Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 20 › Seite 131
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-26, Seite 131
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Lehren Paſtor Graban's.
nebmlich ſelbſt Bellarmin in ſeinem Buch von der Ordina⸗
tion Cap 2. im letzten §.) Unſere lutheriſchen Theologen
aber machen gerade daranf aufmerkſam, daß die Apoſiel bei
der Ordinatien die bei irer Berufung von Chriſto ge⸗
brauchte Ceremonie, die Anbauchung, mit Abſicht wicht
gekraucht, ſondern die Handauflegung von den Vätern ent⸗
lebrt hätten, damit niemand meine, dirſe Ceremonie ſei von
Gett ſelbſt eingeſetzt und die Gnade daran gebundr
*
29. „Wiewohl die Kirche das heil. Predigtamt der Perſon
nicht gibt, ſo gibt's doch Gont' nicht anders,
als durch die Wahl u. Ordination der Kirche; denn
dies iſt ſeine Ordnung. Aypſigſch. 1, 23-26. 2. Tim.
2, 2.“ (Derſib. S. 39.) „Dem allerweiſeſſen Herrn u.
Meiſier hat es alſo gefallen, durch eine zweifache kirchliche
Handlung ſeine Diener des rechten göttlichen Bernes zu ver⸗
ſichern und ſeiner Kirche zu helfen, nehmiich durch orventliche
Erwäblung und durch Ordination. Ein Krüppel kann wohl
eine Zeitlang auf Einem Fuße ſtehen; der ordentliche ge⸗
ſunde Menſch aber hat zwei Füße, darauf er ſeſt ſiebt und
geht.“ (Derſlb. S. 60.9
30. „Leider machen Sie aus der conſirma⸗
tio electi oder talis comprobatio eine bloße
comprobatio seu testificatio vocationis,“ das
heißt, aus der Beſtätigung des Erwählten
eine bloße Beſtätigung der Erwähhung.
„Was bewegt Sie, das haupterſetzende Wört—
kein „bloße““ hier einzuſchieben?“ — Paſtor
Brobm hatte nehmlich, ſich auf die in der drit—
ten Columne ſtehende Stelle der Schmalkaldi
ſchen Artikel ſtützend, die Ordination für eine
bloße Beſtätigung der Vocation
erklärt. Paſtor Grabau will daher behaupten,“
die Ordination ſei eine Beſtätigung nicht der
Vecation, ſondern des Voceirten. Daher er
fortfährt: „Die electio (Wahl) oder vocatio.
der Ortsgemeine iſt an ſich ſuris divin! (gött⸗
lichen Rechtens) und bedarf keiner testilicatio.
(Bezeugung), auch keiner comprobatio (Gut⸗
beißung) noch confirmatio (Beſtätigung), aber
der eleotus und vocatus bedarf nach Gottes
Ordnung ſolcher comprobatio. und conſirma-
tio.“ (Derſlb. S. 61.0
der Fürſt tüchtige Perſonen erwählen, wenn ſie
canoniſchen Gewalt geweihet noch geſendet ſind,
(Eingeſandt von O
Hans Egede,
der Biſchof von Grönland.
(Nach Rudelbach's Chriſtl. Biograplie.)
„Grönland iſt eins der nördlichſten Länder
Amerika's. Dort währt der Winter faſt das
ganze Jahr lang und die Paar Sommertage
ſind dumpfig warm und ungeſund; der Beden
iſt ſteinig und unfruchtbar, dagegen füllt Gott
für die Menſchen jener Gegend das Meer mit
Seethieren aller. Art. Die Grönländer, kleine
unterſetzte Menſchen, ſind gutmüthig und fröh—
licher Natur, aber geneigt zu Trägheit u. Aber—
glauben; ſie leben zumeiſt von den Fiſchen und
Stethieren, welche ſie mit großer Geſchicklichkeit
zu fangen wiſſen. Unter dieſe armen Leute,
welche jetzt zu einem Theile Chriſten ſind, geht
— 13⁰.—
Lehren der römiſchen Kirche.
Lehren der lutheriſchen Kirche.
