Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 125
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 125
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
Unzählig viel andere Dinge hat er rein erſonnen
und gelogen und als wahr erzählt, ja ich wage
zu behaupten, daß bald jedes Wort, welches er
ſprach, eine Lüge war. Der Unterſchied zwiſchen
Eüge und Wahrheit war ſeinem Gewiſſen ganz
abhanden gekommen; er war ſo in das Lügen
hineingekommen, daß er die unnützeſten Sachen
E log, auch da log, wo er keinen Vortheil davon
erwarten konnte, blos um zu prahlen, um zu in⸗
teresſiren, um doch etwas ſagen zu können; ja
er log in den Bibelſtunden, die er regelmäßig
hielt, unter Gebet und Geſang von ſeinem großen
Reichthum, ſeiner Reiſe nach Jeruſalem, ſeinen
Verfolgungen u. ſ. w. daß man darüber ſtaunen
nmuß, wie es ihm möglich war und gerade dann,
wenn er ſo heftige Deklamationen gegen das
Lügen und Betrügen ertönen ließ./.
Als ihm nun Herr P. Gräber, nachdem er
Nienen Bericht aus Frankfurt empfangen hatte,
nnuſtlichen Vorhalt über ſein ſchreckliches Lügen
. chat, ſo wollte er ſich anfangs in dieſem und
jenem Stücke hinaus reden. Als ihm dies aber
nicht gelang, ſo „mußte er verſtummen *) und
hatte kein einziges Wortzur Rechtfer⸗
tigung in irgend einem Punkte vor⸗
nuringen.“
Als nun Herr P. Gräber mit ſcharfen und
ernſten Worten ihm das ſchreckliche Verderben
ſeines Herzens vorhielt, um ihn zur reumüthigen
Erkenniniß zu bringen, ſo blieb er gleichwohl
kalt und verſtockt und erſt, als er vernahm, daß
es mit ſeiner Arbeit und ſeinem Verdienſt in
NMeiderich und Mühlheim völlig aus ſei, da
veinte er Thränen der Bauchſorge, bat um Ver⸗
bung und verſprach, Alles thun zu wollen,
was P. Gräber verlange, um ſein Vertrauen
ſich wieder zu erwerben. P. Gräber begehrte
uun von ihm, er ſolle ſich einem Manne in der
Gemeinde, der ihrer Beider Vertrauen beſäße,
Namens Joh. Bechmann, offen und ehrlich ent⸗
decken und ihm in drei Wochen ſeine Lebensge⸗
ſcichtt einreichen.
„Er hat —ſo heißt es weiter in dem Briefe —
veder das Eine, noch das Andere gethan, Be⸗
wiis genug, daß ſeine ſcheinbare Buße nur neue
Heuchelei war.“
Er wurde natürlich fortgeſchickt, u. trieb ſich
in der Nachbarſchaft umher, wo er mitunter „den
ußfertigen und reumüthig Zerſchlagenen ſpiel⸗
.
— Endlich aber, um ihn wahrſcheinlich aus
Deutſchland ganz los zu werden, kam man mit
E ſeinem frühern Lehrer, dem Judenmisſionar
Poper in Frankfurt, der das meiſte Geld dazu
L verchaffte, überein, dieſen lügneriſchen Geſellen
nach Amerika zu ſpediren, das ja leid er, Gott
ſei es geklagt, auch Deutſchlands Cloak iſt und
ſeine Unreinigkeit in hirnverbrannten Volksauf⸗
wiecglern, gottesleugneriſchen Zeitungsſchreibern,
. Lerdorbenen Advokaten, verſoffenen Studenten,
Deſerteurs, Dieben, Betrügern u. ſ. w. ver⸗
Köſtering ſpäter hier im Beiſein unſrer und ſeiner eigenen
Borſieher ſein ſchreckliches Lügenweſen vorhielt, wovnrch denn
adlic ſeinen hieſigen Anhängern die Augen über ihn auf⸗
gingen.
