Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 20 › Seite 135
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-26, Seite 135
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Miſſionscollegium unterſtützte die Miſſionare
gegen Egede, ſo daß er ſich überall in ſeiner Ar—
beit gehindert ſah. Der alte treue Bekenner haßte
natürlich von Herzensgrund das flatterige, ei—
genwillige Weſen der Schwärmer, dieſe dagegen
verachteten Egede's lutheriſche Einfalt und
Trotz. Am öten Januar 1747 legte Egede ſein
Amt nieder. Er ſchreibt damals: „wäre ich
nur ſo glücklich geweſen, die Frucht meiner Be—
mühungen zu ernten, die ich gewünſcht und ge—
bofft hatte, dann würde ich wohl alle ſonſtigen
Verluſte leicht verſchmerzen, —ſo aber muß ich ſe—
ben und dulden, daß der Lehrgrund, den ich ge—
legt, welcher Chriſtus und ſein Verdienſt iſt, wo
nicht ganz umgeſtoßen, doch allerlei Holz und
Stroh, das leicht verbrennt, ſtatt des reinen und
beſtändigen Glaubensgoldes darauf gebaut wird;
dies ſchinerzt mich aufs höchſte und macht mich
des Lebens überdrüßig, was doch, wie ich hoffe,
nicht ſo lange dauert, da durch die Seelenkrän—
kung meine innere Schwäche von Tag zu Tage
vermehrt wird. Ohnehin konnte er die Bildung
der Miſſionare in die Hände ſeines Sohnes
Paul legen, wobei er ſich noch die Oberaufſicht
vorbehielt, ſo lange er lebte.
Ein volles Jahrzehend und etwas darüber
genoß Egede der verdienten Ruhe in dem Städt—
chen“ Smübbetjöbing auf der Inſel Falſter, das
er zum Hafen ſeines Alters auserſehen. Auch
fehlte ihm nicht der Stab, den Gott ſelbſt ſeinen
frommen Pilgern reicht, wenn der Abend herbei—
kommt, oder das Oel, womit das Haupt geſalbt
werden mag, damit der Menſch froh in ſeinem
Gott und Erlöſer ſein könne. Es ſchien ihm wie
den Israeliten in der Wüſte zu gehen: daß ſei—
ne Schuhe am Zicle nicht veralteten: bis über
die 70 Jahre war ſein Augenlicht noch nicht
ſtumpf und ſeine Kraft nicht gebrochen. Er be—
ſchüftigte ſich viel mit Werken der Liebe, wobei
er immer dafür Sorge trug, daß die linke Hand
nicht wußte was die rechte that, und war übri—
gens Allen zu einem unvergeßlichen Beiſpiele
durch ſeine Ehrwürdigkeit, Heiterkeit und Frei—
müthigkeit. Er hatte den Frieden Gottes über—
kommen, der höher iſt als alle Vernunft, und
Herz und Sinne bewahrt in Chriſto Jeſu. Et—
was vor ſeinem ſeligen Hingange ſagte er, noch
durchaus geſund, zu ſeiner Familie: „Kinder,
ihr werdet mich nicht lange behalten.“ Und als
dieſe nun wehmüthig den Vater fragten, woher
er dies ahne, da er ja doch nicht krank ſei, er—
widerte er: „Es iſt mir in der Nacht vorgekom—
men, als ob einige ſelig
winkt haben.“ Er ordnete ſein Begräbniß an;
doch ward er nicht bettlägerig, ſondern immer
ſchwächer und ſchwächer. Einen Tag lag er ſtill
hin, ohne zu ſprechen: — war der 5. No⸗
vember 1758, Egede's 72. Lebensjahr — da
rief ihn Gott zum ewigen Leben.
