Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 132

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 132

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Ztaatsſchule 4

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Eν

Enttäuſchungen neu geboren, gegenwärtig ſich
ihres väterlichen Erbes bewuſter war, als die
Kinder der Wiege. Dieß veranlaßte Hrn. Prof.
Walther zu der Herausgabe des vorliegenden
Werkes, welches erſchien, als: „Eine Sammlung
von Zeugniſſen über dieſe Frage (von Kirche und
Amt) aus den Bekenntnißſchriften der evange⸗
liſch⸗lutheriſchen Kirche und aus den Privat⸗
ſchriften rechtgläubiger Lehrer derſelben.“ Sie
ſind nicht der ſubjective Ausdruck und Abdruck
eines einzelnen Mannes, ſondern von der deut⸗
ſchen evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſ⸗
ſouri, Ohio und anderen Staaten als ein Zeug⸗
niß ihres Glaubens vorgelegt. Walther als das
Organ jener Gemeinſchaft, ſagt daher gleich im
Eingange ſeines Vorwortes: „Wir, die Glieder
der deutſchen evangel.⸗luther. Synode von Miſ⸗
ſouri, Ohio und anderen Staaten, halten uns
davon überzeugt, daß die Lutheraner jetzt über
die wichtigen Lehren von Kirche und Amt und
was damit in unmittelbarem Zuſammenbange
ſteht, zwieſpältig ſind, kommt daher, daß man
von den in den öffentlichen Bekenntniſſen unſe⸗
rer Kirche niedergelegten und in den Privat⸗
ſchriften ihrer rechtgläubigen Lehrer entwickelten
Lehren abſieht und abweicht.“ Einer Entwick⸗
lung als eines bisher Unterlaſſenen, oder einer
Aufhellung als eines ſeither Verborgenen oder
Unbewußten bedürfen jene Fragen nicht erſt in
der Gegenwart. Der Schatz iſt gewonnen und
voll errungen im Kampfe des 16. Jahrhunderts.
Neues will alſo Walther nicht bringen, ſondern
das Alte neu. Allerdings tritt dieſe Schrift zu⸗
gleich und zunächſt als eine Rechtfertigung auf
gegenüber den Verunglimpfungen, welche die
lutheriſche Kirche Amerika's durch Paſtor Grabau
zu Buffalo erfahren (S. VI). Sie iſt aber deſ⸗
ſenungeachtet für uns eine reiche herrliche Gabe,
die unſer evangeliſches Bewußtſein an dem luthe⸗
riſchen Gemeingeiſte von Neuem belebt und ent⸗
zündet, und behandelt hauptſächlich nur die
Differenzquellen der obſchwebenden Fragen, in
der guten und nicht ungegründeten Zuverſicht,
daß etwaige Mißverſtändniße und Dunkelheiten,
welche auf Rechnung des Aphoriſtiſchen zu ſetzen
ſind, bei zuſammenhaͤngsvoller Beleuchtung ſich
gar bald aufhellen werden. Der Charakter eines
feſten und gewiſſen Mannes ſpricht ſich aus in
den Worten: „Nicht die Lehren unſerer Kirche
haben wir nach unſern Verhältniſſen gemodelt,
ſondern dieſe nach der Lehre unſerer Kirche ge⸗
ordnet“ (S. IX), ein Wort, welches als Spiegel
unſern deutſchen Vorkämpfern der verſchiedenen
Heerlager vorzuhalten iſt. Das Buch zerfällt
in zwei Theile, 1. Von der Kirche, und 2. Bom
heiligen Predigtamt oder Pfarramt. Die Form
iſt die derTheſen, denen jedesmal die entſprechen⸗
den Zeugniſſe der Kirchenlehrer beigefügt ſind.
Um den ſtofflichen Inhalt des Werkes zu überſe⸗
hen, wollen wir die einzelnen Theſen hier noch
beifügen.“)

So weit die Theſen. Die Behandlungsweiſe
derſelben iſt eine dem Zwecke, das evangeliſch⸗
apoſtoliſch⸗lutheriſche Bewußtſein wieder zu be⸗

* Wor on für in der Recenſion die Tbeſen 8** Buches
ort für Wort, D. R. d. L.

leben, vollſtändig entſprechende, und verdient

S. 87. Die angeführten Auszüge ſind ſämmtlich

in Summa, daß ich von dieſem Stücke komme,

— 130—

Nachahmung auch in Bezug auf,andere wichtige,
und damit verwandte Materien. Wir können⸗
dem gut ausgeſtatteten Werke nur die allgemein⸗
ſte Verbreitung wünſchen. Ao.

