Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 126
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 126
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
und Verklagter einander gegenübergeſtaͤnden,
aus der Ferne urtheilen?
2. vaß alſo dem Herrn Präſes herzlich wenig
daran lag, ob Herr Strauß 2 Monate länger
vielleicht doch nur muthwillige Separatiſten, die
er mit Lug und Trug an ſich gezogen, mit Wort
und Sakrament bediente und am Ende ſolchen
Chriſti Leib und Blut im heiligen Abendmahl
reichte, die wider beides gleich ihm in offenbarer
Empörung begriffen waren und nach dem Urtheile
des göttlichen Wortes ſich bereits im geheimen
Banne befanden;
3. daß der Herr Präſes einen unbegründeten
und unbilligen Zweifel wider jenes zwiefache
mit Unterſchrift und Amtsſiegel verſehene Zeugniß
des Herrn Superintendenten P. Wortmann von
Duisburg und des Herrn P. Gräber gegen
Strauß hegte. Und warum wohl? Weil er
leider ohne ein (günſtiges) Zeugniß dieſer beiden
Männer für Strauß, bei denen dieſer vor ſei⸗
nem Abgange
Dienſte der „innern Miſſion“ geweſen, ihn,
fahrläſſig genug, in das Seminar aufgenommen
hatte.— Und was ſollte doch in aller Welt die
„reifliche Erwägung“ der Synode an dieſem
Zeugniſſe wirken? Konnte es ihm an ſeinem
gewichtigem Inhalte etwas nehmen zu Gunſten
ves l. Bruder Strauß? Oder konnte ſelber der
ſcharfſinnigſte der liebreichen Väter der Ohio⸗—
Synode aus dieſem Zeugniß irgend ein Bedenken
wider die Perſonen und Geſinnung der beiden
Zeugen hervorbringen, das ſeinem l. Sohne,
dem Licenziirten Strauß, einen erwünſchten
Schlupfwinkel gewährt hätte? —Nicht alſo.
So wenig Ernſt und Eifer um Gottes Ehre
und der Kirche Heil, wie ſo eben nachgewieſen,
dieſe Antwort des Herrn Präſes verrieth, und
ſo wenig Hoffnung auf eine gründliche unpar⸗
theiiſche Unterſuchung und Entſcheidung ſie
enthielt, ſo gefiel es ihm doch, ſie mit einer
glänzendenPhraſe zu ſchließen, welche alſo lautet:
„Der HErr wolle uns Alle in dieſer Sache mit
ſeinem Geiſte erleuchten und ſeinen Rath offen⸗
baren und uns kindliche Demuth, aber auch
freudigen Glaubensmuth geben, daß wir uns
ſelbſt darin vergeſſen und ſeine Ehre allein ſuchen“
Amen!“
Ich nenne dieſe Worte eine Phraſe, nicht in
dem Sinne, als ob ſie der Herr Präſes in be⸗
wußter Heuchelei hingeſchrieben, nachdem nichis
ſachlich Befriedigendes vorausgegangen war,
was auf eine ſchriftgemäße Erledigung der Sache
hoffen ließ, ſondern in dem Sinne, daß der
Schreiber darin ſich ſelber täuſcht. Denn wozu
war denn etwa in dieſer nichts weniger als
verwickelten Sache eine beſondere Erleuchtung
des heiligen Geiſtes nöthig, da ſie durch klare
Schriftſtellen längſt gerichtet iſt, ja nur ein
mittelmäßiger gewöhnlicher Rechtsverſtand, bei
) Der Herr Präſes behauptet zwar, Strauß nicht ohne
Zeugniſſe von Deutſchland, aufgenommen zu haben, aber es
waren unmöglich ſolche, die bei ſeinem Abgange von
Deutſchland von amtlichen Perſonen ausgeſtellt waren.
Frühere aber, und zudem von Privat-Perſonen, konnten doch
unmöglich ſein Gewiſſen über die moraliſche Befähigung des
Strauß zur Aufnahme ins Seminar zufrieden ſtellen. Ue⸗
brigens iſ gewiß, daß er Herrn Köſtering ohne alles Sitten⸗
zeugniß ins Seminar aufgenommen hat.
nach Amerika zuletzt“) im
Satans, verſtrickt ſind.
aufrichtigem Herzen und einiger Gottesfurcht, ſie
vollkommen erkennen und urtheilen kann?