20. „So ſchreibt der Jeſuit Caniſius in
ſeinem Catechismus: „Iſt es nicht genug, daß
ſie“ (die Einzuſetzenden) „vom Volk und von
der weltlichen Obrigkeit oder von dem Fürſten
gewählt und vorgeſtellt werden? — Aus Ge⸗
ſtattung der Kirchenpräkaten kann das Volk oder
aber nicht (vom Biſchof) ordinirt werden,
ſind ſie keine Prieſter.“ (Cap. 4. §. 9.)
30.So ſchreibt das Tridentin um:
„Wenn jemand ſagt, . . die von ihnen (den Bi—
ſchöfen) ertheilten Weihen ſeien ohne die Bei—
ſtimmung oder die Berufung des Volks oder
der weltlichen Macht nichtig, oder Diejenigen,
welche weder rechtmäßig von der kirchlichen und
ſondern anderswoher kommen, ſeien ͤrechtmäßige
Verwalter des Worts u. der Saeramente: der
ſei verflucht.“ (Sitz. 23. Cap. 4. Can. 7
*
—in Ph.) einmal und ſprecht mit ihnen; ſie werden euch
erzühlen von einem Manne, den ſie den „un⸗
vergeßlichen Vater“ nennen; der unvergeßliche
Bater der Grönländer iſt Hans Egede.
Hans Egede, geboren am 31. Januar 1686
in der Vogtei Senjen in Norwegen, wurde,
nachtem er in Kopenhagen ſtudiert hatte, im
J. 1707 Pfarrer zu Vaagen in Norwegen
und verheirathete ſich zur ſelben Zeit mit Ger—
trude Bask. Durch Gottes beſondere Fügung
fiel ihm ſchon im zweiten Jahre ſeiner Amts—
führung ein, wie er vor längerer Zeit einmal
geleſen, daß in Grönland vor Alters eine chriſt⸗
liche Gemeinde beſtanden. Grönland war nem—
lich im J. 982 nach Chriſti Geburt von einem
Isländer, Erich dem Nothen, entdeckt und Oluf
Toygveſön, Herr von Norwegen und Island,
hatte Prediger hinübergeſchickt. Etwa hundert
thum ein Aberglaube anhängen mag.“ (Ca-
lov in ſeiner Schrift gegen die Sorinianer.
S. 921.) „Wir leugnen, daß die Ordination
nothwendig ſei vermöge eines beſonderen gött⸗
lichen Befehls, dergleichen nicht gezeigi
werden kann.“ (Gerhard loc. de min. §.
139.)
29. „Was die Ordination betrifft, ſo iſt dieſelbe nicht nö⸗
thig kraft eines görtlichen Gebetes, noch hängt davon
das Weſen des Predigtamtes ab.“ (GZerharh,
loc. de cecles. 5. 202.) „Die Ordination wird entwedet
in einem weiteren oder engeren Sinne genommen. Im wei⸗
teren Sinne wird ſie für die Berufung ſelbſt, im engeren
Sinne für die feierliche Bezengung der Berufung vor der
Gemeinde genonmen. Die Bernfung iſt nöthig;z
die Ordination im eugeren Sinne iſt zwar ein Mit⸗
telding, aber ſo, daß ſie, obgteich kein Gebot, doch Bei⸗
ſpieie hat und ſich ſo meyr der Art der nothwendigen Diege
nätert . Was der Kirche ein Adiapberon (ein Mittel=
ding iſt), iſt nicht gleich dieſer und jener Perſen ein Mit⸗
telding.“ (Kromager Theol. posit. p. 1060.)
30. So heißt es in den ſomboliſchen Büchern unſerer Kir
che: „Dieſe Worte betreſſen eigentlich die rechte Kirchen (1..
