Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 127
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 127
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jahresſchluß · Katechismus 3 · Papfttum
N
Ttrauß und vielleicht ſeines damal
igen Anhäng⸗
ers, jenes Vorſtehers, und etwa einem ſchriſt
lichen Zeugniß der Andern von der ungemeinen
Trefflichkeit ihres ehrw. Seelſorgers ſofort Glau⸗
ben ſchenkt und keine Anordnung trifft, die
wahrſcheinlich ſehr widerſprechenden Ausſagen
von Strauß und ſeinem Anhange einer⸗ und uns
beiden anderſeits durch eine ſachverſtändige Com⸗
mitte aus ihrem Mittel an Ortund Stelle
zu unterſuchen. Ich wäre ſehr begierig zu hören,
wie ohne ſolche Unterſuchung, die doch nicht
ſtattgefunden, ja nicht einmal fur nöthig geachtet
wurde, das Ehrw. Miniſterium deß ſo gewiß
werden konnte, daß die ſogen. Gemeinde „auf
ordentlichem Wege gegründet ſei;“ und
dieſer, auf das Glimpflichſte geredet, jedenfalls
übereilte und unberechtigte Schluß, der na⸗
türlich P. Husmann und mich als Lugner oder
Dummkopfe erklärt, beweist
st zur Genuge, wie
gering der Verſtand oder die Gerechtigkeitsliebe
des Ehrw. Miniſteriums in ſolchem Schluß ge⸗
weſen und daß an dem „ernſten Gebet und
1 hen,“ deſſen ſie ſich vor und bei der Unter⸗
uchung rühmen, zu zweifeln ſchwerlich eine Sunde
des Richtgeiſtes iſt; denn hätte dies in der That
und Wahrheit ſtattgefunden, ſo hätte ſie der liebe
Gott doch vor ſolcher leichtfertigen und ungerech⸗
ten Handlungsweiſe bewahrt.
Da aber aus dieſer wohlweiſen — hätt' bald
geſagt, thörichten Entſcheidung unwiderſprechlich
hervorgeht, daß das Ehrw. Miniſterium gar nicht
weiß, welches „der ordentliche Weg“ zur
Gruͤndung einer neuen lutheriſchen Gemeinde in
einer Stadt ſei, wo bereits eine rechtgläubige
Gemeinde beſteht, ſo ſei es erlaubt, auch vielleicht
zu Nutz dieſer und jener Leſer, das Nöthige
hierüber beizubringen.
Der „ordentliche Weg“ nämlich iſt die⸗
fet, der 1,‚ dem Worte Gottes gemäß iſt, 2, zum
firchlichen Gemeinwohle dient; 3, in gütlicher
Uebereinkunft mit der beſtehenden Gemeinde ge⸗
ſchicht; und 4, durch örtliche Verhältniſſe veran⸗
laßt wird.
ad 1., St. Paulus, der doch, als Apoſtel, die
Vollmacht hatte, das Evangelium überall zu
predigen, ſagt dennoch ausdrücklich Röm. 15, 20.
er habe ſich „ſonderlich gefliſſen, das Evangelium
iu predigen, wo Cbriſti Namen nicht bekannt
war, auf daß er nicht auf einem fremden Grund
bauete.“ Wenn alſo ſchon der Apoſtel ſolche
Regel hielt, zu einer Zeit, da auch durch ſeinen
Dienſt die Kirche erſt gepflanzt wurde, wieviel
mehr gilt dieſe Regel in der bereits gepflanzten
und geordneten Kirche, daß, wo bereits der HErr
durch ordentliche Berufung rechtgläubiger Chriſten
(Lutheraner) ſein rechtgläubiges Predigtamt auf⸗
gerichtet hat, Niemand Recht und Macht hat,
an demſelben Orte auch das Predigtamt zu ver⸗
walten und denigemäß in ein fremdes Amt zu
gteifen; und Lutheraner, dem Namen nach, die
ſolchen Jemand dazu veranlaßten, weil ihnen
3. B. die Caͤrimonien oder andere Mitteldinge in
der beſtehenden Gemeinde nicht gefielen, würden
unleugbar wider den Spruch: „Seid fleißig zu
halten die Einigkeit im Geiſte durch das Band
des Friedens“ (Eph. 4, 3.) ſündigen und ſtatt
deſen wider 1. Cor. 1, 12. 3, 4. Spaltungen
aurichten, daß ſich ein Theil der Lutheraner an
dieſen, der andere an jenen Lehrer hinge,
Dadurch aber wird:
ad 2., das kirchliche Gemeinwohl nicht nur
nicht gefördert, ſondern vielmehr gehindert und
wider den Sinn und die Liebe Chriſti ſein geiſtlicher
Leib, die Kirche, nicht gebaut, ſondern zerriſſen;
denn durch ſolchen unordentlichen Weg