Welcher Aufwand „von kindlicher Demuth, aber
auch freudigem Glaubensmuth“ war denn hier
erforderlich, wo es ja nicht galt, einen ſchweren
Kampf wider Teufel und Welt zu beſtehen, ſon⸗
dern nur auf Grund vorliegender Thatſachen
ein gerechtes Urtheil nach Gottes Wort zu
fällen?
Die Zeit der Synode kam nun herbei und
Herr Strauß machte ſich auf den Weg, ſo wie
auch einer der Vorſtehertr) ſeiner damaligen
Anhänger, ein ehemaliger Abendmahlsgenoſſe
meiner Gemeinde und abgeſagter Feind der
Beichtanmeldung, die ihm, wider ſeine damalige
Luſt und Neigung, zu etwas genauerer Selbſt⸗
und Sündenerkenntniß verholfen hatte.
Auf dieſer Synodal-Verſammlung zu Lan⸗
caster, O., wurde nun allerdings die Straußſche
Sache verhandelt, aber von dem Ergebniß dieſer
Verhandlung wurden wir Kläger, Herr Paſtor
Husmann und ich, nicht in Kenntniß geſetzt,
ſondern warteten von Woche zu Woche vergebens
auf Antwort; nur dieſes brachten wir in Er⸗
fahrnng, daß Sr. Ehrwürden, Herr Strauß,
ganz wohlgemuth von der Synode zurückgekehrt
ſei und nach wie vor an den Leuten handthiere,
auch von Seiten der Synode keine Commiſſion
zur Unterſuchung der Sache an Ort und Stelle
hieher geſandt werde.
Da ſchrieb ich nun endlich an den Herrn
Präſes und fragte an, ob unſre Klage auf der
Synode verhandelt und ſonderlich auch das
Zeugniß wider Strauß von Deutſchland mitge⸗
theilt worden ſei?
Darauf erhielt ich nun unter dem 6. Auguſt—
am 20. Mai und den folgenden Tagen hatte die
Synodal⸗Verſammlung bereits ſtatigefunden —
von dem Secretair der Synode, Herrn P. Al⸗
brecht, folgende Antwort:
„Zuerſt habe ich Ihnen zu antworten, daß
Ihr „Zeugniß und Anklage,“ ſo wie dieZeugniſſe
des Superintendenten Dr. Wortmann und P.
Gräber aus Deutſchland, ſowohl vor der Com⸗
mittee, als auch in der Miniſterial⸗Verſammlung
von Prof. Lehmann vorgeleſen wurde. Und zu
Ihrer ferneren Befriedigung theile ich Ihnen
folgenden Auszug unſerer Miniſterial-Ver-⸗
handlungen über den betreffenden Punct mit:
„Donnerſtags Vormittags 8 Uhr“
„Die Beſchuldigungen der Herren Sihler und
Husmann“ (Paſtoren ſcheinen wir alſo in den
Augen der Ohio-Synode, weſtlichen Diſtrikts,
nicht zu ſein, und doch nur als ſolche hatten wir
Klage geführt) „gegen den Candidaten Strauß
wurden wieder in Erwägung genommen, und
nachdem nun alle vorliegenden Zeugniſſe in
Bezug auf die ganze Sache in mehreren Sitzungen
gründlich unterſucht, ernſtlich und ohne Vorur⸗
theil erwogen und beſprochen worden, kam endlich
das Miniſterium zu folgender Entſcheidung:
+) Dieſer Mann iſt übrigens ſchon ſeit Monaten über das
lügneriſche Weſen des Ehrw. Strauß im Klaren, wie deun
überhaupt die Rolle dieſes geiſilichen Schauſpielers und
Demagogen hier in der Stadt bereits ausgeſpielt iſt, und
nur noch die Leute auf dem Lande, aus gerechtem Gericht
Gottes, in ſeinem Lügennetz, als in den lingen des
—
„Beſchloſſen, daß dieſes Miniſterium die
Beſchuldigungen der Herren Sihler, Husmann
und Bartholomew“ (mit deſſen Anklage übri⸗
gens die unſre nichts zu ſchaffen hat) „nach
allen vorliegenden Schriften und Zeugniſſen,
unter ernſtem Gebet und Flehen, getreu und
gewiſſenhaft unterſucht und erwogen hat und
zur beinahe einſtimmigen Ueberzeugung ge⸗
kommen, daß die evangeliſch lutheriſche St.
