Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 134
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 134
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
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erkennten, was Gott ſeit wenigen Jahren an wo unſre theuern Brüder fürchten müßten, mit
ihnen durch die Predigt des Evangeliums gethan
habe, wie alle die alten heidniſchen Zuſtände
durch Kraft des heil. Geiſtes überwunden ſeien
und ein liebliches Glaubensleben unter ihnen
angefangen habe. Dabei lenkte er dann auf die
letzten traurigen Monate ein, da er gehindert
geweſen ſei, ſie in den reicheren Verſtand der
Schrift einzuführen, weil er der Hilfe eines
treuen Dollmetſchers habe entbehren müſſen.
Die beiden letzten Dollmetſcher, welche im Dienſte
der hieſigen Miſſion geſtanden, hätten ſich leider
als unredlich und untauglich erwieſen und nach⸗
dem ſie dieſerhalb entlaſſen worden ſeien, habe
kein Erſatz für ſie ausfindig gemacht werden
können. Da ſei es denn hohe Zeit, zu berathen,
wie der erwähnten Noth möge abgeholfen wer⸗
den; es ſei namentlich dies auch der Zweck
weshalb die Abgeordneten der Kirche, zu der wir
alle gehörten, jetzt hier ſeien, zuzuſehen, wie die
Gemeinde in Shebahyonk am Beſten berathen
werden könne.
Darauf nahm der Unterzeichnete das Wort
und ſprach die unmaßgebliche Ueberzeugung der
Synode aus, wonach jetzt der Zeitpunkt gekom⸗
men ſei, daß die beiden indianiſchen Miſſions-
gemeinden Shebahyonk und Bethanien vereinigt
werden dürften. Obwohl die Bewohner einer
jeden ihre Eigenthümlichkeit habe und die Ent⸗
fernung zwiſchen beiden mehr als 100 Meilen
betrage, ſo verbinde ſie doch derſelbe einige Glau⸗
be und wenn derſelbe ſich in beiden durch die
Liebe bethätige, ſo werde auch jede gern bereit
ſein, der andern mitzutheilen, was ſie Gutes
habe, ſie werde gern gemeinſam mit der andern
der Wohlthaten der Gemeinſchaft genießen, ja
um dieſer Gemeinſchaft willen auch freudig ein
Opfer bringen. Es ſei nicht mehr möglich, daß
der Gemeinde zu Shebahyonk die volle Predigt
des Evangeliums anders zu Theil werde, als
wenn ſie ſich mit den Brüdern zu Bethanien zu
einem gemeinſchaftlichen Wohnplatze vereinige.
Auch ſeien die Ausgaben für die Unterhaltung
einer Miſſionsſtation ſo hoch, daß wenn man
ihrer zwei zuſammen legen könne, es heilige
Pflicht ſei, dies ins Werk zu ſetzen, um durch
ſolche Erſparung in den Stand geſetzt zu werden,
auch andern Heiden die Wohlthaten der Predigt
des Wortes vom Kreuze zu Theil werden zu
laſſen. In Bezug auf die äußern Schwierig⸗
keiten, die dabei ſich entgegen ſtellten, habe Gott
ſchon für deren Ueberwindung geſorgt, indem die
Gemeinſchaft der Brüder auf ihrer letzten Ver⸗
ſammlung zu Cleveland beſchloſſen habe, den
rothen Brüdern behilflich zu ſein, daß eine jede
luth. Familie in Shebahyonk und Bethanien
mit etwa 40 Acker Landes ausgeſtattet werde.
