# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S127 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) N Ttrauß und vielleicht ſeines damal igen Anhäng⸗ ers, jenes Vorſtehers, und etwa einem ſchriſt lichen Zeugniß der Andern von der ungemeinen Trefflichkeit ihres ehrw. Seelſorgers ſofort Glau⸗ ben ſchenkt und keine Anordnung trifft, die wahrſcheinlich ſehr widerſprechenden Ausſagen von Strauß und ſeinem Anhange einer⸗ und uns beiden anderſeits durch eine ſachverſtändige Com⸗ mitte aus ihrem Mittel an Ortund Stelle zu unterſuchen. Ich wäre ſehr begierig zu hören, wie ohne ſolche Unterſuchung, die doch nicht ſtattgefunden, ja nicht einmal fur nöthig geachtet wurde, das Ehrw. Miniſterium deß ſo gewiß werden konnte, daß die ſogen. Gemeinde „auf ordentlichem Wege gegründet ſei;“ und dieſer, auf das Glimpflichſte geredet, jedenfalls übereilte und unberechtigte Schluß, der na⸗ türlich P. Husmann und mich als Lugner oder Dummkopfe erklärt, beweist st zur Genuge, wie gering der Verſtand oder die Gerechtigkeitsliebe des Ehrw. Miniſteriums in ſolchem Schluß ge⸗ weſen und daß an dem „ernſten Gebet und 1 hen,“ deſſen ſie ſich vor und bei der Unter⸗ uchung rühmen, zu zweifeln ſchwerlich eine Sunde des Richtgeiſtes iſt; denn hätte dies in der That und Wahrheit ſtattgefunden, ſo hätte ſie der liebe Gott doch vor ſolcher leichtfertigen und ungerech⸗ ten Handlungsweiſe bewahrt. Da aber aus dieſer wohlweiſen — hätt' bald geſagt, thörichten Entſcheidung unwiderſprechlich hervorgeht, daß das Ehrw. Miniſterium gar nicht weiß, welches „der ordentliche Weg“ zur Gruͤndung einer neuen lutheriſchen Gemeinde in einer Stadt ſei, wo bereits eine rechtgläubige Gemeinde beſteht, ſo ſei es erlaubt, auch vielleicht zu Nutz dieſer und jener Leſer, das Nöthige hierüber beizubringen. Der „ordentliche Weg“ nämlich iſt die⸗ fet, der 1,‚ dem Worte Gottes gemäß iſt, 2, zum firchlichen Gemeinwohle dient; 3, in gütlicher Uebereinkunft mit der beſtehenden Gemeinde ge⸗ ſchicht; und 4, durch örtliche Verhältniſſe veran⸗ laßt wird. ad 1., St. Paulus, der doch, als Apoſtel, die Vollmacht hatte, das Evangelium überall zu predigen, ſagt dennoch ausdrücklich Röm. 15, 20. er habe ſich „ſonderlich gefliſſen, das Evangelium iu predigen, wo Cbriſti Namen nicht bekannt war, auf daß er nicht auf einem fremden Grund bauete.“ Wenn alſo ſchon der Apoſtel ſolche Regel hielt, zu einer Zeit, da auch durch ſeinen Dienſt die Kirche erſt gepflanzt wurde, wieviel mehr gilt dieſe Regel in der bereits gepflanzten und geordneten Kirche, daß, wo bereits der HErr durch ordentliche Berufung rechtgläubiger Chriſten (Lutheraner) ſein rechtgläubiges Predigtamt auf⸗ gerichtet hat, Niemand Recht und Macht hat, an demſelben Orte auch das Predigtamt zu ver⸗ walten und denigemäß in ein fremdes Amt zu gteifen; und Lutheraner, dem Namen nach, die ſolchen Jemand dazu veranlaßten, weil ihnen 3. B. die Caͤrimonien oder andere Mitteldinge in der beſtehenden Gemeinde nicht gefielen, würden unleugbar wider den Spruch: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geiſte durch das Band des Friedens“ (Eph. 4, 3.) ſündigen und ſtatt deſen wider 1. Cor. 1, 12. 