Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 20 › Seite 118

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-26, Seite 118

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften

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ö

chismus wenig odver gar nicht bekͤmmern, wel⸗
ches freilich darin ſeinen Grund hat, daß ſie ihn
ſelbſt noch nicht recht verſtehen, kennen und
werthzuſchätzen gelernt haben.

Deine Kinder, die noch in die Schule gehen,
verhöre fleißig über das in der Schule Gelernte
und forſche daneben auch fleißig nach, ob ſie ih—
re Lectionen wohl können; denn dadurch wirſt
Du Eurem Lehrer in der Schule eine gute Stüt—
ze, die ihm gewiß nur lieb ſein kann. — Ge—
wöhne auch Deine Kinder bei Zeiten daran, daß
ſie, je nach ihrem Maaß, auch aus der Kirche
Körnlein und Sämlein mit heimbringen, die ſie
dann, etwa bei Tiſch, Dir vorzeigen und davon
erzählen müſſen, welches gewiß, neben der Spei⸗
ſe für den Leib, eine gute Würze für die Seele

iſt, und wodurch auch ſonſt manchen unnützen

Reden vorgebeugt wird. Freilich wird es mit
dem Merken u. Behalten des Wortes nicht im⸗
mer nach Wunſch gehen und auch in dieſer Wei⸗
ſe bei Dir die Geduld geprüft werden; denn der
Teufel iſt nicht allein bei den Erwachſenen, ſon—
dern auch bei den Kleinen ſchon geſchäftig genug,
um ihnen das Wort wieder zu ſtehlen, damit ſie
nicht glauben und ſelig werden ſollen, und da
wird es ſich denn wohl zuweilen zutragen, daß
Du bei dem Nachfragen mehr den vergeßlichen
Hörer des Wortes erkennen mußt. Dagegen
ſoll und darf man dann nicht gleichgültig ſein;
denn es iſt ja eine große Sünde, auch bei Kin⸗
dern ſchon, wenn ſie das ſelige Wort Gottes
leichtfertig hören und alsbald wieder vergeſſen.
Man muß ſie von Gottes wegen darüber be—
ſtrafen; freilich nicht ſogleich mit dem Stocke,
denn das wäre nicht weislich gehandelt, ſon⸗
dern zunächſt mit dem Worte Gottes ſelbſt.

Denn wiewohl, wenn die Strafe des Wortes

und die Vermahnungen nichts fruchten, auch
leibliche Züchtigungen erfolgen müſſen, ſo wird
doch durch's Wort allein das Herz gebeſſert und
vermöge des Wortes im Herzen die kindliche
Furcht entzündet, die ſich ſcheuet etwas zu den—
ken, zu reden und zu thun, das Gott miffällt.
Zu den leiblichen Strafen, ſollen ſie heilſamlich
wirken, muß alſo auch das Wort Gottes kom⸗
men, ſonſt kann höchſtens äußerlich dadurch der
Sünde gewehret werden, aber das Herz bleibt
ungebeſſert in der kuecht'ſchen Furcht ſtecken.
Soll man nun aber ſtrafen, ſo muß man doch
auch eine zum Strafen ſich eignende Ruthe ha—
ben; denn das will ſich nicht ſchicken, daß man

mit jedem beliebigen Stück Holz, was einem

grade unter die Hände kommt, zuſchlägt. Will
man daher mit dem Worte Gottes ſtrafen, ſo iſt
ebenfalls nöthig, daß man ſolche Sprüche, wo⸗
rin von der zu ſtrafenden Sünde die Rede iſt,
bei der Hand hat. Wir ſtehen nun für dieſes
Mal beſonders bei der Leichtfertigkeit im Hören
und Behalten des göttlichen Wortes und da,
venke ich, wird es Dir, lieber Bruder, nicht un—

lieb ſein, wenn ich Dich auf einige Sprüche

aufmerkſam mache, die mir für ſolche Fälle recht
paſſend zu ſein ſcheinen.
11, 28. und lautet: „Ja, ſelig ſind, die das
Wort Gottes hören und bewahren.“

Solch einen Spruch kann man nun dem Kinde

Der erſte ſteht Lucä;

