# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S134 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) —12— erkennten, was Gott ſeit wenigen Jahren an wo unſre theuern Brüder fürchten müßten, mit ihnen durch die Predigt des Evangeliums gethan habe, wie alle die alten heidniſchen Zuſtände durch Kraft des heil. Geiſtes überwunden ſeien und ein liebliches Glaubensleben unter ihnen angefangen habe. Dabei lenkte er dann auf die letzten traurigen Monate ein, da er gehindert geweſen ſei, ſie in den reicheren Verſtand der Schrift einzuführen, weil er der Hilfe eines treuen Dollmetſchers habe entbehren müſſen. Die beiden letzten Dollmetſcher, welche im Dienſte der hieſigen Miſſion geſtanden, hätten ſich leider als unredlich und untauglich erwieſen und nach⸗ dem ſie dieſerhalb entlaſſen worden ſeien, habe kein Erſatz für ſie ausfindig gemacht werden können. Da ſei es denn hohe Zeit, zu berathen, wie der erwähnten Noth möge abgeholfen wer⸗ den; es ſei namentlich dies auch der Zweck weshalb die Abgeordneten der Kirche, zu der wir alle gehörten, jetzt hier ſeien, zuzuſehen, wie die Gemeinde in Shebahyonk am Beſten berathen werden könne. Darauf nahm der Unterzeichnete das Wort und ſprach die unmaßgebliche Ueberzeugung der Synode aus, wonach jetzt der Zeitpunkt gekom⸗ men ſei, daß die beiden indianiſchen Miſſions- gemeinden Shebahyonk und Bethanien vereinigt werden dürften. Obwohl die Bewohner einer jeden ihre Eigenthümlichkeit habe und die Ent⸗ fernung zwiſchen beiden mehr als 100 Meilen betrage, ſo verbinde ſie doch derſelbe einige Glau⸗ be und wenn derſelbe ſich in beiden durch die Liebe bethätige, ſo werde auch jede gern bereit ſein, der andern mitzutheilen, was ſie Gutes habe, ſie werde gern gemeinſam mit der andern der Wohlthaten der Gemeinſchaft genießen, ja um dieſer Gemeinſchaft willen auch freudig ein Opfer bringen. Es ſei nicht mehr möglich, daß der Gemeinde zu Shebahyonk die volle Predigt des Evangeliums anders zu Theil werde, als wenn ſie ſich mit den Brüdern zu Bethanien zu einem gemeinſchaftlichen Wohnplatze vereinige. Auch ſeien die Ausgaben für die Unterhaltung einer Miſſionsſtation ſo hoch, daß wenn man ihrer zwei zuſammen legen könne, es heilige Pflicht ſei, dies ins Werk zu ſetzen, um durch ſolche Erſparung in den Stand geſetzt zu werden, auch andern Heiden die Wohlthaten der Predigt des Wortes vom Kreuze zu Theil werden zu laſſen. In Bezug auf die äußern Schwierig⸗ keiten, die dabei ſich entgegen ſtellten, habe Gott ſchon für deren Ueberwindung geſorgt, indem die Gemeinſchaft der Brüder auf ihrer letzten Ver⸗ ſammlung zu Cleveland beſchloſſen habe, den rothen Brüdern behilflich zu ſein, daß eine jede luth. Familie in Shebahyonk und Bethanien mit etwa 40 Acker Landes ausgeſtattet werde. Es ſei dieſer Beſchluß um ſo nothwendiger ge⸗ weſen, da es nach des Miſſ. Auchs Ausſage bekannt ſei, daß die Regierung der Vereinigten Staaten die Indianer nicht mehr in den orga⸗ niſirten Staaten dulden wolle, ausgenommen wenn ſie durch Landbeſitz und Ackerbau