Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 17 › Seite 128
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-03-28, Seite 128
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Lehre. — Falſche Lehre 28
ſiegelte Zeugniß wider Strauß Lüge und Ver⸗
leumdung, der liebe Bruver Strauß aber lin
der Wirklichkeit kein offenbarer
und vor ſätzlicher Lügner ſei?“
Es bleibt in der That nichts Anderes übrig,
als daß cas Ehrw. Miniſterium, als das Muſter
eines unpartheiiſchen Kirchengerichts, auf das
Zeugniß des Angeklagten in eig ner Sache,
das er natürlich für ſiſch ausgeſprochen, ihn
frei geſprochen und jene zwei Paſtoren aus
Deutſchland für Lügner erklärt hat.
Aus dem Schluſſe nämlich jenes trefflichen
Spruches dieſer unpartheiiſchen hocherleuchteten
Richter, die unter ſo ernſtem Gebete
und Flehen“ an dieſe Sache gegangen ſind
—aus dieſem Schluſſe, darin ſteht, „daß er
(Strauß) Manches in ſeiner Lebenszeit aus
Schwachheit, Unvorſichtigkeit und Uebereilung
begangen, das er herzlich zu bereuen ſich ge⸗
drungen fühlt“—daraus iſt erſichtlich, daß ihm
das Miniſterium natürlich jenes amtliche Zeug⸗
niß wider ihn und die ſchwere Anklage vorſätzli⸗
cher Lügenhaftigkeit, vornämlich auch ſeine
ſchriftlich abgegebene Verpflichtung, hier durch⸗
aus nicht in den Dienſt der Kirche zu treten,
vorgehalten habe; gleichwohl erhellt eben ſo ſehr
daraus, daß Strauß dieſe Anklage und ſeine
Verpflichtung friſchweg geleugnet und ſich mit
ſeinen Sünden nur auf das Gebiet der allge⸗
mein menſchlichen Schwachheit und Gebrechlich⸗
lichkeit zurückgezogen habe; und da er ein Erz⸗
ſchauſpieler und Deklamator iſt und ihm auch
einige Thränen ꝛc. unleugbar zu Gebote ſtehen,
das Ehrw. Miniſterium aber mit der Gabe, die
Geiſter zu unterſcheiden, nicht ſonderlich ausge⸗
rüſtet, dagegen mit allgemeiner Menſchenliebe —
ſtreite ſie auch noch ſo ſehr wider die Ehre Got⸗
tes und das Heil der Kirche —ſehr reichlich ver⸗
ſehen zu ſein ſcheint, ſo iſt es nicht zu verwun⸗
dern, daß es den lieben Bruder Strauß von je⸗
ner Beſchuldigung des vorſätzlichen muthwilli⸗
gen Lügens frei, los und ledig geſprochen, ſich
aber damit ſelber um ſo ſchrecklicher in Gottes
Gericht geſtürzt hat, der die Miſſethat der unge⸗
rechten Richter, ſo ſie nicht ernſtlich und gründlich
Buße thun und ihr ungerechtes Urtheil wider⸗
rufen, zu ſeiner Zeit finden wird. — Schließlich
aber erkläre ich im Angeſichte der lutheriſchen
Kirche dieſe Freiſprechung des Ehrw. Miniſteri⸗
ums der Synode von Ohio, weſtlichen Diſtrikts,
1, für gottlos und unchriſtlich; 2, als wider das
eigene Gewiſſen geredet, ſofern dieſes in Gottes
Wort gebunden ſein ſoll; 3, für ungerecht und
rechtswidrig, auch nach dem gemeinen Nechts⸗
verſtande; 4, für höchſt ſchädlich und ſeelenver⸗
derblich für den Freigeſprochenen ſelber und ſei⸗
nen Anhang.
1, Für gottlos und unchriſtlich erkläre ich die⸗
ſes Urtheil deshalb, weil es ſchnurſtracks wider
Goites Wort iſt und zwar in mehrfacher Hin⸗
ſicht, nämlich a, in Betreff des Verfahrens, da
Gott ſpricht 3 Moſ. 19, 15. „ihr ſollt nicht un⸗
recht handeln im Gerichte;“ desgleichen 5 Moſ.
1, 17. „feine Perſon ſollt ihr im Gerichte anſe⸗
hen,“ wogegen das Ehrw. Miniſterium zwiefach
geſündigt, indem es den l. Br. Strauß mit
Gunſt, uns beide hieſige Kläger aber und die
zwei Zeugen aus Deutſchland mit Ungunſt und
Mißtrauen angeſehen hat. b, in Betreff des An ge⸗
klagten; denn 1 Tim. 3 und Tit. 1 heißt es aus⸗
drücklich, „ein Biſchof ſolle unſträflich, untadlich,
heilig u. gerecht ſein und ein gutes Zeugniß
haben ſogar vor denen, diedraußen
ſind Uum wieviel mehr alſo vor denen, die inner⸗
halb der Kirche ſich befinden und zu ihren Die⸗
nern gehören: ] er ſolle ein Vorbild ſein der
Gläubigen Uin allerlei Tugend, alſo ſicherlich
auch in der Wahrhaftigkeit.]