Johannes Gemeinde in Fort Wayne durchaus
nicht den Namen Rotte u. ſ. w. verdient, daß
dieſelbe auf ordentlichem Wege gegründet, ob⸗
wohl ſie, wie andre Gemeinden, aus ſchwachen
ſündhaften Menſchen beſteht, die der treuen
Hirtenpfiege ſtets bedürftig ſind; daß die Be⸗
ſchuldigungen gegen Herrn Strauß, daß er ein
offenbarer und vorſätzlicher Lugner ꝛc. ſei, in
der Wirklichkeit keinen Grund haben, dennoch
aber Manches in ſeiner Lebenszeit aus
Schwachheit, Unvorſichtigkeit und Uebereilung
begangen, das er herzlich zu bereuen ſich ge⸗
drungen fühlt. Von der Richtigkeit dieſes
Urtheils iſt das Miniſterium zur Genüge über⸗
zeugt worden, da ſelbſt der anweſende Kläger
(A. Bartholomew) ſeine Beſchuldigung unbe⸗
dingt zurück nahm.“
So weit die Verhandlungen des Miniſteri.
Die oben erwahnte Zurücknahme der Anklagen
gegen Herrn Strauß von A. Bartholomew fand
am 25. Mai ſtatt, der vorhergehende Beſchluß
wurde am 26. angenommen. Herr A. Bartho⸗
lomew ſandte jedoch an dieſem Tage noch eine
telegraphiſche Depeſche von Columbus aus an
das Miniſterium, in welcher er anzeigt, daß er
auf ſeinen früheren Anklagen zu beſtehen, ſich
gedrungen fühlt.
Achtungsvoll
der Ihrige
L. Albrecht, Secretair.
Was ſoll man aberſo frage ich jeden verſtän⸗
digen und urtheil sfähigen Leſer des Lutheraners
der von keinem Parthei⸗Intereſſe befangen, ſon⸗
dern ein geſunder Sohn der Kirche iſt-was ſoll
man von dieſer Entſcheidung des Miniſteriums
des weſtlichen Diſtrikts der Ohio⸗Synode halten?
Doch ich will mein ſummariſches Urtheil noch
zurückhalten und zuvor die einzelnen Stücke dieſer
Entſcheidung dem Leſer vorführen.
1, Da heißt es nun zuerſt (den geſpreizten
Eingang moſte⸗ wer Luſt hat, oben nachleſen)
„die evangeliſch lutheriſche St. Johannes⸗Ge⸗
meinde zu Fort Wayne verdiene durchaus nicht
den Namen „Rotte“ und ſei auf ordentlichem
Wege gegründet.“
Was nun den Namen „Rotte“ betrifft, ſo
habe ich denſelben weder jemals mündlich ge⸗
hraucht noch auch irgendwo in meiner Anklage⸗
ſchrift genannt, ſondern mich nur der Ausdruch
Separatiſten, loſer Haufen, Anhänger des Herrn
Strauß und dergl. bedient. Hat aber Jemand
anders dieſe Leutlein Rotte genannt, ſo haben
doch ſolche Strauß und die Seinen nicht bei der
Synode verklagt; was ſoll alſo die Ablehnung
eines Ausdrucks in obiger Entſcheidung, der gar
nicht gebraucht worden iſt? In Hinſicht aber
auf den „ordentlichen Weg, auf dem die
Gemeinde gegründet ſei,“ ſo fehlt aller Nachweis,
der das Gewiſſen des Klägers zufrieden ſtellen
könnte. P. Husmann und ich-die wir doch hof⸗
fentlich nicht als Lügenſchmiede übel berüchtigt
ſind-reichen einen treuen geſchichtlichen Bericht
ein, wie Strauß hier zu Werte gegangen, wie
treulos und wortbrüchig er gehandelt habe, und
begehren eine ordentliche Unterſuchung. Und
worin beſteht dieſe? daß das Ehrw. Miniſterium
dem mündlichen Selbſtzeugniß ſammt allerlei
deklamatoriſchen Betheurungen des gegenwärtigen
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