# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 03 28_S125 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Unzählig viel andere Dinge hat er rein erſonnen und gelogen und als wahr erzählt, ja ich wage zu behaupten, daß bald jedes Wort, welches er ſprach, eine Lüge war. Der Unterſchied zwiſchen Eüge und Wahrheit war ſeinem Gewiſſen ganz abhanden gekommen; er war ſo in das Lügen hineingekommen, daß er die unnützeſten Sachen E log, auch da log, wo er keinen Vortheil davon erwarten konnte, blos um zu prahlen, um zu in⸗ teresſiren, um doch etwas ſagen zu können; ja er log in den Bibelſtunden, die er regelmäßig hielt, unter Gebet und Geſang von ſeinem großen Reichthum, ſeiner Reiſe nach Jeruſalem, ſeinen Verfolgungen u. ſ. w. daß man darüber ſtaunen nmuß, wie es ihm möglich war und gerade dann, wenn er ſo heftige Deklamationen gegen das Lügen und Betrügen ertönen ließ./. Als ihm nun Herr P. Gräber, nachdem er Nienen Bericht aus Frankfurt empfangen hatte, nnuſtlichen Vorhalt über ſein ſchreckliches Lügen . chat, ſo wollte er ſich anfangs in dieſem und jenem Stücke hinaus reden. Als ihm dies aber nicht gelang, ſo „mußte er verſtummen *) und hatte kein einziges Wortzur Rechtfer⸗ tigung in irgend einem Punkte vor⸗ nuringen.“ Als nun Herr P. Gräber mit ſcharfen und ernſten Worten ihm das ſchreckliche Verderben ſeines Herzens vorhielt, um ihn zur reumüthigen Erkenniniß zu bringen, ſo blieb er gleichwohl kalt und verſtockt und erſt, als er vernahm, daß es mit ſeiner Arbeit und ſeinem Verdienſt in NMeiderich und Mühlheim völlig aus ſei, da veinte er Thränen der Bauchſorge, bat um Ver⸗ bung und verſprach, Alles thun zu wollen, was P. Gräber verlange, um ſein Vertrauen ſich wieder zu erwerben. P. Gräber begehrte uun von ihm, er ſolle ſich einem Manne in der Gemeinde, der ihrer Beider Vertrauen beſäße, Namens Joh. Bechmann, offen und ehrlich ent⸗ decken und ihm in drei Wochen ſeine Lebensge⸗ ſcichtt einreichen. „Er hat —ſo heißt es weiter in dem Briefe — veder das Eine, noch das Andere gethan, Be⸗ wiis genug, daß ſeine ſcheinbare Buße nur neue Heuchelei war.“ Er wurde natürlich fortgeſchickt, u. trieb ſich in der Nachbarſchaft umher, wo er mitunter „den ußfertigen und reumüthig Zerſchlagenen ſpiel⸗ . — Endlich aber, um ihn wahrſcheinlich aus Deutſchland ganz los zu werden, kam man mit E ſeinem frühern Lehrer, dem Judenmisſionar Poper in Frankfurt, der das meiſte Geld dazu L verchaffte, überein, dieſen lügneriſchen Geſellen nach Amerika zu ſpediren, das ja leid er, Gott ſei es geklagt, auch Deutſchlands Cloak iſt und ſeine Unreinigkeit in hirnverbrannten Volksauf⸗ wiecglern, gottesleugneriſchen Zeitungsſchreibern, . Lerdorbenen Advokaten, verſoffenen Studenten, Deſerteurs, Dieben, Betrügern u. ſ. w. ver⸗ Köſtering ſpäter hier im Beiſein unſrer und ſeiner eigenen Borſieher ſein ſchreckliches Lügenweſen vorhielt, wovnrch denn adlic ſeinen hieſigen Anhängern die Augen über ihn auf⸗ gingen. Dasſelbe Verſtummen trat auch ein, als ihm Herr — ſchlucken muß, ſo daß es nur eine geringe Ver⸗ geltung für dieſe trefflichen Artikel wäre, wenn die Amerikaner einmal etliche Schiffsladungen Klapperſchlangen nach Deutſchland hinüberſchick⸗ ten. Da aber den Wohlihätern und Entſendern des Strauß doch wohl das Gewiſſen ſchlug, er könne, nach ſeiner Ueberſiedelung, ſeine frühere Rolle als geiſtlicher Schauſpieler und speech- maker auf dem heiligen Boden der Kirche mit großer Begierde wieder aufnehmen, ſo kam man, wunderlich genug, auf die halbe Maasregel, ſich von ihm, den man doch als einen Lügenmeiſter kannte, folgenden Revers (Schein) ausſtellen zu laſſen: „daß er dieſes Geld (50 Thlr. prß. Cour.) nicht anders, als zur Reiſe nach Amerika anwenden will, daß er nicht ſelbſt ſuchen will, irgend einen Dienſt im Weinberge des HErrn ſich zu verſchaffen, und wenn er von irgend einer Seite her dazu aufgemuntert oder aufgefordert werden ſollte, einen ſolchen Dienſt anzunehmen, daß er ſofort der den Dienſt zu vergeben habenden Behörde“ (allerdings eine ſeltſame Unbekannt⸗ ſchaft mit den hiefigen kirchlichen Verhältniſſen) „offen und ehrlich bekennen will“ (ſchwer, von einem Strauß anzunehmen,) „wie untreu er ge⸗ weſen; daß er dem Geiſtlichen der Stadt oder Gegend, wo er ſich aufhalten wird, oder für den Fall, daß ein Judenmiſſionar in der Rähe iſt, dieſem bei erſter Gelegenheit eine offene Beichte ablegen will und ſich ſeinem geiſtlichen Rathe fü⸗ gen; daß er mir mindeſtens alle 3 Monate ſchreiben will und in ſeinem erſten Schreiben mir den Geiſtlichen oder Miſſionar, dem er ſich er⸗ öffnete, nennen will.