Dasſelbe Verſtummen trat auch ein, als ihm Herr
—
ſchlucken muß, ſo daß es nur eine geringe Ver⸗
geltung für dieſe trefflichen Artikel wäre, wenn
die Amerikaner einmal etliche Schiffsladungen
Klapperſchlangen nach Deutſchland hinüberſchick⸗
ten.
Da aber den Wohlihätern und Entſendern
des Strauß doch wohl das Gewiſſen ſchlug, er
könne, nach ſeiner Ueberſiedelung, ſeine frühere
Rolle als geiſtlicher Schauſpieler und speech-
maker auf dem heiligen Boden der Kirche mit
großer Begierde wieder aufnehmen, ſo kam man,
wunderlich genug, auf die halbe Maasregel, ſich
von ihm, den man doch als einen Lügenmeiſter
kannte, folgenden Revers (Schein) ausſtellen
zu laſſen: „daß er dieſes Geld (50 Thlr. prß.
Cour.) nicht anders, als zur Reiſe nach Amerika
anwenden will, daß er nicht ſelbſt ſuchen will,
irgend einen Dienſt im Weinberge des HErrn
ſich zu verſchaffen, und wenn er von irgend einer
Seite her dazu aufgemuntert oder aufgefordert
werden ſollte, einen ſolchen Dienſt anzunehmen,
daß er ſofort der den Dienſt zu vergeben habenden
Behörde“ (allerdings eine ſeltſame Unbekannt⸗
ſchaft mit den hiefigen kirchlichen Verhältniſſen)
„offen und ehrlich bekennen will“ (ſchwer, von
einem Strauß anzunehmen,) „wie untreu er ge⸗
weſen; daß er dem Geiſtlichen der Stadt oder
Gegend, wo er ſich aufhalten wird, oder für den
Fall, daß ein Judenmiſſionar in der Rähe iſt,
dieſem bei erſter Gelegenheit eine offene Beichte
ablegen will und ſich ſeinem geiſtlichen Rathe fü⸗
gen; daß er mir mindeſtens alle 3 Monate
ſchreiben will und in ſeinem erſten Schreiben mir
den Geiſtlichen oder Miſſionar, dem er ſich er⸗
öffnete, nennen will.“ Auf die Anfrage des
minar eintreten dürfe, antwortete P. Gräber,
„daß er das nicht dürfe, weil das der Anfang
ſei davon, daß er einen Dienſti im Weinberge des
HErrn ſuche.“
So reiste denn Strauß mit Köſtering, der
aber von dieſem Reverſe nichts wußte, nach
Amerika ab, letzterer mit der beſtimmten Abſicht,
auf das Seminar nach Fort Wayne zu gehen,
wo ein Freund und Landsmann von ihm ſtudirte.
In New⸗Yort aber angekommen, ließ er ſich von
P. Stohlmann überreden, auf das Seminar
nach Columbus zu gehen, wohin ibn Strauß
begleitete; und Hr. Prof. Lehmann nahm ſie,
ohne Bedenken, ſofort in das Seminar auf.
Strauß alſo brach dadurch ſein feierlich „mit
einem Handſchlag in P. Gräbers Hände, als
vor dem Angeſichte Gottes, beſiegeltes Ver⸗
ſprechen,“ das er in jenem eigenhändig geſchrie⸗
benen und unterſchriebenen Reverſe gegeben
hatte, durchaus keinen Schritt zu thun, in den
Dienſt der Kirche zu treten.
Als wir, P. Husmann und ich, nun jenes
Zeugniß von Deutſchland über Strauß em⸗
pfangen hatten (darin u. A. auch ſtand, es ſei
des P. Gräbers „feſter Entſchluß, dem Strauß
in Amerika keine Ruhe zu laſſen und falls er in
das Predigtamt getreten, eine öffentliche War⸗
nung gegen ihn in den deutſchen kirchlichen
Blättern ergehen zu laſſen“), ſo war natürlich
der erſte Schritt dieſer, daß wir dasſelbe öffentlich
nach vollendetem Gottesdienſte unſern Gemeinden
Strauß, ob er denn nicht in ein geiſtliches Se⸗
vorlaſen.
