# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S126 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und Verklagter einander gegenübergeſtaͤnden, aus der Ferne urtheilen? 2. vaß alſo dem Herrn Präſes herzlich wenig daran lag, ob Herr Strauß 2 Monate länger vielleicht doch nur muthwillige Separatiſten, die er mit Lug und Trug an ſich gezogen, mit Wort und Sakrament bediente und am Ende ſolchen Chriſti Leib und Blut im heiligen Abendmahl reichte, die wider beides gleich ihm in offenbarer Empörung begriffen waren und nach dem Urtheile des göttlichen Wortes ſich bereits im geheimen Banne befanden; 3. daß der Herr Präſes einen unbegründeten und unbilligen Zweifel wider jenes zwiefache mit Unterſchrift und Amtsſiegel verſehene Zeugniß des Herrn Superintendenten P. Wortmann von Duisburg und des Herrn P. Gräber gegen Strauß hegte. Und warum wohl? Weil er leider ohne ein (günſtiges) Zeugniß dieſer beiden Männer für Strauß, bei denen dieſer vor ſei⸗ nem Abgange Dienſte der „innern Miſſion“ geweſen, ihn, fahrläſſig genug, in das Seminar aufgenommen hatte.— Und was ſollte doch in aller Welt die „reifliche Erwägung“ der Synode an dieſem Zeugniſſe wirken? Konnte es ihm an ſeinem gewichtigem Inhalte etwas nehmen zu Gunſten ves l. Bruder Strauß? Oder konnte ſelber der ſcharfſinnigſte der liebreichen Väter der Ohio⸗— Synode aus dieſem Zeugniß irgend ein Bedenken wider die Perſonen und Geſinnung der beiden Zeugen hervorbringen, das ſeinem l. Sohne, dem Licenziirten Strauß, einen erwünſchten Schlupfwinkel gewährt hätte? —Nicht alſo. So wenig Ernſt und Eifer um Gottes Ehre und der Kirche Heil, wie ſo eben nachgewieſen, dieſe Antwort des Herrn Präſes verrieth, und ſo wenig Hoffnung auf eine gründliche unpar⸗ theiiſche Unterſuchung und Entſcheidung ſie enthielt, ſo gefiel es ihm doch, ſie mit einer glänzendenPhraſe zu ſchließen, welche alſo lautet: „Der HErr wolle uns Alle in dieſer Sache mit ſeinem Geiſte erleuchten und ſeinen Rath offen⸗ baren und uns kindliche Demuth, aber auch freudigen Glaubensmuth geben, daß wir uns ſelbſt darin vergeſſen und ſeine Ehre allein ſuchen“ Amen!“ Ich nenne dieſe Worte eine Phraſe, nicht in dem Sinne, als ob ſie der Herr Präſes in be⸗ wußter Heuchelei hingeſchrieben, nachdem nichis ſachlich Befriedigendes vorausgegangen war, was auf eine ſchriftgemäße Erledigung der Sache hoffen ließ, ſondern in dem Sinne, daß der Schreiber darin ſich ſelber täuſcht. Denn wozu war denn etwa in dieſer nichts weniger als verwickelten Sache eine beſondere Erleuchtung des heiligen Geiſtes nöthig, da ſie durch klare Schriftſtellen längſt gerichtet iſt, ja nur ein mittelmäßiger gewöhnlicher Rechtsverſtand, bei ) Der Herr Präſes behauptet zwar, Strauß nicht ohne Zeugniſſe von Deutſchland, aufgenommen zu haben, aber es waren unmöglich ſolche, die bei ſeinem Abgange von Deutſchland von amtlichen Perſonen ausgeſtellt waren. Frühere aber, und zudem von Privat-Perſonen, konnten doch unmöglich ſein Gewiſſen über die moraliſche Befähigung des Strauß zur Aufnahme ins Seminar zufrieden ſtellen. Ue⸗ brigens iſ gewiß, daß er Herrn Köſtering ohne alles Sitten⸗ zeugniß ins Seminar aufgenommen