2. als wider das eigene Gewißen,, ſofern
dieſes ja in Gottes Wort gebunden und gefan⸗
gen ſein ſoll, erkläre ich dieſes Urtheil deshalb,
weil die Glieder des Miniſteriums auf obige
und ähnliche ernſte und gewichtige Worte Got⸗
tes bei ihrer Unterſuchung, wie bereits nachge⸗
wieſen, nicht geachtet und dadurch bewieſen haben,
daß ſie hierin weder Gott, noch ſein Wort ge⸗
fürchtet haben, und ſich entſchieden theilhaftig
gemacht haben fremder Sünden.
3. für ungerecht und rechtswidrig, auch nach
dem gemeinen Rechtsverſtande, erkläre ich dieſes
Urtheil deshalb: a, weil keine Unterſuchung an
Ort und Stelle angeordnet worden iſt,
ohne welche die Synode ſich unmöglich über die
Lage der Dinge ins Klare ſetzen konnte! b, weil
deshalb keine Gegenüberſtellung der Kläger und
des Angeklagten ſtatt gefunden hat! e, weil das
höchlich beſchwerende zweifache, amtlich be⸗
glaubigte und beſiegelte Zeugniß jener zwei
deutſchen Paſtoren wider Strauß als Null an⸗
geſehen und ohne allen Rechtsgrund dem Ange⸗
klagten geglaubt worden iſt, jenem Zeugniß aber
nicht; d, weil demgemäß, indem Strauß „in der
Wirklichkeit als kein offenbarer und vorſätz⸗
licher Lügner“ befunden wurde, wir beide hieſige
Kläger und die beiden deutſchen Zeugen, von
einer ganz einfachen Schlußfolgerung, als Lüg⸗
ner und Verläumder erklärt worden ſind.
4, für höchſt ſchädlich und ſeelenverderblich
für den Freigeſprochenen ſelber und ſeinen An⸗
hang erkläre ich dieſes Urtheil deshalb, weil bei⸗
den die Gelegenheit zur rechtſchaffenen Buße und
Bekehrang dadurch benommen und Beide in
ihrem böſen Weſen dadurch geſtärkt worden ſind.
Es iſt in der That erſchrecklich, daß durch ſolche
Gerechterklärung des Ehrw. Miniſterium ein ſo
gottloſer Lügner in ſeinem Amte beſtätigt wird,
zu dem Gott ſpricht: Pſ. 50. 16, 17. „Was ver⸗
kündigeſt du meine Rechte und nimmſt meinen
Bund in deinen Mund, ſo du doch Zucht haſſeſt
und wirfſt meine Worte hinter dich? und daß er
nach wie vor ſolche abſolvirt und denen das
Heilige Abendmahl reicht, die es mit ihm ſich
zum Gerichte eſſen und trinken; es iſt nicht min⸗
der gräulich und ſchändlich — und ſicherlich hät—
te das Miniſterium nicht liebloſer und harther⸗
ziger gegen den elenden, in den Stricken des Lü⸗
nenvaters gefangenen und geführten Menſchen
handeln können — daß das Ehrw. Miniſterium,
als von ſich aus, gleichſam das Mögliche that,
um ihn von reumüthiger Selbſterkentniß und
bußfertiger Umkehr abzuhalten, vielmehr ihn in
ſeinem gottlaſen Lügenweſen zu ſtärken, ſie ſelber
aber innerlich als unklare Schwachköpfe oder.
ungerechteRichter zu verachten und zu verlachen.
Es iſt ſchließlich überaus betrübt und kläglich,
daß das Ehrw. Miniſterium durch jenes Urtheil
die Landgemeinde — denn, wie geſagt, in der
Stadt iſt ſeine Rolle ausgeſpielt — noch tiefer
und feſter in das Lügennetz dieſes Menſchen
verſtrickt und alſo kräftig dazu beigetragen hat,
der Menſchen Seelen zu verderben.
Daß ich in dieſem meinem Urtheile über jenen
Spruch dieſes Miniſteriums und über deſſen
darin offenbar gewordene kirchlich unehrenhafte,
in unrechtliche Geſinnung den oder die ausneh⸗
me, die wider dieſes * Urtheil gewe⸗
ſen ſind, verſteht ſich von ſelbſt, obgleich ſie ſollten.
darauf beſtanven ſein, daß im Protokoll ihr Naa!
me bei ihrem Proteſte wider dieſes Urtheil ſtehe.