Die Vernunft thut und dimet zu Glanbens⸗
ſachen, nichnvor, ſondern nach dem Glauben,
wie auch die Zunge und alle menſchliche Kräfte
und Gliedmaßen. Vernunft, nachdem ſie vom
hell. Geiſt erleuchtet iſt, dienet dem Glauben,
aber ohne Glanben läſtert ſie Gott, ſammt allen
Kräften und Gliedern, beide innerlichen und
dußerlichen. (Lutber.
Wiſſenſchaften ein dürres Feld wären, das ein
jeder
einmal nicht angeht, als ob man ſich
— 131—
(Für den Lutheraner“.)
The Evangelical Review,
Ldited by C. P. Kranth, D. D., & Wm. M.
Reynolds, D. D.
Das Aprilheft dieſer virrteljährig erſcheinenden
Schrift von dieſem Jahre enthält folgende Ar⸗
tikel.
1. Eine Beurtheilung der Erziehung, wie ſie
auf den hohen Schulen (Colloges) dieſes Lan—
des gegeben wird. Dieſer Artikel verräth einen
einſichtsvollen und erfahrenen Schulmann als
Verfaſſer, und iſt reich an trefflichen Bemerkun—
gen. Beſonders befrirdigend iſt es, in demſel—
ben die Grundanſchauung zu finden, daß der
Lehrer bei aller ſeiner Wirkſamkeit Chriſtum be—
ſtändig vor Augen haben, und ſo unterrichten
und erziehen müſſe, als umterrichte und erziehe
er Chriſto, nach Auleitung von Epheſ. b6, 5. 6.
Denn, wo dies der oberſte Grundſatz der Erzie—
hung iſt, da folgen alle wichtigen Crforderniſſe
derſelben von ſelbſt. Unter den einzelnen Be—
merkungen heben wir als beſonders beherzigens—
werth die hervor, daß die hohen Schulen es ſich
nicht zur Aufgabe machen ſollten, blos das zu
leiſten u. inſonderheit zu lehren, was die große
Mehrheit des Publirxums, und in der Weiſe,
wie ſie es begehrt; ſondern vielmehr ſich ein
Bild von dem machen, was das Publicum,
wenn es ſein zeitliches und ewiges Beſte recht
zu Herzen nähme, und weislich urtheilte, begeh—
ren würde, und ihm das darbieten, und ſo ei—
nen heilſamen, bildenden, erhebenden Einfluß
auf daſſelbe ütben. Die Mängel, die in vor—
liegendem Artikel an den hohen Schulen dieſes
Landes gerügt werden, ſind leider mehr oder
weniger auch in andern Ländern zu Eien
2. Eine Vorleſung von dem Ehrw. L. Ei—
chelberger in dem luth. theolog. Seminar zu
Lerington, S. C., beim Antritt ſeines Amis als
Profeſſor der Theologie gehalten, und „Gründe
der Schwierigkeit u. des Kafetgs bei dem Stu⸗
dium der Theologie“ betitelt. Der Stiel iſt un—
gefällig, und die Gründe ſind matt; das Ganze
macht den Eindruck, als ob die theologiſchen
lieber bei Seite ließe; und da dies nun
durch al⸗
lerhand Beweggründe dahin vermögen müſſe,
ſich dem Studium derſelben zu unterziehen.
Wir meinen, wer Wiſſenſchaften eines Faches
zu lehren unternommen hat, der würde dieſelben
Verſtorbene mir ge⸗
auch als einen Schatz anſehen, an dem er ſeine
Luſt und Freude hat, und die er vor Verlangen
brennt ſeinen Hörern mitzutheilen, nicht zwei—
felnd, daß ſie, wenn gleich in verſchiedenen Gra—
de, auch deren rege Theilnahme erwecken wer—
den, und darunt denſelben vielmehr zum An—⸗
fange einen Einblick in die Schätze, die ſich ih—
nen erſchließen ſollen, geben. Ganz beſonders
gilt dies von der Theologie.