hat. nach Amerika zuletzt“) im Satans, verſtrickt ſind. aufrichtigem Herzen und einiger Gottesfurcht, ſie vollkommen erkennen und urtheilen kann? Welcher Aufwand „von kindlicher Demuth, aber auch freudigem Glaubensmuth“ war denn hier erforderlich, wo es ja nicht galt, einen ſchweren Kampf wider Teufel und Welt zu beſtehen, ſon⸗ dern nur auf Grund vorliegender Thatſachen ein gerechtes Urtheil nach Gottes Wort zu fällen? Die Zeit der Synode kam nun herbei und Herr Strauß machte ſich auf den Weg, ſo wie auch einer der Vorſtehertr) ſeiner damaligen Anhänger, ein ehemaliger Abendmahlsgenoſſe meiner Gemeinde und abgeſagter Feind der Beichtanmeldung, die ihm, wider ſeine damalige Luſt und Neigung, zu etwas genauerer Selbſt⸗ und Sündenerkenntniß verholfen hatte. Auf dieſer Synodal-Verſammlung zu Lan⸗ caster, O., wurde nun allerdings die Straußſche Sache verhandelt, aber von dem Ergebniß dieſer Verhandlung wurden wir Kläger, Herr Paſtor Husmann und ich, nicht in Kenntniß geſetzt, ſondern warteten von Woche zu Woche vergebens auf Antwort; nur dieſes brachten wir in Er⸗ fahrnng, daß Sr. Ehrwürden, Herr Strauß, ganz wohlgemuth von der Synode zurückgekehrt ſei und nach wie vor an den Leuten handthiere, auch von Seiten der Synode keine Commiſſion zur Unterſuchung der Sache an Ort und Stelle hieher geſandt werde. Da ſchrieb ich nun endlich an den Herrn Präſes und fragte an, ob unſre Klage auf der Synode verhandelt und ſonderlich auch das Zeugniß wider Strauß von Deutſchland mitge⸗ theilt worden ſei? Darauf erhielt ich nun unter dem 6. Auguſt— am 20. Mai und den folgenden Tagen hatte die Synodal⸗Verſammlung bereits ſtatigefunden — von dem Secretair der Synode, Herrn P. Al⸗ brecht, folgende Antwort: „Zuerſt habe ich Ihnen zu antworten, daß Ihr „Zeugniß und Anklage,“ ſo wie dieZeugniſſe des Superintendenten Dr. Wortmann und P. Gräber aus Deutſchland, ſowohl vor der Com⸗ mittee, als auch in der Miniſterial⸗Verſammlung von Prof. Lehmann vorgeleſen wurde. Und zu Ihrer ferneren Befriedigung theile ich Ihnen folgenden Auszug unſerer Miniſterial-Ver-⸗ handlungen über den betreffenden Punct mit: „Donnerſtags Vormittags 8 Uhr“ „Die Beſchuldigungen der Herren Sihler und Husmann“ (Paſtoren ſcheinen wir alſo in den Augen der Ohio-Synode, weſtlichen Diſtrikts, nicht zu ſein, und doch nur als ſolche hatten wir Klage geführt) „gegen den Candidaten Strauß wurden wieder in Erwägung genommen, und nachdem nun alle vorliegenden Zeugniſſe in Bezug auf die ganze Sache in mehreren Sitzungen gründlich unterſucht, ernſtlich und ohne Vorur⸗ theil erwogen und beſprochen worden, kam endlich das Miniſterium zu folgender Entſcheidung: +) Dieſer Mann iſt übrigens ſchon ſeit Monaten über das lügneriſche Weſen des Ehrw. Strauß im Klaren, wie deun überhaupt die Rolle dieſes geiſilichen Schauſpielers und Demagogen hier in der Stadt bereits ausgeſpielt iſt, und nur noch die Leute auf dem Lande, aus gerechtem Gericht Gottes, in ſeinem Lügennetz, als in den lingen des — „Beſchloſſen, daß dieſes Miniſterium die Beſchuldigungen der Herren Sihler, Husmann und Bartholomew“ (mit deſſen Anklage übri⸗ gens die unſre nichts zu