Möchten dieſe hoffentlich aufrichtigen Seelen
Angeſichts dieſer Entſcheidung des Ehrw. Mini⸗
ſteriums doch durch Gottes Gnade einen tieferen
und ſchärferen Einblik in den verderbten Zu⸗
ſtand deſſelben bekommen und mitHintanſetzung
aller menſchlichen Rückſichten, einmal ernſtlich im“
Gewiſſen nach Gottes Wort erwägen, ob ſie noch
länger mit unverletztemGewißen, alſo ohne Gefahr
für ihre eigene Seele, in dieſem faulen Su mpfe mit
dürren Bäumen verbleiben können, wenn dieſe
Herrn Miniſterialen nicht von Grund aus eine.
Generalbuße thun, und nicht nur dieſes ihr ein⸗
zelnes Ungerechtes Urtheil widerrufen und zu⸗
nächſt eine unpartheiiſche Unterſuchung dieſes
Handels an Ort und Stelle anordnen, ſondern
überhaupt ihre bekentnißwidrige, loſe und leicht⸗
fertige Amtsführung abthun, die ihnen ſchon
mannigfach im „Lutheraner“ vorgehalten wur⸗
de; denn ſo lange ſie das Kirchliche Bekenntniß
gleichſam nur als Aushängeſchild gebrauchen,
dahinter aber nach wie vor ihre unioniſtiſche,
bekentnißwidrige, leichtſinnige Praxis treiben,
können ſie von, in Lehre und Praxis bekentniß⸗
treuen lutheriſchen Körperſchaften um ſo weni⸗
ger anerkannt, ſondern müßen als Kirchenverder⸗
ber offenbar gemacht werden, damit ſich jeder
aufrichtige, aber unkundige Lutheraner vor ihnen
hüte. ö
Möchte doch wenigſtens der öſtliche Diſtrikt
der Ohio⸗Synode, der in der neulichen Ausſchlie⸗
ſung von drei unwürdigen Mitgliedern einen ſo;
löblichen chriſtlichen Ernſt und Eifer um Gottes
Ehre und der Kirche Wohl bewieſen hat*, Ange⸗
ſichts jener ungerechten und verwerflichen Mini⸗
ſterialentſcheidung des weſtlichen Diſtrikts zu
Gunſten des lügneriſchen Strauß, der alſo da⸗
durch auch mit ihm (dem öſtlichen Diſtrikte) in
Abendmahlsgemeinſchaft bliebe, einen entſchie⸗
denen Proteſt dawider erheben und auf unpar⸗
theiiſche Unterſuchung an Ort und Stelle dringen,
damit er ſich nicht durch Schweigen der Schuld
des weſtlichen Diſtrikts theilhaftig mache.
Zuletzt bezeuge ich vor Gott und min gutem
Gewißen, daß mich zur Veröffentlichung dieſer
ganzen Sache keine unlautern partheihalteriſchen
Beweggründe und keine perſönliche Gehäſſigkeit
weder gegen den armen unſeligen Strauß, noch
gegen die weſtliche DiſtriktsSynode von Ohio,
ſondern allein der Eifer um Gottes Ehre und
den Nutz und Frommen der Kirche getrieben ha⸗
ben. Denn was zuerſt den unglüklichen Strauß
betrifft, ſo hat er meiner Gemeinde, durch Got⸗
tes Bewahrung, keinen Schaden gethan, indem
kein einziges eigentliches Glied meiuer Gemeinde
zu ihm gefallen iſt; und hätte ſich auch ein ganzer
Haufen ihm zugeſellt, ſo hätte die Gemeinde durch
ſolchen Verluſt doch nur Gewinn gehabt, und
indem durch das aufgebrochene Geſchwür der
Eiter abgefloſſen, ſo waͤre dadurch der Körper um
ſo geſünder geworden. In Hinſicht aber auf
jenen Synodal⸗Diſtrict, ſo hege ich auch jetzt keine
feindſelige Geſinnungen Hugen ihn; und obzwar
leider vor Augen iſt, daß keine gründliche Sinnes⸗
änderung in demſelben ſtatt gefunden, und
wiewohl gewiß iſt, daß bei Weitem die Mehrzahl
der Synodalen kaum begriffen hat (geſchweige
daß ſie darnach thäte) theils, was das Amt eines
rechtgläubigen und treuen Hirten und Seelſorgers
ſei, theils, was deren Zuſammenſtehen und Zu⸗
ſammenwirken zu und in einem Synodal⸗Verbande
*eider kann daſſelbe nicht vom nördlichen Diſtrickte geſagt
werden, der vor etwa drei Jahren cinen Mann als Synodal⸗
Mitglied aufgenommen hat, den ſeine frühere Gemeinde we⸗
en Trunkenheit ſeines Amtes entſetzt hatte, und gegen den
eine Warnungvon einem Paſtor unſerer Synode erhalten
atte.
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