werden Haß, Zorn, Zank, Zwietracht, Neid,
Perachtung, Richten, Lugen, Verleumdung,
Hochmuth und andere Werke des Fleiſches kraftig
geſtärkt und das eintrachtige und bekenntniß⸗
tteue Zuſammenwirken äußerlicher und innerlicher
Gaben und Kräfte zur Erhaltung und Ausbrei⸗
tung der Kirche Chriſti gehindert; und wo, wie
.B. hier in und bei Fort Wahyne, die neuen
Pheramten Gemeinden im feindlichen Gegenſatz
11 die bereits vorhandeuen eutſtanden ſind, da
oͤnnen manche Seelen, vornämlich der Anſtifter
und Stimmfuͤhrer, unwiderbringlichen ewigen
Schaden nehmen.—
ad 3 und 4., Wo es aber örtliche Verhältniſſe,
alſo z. B. Ausdehnung einer Stadt, ſchnell zu⸗
nehmende Bevölkerung durch Maſſen lutheri⸗
ſcher Einwanderer, vielleicht aus denſelben Ge⸗
genden des deutſchen Vaterlandes, unmöglich
machen, daß ein Paſtor ſie alle bedienen, eine
Kirche ſie faſſen kann, ſo wäre es freilich am
Schönſten, wenn ſie gleichwohl alle zuſammen
eine Gemeinde bildeten und nur noch eine
Kirche gebaut und ein Hülfsprediger berufen
würde; jedoch wäre es auch zuläſſig, wenn die
neuangekommenen, aber in friedlicher u. freund⸗
licher Uebereinkunft mit der bereits beſtehenden
Gemeinde, in einem andern Stadttheile das
heil. Predigtamt ſonderlich unter ſich aufrichte⸗
ten und eine eigene Gemeinde bilden. Und be⸗
rief dieſelbe eben einen rechtgläubigen, lehrtüch⸗
tigen und unſträflichen Diener, ſo könnte, auch
wenn die neue Gemeinde, in Mitteldingen, als
z. B. in Cärimonien' eine ganz andere Geſtalt
hätte, als die ältere, doch auf Grund deſſelben
kirchlichen Bekenntniſſes, kirchliche Gemeinſchaft
zwiſchen beiden ſtattfinden, nur daß es nöthig
würde, je nach der Lage der beiden Kirchen, das
Stadtgebiet durch beſtimmte Grenzlinien nach
Straßen unter ſich zu theilen, damit nicht Un⸗
ordnung und Verwirrung einreiße.
Dieſes wären denn in der Kürze die leitenden
Grundſätze für die Bildung einer neuen lutheri—
ſchen Gemeinde neben einer alten, und dies iſt
allein „der ordentliche Weg.“—Da aber
es hier in keinem Stücke alſo hergegangen iſt, ſo
kann daraus das Ehrwürdige Miniſterium der
Synode von Ohio, weſilichen Diſtrikis, klar ge⸗
nug erſehen, daß, was ſie den (ordentlichen
Weg“ nennt, es nicht iſt, ſondern der Lunor⸗
dentliche Weg“ des Eigenwillens, des Hoch⸗
muths, des Widerſtrebens gegen die rechte kirch⸗
liche Ordnung und im beſten Falle der Unwiſſen⸗
heit und der ungehörigen Uebertragung bürger⸗
licher Verhältniſſe auf das kirchliche Gebiet.
2., Das zweite Stück dieſer nach mehrtägigen
Wehen, wie es ſcheint, ſo hart geborenen Mini⸗
ſterial⸗Entſcheidung lautet alſo: „daß die Be⸗
ſchildigungen gegen Herrn Strauß, daß er ein
offenbarer und vorſätzlicher Lügner u. ſ. w. *)
ſei, in der Wirklichkeit keinen Grund haben,
dennoch aber Manches in ſeiner Lebenszeit aus
Schwachheit, Unvorſichtigkeit und Uebereilung
begangen, das er herzlich zu berenen ſich ge⸗
drungen fühlt.“
Hier wolle ſich nun der geneigte Leſer jenes
inhaltſchweren, amtlich beglaubigten und beſie⸗
gelten zwiefachen Zeugniſſes des H.Superinten⸗
denten Dr. Wortmann und des Herrn P. Gräber
aus Deutſchland erinnern, das oben auszüglich
mitgetheilt wurde, und darin ſie, nach Pflicht
und Gewiſſen, Strauß als einen muthwilligen
vorſätzlichen Lüguer, ja als einen vom Lügengeiſte
ganz Menſchen bezeugen, der gar
nicht mehr wiſſe, wenn er lüge, und der ſein als
vor Gottes Angeſicht in die Hände des Paſtors
Gräber mündlich gelobtes und ſchriftlich ausge⸗
ſtelltes Verſprechen, hier durchaus keinen Schritt
zu thun, um in den Dienſt der Kirche zu treten,
gleich nach ſeiner Ankunft in Amerika ſo ſchändlich
Und treulos gebrochen hat.