So lautet ferner eine Recenſion in dem:
„Darmſtädter theologiſchen Literaturblatt,
redigirt von Dr. K. Zimmermann:“

„Da in unſeren Tagen die Frage von Kirche
und Amt unter den lutheriſchen Theologen viel⸗
fach verhandelt wird, ſo iſt es gewiß ein zeitge⸗
mäßes und dankenswerthes Unternehmen des
Herrn Profeſſor Walther, daß er dieſes mit gro⸗
ßem Fleiße geſchriebene Sammelwerk verfaßt und
über das Meer herüber geſandt hat. Sein Buch
zerfällt von ſelbſt in zwei Theile, deren erſter von
der Kirche, der andere vom heiligen Predigtamte
oder Pfarramte handelt. Die Einrichtung des
Buches iſt folgende: Es werden zuerſt die un⸗
ten angegebenen Theſen aufgeſtellt, worauf ſo⸗
dann 1) der Beweis aus Gottes Wort folgt,
2) die Zeugniſſe der Kirche in ihren öffentlichen
Bekenntniſſen mitgetheilt werden, und 3) die
Zeugniſſe der Kirche in den Privatſchriften ihrer
Lehrer angegeben ſind. Unter letzteren treten auf
Luther, Melanchthon, Joh. Gerhard, Quenſtedt,
J. G. Baier, Chemnitz, B. Meisner, Balth.
Menzer, Hülſemann, Dannhauer, Pol. Lyſer,
Ludwig Dunte, Heshuſius, F. Balduin, J. B.
Carpzov, Joh. Wigand, M. Flacius, Calov,
Nik. Selneceer, Kromeper, J. Conrad Göbel,
Sal. Deyling und Andere. Auch nimmt der
beleſene Verfaſſer Rückſicht auf die Ausſprüche
der Kirchenväter, hier und da auch auf kirchliche
Lieder und andere Schriften eines öffentlichen
Charakters, z. E. Katechismen der ſpäteren Zeit

aus guten Gründen in deutſcher Uebertragung
mit unten beigefügtem Urtexte gegeben. Die
Zeugniſſe aus Schriften griechiſcher Kirchenväter
ſind meiſtens in lateiniſcher Ueberſetzung in den
Noten gegeben. Die Theſen, mit grober Schrift
gedruckt, ſind folgende: Von der Kirche I. Theſis +)

Daß in dieſem Buche das ſtrengſte Lutherthum
herrſcht, verſteht ſich von ſelbſt. Da heißt es
z. E. Seite 128: „Wer ſeinen Seelſorger weiß,
daß er Zwingliſch lehrt, den ſoll er meiden und
ehe lang das Sacrament entbehren, ehe er's von
ihm empfangen ſollte, ja, auch ehe darüber ſter⸗
ben und Alles darüber leiden.“ — —. „Und

iſt mir's erſchrecklich zu hören, daß in einerlei
Kirchen oder bei einerleiAltar ſollten beider Theil
einerlei Saerament holen und empfahen, und ein
Theil ſollte glauben, es empfahe eitel Brod und
Wein; das andere Theil aber glauben, es em⸗
pfahe den wahren Leib und Blut Chriſti. Und
oft zweifle ich, ob's zu glauben ſei, daß ein Pre⸗
diger oder Seelſorger ſo verſtockt und boshaftig
ſein könnte, und hierzu ſtillſchweigen, und beide
Theile alſo laſſen gehen, ein jegliches in ſeinem
Wahn, daß ſie einerlei Sacrament empfahen, ein
jegliches nach ſeinem Glauben ꝛc. Iſt aber et⸗
wa Einer, der muß ein Herz haben, das da härter

iſt, denn kein Stein, Stahl und Demant, der muß

freilich ein Apoſtel des Zorns ſein, denn Türken

und Juden ſind viel beſſer, die unſer Sacrament

läugnen und frei bekennen; denn damit bleiben

wir unbetrogen von ihnen und fallen in keine

Abgötterei. Aber dieſe Geſellen müßten die rech⸗
ten hohen Erzteufel ſein, die nur eitel Brod und

