# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S128 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſiegelte Zeugniß wider Strauß Lüge und Ver⸗ leumdung, der liebe Bruver Strauß aber lin der Wirklichkeit kein offenbarer und vor ſätzlicher Lügner ſei?“ Es bleibt in der That nichts Anderes übrig, als daß cas Ehrw. Miniſterium, als das Muſter eines unpartheiiſchen Kirchengerichts, auf das Zeugniß des Angeklagten in eig ner Sache, das er natürlich für ſiſch ausgeſprochen, ihn frei geſprochen und jene zwei Paſtoren aus Deutſchland für Lügner erklärt hat. Aus dem Schluſſe nämlich jenes trefflichen Spruches dieſer unpartheiiſchen hocherleuchteten Richter, die unter ſo ernſtem Gebete und Flehen“ an dieſe Sache gegangen ſind —aus dieſem Schluſſe, darin ſteht, „daß er (Strauß) Manches in ſeiner Lebenszeit aus Schwachheit, Unvorſichtigkeit und Uebereilung begangen, das er herzlich zu bereuen ſich ge⸗ drungen fühlt“—daraus iſt erſichtlich, daß ihm das Miniſterium natürlich jenes amtliche Zeug⸗ niß wider ihn und die ſchwere Anklage vorſätzli⸗ cher Lügenhaftigkeit, vornämlich auch ſeine ſchriftlich abgegebene Verpflichtung, hier durch⸗ aus nicht in den Dienſt der Kirche zu treten, vorgehalten habe; gleichwohl erhellt eben ſo ſehr daraus, daß Strauß dieſe Anklage und ſeine Verpflichtung friſchweg geleugnet und ſich mit ſeinen Sünden nur auf das Gebiet der allge⸗ mein menſchlichen Schwachheit und Gebrechlich⸗ lichkeit zurückgezogen habe; und da er ein Erz⸗ ſchauſpieler und Deklamator iſt und ihm auch einige Thränen ꝛc. unleugbar zu Gebote ſtehen, das Ehrw. Miniſterium aber mit der Gabe, die Geiſter zu unterſcheiden, nicht ſonderlich ausge⸗ rüſtet, dagegen mit allgemeiner Menſchenliebe — ſtreite ſie auch noch ſo ſehr wider die Ehre Got⸗ tes und das Heil der Kirche —ſehr reichlich ver⸗ ſehen zu ſein ſcheint, ſo iſt es nicht zu verwun⸗ dern, daß es den lieben Bruder Strauß von je⸗ ner Beſchuldigung des vorſätzlichen muthwilli⸗ gen Lügens frei, los und ledig geſprochen, ſich aber damit ſelber um ſo ſchrecklicher in Gottes Gericht geſtürzt hat, der die Miſſethat der unge⸗ rechten Richter, ſo ſie nicht ernſtlich und gründlich Buße thun und ihr ungerechtes Urtheil wider⸗ rufen, zu ſeiner Zeit finden wird. — Schließlich aber erkläre ich im Angeſichte der lutheriſchen Kirche dieſe Freiſprechung des Ehrw. Miniſteri⸗ ums der Synode von Ohio, weſtlichen Diſtrikts, 1, für gottlos und unchriſtlich; 2, als wider das eigene Gewiſſen geredet, ſofern dieſes in Gottes Wort gebunden ſein ſoll; 3, für ungerecht und rechtswidrig, auch nach dem gemeinen Nechts⸗ verſtande; 4, für höchſt ſchädlich und ſeelenver⸗ derblich für den Freigeſprochenen ſelber und ſei⸗ nen Anhang. 1, Für gottlos und unchriſtlich erkläre ich die⸗ ſes Urtheil deshalb, weil es ſchnurſtracks wider Goites Wort iſt und zwar in mehrfacher Hin⸗ ſicht, nämlich a, in Betreff des Verfahrens, da Gott ſpricht 3 Moſ. 19, 15. „ihr ſollt nicht un⸗ recht handeln im Gerichte;“ desgleichen 5 Moſ. 1, 17. „feine Perſon ſollt ihr im Gerichte anſe⸗ hen,“ wogegen das Ehrw. Miniſterium zwiefach geſündigt, indem es den l. Br. Strauß mit Gunſt, uns beide hieſige Kläger aber und die zwei Zeugen aus Deutſchland mit Ungunſt und Mißtrauen angeſehen hat. b, in Betreff des An ge⸗ klagten; denn 1 Tim. 3 und Tit. 1 heißt es aus⸗ drücklich, „ein Biſchof ſolle unſträflich, untadlich, heilig u. gerecht ſein und ein gutes Zeugniß haben ſogar vor denen, diedraußen ſind Uum wieviel mehr alſo vor denen, die inner⸗ halb der Kirche ſich befinden und zu ihren Die⸗ nern gehören: ] er ſolle ein Vorbild ſein der Gläubigen Uin allerlei Tugend, alſo ſicherlich auch in der Wahrhaftigkeit.] 