—117—

einfach zergliedern, und bei dieſem etwa ſagen:
Siehe, hier hörſt du, daß Chriſtus nicht die ſe⸗
lig preiſ't, die das Wort Gottes hören und dar—
nach wieder vergeſſen (wie Du es jetzt gemacht
haſt); ſondern er ſetzt zum Hören auch das Be—
wahren oder Behalten. Hören und
Bewahren gehören alſo nothwendig zuſam⸗
men, und wo das nicht iſt, da kann man auch
auf die Seligpreiſung Chriſti keinen Anſpruch
machen. — Ferner: „Seid aber Thäter des
Wortes und nicht Hörer allein, damit ihr euch
ſelbſt betrüget.“ (Jacob. 1, 22.) und Lue. 2,
19.: „Maria behielt alle dieſe Worte und be—
wegte ſie in ihrem Herzen.“ — Und weil das
leichtfertige Hören und Vergeſſen des Wortes
gleichſam eine Verachtung und Verwerfung deſ⸗
ſelben iſt, und alſo ſchnurſtracks wider das 3.
Gebot läuft, ſo kann man auch den Spruch
Hoſea 4, 6. anziehen, nemlich: „Mein Volk iſt
dahin, darum, daß es nicht lernen will. Denn
du verwirfſt Gottes Wort, darum will ich dich
auch verwerfen,“ und dem Kinde dann dabel zu
Gemüthe führen, was das heiße won Gott ver—
worfen zu ſein. Auch kann man beiſpielsweiſe
die große Seelengefahr vorſtellen, in welche der—
jenige ſich bringt, der das Wort Gottes nur
oberflächlich hört u. nicht zu Herzen faßt. Und
da dient denn der Leib zu einem trefflichen Er—
empel. Man kann alſo dem Kinde etwa ſo
ſagen: ſiehe, dein Leib bedarf der täglichen Nah—
rung und du verſorgſt ihn damit nicht nur ein⸗
mal, ſondern mehrere Male in einem Tage.
Würdeſt Du nun Deinem Leibe die nöthige
Nahrung mehrere Tage entziehen, ſo würde er
gewiß bald matt und krank werden, ja endlich,
wenn er gar keine Nahrung mehr bekäme, gar

erſterben müſſen. Du haſt aber in Deinem ſterb⸗

lichen Leibe auch eine unſterbliche Seele wohnen,
die ebenfalls der Nahrung bedarf und um ſo
viel mehr, ſo viel ſie edler iſt, als der Leib. Die
Nahrung der Seele iſt aber allein Gottes Wort,
das wir gläubig hören und bewahren müſſen.
Wer nun das nicht thut, ſondern Gottes Wort
leichtfertig hinter ſich wirft, der entzieht damit
ſeiner Seele die nöthige Nahrung und tödtet da⸗
durch ſeine Seele, freilich nicht leiblich, ſondern
geiſtlich. Wenn aber die Seele geiſtlich todt iſt,
ſo wohnt der liebe Gott nicht mehr darin. und
ein ſolcher Menſch wird dann wieder eine Woh⸗
nung der Teufel und muß dann endlich, wenn
er nicht bei Zeiten wieder umkehrt und wahre
Buße thut, ewiglich verloren gehen. — Siehe,
lieber Bruder! das ſind ſo einige Winke, die ich
Dir auf Deine hieher bezügliche Frage gebe, u.
wenn Du ſie im Aufſehen auf Gottes Gnade u.
Beiſtand befolgſt, ſo werden gewiß die guten
Früchte nicht außenbleiben. Und abgeſehen da—
von, daß es etwa an Deinen Kindern, wenig—
ſtens an dieſem oder jenem, fruchtlos bliebe —
was Gott in Gnaden verhüten wolle — ſo hät—
teſt Du doch Deine Seele errettet und Deine
Kinder könnten dann am Tage des Gerichts
nicht wider Dich zeugen. — Aber am Ende wirſt
Du mir doch einwenden: Eine ſolche Einrich—
tung und Uebung mit Deinen Kindern vorzu—
nehmen, erlaubten Deine irdiſchen Berufsge⸗

ſchäfte nicht. Am Tage müſſeſt Du arbeiten u.