Natürlich konnten die Anhänger des Strauß
nicht gleichgültig dabei bleiben und die in der
Stadt begehrten das Schreiben, das ich jedoch
nicht aus meinen Händen zu geben für gut fand,
dagegen erklärte, ich wolle in Begleitung meines
Kirchenvorſtands zu ihnen kommen, ihnen daſ⸗
ſelbe vorleſen und Einſicht in dasſelbe gewähren,
auch die Amtsſiegel zeigen, damit ſie ſodann
Angeſichts dieſes Zeugniſſes, den Hrn. Strauß
zur Rechenſchaft forderten. Dieſer mein Vor⸗
ſchlag wurde angenommen; aber als wir uns
an dem beſtimmten Orte einfanden, ſo ſagten
die Vorſteher der Straußiſchen, es hätten ſich
allerlei loſe Leute mit eingefunden und es ſei
Rumor zu beſorgen. Ich machte deshalb den
Vorſchlag, daß die Verſammlung in unſerm
Schulhauſe ſein möge, worauf aber jene nicht
eingingen, ſondern die Sache an einem andern
Tage vornehmen wollten, der jedoch bis jetzt noch
nicht gekommen iſt. Der andere Schritt, welcher
geſchah, war der, eine wortgetreue Abſchrift
dieſes Zeugniſſes wider Strauß an den Präſes
der weſtlichen Diſtrikts⸗Synode Hrn. Prof. Leh⸗
mann mit der Bitte einzuſenden, doch min⸗
deſtens alsbald eine Unterſuchung wider
Strauß einzuleiten, indem ich ihn zugleich über
den geſchichtlichen Verlauf dieſes ganzen Handels
ins Klare ſetzte und was alles geſchehen ſei, um
den Menſchen von dem Werke der Ungerechtigkeit
zurückzuhalten.
Auf dieſe Einſendung erfolgte die Antwort,
daß er (der Herr Präſes) nichts thun könne,
ſondern die Unterſuchung der Sache bis auf die
(etwas über 2 Monate darnach fallende) nächſte
Verſammlung des weſtlichen Diſtrikts der Synode
von Ohio verſchieben müſſe; ihm ſelbſt „ſei es
nicht möglich, ſich loszureißen, um an Ort und
Stelle eine Angelegenheit zu unterſuchen, zu
deren Entſcheidung er ja nicht befugt ſei, ihrer
Miniſterial⸗Ordnung gemäß; überdieß ſeien die
P. P. Gräber und Wortmann ihm nicht be⸗
kannt, weshalb ihr Zeugniß erſt gehörig und
reiflich erwogen werden ſollte.“
Dieſe Antwort nun, wie jeder verſtändige
kirchlich geſinnte Leſer es mit mir fühlen und er⸗
kennen wird, war ſehr bedauerlich und ließ von
der ſpätern Entſcheidung der Synode wenig
Gutes hoffen.
Denn aus dieſer Antwort geht doch unleugbar
hervor:
1. daß dem Herrn Präſes dieſer Handel
ziemlich unerheblich erſchien; denn konnte er
wirklich nicht ſelbſt kommen, ſo konnte er doch
räumlich benachbarte Amtsbrüder mit Zuziehung
des hieſigen engliſch lutheriſchen Paſtors, der ja
auch zur Synode von Ohio gehört, beauftragen,
eine baldige Unterſuchung an Ort und Stel⸗
le vorzunehmen und die Beſchaffenheit unſrer
P. Husmanns und meiner) Klage zu erforſchen
und uns Strauß und den Seinen gegenüberzu⸗
ſtellen, wozu wir allewege bereit geweſen wären;
denn was wollte am Ende die Synode, ohne
ſolche vorhergegangne Unterſuchung, da Kläger
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