Pet. 2, J.), welche, weil ſie allein das Prieſterth um
hat, muß ſie auch die Macht haben, Kirchendiener zu wäh
eu und ordiniren. Solches zeuget anuch der gemeine
Brauch der Kirchen; denn vor Kiten wählet das 3
Volk Pfarrtzerrn und Biſchöft ; dazu kam der Biſchof am
ſelben Ert, over in der Nalie geſeſſen, beſtätiget den
gewählten Biſchof durch Auflegen der Hände, nur iſt darn⸗
mal die Ordinatio nichts anderß geweſeu, denn ſoſche
Veſtätigung,“ nil nisi talis comprobatio, d. b. nühts 3
weiter als vrer eine bloße ſolche Beß igung.) Siehe:
Schmalk. Art. Aubang. Um dieſem gewartigen Zeuguiß
umſeres Kirchenbetenntuiſſes gegen ſeine falſche Vehre zu ent⸗
getzen, ſagt Pſt. (Fraban, der Accent ſet auf das Wort
gewählten' zu legen; denn die Wahl oder Voration be⸗
dürſe keiver Beſtätigung, wohl aber der Gewählte vdee Ve⸗
cirte, denn die Wahl oder Vocatien, will er ſagen, mache
den Gewählten noch nicht zum Paſtor, weinnn nicht der zweile
ZJalrer, die Ordination, hinzukomme. Es iſt dies aber nur
eine Sopliſerei, von wercher unſere alten lutheriſchen Le
rer nichts gewunt haren. So ſchreitt z. B. der ſel. Chem⸗
nitz: „Obgteich die Ordin ation die Vocation nicht macht,
ledech, wenn jenand rechtmäßig beruten worden iſt, ſo iſt
jener Gebrauch eine Erkläru'g und öſſentiche Beſtäki⸗
gung, daß jenr Vocation, welche vorhergegangen “,
eine rechtmäßige ſei.“ (L.0e. de ecel. p. 123. Wr
nicht muthwulig irren will, ſiebt auch, wenn die Somdoie
ſugen, die Ordinalion ſei nichtsweiter als mi nisi
eine Beſätigung⸗ daß ſie damit die Ordination nichtzu
einem zweiten nach Hettes Ordnungenͤthigen Fabtor. des
.
außzurichtenden Predigtamtes, nicht zu einer corrlitio sins 3
aun nou machen, ſeudern eben dadurch ſolche Gedaurken
abſchneiden wollen. So ſchreitt daber FVulher: „Die
Pfarren over Predigtamt ſind allezeit außer und üter Lem
Cbreſem“ (außer der Weite zum Prieſteramt im Pabf'tium)
„durch Fürßen, Herren, Stäcte, auch von Biſchöſen, ſelbſt
Aebten, Aebtiſſinnen und andern Städten verlitten, und
durch ſoſch Verleihen iſtrer Veruf und die rechte Weilke
zum Meiniſterie oder Amt gebtieben; daueken hat man ſolche
berufene Pfarherrn, ſo ſolhe Lehen und Amt empiangen,
auch präſentirt, d. i. zu den Winkelbiſchöſen gewieſen und
ſie kaſſen inveſtren oder einweilen, wiewohl ſolches nicht der.
Deruf noch Lehen, Wmen Beſtätigung ſolches Berufs,
und nictvon Nötheu geweſen iſt.“ (Schrüt
1931.5 Wtelmeß und Plaffeaweihe vom J. 1533. XIV
11.
Jahre ſpäter ſandte Erzbiſchof Adalbert ven
Hamburg (⸗Bremen) einen Biſchof, Albert mit:
Nauen, dahin; 16 Kirchen wurden gebaut, u.
bis 1448 war Grönland als chriſtliches Land
bekannt. Von da an 157 Jahre lang hörte
man nichts von Grönland; erſt im J. 1605
wurde es von Admiral Lindenow wieder ent⸗
deckt, allein von der chriſtlichen Kirche fand man
nur noch die Trümwer der Kirchen; die Groͤn⸗
länder dienten den Götzen unter Leitung von
Zauberern, die ſie Angekoks nannten. Dies
hörte Egede oft von ſeinem Schwager Niels
Bask in Bergen, welcher ſelbſt nach Grönland
gefahren war. Voll innigen Mitleidens mit je⸗
nen armen Heiden, welche er überdies für ver—
wahrloſte Nachkommen der alten Norweger zielt,
dachte er oft, „er würde es für ſeine größte
Freude und Glückſeligkeit anſehen, wenn er ig⸗
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