2. als wider das eigene Gewißen,, ſofern dieſes ja in Gottes Wort gebunden und gefan⸗ gen ſein ſoll, erkläre ich dieſes Urtheil deshalb, weil die Glieder des Miniſteriums auf obige und ähnliche ernſte und gewichtige Worte Got⸗ tes bei ihrer Unterſuchung, wie bereits nachge⸗ wieſen, nicht geachtet und dadurch bewieſen haben, daß ſie hierin weder Gott, noch ſein Wort ge⸗ fürchtet haben, und ſich entſchieden theilhaftig gemacht haben fremder Sünden. 3. für ungerecht und rechtswidrig, auch nach dem gemeinen Rechtsverſtande, erkläre ich dieſes Urtheil deshalb: a, weil keine Unterſuchung an Ort und Stelle angeordnet worden iſt, ohne welche die Synode ſich unmöglich über die Lage der Dinge ins Klare ſetzen konnte! b, weil deshalb keine Gegenüberſtellung der Kläger und des Angeklagten ſtatt gefunden hat! e, weil das höchlich beſchwerende zweifache, amtlich be⸗ glaubigte und beſiegelte Zeugniß jener zwei deutſchen Paſtoren wider Strauß als Null an⸗ geſehen und ohne allen Rechtsgrund dem Ange⸗ klagten geglaubt worden iſt, jenem Zeugniß aber nicht; d, weil demgemäß, indem Strauß „in der Wirklichkeit als kein offenbarer und vorſätz⸗ licher Lügner“ befunden wurde, wir beide hieſige Kläger und die beiden deutſchen Zeugen, von einer ganz einfachen Schlußfolgerung, als Lüg⸗ ner und Verläumder erklärt worden ſind. 4, für höchſt ſchädlich und ſeelenverderblich für den Freigeſprochenen ſelber und ſeinen An⸗ hang erkläre ich dieſes Urtheil deshalb, weil bei⸗ den die Gelegenheit zur rechtſchaffenen Buße und Bekehrang dadurch benommen und Beide in ihrem böſen Weſen dadurch geſtärkt worden ſind. Es iſt in der That erſchrecklich, daß durch ſolche Gerechterklärung des Ehrw. Miniſterium ein ſo gottloſer Lügner in ſeinem Amte beſtätigt wird, zu dem Gott ſpricht: Pſ. 50. 16, 17. „Was ver⸗ kündigeſt du meine Rechte und nimmſt meinen Bund in deinen Mund, ſo du doch Zucht haſſeſt und wirfſt meine Worte hinter dich? und daß er nach wie vor ſolche abſolvirt und denen das Heilige Abendmahl reicht, die es mit ihm ſich zum Gerichte eſſen und trinken; es iſt nicht min⸗ der gräulich und ſchändlich — und ſicherlich hät— te das Miniſterium nicht liebloſer und harther⸗ ziger gegen den elenden, in den Stricken des Lü⸗ nenvaters gefangenen und geführten Menſchen handeln können — daß das Ehrw. Miniſterium, als von ſich aus, gleichſam das Mögliche that, um ihn von reumüthiger Selbſterkentniß und bußfertiger Umkehr abzuhalten, vielmehr ihn in ſeinem gottlaſen Lügenweſen zu ſtärken, ſie ſelber aber innerlich als unklare Schwachköpfe oder. ungerechteRichter zu verachten und zu verlachen. Es iſt ſchließlich überaus betrübt und kläglich, daß das Ehrw. Miniſterium durch jenes Urtheil die Landgemeinde — denn, wie geſagt, in der Stadt iſt ſeine Rolle ausgeſpielt — noch tiefer und feſter in das Lügennetz dieſes Menſchen verſtrickt und alſo kräftig dazu beigetragen hat, der Menſchen Seelen zu verderben. Daß ich in dieſem meinem Urtheile über jenen Spruch dieſes Miniſteriums und über deſſen darin offenbar gewordene kirchlich unehrenhafte, in unrechtliche Geſinnung den oder die ausneh⸗ me, die wider dieſes * Urtheil gewe⸗ ſen ſind, verſteht ſich von ſelbſt, obgleich ſie ſollten. darauf beſtanven ſein, daß im Protokoll ihr Naa! me bei ihrem Proteſte wider dieſes Urtheil ſtehe. Möchten dieſe hoffentlich aufrichtigen Seelen