fändeſt wenig Zeit, und des Abends wäreſt Du

müde u. ſ. w. Darauf antworte ich: pruͤfe zu⸗

vor einmal, ob derlei Einwendungen auch ſtich⸗

haltig ſind u. ob ſie der HErr Chriſtus am Ge⸗

richtstage als genügende Entſchuldigung wohl

paſſiren laſſen wird. Ich glaube nicht; ſondern

ſie werden wie ein Nebel vor der Sonne zerſtie⸗
ben u. wie Waſſer verrinnen. Wie Chriſtus einſt
zu ſeinen ſchlafenden Jüngern ſprach:,„ Vermö—
get Ihr denn nicht eine Stunde mit mir zu

wachen,“ ähnlich wird er gewiß den Eltern auf
ſolche Einwendungen antworten und ſprechen:
„Vermochtet Ihr denn nicht täglich eine Stun⸗
de von Euren irdiſchen Geſchäften abzubrechen,

um dieſelbe Euren Kindern zur Unterweiſung in

den Wegen des Heils zu widmen?“ — Ach,
lieber Bruder! wo ſolche Einwendungen noch
Statt finden, da fehlt es den Eltern gewiß noch
an der rechten Erkenntniß, wozu ihnen denn ih—
re Kinder vom HErrn eigentlich gegeben ſind,
nemlich nicht dazu, daß ſie ihnen ein irdiſches
Capital wären, wovon ſie reiche Zinſen zu hof⸗
fen hätten, ſondern vor Allem, um ſie für den
Himmel zu erziehen. — Wie manche Eltern
würden gewiß am Abend — ich will nur eine
halbe Stunde rechnen — die Müdigkeit bei Sei—
te ſetzen und vergeſſen, wenn ſie in derſelben 5
oder 10 Thaler verdienen könnten. Sind denn
nun ihre Kinder, woran Chriſtus ſein theures
Blut gewandt hat, nicht ſo viel werth, als 10
Thaler? — Zehn Thaler, ja die Schätze der
ganzen Welt, ſind wie eine Hand voller Sand
und werden im Hui verſchwinden, wenn einſt
die Elemente vor Hitze zerſchmelzen und der Him⸗
mel Kräfte ſich bewegen werden; aber der Segen
einer guten Zucht u. Vermahnung zum HErrn,
auch nur von einer halben Stunde, bleibet in
Ewigkeit. Ich bin überzeugt, wenn das Schät—
zeſammeln für den Himmel bei Allen recht im
Schwange ginge, ſo würden Einwendungen, wie
die vorgenannten, wenn ſie ſich auch im Fleiſche,
wegen der uns noch anklebenden Sünde, regten,
vom heiligen Geiſte doch bald beſiegt und beſei—
tigt werden. Daß es ſo ſein ſollte, ſagt Chri⸗
ſtus deutlich, wenn er Matth. 6, 33. ſpricht:
„Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes u.
nach ſeiner Gerechtigkeit, ſo wird euch das An⸗
dere — nemlich, was ihr für das kurze, zeitliche
Leben gebrauchet — alles zufallen.“ Und St.
Paulus Coloſſ. 3.: „Seir ihr nun mit Chriſto
auferſtanden, ſo ſuchet was droben iſt, da Chri⸗
ſtus iſt, ſitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet
nach dem, das droben iſt, nicht nach dem, das
auf Erden iſt.“ — Lieber Bruder! ich will mich
hierbei nun aber keinesweges weiß brennen, als
machte ich's auf's Härlein ſo wie ich ſollte; ach
nein, ich ſehe durch Gottes Gnade meine Ge⸗—
brechen wohl u. bitte Ihn, daß Er ſie mich nur
immer mehr erkennen laſſen wolle. Ich ſtimme
von Herzens Grund mit St. Paulus ein: „Nicht
daß ich's ſchon ergriffen habe, oder ſchon voll⸗
kommen ſei; ich jage ihm aber nach, ob ich's
auch ergreifen möchte, nachdem ich von Chriſto
Jeſu ergriffen bin. Ich ſchätze mich ſelbſt noch
nicht, daß ich's ergriffen habe. Eins aber ſage

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