“ Auf die Anfrage des minar eintreten dürfe, antwortete P. Gräber, „daß er das nicht dürfe, weil das der Anfang ſei davon, daß er einen Dienſti im Weinberge des HErrn ſuche.“ So reiste denn Strauß mit Köſtering, der aber von dieſem Reverſe nichts wußte, nach Amerika ab, letzterer mit der beſtimmten Abſicht, auf das Seminar nach Fort Wayne zu gehen, wo ein Freund und Landsmann von ihm ſtudirte. In New⸗Yort aber angekommen, ließ er ſich von P. Stohlmann überreden, auf das Seminar nach Columbus zu gehen, wohin ibn Strauß begleitete; und Hr. Prof. Lehmann nahm ſie, ohne Bedenken, ſofort in das Seminar auf. Strauß alſo brach dadurch ſein feierlich „mit einem Handſchlag in P. Gräbers Hände, als vor dem Angeſichte Gottes, beſiegeltes Ver⸗ ſprechen,“ das er in jenem eigenhändig geſchrie⸗ benen und unterſchriebenen Reverſe gegeben hatte, durchaus keinen Schritt zu thun, in den Dienſt der Kirche zu treten. Als wir, P. Husmann und ich, nun jenes Zeugniß von Deutſchland über Strauß em⸗ pfangen hatten (darin u. A. auch ſtand, es ſei des P. Gräbers „feſter Entſchluß, dem Strauß in Amerika keine Ruhe zu laſſen und falls er in das Predigtamt getreten, eine öffentliche War⸗ nung gegen ihn in den deutſchen kirchlichen Blättern ergehen zu laſſen“), ſo war natürlich der erſte Schritt dieſer, daß wir dasſelbe öffentlich nach vollendetem Gottesdienſte unſern Gemeinden Strauß, ob er denn nicht in ein geiſtliches Se⸗ vorlaſen. Natürlich konnten die Anhänger des Strauß nicht gleichgültig dabei bleiben und die in der Stadt begehrten das Schreiben, das ich jedoch nicht aus meinen Händen zu geben für gut fand, dagegen erklärte, ich wolle in Begleitung meines Kirchenvorſtands zu ihnen kommen, ihnen daſ⸗ ſelbe vorleſen und Einſicht in dasſelbe gewähren, auch die Amtsſiegel zeigen, damit ſie ſodann Angeſichts dieſes Zeugniſſes, den Hrn. Strauß zur Rechenſchaft forderten. Dieſer mein Vor⸗ ſchlag wurde angenommen; aber als wir uns an dem beſtimmten Orte einfanden, ſo ſagten die Vorſteher der Straußiſchen, es hätten ſich allerlei loſe Leute mit eingefunden und es ſei Rumor zu beſorgen. Ich machte deshalb den Vorſchlag, daß die Verſammlung in unſerm Schulhauſe ſein möge, worauf aber jene nicht eingingen, ſondern die Sache an einem andern Tage vornehmen wollten, der jedoch bis jetzt noch nicht gekommen iſt. Der andere Schritt, welcher geſchah, war der, eine wortgetreue Abſchrift dieſes Zeugniſſes wider Strauß an den Präſes der weſtlichen Diſtrikts⸗Synode Hrn. Prof. Leh⸗ mann mit der Bitte einzuſenden, doch min⸗ deſtens alsbald eine Unterſuchung wider Strauß einzuleiten, indem ich ihn zugleich über den geſchichtlichen Verlauf dieſes ganzen Handels ins Klare ſetzte und was alles geſchehen ſei, um den Menſchen von dem Werke der Ungerechtigkeit zurückzuhalten. Auf dieſe Einſendung erfolgte die Antwort, daß er (der Herr Präſes) nichts thun könne, ſondern die Unterſuchung der Sache bis auf die (etwas über 2 Monate darnach fallende) nächſte Verſammlung des weſtlichen Diſtrikts der Synode von Ohio verſchieben müſſe; ihm ſelbſt „ſei es nicht möglich, ſich loszureißen, um an Ort und Stelle eine Angelegenheit zu unterſuchen, zu deren Entſcheidung er ja nicht befugt ſei, ihrer Miniſterial⸗Ordnung gemäß; überdieß ſeien die P. P. Gräber und Wortmann ihm nicht be⸗ kannt, weshalb ihr Zeugniß erſt gehörig und reiflich erwogen werden ſollte.“ Dieſe Antwort nun, wie jeder verſtändige kirchlich geſinnte Leſer es mit mir fühlen und er⸗ kennen wird, war ſehr bedauerlich und ließ von der ſpätern Entſcheidung der Synode wenig Gutes hoffen. Denn aus dieſer Antwort geht doch unleugbar hervor: 1. daß dem Herrn Präſes dieſer Handel ziemlich unerheblich erſchien; denn konnte er wirklich nicht ſelbſt kommen, ſo konnte er doch räumlich benachbarte Amtsbrüder mit Zuziehung des hieſigen engliſch lutheriſchen Paſtors, der ja auch zur Synode von Ohio gehört, beauftragen, eine baldige Unterſuchung an Ort und Stel⸗ le vorzunehmen und die Beſchaffenheit unſrer P. Husmanns und meiner) Klage zu erforſchen und uns Strauß und den Seinen gegenüberzu⸗ ſtellen, wozu wir allewege bereit geweſen wären; denn was wollte am Ende die Synode, ohne ſolche vorhergegangne Unterſuchung, da Kläger