Wein geben und ließen Nichts halten für den

Leib und Blut Chriſti, und ſo jämmerlich betiö⸗
gen. Das wäre zu heiß und zu zart; da wird

Gott zuſchmeißen in Kurzem. Darum, wer ſolche
Prediger hat oder ſich deß zu ihnen verſichert, der
ſei gewarnt vor ihnen, als vor dem leibhaften

Teufel ſelbſt.“

Aehnliche und noch viel ſtärkere Stellen gegen
dit Zwinglianer finden ſich viele in dem Bucht,
aber es werden ſchon dieſe genügen, um zu zei⸗

gen, wie veſt Luther auf ſeiner Ueberzeugung
hielt, was übrigens ohnedieß Jedem bekannt
iſt. —

Hat ſich indeß ein milderer Sinn und eine
mildere Praxis bei vielen ſelbſt lutheriſchen The⸗
ologen in unſerer Zeit geltend gemacht, ſo ſollte
doch kein evangeliſcher Prediger dieſes lehrreiche

Buch ungeleſen laſſen, das ſchon wegen ſeines

hiſtoriſchen Gehults leſenswerth iſt. Es treibt

in die Schrift, in die Kirchenväter, in die Zeug⸗
niſſe der bedeutendſten Lehrer unſerer Kirche

hinein und zeigt uns mit heiligem Ernſte zu
unſerer Beſchämung, wie vielfach man von den

Lehren der lutheriſchen Kirche in Folge der ſoge⸗

nannten Aufklärung abgewichen iſt. So möchten

wir beſonders der Beachtung empfehlen, was in
Bezug auf die Uebertragung des Predigtamtes

durch die Gemeinde alsInhaberin aller Kirchen⸗
gewalt oder der Schlüſſel gelehrt wird, da unter
uns zumeiſt die Gemeinden bei Beſetzung der
Pfarrſtellen garNichts mehr darein zu reden ha⸗
ben.
zu beherzigen, welcher kirchliche Gebrauch in
mancher lutheriſchen Landeskirche, ſoviel wir

hardt lehrt S. 345:
betrifft, ſo iſt dieſe nicht nöthig kraft eines gött—
lichen Gebots, noch hängt davon das Weſen des
Predigtamtes ab, noch drückt ſie einen gewiſſen
Charakter aüf, wie die Päbſtler träumen (daher
Rufinus im erſten Buche ſeiner Kirchengeſchichte

im 10. Capitel von dem Könige der Iberer

ſchreibt, daß derſelbe, da er noch unbeweibt ge—
weſen, der Apoſtel ſeines Volkes geworden ſei);

indeß jedoch iſt ſie ein nützlicher Gebrauch um

der alten Gewohnheit der Kirche und um herr⸗
licher Erinnerungen willen, die ſie giebt, und

darum keineswegs zu verwerfen, oder ohne

Grund zu unterlaſſen. Man kann nämlich aus
den Geſchichten und den Briefen der Apoſtel und
aus der Kirchengeſchichte erſehen, daß die Apoſtel

ſelbſt und deren nächſte Nachfolger dieſen Brauch
beobachtet haben, daß Ein Vorſteher im Namen

des Presbyteriums die von der Kirche rechtmäßig
erwählten Kirchendiener durch Handauflegung
und öffentliche Gebete ordinirte. Viel weniger

iſt es ſchlechterdings und unbedingt nothwen⸗

+) Hier folgen ebenfalls die Theſen des Buchs vollſtändi
abgedruckt. D. R. d. L. 0 wandig

dig, daß bei der Ordination drei Biſchöfe gegen
wärtig ſeien.“

Ferner iſt die Lehre von der Ordination

wiſſen, ſich gar nicht findet, während z. B. Ger⸗
„Was die Ordination

—

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