ſchaffen hat) „nach allen vorliegenden Schriften und Zeugniſſen, unter ernſtem Gebet und Flehen, getreu und gewiſſenhaft unterſucht und erwogen hat und zur beinahe einſtimmigen Ueberzeugung ge⸗ kommen, daß die evangeliſch lutheriſche St. Johannes Gemeinde in Fort Wayne durchaus nicht den Namen Rotte u. ſ. w. verdient, daß dieſelbe auf ordentlichem Wege gegründet, ob⸗ wohl ſie, wie andre Gemeinden, aus ſchwachen ſündhaften Menſchen beſteht, die der treuen Hirtenpfiege ſtets bedürftig ſind; daß die Be⸗ ſchuldigungen gegen Herrn Strauß, daß er ein offenbarer und vorſätzlicher Lugner ꝛc. ſei, in der Wirklichkeit keinen Grund haben, dennoch aber Manches in ſeiner Lebenszeit aus Schwachheit, Unvorſichtigkeit und Uebereilung begangen, das er herzlich zu bereuen ſich ge⸗ drungen fühlt. Von der Richtigkeit dieſes Urtheils iſt das Miniſterium zur Genüge über⸗ zeugt worden, da ſelbſt der anweſende Kläger (A. Bartholomew) ſeine Beſchuldigung unbe⸗ dingt zurück nahm.“ So weit die Verhandlungen des Miniſteri. Die oben erwahnte Zurücknahme der Anklagen gegen Herrn Strauß von A. Bartholomew fand am 25. Mai ſtatt, der vorhergehende Beſchluß wurde am 26. angenommen. Herr A. Bartho⸗ lomew ſandte jedoch an dieſem Tage noch eine telegraphiſche Depeſche von Columbus aus an das Miniſterium, in welcher er anzeigt, daß er auf ſeinen früheren Anklagen zu beſtehen, ſich gedrungen fühlt. Achtungsvoll der Ihrige L. Albrecht, Secretair. Was ſoll man aberſo frage ich jeden verſtän⸗ digen und urtheil sfähigen Leſer des Lutheraners der von keinem Parthei⸗Intereſſe befangen, ſon⸗ dern ein geſunder Sohn der Kirche iſt-was ſoll man von dieſer Entſcheidung des Miniſteriums des weſtlichen Diſtrikts der Ohio⸗Synode halten? Doch ich will mein ſummariſches Urtheil noch zurückhalten und zuvor die einzelnen Stücke dieſer Entſcheidung dem Leſer vorführen. 1, Da heißt es nun zuerſt (den geſpreizten Eingang moſte⸗ wer Luſt hat, oben nachleſen) „die evangeliſch lutheriſche St. Johannes⸗Ge⸗ meinde zu Fort Wayne verdiene durchaus nicht den Namen „Rotte“ und ſei auf ordentlichem Wege gegründet.“ Was nun den Namen „Rotte“ betrifft, ſo habe ich denſelben weder jemals mündlich ge⸗ hraucht noch auch irgendwo in meiner Anklage⸗ ſchrift genannt, ſondern mich nur der Ausdruch Separatiſten, loſer Haufen, Anhänger des Herrn Strauß und dergl. bedient. Hat aber Jemand anders dieſe Leutlein Rotte genannt, ſo haben doch ſolche Strauß und die Seinen nicht bei der Synode verklagt; was ſoll alſo die Ablehnung eines Ausdrucks in obiger Entſcheidung, der gar nicht gebraucht worden iſt? In Hinſicht aber auf den „ordentlichen Weg, auf dem die Gemeinde gegründet ſei,“ ſo fehlt aller Nachweis, der das Gewiſſen des Klägers zufrieden ſtellen könnte. P. Husmann und ich-die wir doch hof⸗ fentlich nicht als Lügenſchmiede übel berüchtigt ſind-reichen einen treuen geſchichtlichen Bericht ein, wie Strauß hier zu Werte gegangen, wie treulos und wortbrüchig er gehandelt habe, und begehren eine ordentliche Unterſuchung. Und worin beſteht dieſe? daß das Ehrw. Miniſterium dem mündlichen Selbſtzeugniß ſammt allerlei deklamatoriſchen Betheurungen des gegenwärtigen