3. Eine Beurtheilung (einer
Ausgabe) der Vorleſungen des
kannt gewordenen Cardinals W:
americaniſchen
neuerlich ſo be—
zieman in Eng⸗
land „über die vornehmſten Lehren und Ge—
bräuche der (Römiſch) katholiſchen Kirche“ von
dem Ehrw. W. J. Mann, in Philadelphia.“
Dieſer Beurtheilung nach trägt auch dies Pro⸗
duct den gewöhnlichen Eharacter der polemi⸗
ſchen Literatur des Antichriſts; der Cardinal x
redet mit der väterlichſten Miene u. den frennd⸗
lichſten Worten zu den verirrten Kindern, den
Proteſtanten, und giebt die ſtrengſte Wahrbeits⸗
liebe u. gewiſſenhafteſte Unterſuchung vor, wäh⸗
rend er ſie mit geſchickten Gaukeleien über die
Grundſätze der Reformatoren einer- und des
Pabſtes andererſeits zu täuſchen und irre zu
führen ſucht. In der Beurtheilung vermiſſen
wir eine klare Scheidung zwiſchen dem Haufen
der Frommen, die ſich ohne Zweifel auch in der
Nömiſch-katholiſchen Kirche finden, und dem
gräulichen antichriſtiſchen Geiſt, aus dem die
Symbole der Römiſch-katholiſchen Kirche her—
orgegangen ſind, und der jene Kirchengenrin.
haſt charakteriſirt, weshalb wir ſie keine Schwe—
ſter, wie der Beurtheiler thut, nennen können,
obwohl die Gläubigen in derſelben der Gläubi⸗
gen in der lutheriſchen Kirche Brüder ſind.
4. Fortſetzung der Ueberſetzung „der Mitthei—
lungen für die Chriſtologie der Kirche von Di.
G. Thomaſius, Profeſſor der Theologie in Er—
langen.“ Der Ueberſetzer bemerkt in den dieſe
Fortſetzung einleitenden Worten, daß der Ge—
genſtand vielleicht manchem zu wenig ppaktiſch
und zu ſpeeulativ vorkommen möge, daß aber
die Zeit und ihre Bedürfniſſe dergieichen auch
in dieſem Lande erfordere, da die gottesläugne—
riſchen Elemente, die eben jenes Werk von Tho—
maſius veranlaßt haben, und die auch Gebil⸗
dete, ja grade die ammeheſten zu verblenden und
zu bethören geeignet ſind, auch hier in Maſſt
nicht nur in lebenden Individuen, ſondern auch
in Büchern eindringen.
5. „Cultus der lutheriſchen Kirche“ von dem
Ehrw. M. Loy. Eine intereſſante Abhand⸗
lung, in welcher gezeint wird, daß die Lehre ei—
ner jeden Particularkirche in ihrem Cultus ſich
ausdrückt; nachgewieſen, wie dies in der Rö—
miſch-katholiſchen, reformirten und lutheriſchen
Kirche der Fall iſt, und beklagt, daß der Cul—
tus in einem großen Theil der lutheriſchen Kir—
che ſich weit von dem entferni hat, was er ſein
ſollte.
6. Fortſetzung der Ueberſetzung des im Lu⸗
theraner' abgedruckten Reiſeberichts der Dele—
gaten der Synode von Miſſouri, Ohio n. a.
St. na Teutſchland.
7 „Bemerkungen über das im Propheten
Daniel Cap. 7. V. 7. erwähnte Königreich.
Der erſte Theil dieſer Abhandlung enthält dir
bekannte Auslegung der angezeigten Stelle vom
Römiſchen Neich; der andere eine durch nichts
weiter als die Bemerkung, daß dies zur Zeit
des ierten Thieres' geſchehen ſei, mit dem er—
ſtem zuſammenhängende kurze Darſtellung der
Geburt, des Lebens, Leidens, Sterbens und
Auferſtebens des HErrn. Der Leſer wird deß—
halb verſucht zu fragen: Wozu der ganze Ar—⸗
tikel?
V
ſch
—
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