und Melodien einge⸗
zwängt, die der indianiſchen Sprache nicht
anpaſſend ſind. Doch dürfen wir dem HErrn
danken, daß es unſern Miſſionaren im erſten
Nothſtande möglich geworden iſt, durch Ueber⸗
ſetzung den großen Inhalt unſrer Lieder den
Indianern bekannt zu machen, ſo daß ſie in
unſre Sangchöre einſtimmen können. Der Zu⸗
kunft bleibt es überlaſſen, Dichtergeiſter unter
dem Indianiſchen Volke ſelbſt zu erwecken, die
dann in volksthümlichen Liedern und ihnen an⸗
ö
paßlichen Sangweiſen die großen Thaten Gottes
preiſen. — Bei der Predigt des Wortes Gottes,
ſo unvollkommen ſie immer durch das Medium
eines Dollmetſchers wurde, erſchienen die Indi⸗
aner vorzugsweiſe aufmerkſam und ſogen gleich⸗
ſam die Fülle deſſelben ein, wie ein Kind mit
Vegierde und Luſt die Muttermilch einſaugt.
Es war dies um ſo erklärlicher, als die liebe
Gemeinde wegen Mangels eines Dollmetſchers
ſchon lange auf das geringſte Maaß der Gottes⸗
dienſte (Singen von Liedern, Bekenntniß der
Hauptſtücke mit Erklärung von Dr. Luther, Vor⸗
leſung des Wortes Gottes und dem Vortragen
einiger ſtehenden Gebete) beſchränkt geweſen und
daher jetzt nicht wenig erfreut war, durch Hilfe
des Bethanier Dollmetſchers Gruet eine ordent⸗
liche Predigt und reichliche Auslegung der Schrift
zu empfangen. Auch muß dem Herrn Gruel
nachgerühmt werden, daß er ſelbſt ſowohl die
Predigt, als auch jedwelche andre Unterhaltung
mit den Indianern aufs Eifrigſte erßolgt und
Satz für Satz nach beſtem Gewiſſen die Doll⸗
metſchung treulich vollzieht.
Nachdem nun ſo der Sonntag durch zwei⸗
maliges Predigen in öffentlicher Verſammlung
gefeiert worden war, zog es uns gegen Abend
zu einem Gegenbeſuche in die Indianiſchen
Blockhäuſer. Die alten Hütten ſind nämlich
ſämmtlich beſcheidenen Blockhäuschen gewichen,
die reinlich und nett ausgeſtattet auch dem Gaſte
einen Platz darbieten, wo er gern verweilt, da
namentlich ein recht traulicher Feuerplatz in
denſelben anzutreffen war. Was uns nach
näherer Erkundigung dabei am Meiſten freute,
war, daß die Indianer ſelbſt dieſe Häuſer ge⸗
baut und mit den nöthigen Bequemlichkeiten
verſehen hatten. Ein Verſchlag trennte die
Stübchen von den Kammern, und wenn man
durch die Thüre in die Kammer blickte, ſo ward
manBettgeſtelle gewahr, auf denen reinliche wol⸗
lene und baumwollene Decken ausgebreitet
waren. Die Vorräthe ihrer Erndte aus Feld
und Garten waren auf dem Bretterboden ord⸗
nungsmäßig aufbewahrt. DerHErr hatte dieſen
lieben Brüdern zur Erleichterung des Ausbaues
ihrer Häuſer das Glück beſcheert, einen Stoß
von 6000 Fuß Brettern an ihr Land ſchwimmen
zu laſſen, die von irgend einem Schiffe ausge⸗
worfen ſein müſſen, als es etwa in einem Sturme
in Gefahr war. Die Indianer hatten im Jahre
zuvor dieſe Bretter ans Land geholt und nachdem
alle Bemühungen, den rechtmäßigen Eigen⸗
thümer zu ermitteln, fruchtlos geblieben, ſie unter
ſich vertheilt, um ihre Häuſer damit wohnlich
zu machen.— Durch die Hausbeſuche erfreuten
wir die Indianer ſehr, ja der früher erwähnte
Kegek ſagte, er habe mit ſeiner Familit die vorige
ganze Nacht nicht ſchlafen können aus Freude,
daß er uns nun bald bei ſich ſehen werdt. Wir
ſchieden von Allen mit der Erwartung, ſie morgen
früh wieder zum Council verſammelt zu ſehen.
Um nun auf dieſes Council zu kommen, ſo
wurde die betreffende Verſammlung am folgenden
Morgen von Miſſ. P. Auch eröffnet. Derſelbe
erklärte den rothen Brüdern, mit wie freudigem
Danke die verſammelten Paſtoren es mit ihnen
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