3, 4. Spaltungen aurichten, daß ſich ein Theil der Lutheraner an dieſen, der andere an jenen Lehrer hinge, Dadurch aber wird: ad 2., das kirchliche Gemeinwohl nicht nur nicht gefördert, ſondern vielmehr gehindert und wider den Sinn und die Liebe Chriſti ſein geiſtlicher Leib, die Kirche, nicht gebaut, ſondern zerriſſen; denn durch ſolchen unordentlichen Weg werden Haß, Zorn, Zank, Zwietracht, Neid, Perachtung, Richten, Lugen, Verleumdung, Hochmuth und andere Werke des Fleiſches kraftig geſtärkt und das eintrachtige und bekenntniß⸗ tteue Zuſammenwirken äußerlicher und innerlicher Gaben und Kräfte zur Erhaltung und Ausbrei⸗ tung der Kirche Chriſti gehindert; und wo, wie .B. hier in und bei Fort Wahyne, die neuen Pheramten Gemeinden im feindlichen Gegenſatz 11 die bereits vorhandeuen eutſtanden ſind, da oͤnnen manche Seelen, vornämlich der Anſtifter und Stimmfuͤhrer, unwiderbringlichen ewigen Schaden nehmen.— ad 3 und 4., Wo es aber örtliche Verhältniſſe, alſo z. B. Ausdehnung einer Stadt, ſchnell zu⸗ nehmende Bevölkerung durch Maſſen lutheri⸗ ſcher Einwanderer, vielleicht aus denſelben Ge⸗ genden des deutſchen Vaterlandes, unmöglich machen, daß ein Paſtor ſie alle bedienen, eine Kirche ſie faſſen kann, ſo wäre es freilich am Schönſten, wenn ſie gleichwohl alle zuſammen eine Gemeinde bildeten und nur noch eine Kirche gebaut und ein Hülfsprediger berufen würde; jedoch wäre es auch zuläſſig, wenn die neuangekommenen, aber in friedlicher u. freund⸗ licher Uebereinkunft mit der bereits beſtehenden Gemeinde, in einem andern Stadttheile das heil. Predigtamt ſonderlich unter ſich aufrichte⸗ ten und eine eigene Gemeinde bilden. Und be⸗ rief dieſelbe eben einen rechtgläubigen, lehrtüch⸗ tigen und unſträflichen Diener, ſo könnte, auch wenn die neue Gemeinde, in Mitteldingen, als z. B. in Cärimonien' eine ganz andere Geſtalt hätte, als die ältere, doch auf Grund deſſelben kirchlichen Bekenntniſſes, kirchliche Gemeinſchaft zwiſchen beiden ſtattfinden, nur daß es nöthig würde, je nach der Lage der beiden Kirchen, das Stadtgebiet durch beſtimmte Grenzlinien nach Straßen unter ſich zu theilen, damit nicht Un⸗ ordnung und Verwirrung einreiße. Dieſes wären denn in der Kürze die leitenden Grundſätze für die Bildung einer neuen lutheri— ſchen Gemeinde neben einer alten, und dies iſt allein „der ordentliche Weg.“—Da aber es hier in keinem Stücke alſo hergegangen iſt, ſo kann daraus das Ehrwürdige Miniſterium der Synode von Ohio, weſilichen Diſtrikis, klar ge⸗ nug erſehen, daß, was ſie den (ordentlichen Weg“ nennt, es nicht iſt, ſondern der Lunor⸗ dentliche Weg“ des Eigenwillens, des Hoch⸗ muths, des Widerſtrebens gegen die rechte kirch⸗ liche Ordnung und im beſten Falle der Unwiſſen⸗ heit und der ungehörigen Uebertragung bürger⸗ licher Verhältniſſe auf das kirchliche Gebiet. 2., Das zweite Stück dieſer nach mehrtägigen Wehen, wie es ſcheint, ſo hart geborenen Mini⸗ ſterial⸗Entſcheidung lautet alſo: „daß die Be⸗ ſchildigungen gegen Herrn Strauß, daß er ein offenbarer und vorſätzlicher Lügner u. ſ. w. *) ſei, in der Wirklichkeit keinen Grund haben, dennoch aber Manches in ſeiner Lebenszeit aus Schwachheit, Unvorſichtigkeit und Uebereilung begangen, das er herzlich zu berenen ſich ge⸗ drungen fühlt.“ Hier wolle ſich nun der geneigte Leſer jenes inhaltſchweren, amtlich beglaubigten und beſie⸗ gelten zwiefachen Zeugniſſes des H.Superinten⸗ denten Dr. Wortmann und des Herrn P. Gräber aus Deutſchland erinnern, das oben auszüglich mitgetheilt wurde, und darin ſie, nach Pflicht und Gewiſſen, Strauß als einen muthwilligen vorſätzlichen Lüguer, ja als einen vom Lügengeiſte ganz Menſchen bezeugen, der gar nicht mehr wiſſe, wenn er lüge, und der ſein als vor Gottes Angeſicht in die Hände des Paſtors Gräber mündlich gelobtes und ſchriftlich ausge⸗ ſtelltes Verſprechen, hier durchaus keinen Schritt zu thun, um in den Dienſt der Kirche zu treten, gleich nach ſeiner Ankunft in Amerika ſo ſchändlich