ein Recht gewönnen, die Duldung und den Schutz des betreffenden Staates zu beanſpruchen. Wir ſähen die Zeit mit ſchnellen Schritten herannahen, — den übrigen beſitzloſen Indianern über die Gren⸗ ze des Landes hinausgewieſen zu werden, und aller jetzt erlangten Wohlthaten verluſtig zu ge⸗ hen, um im Kriege mit ihren Nachbarn oder durch ſonſtiges Elend der Reiſe, oder eines frem⸗ den Landes aufgerieben zu werden. Das habe denn unſre Gemeinſchaft zu dem Plane bewogen, durch Erwerbung von hinreichendem Landbeſitz für eine jede chriſtliche Familie in Shebahyonk und Bethanien vorzubeugen, daß Niemand der Unſern von der Härte der Ausweiſung betroffen werde.— Die Erwerbung eines größeren Strich Landes könne am leichteſten an Einem Orte ge⸗ ſchehen und mache alſo das Zuſammenwohnen der rothen Brüder an Einem Orte höchſt wün⸗ ſchenswerth.— Auch möchten dieſelben nicht unbeachtet laſſen, daß mehrere ihrer jungen Männer um Frauen in Verlegenheit ſeien. In Shebahyonk gäbe es zur Zeit keine Jungfrauen und wenn die Jünglinge dennoch Frauen ver⸗ langten, ſo müßten ſie in große Verſuchung gerathen, andersgläubige Weiber aus der Nähe zu nehmen (etwa aus dem 40 Meilen entfernten MethodiſtendorfjKawkawling.) Wie gefährlich das aber für das Beſtehen der ganzen Gemeinde ſei, das könne Jeder leicht ermeſſen. In Bathanien dagegen ſei durch die dortigen aufwachſenden und ſchon erwachſenen Mädchen dem Bedürfniſſe von Frauen bald abgeholfen.— Wenn wir nun alles Vorerwähnte zuſammen⸗ nähmen, (ſo ſchloſſen wir) ſo ſcheine es uns Gottes Wille zu ſein, daß die beiden Indianer⸗ dörfer zuſammen gelegt werden und beide durch Einigkeit zu einer ſtarken Gemeinde zuſammen⸗ wachſen möchten. Doch werde die Sache einer weiteren Berathung uuterliegen müſſen, beſon⸗ ders in Bezug auf das „Wie“ der Vereinigung. Wir möchten daher jetzt die Stimme und den Rath der rothen Brüder ſelber hören. Es erhob ſich jetzt der Bruder des Häuptlings Meganigiſchick (der letztere ſelbſt war ſehr krank geweſen, und zwar mit anweſend, aber noch ſchwach) und bekannte ſeine Dankbarkeit gegen Gott, der dieſes Haus (wir waren in der Kirche) und die Gemeinde ſo geſegnet habe, daß darinnen das Evangelium ſeit mehreren Jahren zu ſeinem und zu ſeiner Brüder Heil gepredigt werde. So ſchön und hell, wie der heitere Sonnenblick jetzo in dieſen Ort hineinſcheine und die Herzen erfreue, ſo heiter und klar ſei es jetzt in ſeinem Herzen geworden; und das ſei ſeine Freude, um derer willen er nun ſchon ſeit Jahren dem HErrn täglich und innig danke. Dieſer Leib und die⸗ ſes Leben ſei vergänglich und der Tod erwarte uns alle, darum es unzweifelhaft ſei, daß um des Wortes Gottes willen alles Andre, was ſich auf dieſes Leben beziehe, zurück zu ſetzen ſei; die Sorge für die unſterbliche Seele ſei das Aller⸗ wichtigſte im Leben. Ihm ſelbſt ſei es der theuerſte Wunſch, im Worte Gottes zu verblei⸗ ben; ohne daſſelbe könne er nicht mehr ſein. Die Elendigkeit der früher en Dollmetſcher hätte er und ſeine Brüder ſelbſt ſchmerzlich empfunden und ſie ſähen ein, daß ſie nicht länger ohne die reichere Auslegung des Wortes Gottes bleiben dürften. Er ſei bereit, Alles zu thun, damit dem jetzigen Mangel abgeholfen und ſie mit den Bethaniern vereinigt würden. Doch wünſche er die andern Brüder auch reden zu laſſen, was ihres Herzens Meinung ſei.