Es ſei dieſer Beſchluß um ſo nothwendiger ge⸗
weſen, da es nach des Miſſ. Auchs Ausſage
bekannt ſei, daß die Regierung der Vereinigten
Staaten die Indianer nicht mehr in den orga⸗
niſirten Staaten dulden wolle, ausgenommen
wenn ſie durch Landbeſitz und Ackerbau ein Recht
gewönnen, die Duldung und den Schutz des
betreffenden Staates zu beanſpruchen. Wir
ſähen die Zeit mit ſchnellen Schritten herannahen,
—
den übrigen beſitzloſen Indianern über die Gren⸗
ze des Landes hinausgewieſen zu werden, und
aller jetzt erlangten Wohlthaten verluſtig zu ge⸗
hen, um im Kriege mit ihren Nachbarn oder
durch ſonſtiges Elend der Reiſe, oder eines frem⸗
den Landes aufgerieben zu werden. Das habe
denn unſre Gemeinſchaft zu dem Plane bewogen,
durch Erwerbung von hinreichendem Landbeſitz
für eine jede chriſtliche Familie in Shebahyonk
und Bethanien vorzubeugen, daß Niemand der
Unſern von der Härte der Ausweiſung betroffen
werde.— Die Erwerbung eines größeren Strich
Landes könne am leichteſten an Einem Orte ge⸗
ſchehen und mache alſo das Zuſammenwohnen
der rothen Brüder an Einem Orte höchſt wün⸗
ſchenswerth.— Auch möchten dieſelben nicht
unbeachtet laſſen, daß mehrere ihrer jungen
Männer um Frauen in Verlegenheit ſeien. In
Shebahyonk gäbe es zur Zeit keine Jungfrauen
und wenn die Jünglinge dennoch Frauen ver⸗
langten, ſo müßten ſie in große Verſuchung
gerathen, andersgläubige Weiber aus der
Nähe zu nehmen (etwa aus dem 40 Meilen
entfernten MethodiſtendorfjKawkawling.) Wie
gefährlich das aber für das Beſtehen der ganzen
Gemeinde ſei, das könne Jeder leicht ermeſſen.
In Bathanien dagegen ſei durch die dortigen
aufwachſenden und ſchon erwachſenen Mädchen
dem Bedürfniſſe von Frauen bald abgeholfen.—
Wenn wir nun alles Vorerwähnte zuſammen⸗
nähmen, (ſo ſchloſſen wir) ſo ſcheine es uns
Gottes Wille zu ſein, daß die beiden Indianer⸗
dörfer zuſammen gelegt werden und beide durch
Einigkeit zu einer ſtarken Gemeinde zuſammen⸗
wachſen möchten. Doch werde die Sache einer
weiteren Berathung uuterliegen müſſen, beſon⸗
ders in Bezug auf das „Wie“ der Vereinigung.
Wir möchten daher jetzt die Stimme und den
Rath der rothen Brüder ſelber hören.
Es erhob ſich jetzt der Bruder des Häuptlings
Meganigiſchick (der letztere ſelbſt war ſehr krank
geweſen, und zwar mit anweſend, aber noch
ſchwach) und bekannte ſeine Dankbarkeit gegen
Gott, der dieſes Haus (wir waren in der Kirche)
und die Gemeinde ſo geſegnet habe, daß darinnen
das Evangelium ſeit mehreren Jahren zu ſeinem
und zu ſeiner Brüder Heil gepredigt werde.
So ſchön und hell, wie der heitere Sonnenblick
jetzo in dieſen Ort hineinſcheine und die Herzen
erfreue, ſo heiter und klar ſei es jetzt in ſeinem
Herzen geworden; und das ſei ſeine Freude, um
derer willen er nun ſchon ſeit Jahren dem HErrn
täglich und innig danke. Dieſer Leib und die⸗
ſes Leben ſei vergänglich und der Tod erwarte
uns alle, darum es unzweifelhaft ſei, daß um
des Wortes Gottes willen alles Andre, was ſich
auf dieſes Leben beziehe, zurück zu ſetzen ſei; die
Sorge für die unſterbliche Seele ſei das Aller⸗
wichtigſte im Leben. Ihm ſelbſt ſei es der
theuerſte Wunſch, im Worte Gottes zu verblei⸗
ben; ohne daſſelbe könne er nicht mehr ſein. Die
Elendigkeit der früher en Dollmetſcher hätte er
und ſeine Brüder ſelbſt ſchmerzlich empfunden
und ſie ſähen ein, daß ſie nicht länger ohne die
reichere Auslegung des Wortes Gottes bleiben
dürften. Er ſei bereit, Alles zu thun, damit
dem jetzigen Mangel abgeholfen und ſie mit den
Bethaniern vereinigt würden. Doch wünſche er
die andern Brüder auch reden zu laſſen, was
ihres Herzens Meinung ſei.— Als er ſo in
einer edlen Sprache (beſſer als ichs wieder geben
kann) und vom heiligſten Ernſte in tiefſtem
Herzen ergriffen, geredet, war es erſichtlich, daß
die Verſammlung ſehr bewegt und nicht fähig
war, ſofort die Frage zur Entſcheidung zu brin⸗
gen. Man wünſchte zuvöderſt daheim mit den
Frauen und andern Familiengliedern zu reden
und die Sache mit ihnen gemüͤthlich zu beſpre⸗
chen. Es wurde daher die Verſammlung für
jetzt geſchloſſen und vorgeſchlagen, daß man am
ſelbigen Nachmittage zum zweiten Male zuſam⸗
men kommen wolle. Dieſer Vorſchlag ward
angenommen.