Und treulos gebrochen hat. Der Secretair der Synode ſchreibt oben, die ſes Zeugniß von Deutſchland ſei in der Sitzung des Miniſteriums von Herrn Profeſſor Lehmann, dem derzeitigen Präſes, vorgeleſen worden und der⸗ ſelbe ſchrieb mir, wie oben erwähnt, dieſes Wergan aüſſe „erſt gehörig und reiflich erwogen werden. *) Bei dieſem ſeltſamen: u. ſ. w kann man ſich auch nicht erwehren, ſeine beſonderen Gedanken zu haben, ſei es über den n Mitn an Verſtand oder ſittlichen Ernſt in dem Ehrwürdigen Miniſterium, da es ſich zie mlich bagatellartig ausnimmi. — Ich frage nun das Ehrwi Miuiſterium, als im Angeſichte der ganzen hieſigen lutheriſchen Kirche? worin hat denn dieſe „gehörige und reif⸗ liche Erwägung“ beſtanden, daß als Ergebniß davon die Losſprechung des H. Strauß von jenen ſchweren Beſchuldigungen in dem Spruche er⸗ folgte: „Daß die Beſchuldigungen gegen Herrn Strauß, daß er ein offenbarer und vorſätzlicher Lügner ſei, in der Wirklichkeit keinen Grund haben?“ mden etwa der Herr Präſes, wenn er meiner Anfrage an Herrn P. Gräber wegen des Strauß mißtraute, ſelbſt an denſelben geſchrieben und einen Widerruf von deſſen Zeugniß wider Strauß an mich empfangen? ö Antwort: Nein! Denn dann hätte er ſchwer⸗ lich geſäumet, mir eine Abſchrift dieſes Wider⸗ rufs alsbald zukommen zu laſſen, der ſeinen lie⸗ ben Bruder Strauß, wenigſtens in Bezug auf ſein Verhalten in Deutſchland, möglicherweiſe, gerechtfertigt, P. Gräber dagegen als einen lüg⸗ neriſchen oder ſchwachſinnigen Menſchen darge⸗ ſtellt hätte. Oder ſind etwa, mündlich oder ſchriftlich, glaubhafte und unverwerfliche Augen- und Oh⸗ renzeugen von Deutſchland aus jenen Gemein⸗ den vor dem Ehrw. Miniſterium erſchienen, die das amtlich beglaubigte und beſiegelte Zeugniß jener beiden Paſtoren durch ſieghafte Gegen⸗ gründe für Strauß entkräftet haben? Antwort: Nein! wiewohl ſelbſt in ſolchem Falle jene ur⸗ ſprünglichen Zeugen von Neuem hätten gehört werden müſſen, wie der natürliche Rechtsverſtand von ſelber lehrt. Nun was iſt denn geſchehen, wodurch das Ehrw. Miniſterium in ſeinem Gewiſſen deß feſt und gewiß überzeugt wurde, „daß die Beſchuldi⸗ gungen gegen Herrn Strauß, daß er ein offen⸗ barer und vorſätzlicher Lügner ſei, in der Wirk⸗ lichkeit keinen Grund haben?“ —Antwort: Nichts Rechtskräftiges und Gründliches, denn ange⸗ nommen, jener Vorſteher der damaligen Strauß⸗ ianer hätte ſich heils mündlich theils ſchriftlich, auch im Namen ſeiner Genoſſen, auf das aller Entſchiedenſte für Herrn Strauß, als den Aus⸗ bund aller Wahrhaftigkeit, Treue und Zuver⸗ läſſigkeit erklärt, ſo konnte doch unmöglich durch ſolches Parthei⸗-Zeugniß jenes amtliche Zeugniß wider Strauß in dem Gewiſſen des Miniſteri⸗ ums aufgehoben werden, da dieſes Letztere zu⸗ dem in ſeinem Gewiſſen keine Gewißheit haben konnte, daß die Strauß'ſchen Anhänger im— Recht gegen unſre Gemeinden ſtänden, indem es leider, gewiſſenloſer Weiſe, keine Unterſuchung an Ort und Stelle angeordnet hatte. Was galt alſo —ich frage jeden moraliſch ehr⸗ lichen Menſchen von einigem Rechtsverſtande, er braucht gar kein Chriſt zu ſein, noch eine ſon⸗ derliche Erleuchtung des Heiligen Geiſtes zu ha⸗ ben — was galt unter ſolchen Umſtänden, nach Wahrheit und Recht, auch das beſte Zeugniß je⸗ ner Partheileute für ihr damaliges Parthei⸗ haupt, um jenes Zeugniß wider ihn aus Deutſchland zu Null zu machen? Antwort: Nichts. ö Wodurch alſo, nochmals gefragt, wurde ſchließlich das Ehrw. Miniſterium in ſeinem Ge⸗ wiſſen deß verſichert und unzweifelhaft gewiß, daß jenes wiefache amtlich beglaubigte und he⸗