— Als er ſo in einer edlen Sprache (beſſer als ichs wieder geben kann) und vom heiligſten Ernſte in tiefſtem Herzen ergriffen, geredet, war es erſichtlich, daß die Verſammlung ſehr bewegt und nicht fähig war, ſofort die Frage zur Entſcheidung zu brin⸗ gen. Man wünſchte zuvöderſt daheim mit den Frauen und andern Familiengliedern zu reden und die Sache mit ihnen gemüͤthlich zu beſpre⸗ chen. Es wurde daher die Verſammlung für jetzt geſchloſſen und vorgeſchlagen, daß man am ſelbigen Nachmittage zum zweiten Male zuſam⸗ men kommen wolle. Dieſer Vorſchlag ward angenommen. Ehe wir noch unſer Mittagsmahl beendet hatten, wurden wir gemahnt, zur Verſammlung zurück zu kehren, da die Indianer wünſchten, den heute zum Fiſchfang beſonders günſtigen Tag noch nach beendigter Verſammlung auszu⸗ nutzen. Als wir nun alsbald in ihrer Mitit erſchienen, ſo war die erſte Frage von Seiten der Indianer, wann wir denn glaubten, daß die „Vereinigung geſchehen müſſe. Wir antworteten daß gerade dieſe Frage von uns gemeinſchaftlich zu berathen ſei. Nun trat ein Augenblick der Stille ein; dann theilten die Indianiſchen Brü⸗ der uns Folgendes mit: Bei der Beſprechung mit ihren Weibern hätten ſie erkannt, daß es nothwendig ſei, die beiden Stationen zu verei⸗ nigen; doch lebe bei ihnen allen die fröhliche Hoffnung, daß ihre Vrüder in Bethanien zu ihnen ziehen würden und nicht umgekehrt ſie zu den Bethaniern. Sie könnten mehrere Gründe anführen, die es wünſchenswerth machten, daß Shebahyonk zum gemeinſamen Wohn und An⸗ ſiedlungsplatz erwählt werde. Zum Erſten ſei es ungegründet, wenn man glaube, daß um Shebahyonk kein gutes Waizenland ſei; zum 2. ſeien die Küſten der Saginaw-Bay, an der ſie wohnten, ſo reich an Erwerbsquellen, daß ſie fürchten müßten, in Bezug aufs Leibliche einen ſchlimmen Tauſch zu machen, falls ſie nach Be⸗ thanien wanderten. Die Bay biete ihnen nicht allein den Vortheil der ausgezeichnetſten Fiſcherei im Sommer und Winter dar, ſondern da ſie noch auf viele Meilen keine Nachbarn hätten, ſo ſei auch die Jagd bei ihnen viel ergiebiger, als in Bethanien, da dieſer Ort mitten im Walde liege, wo die Nankees nachgerade mit Anſied⸗ lungen und Bauen von Sägemühlen das Land einzunehmen Miene machten. (Es wird wirk⸗ lich ſchon gegenwärtig 2 Meilen oberhalb Be⸗ thanien eine Sägemühle gebaut und wird viel Land in der Umgegend von den Beſitzern und ihren Werkleuten aufgekauft,) Die Leichtigkeit des Verkehrs durch Boote und Candes von Bir⸗ kenrinde auf der Bay ſei den Vewohnern von Shebahyonk viel werth, und mache ihnen alle Leb ensbedüxfniſſe weit billiger, als in Betha⸗ nien, wohin man einen weiten Waldweg zu den nächſten Handelsplätzen habe oder mit vieler Mühe den ſchnellfließenden Pine-River herauf⸗