Der Secretair der Synode ſchreibt oben, die ſes
Zeugniß von Deutſchland ſei in der Sitzung des
Miniſteriums von Herrn Profeſſor Lehmann, dem
derzeitigen Präſes, vorgeleſen worden und der⸗
ſelbe ſchrieb mir, wie oben erwähnt, dieſes
Wergan aüſſe „erſt gehörig und reiflich erwogen
werden.
*) Bei dieſem ſeltſamen: u. ſ. w kann man ſich auch
nicht erwehren, ſeine beſonderen Gedanken zu haben, ſei es
über den n Mitn an Verſtand oder ſittlichen Ernſt in dem
Ehrwürdigen Miniſterium, da es ſich zie mlich bagatellartig
ausnimmi.
—
Ich frage nun das Ehrwi Miuiſterium, als
im Angeſichte der ganzen hieſigen lutheriſchen
Kirche? worin hat denn dieſe „gehörige und reif⸗
liche Erwägung“ beſtanden, daß als Ergebniß
davon die Losſprechung des H. Strauß von jenen
ſchweren Beſchuldigungen in dem Spruche er⸗
folgte: „Daß die Beſchuldigungen gegen Herrn
Strauß, daß er ein offenbarer und vorſätzlicher
Lügner ſei, in der Wirklichkeit keinen Grund
haben?“
mden etwa der Herr Präſes, wenn er meiner
Anfrage an Herrn P. Gräber wegen des Strauß
mißtraute, ſelbſt an denſelben geſchrieben und
einen Widerruf von deſſen Zeugniß wider Strauß
an mich empfangen? ö
Antwort: Nein! Denn dann hätte er ſchwer⸗
lich geſäumet, mir eine Abſchrift dieſes Wider⸗
rufs alsbald zukommen zu laſſen, der ſeinen lie⸗
ben Bruder Strauß, wenigſtens in Bezug auf
ſein Verhalten in Deutſchland, möglicherweiſe,
gerechtfertigt, P. Gräber dagegen als einen lüg⸗
neriſchen oder ſchwachſinnigen Menſchen darge⸗
ſtellt hätte.
Oder ſind etwa, mündlich oder ſchriftlich,
glaubhafte und unverwerfliche Augen- und Oh⸗
renzeugen von Deutſchland aus jenen Gemein⸗
den vor dem Ehrw. Miniſterium erſchienen, die
das amtlich beglaubigte und beſiegelte Zeugniß
jener beiden Paſtoren durch ſieghafte Gegen⸗
gründe für Strauß entkräftet haben? Antwort:
Nein! wiewohl ſelbſt in ſolchem Falle jene ur⸗
ſprünglichen Zeugen von Neuem hätten gehört
werden müſſen, wie der natürliche Rechtsverſtand
von ſelber lehrt.
Nun was iſt denn geſchehen, wodurch das
Ehrw. Miniſterium in ſeinem Gewiſſen deß feſt
und gewiß überzeugt wurde, „daß die Beſchuldi⸗
gungen gegen Herrn Strauß, daß er ein offen⸗
barer und vorſätzlicher Lügner ſei, in der Wirk⸗
lichkeit keinen Grund haben?“ —Antwort: Nichts
Rechtskräftiges und Gründliches, denn ange⸗
nommen, jener Vorſteher der damaligen Strauß⸗
ianer hätte ſich heils mündlich theils ſchriftlich,
auch im Namen ſeiner Genoſſen, auf das aller
Entſchiedenſte für Herrn Strauß, als den Aus⸗
bund aller Wahrhaftigkeit, Treue und Zuver⸗
läſſigkeit erklärt, ſo konnte doch unmöglich durch
ſolches Parthei⸗-Zeugniß jenes amtliche Zeugniß
wider Strauß in dem Gewiſſen des Miniſteri⸗
ums aufgehoben werden, da dieſes Letztere zu⸗
dem in ſeinem Gewiſſen keine Gewißheit haben
konnte, daß die Strauß'ſchen Anhänger im—
Recht gegen unſre Gemeinden ſtänden, indem es
leider, gewiſſenloſer Weiſe, keine Unterſuchung
an Ort und Stelle angeordnet hatte.
Was galt alſo —ich frage jeden moraliſch ehr⸗
lichen Menſchen von einigem Rechtsverſtande, er
braucht gar kein Chriſt zu ſein, noch eine ſon⸗
derliche Erleuchtung des Heiligen Geiſtes zu ha⸗
ben — was galt unter ſolchen Umſtänden, nach
Wahrheit und Recht, auch das beſte Zeugniß je⸗
ner Partheileute für ihr damaliges Parthei⸗
haupt, um jenes Zeugniß wider ihn aus
Deutſchland zu Null zu machen? Antwort:
Nichts. ö
Wodurch alſo, nochmals gefragt, wurde
ſchließlich das Ehrw. Miniſterium in ſeinem Ge⸗
wiſſen deß verſichert und unzweifelhaft gewiß,
daß jenes wiefache amtlich beglaubigte und he⸗
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