Angeſichts dieſer Entſcheidung des Ehrw. Mini⸗ ſteriums doch durch Gottes Gnade einen tieferen und ſchärferen Einblik in den verderbten Zu⸗ ſtand deſſelben bekommen und mitHintanſetzung aller menſchlichen Rückſichten, einmal ernſtlich im“ Gewiſſen nach Gottes Wort erwägen, ob ſie noch länger mit unverletztemGewißen, alſo ohne Gefahr für ihre eigene Seele, in dieſem faulen Su mpfe mit dürren Bäumen verbleiben können, wenn dieſe Herrn Miniſterialen nicht von Grund aus eine. Generalbuße thun, und nicht nur dieſes ihr ein⸗ zelnes Ungerechtes Urtheil widerrufen und zu⸗ nächſt eine unpartheiiſche Unterſuchung dieſes Handels an Ort und Stelle anordnen, ſondern überhaupt ihre bekentnißwidrige, loſe und leicht⸗ fertige Amtsführung abthun, die ihnen ſchon mannigfach im „Lutheraner“ vorgehalten wur⸗ de; denn ſo lange ſie das Kirchliche Bekenntniß gleichſam nur als Aushängeſchild gebrauchen, dahinter aber nach wie vor ihre unioniſtiſche, bekentnißwidrige, leichtſinnige Praxis treiben, können ſie von, in Lehre und Praxis bekentniß⸗ treuen lutheriſchen Körperſchaften um ſo weni⸗ ger anerkannt, ſondern müßen als Kirchenverder⸗ ber offenbar gemacht werden, damit ſich jeder aufrichtige, aber unkundige Lutheraner vor ihnen hüte. ö Möchte doch wenigſtens der öſtliche Diſtrikt der Ohio⸗Synode, der in der neulichen Ausſchlie⸗ ſung von drei unwürdigen Mitgliedern einen ſo; löblichen chriſtlichen Ernſt und Eifer um Gottes Ehre und der Kirche Wohl bewieſen hat*, Ange⸗ ſichts jener ungerechten und verwerflichen Mini⸗ ſterialentſcheidung des weſtlichen Diſtrikts zu Gunſten des lügneriſchen Strauß, der alſo da⸗ durch auch mit ihm (dem öſtlichen Diſtrikte) in Abendmahlsgemeinſchaft bliebe, einen entſchie⸗ denen Proteſt dawider erheben und auf unpar⸗ theiiſche Unterſuchung an Ort und Stelle dringen, damit er ſich nicht durch Schweigen der Schuld des weſtlichen Diſtrikts theilhaftig mache. Zuletzt bezeuge ich vor Gott und min gutem Gewißen, daß mich zur Veröffentlichung dieſer ganzen Sache keine unlautern partheihalteriſchen Beweggründe und keine perſönliche Gehäſſigkeit weder gegen den armen unſeligen Strauß, noch gegen die weſtliche DiſtriktsSynode von Ohio, ſondern allein der Eifer um Gottes Ehre und den Nutz und Frommen der Kirche getrieben ha⸗ ben. Denn was zuerſt den unglüklichen Strauß betrifft, ſo hat er meiner Gemeinde, durch Got⸗ tes Bewahrung, keinen Schaden gethan, indem kein einziges eigentliches Glied meiuer Gemeinde zu ihm gefallen iſt; und hätte ſich auch ein ganzer Haufen ihm zugeſellt, ſo hätte die Gemeinde durch ſolchen Verluſt doch nur Gewinn gehabt, und indem durch das aufgebrochene Geſchwür der Eiter abgefloſſen, ſo waͤre dadurch der Körper um ſo geſünder geworden. In Hinſicht aber auf jenen Synodal⸗Diſtrict, ſo hege ich auch jetzt keine feindſelige Geſinnungen Hugen ihn; und obzwar leider vor Augen iſt, daß keine gründliche Sinnes⸗ änderung in demſelben ſtatt gefunden, und wiewohl gewiß iſt, daß bei Weitem die Mehrzahl der Synodalen kaum begriffen hat (geſchweige daß ſie darnach thäte) theils, was das Amt eines rechtgläubigen und treuen Hirten und Seelſorgers ſei, theils, was deren Zuſammenſtehen und Zu⸗ ſammenwirken zu und in einem Synodal⸗Verbande *eider kann daſſelbe nicht vom nördlichen Diſtrickte geſagt werden, der vor etwa drei Jahren cinen Mann als Synodal⸗ Mitglied aufgenommen hat, den ſeine frühere Gemeinde we⸗ en Trunkenheit ſeines Amtes entſetzt hatte, und gegen den eine Warnungvon einem Paſtor unſerer Synode erhalten atte.