Ehe wir noch unſer Mittagsmahl beendet
hatten, wurden wir gemahnt, zur Verſammlung
zurück zu kehren, da die Indianer wünſchten,
den heute zum Fiſchfang beſonders günſtigen
Tag noch nach beendigter Verſammlung auszu⸗
nutzen. Als wir nun alsbald in ihrer Mitit
erſchienen, ſo war die erſte Frage von Seiten der
Indianer, wann wir denn glaubten, daß die
„Vereinigung geſchehen müſſe. Wir antworteten
daß gerade dieſe Frage von uns gemeinſchaftlich
zu berathen ſei. Nun trat ein Augenblick der
Stille ein; dann theilten die Indianiſchen Brü⸗
der uns Folgendes mit: Bei der Beſprechung
mit ihren Weibern hätten ſie erkannt, daß es
nothwendig ſei, die beiden Stationen zu verei⸗
nigen; doch lebe bei ihnen allen die fröhliche
Hoffnung, daß ihre Vrüder in Bethanien zu
ihnen ziehen würden und nicht umgekehrt ſie zu
den Bethaniern. Sie könnten mehrere Gründe
anführen, die es wünſchenswerth machten, daß
Shebahyonk zum gemeinſamen Wohn und An⸗
ſiedlungsplatz erwählt werde. Zum Erſten ſei
es ungegründet, wenn man glaube, daß um
Shebahyonk kein gutes Waizenland ſei; zum 2.
ſeien die Küſten der Saginaw-Bay, an der ſie
wohnten, ſo reich an Erwerbsquellen, daß ſie
fürchten müßten, in Bezug aufs Leibliche einen
ſchlimmen Tauſch zu machen, falls ſie nach Be⸗
thanien wanderten. Die Bay biete ihnen nicht
allein den Vortheil der ausgezeichnetſten Fiſcherei
im Sommer und Winter dar, ſondern da ſie
noch auf viele Meilen keine Nachbarn hätten, ſo
ſei auch die Jagd bei ihnen viel ergiebiger, als
in Bethanien, da dieſer Ort mitten im Walde
liege, wo die Nankees nachgerade mit Anſied⸗
lungen und Bauen von Sägemühlen das Land
einzunehmen Miene machten. (Es wird wirk⸗
lich ſchon gegenwärtig 2 Meilen oberhalb Be⸗
thanien eine Sägemühle gebaut und wird viel
Land in der Umgegend von den Beſitzern und
ihren Werkleuten aufgekauft,) Die Leichtigkeit
des Verkehrs durch Boote und Candes von Bir⸗
kenrinde auf der Bay ſei den Vewohnern von
Shebahyonk viel werth, und mache ihnen alle
Leb ensbedüxfniſſe weit billiger, als in Betha⸗
nien, wohin man einen weiten Waldweg zu den
nächſten Handelsplätzen habe oder mit vieler
Mühe den ſchnellfließenden Pine-River herauf⸗
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