Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 20 › Seite 134

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-26, Seite 134

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die Vorſtube tragen.
länder zu Egede als zu einem rettenden Eugel,
zu einem Vater hinauf, in deſſen Hände ſie
getroͤſt ihr Haupt niederlegen könnten. Ein
(Grönländer, der bisher nur über die Lehre des
Predigers geſpottet hatte, jetzt aber auch in Ege—
de's Pflege kam, ſprach ſterbend: „Du haſt das
an uns gethan, was unſere Eigenen nicht wür⸗
den an uns gethan haben; denn du haſt uns
mit Speiſe unterhalten, wenn wir nichts zu eſ—
ſen hatten, du haſt unſere Todten begraben, die
ſonſt, wenn du nicht da geweſen wärſt, von den
Hunden, Füchſen und Raben wären aufgefreſ⸗

ſen; insbeſondere aber haſt du uns von Gott
gelehrt, wie wir ſelig werden ſollen, ſo daß wir

nun freudig ſterben und ein beſſeres Leben nach
vrieſem erwarten können.“ Egede's Werk be—

ſtand jetzt die Prüfung des Kreuzes, eine ſchwe—

re, ernſte Prüfung, aber er wurde bewährt; er
batte niemals viel Redens gemacht von Bekeh—
rungen und aber Bekehrungen, wie es jetzt Mo—

de iſt bei den Miſſionen unter den Heiden, als

aber das Kreuz über ſeine geiſtlichen Kinder
kam, da zeigte es ſich, daß er ſte treulich ge—
gründet und gebauet auf Gottes Wort und da—
zu durch ſeinen Wandel ihnen Chriſtum abge—
kildet hatte. Seine Grönländiſchen Nachbarn
„ſehnten ſich in ernſtem Glauben u. Vertrauen
auf das Verdienſt Jeſu Chriſti nach der ewigen
Seligkeit und ſchieren in der Anrufung ihres
Erlöſers von hinnen.“ Beſonders an Kindern
nahm man die Wirkungen der Gnade und des
Heiligen Geiſtes wahr, aber auch von den Lip—
pen der Aelteren, eines Greiſen unter Anderen,
börte man ein Hoſianna in der Todesſtunde;
batte Egede ſich oft ſo einſam gefühlt wie Eli⸗
as, jetzt unter der Heimſuchung mußte er mer⸗
ken, daß er mitten in einer, wenngleich ſterben—
den, Chriſtengemeinde ſtand. Sterbend war ſie
damals; nachdem die Seuche ſieben Monate
lang in Grönland gewüthet hatte, waren alle
Grönländer in der Niederlaſſung mit Ausnah⸗
me eines kleinen Knaben und eines kleinen
Mädchens geſtorben; von mehr als 200 Fa⸗
milien, die ſich in der Umgegend auf 20 eng—
liſche Meilen weit aufhielten, waren kaum drei
librig. Egede ſtand wie in einer Einöde, es

ſchien, als ob das ganze Werk, das zu Gottes ö

Ebre. gemeint und begonnen war, nun dahin⸗
fallen müſſe; er faltete ſeine Hände und ſprach:
Gott ſehe darein um Jeſu willen, deſſen gnä⸗
digem Wohlgefallem ich dieſe Sache im Glau—
ben befehle und übergebe.

In derſelben Zeit kam eine andere, vielleicht
noch ſchwerere Prüfung über Egede. Im J.
1733 ſandte die Brüdergemeinde (die Herrn⸗
buther) die Miſſionare Chriſtian David und

1 WMattbäus und Chriſtian Stach nach Grön⸗

land, denen König Chriſtian und das Miſſi⸗
onscollegium Empfehlungsbriefe an Egede mit⸗
gegeben batten. Egede nahm ſie freundlich auf,
lehrte ſie geduldig die Grönländiſche Spracht
und verpflegte ſie freundlich in den Krankheiten,

von welchen ſie ſogleich in der erſten Zeit über⸗

ſallen wurden. Da er indeß bald zu merken
glaubte, daß jene Männer in der reinen Lehre

Ueberall ſahen die Grön⸗

—133—

des Wortes Gottes, wie ſie bekannt wird in den
lutheriſchen Bekenntniſſen, nicht feſt begründet
waren, ſo befragte er ſie darüber namentlich in
Bezug auf den hohen Artikel von der Rechtfer—
tigung, und nußte bald erfahren, daß ſie die
Rechtfertigung und Heiligung vermiſchten, ja
behaupteten, die Rechtfertigung beſtehe nicht in
der zugerechneten, ſondern in der inwohnenden
Gerechtigkrit Chriſti und die Heiligung müſſe
nicht nur der Rechtfertigung nachfolgen, ſon—
dern auch ihr vorangehen. Es war natürlich,
daß Egede wider ſolche Irrlehre ernſtlich zeugte
und erklärte: wenn ſie die Lehre der lutheriſchen
Kirche unterſchrieben und ihr wirklichen Beifall
geben wollten, ſähe er ihr Bleiben gern; beharr—
ten ſie aber bei ihrer Irrlehre, ſo werde keine
Einigkeit zwiſchen ihnen und keine gemeinſame
Erbauung ſein können.

dert! Chriſtian David behauptete, Egede habe
nicht den Geiſt Chriſti und hindere die Heiden
an ihrer Bekehrung; er ſei ſelbſt nicht bekehrt,
alſo auch nicht geſchickt, andere zu bekehren; ja
ſelbſt Verläumdungen fügten ſie hinzu, wie daß
Egede 8000 Thaler unterſchlagen habe, und
als ihnen das Schamloſe dieſer Lüge vorgehal—
ten wurde, entſchuldigte einer unter ihnen es
damit, wenn er auch dieſe 8000 Thaler nicht
unterſchlagen, ſo liege es doch am Tage, daß
er nicht im Glauben vor Gott wandle; in die—
ſem Urtheile könnten ſie unmöglich irren, denn
ſie hätten die Salbung des Geiſtes. — Es ſind
das ſchreckliche Reden, aber auch ſie müſſen nur
dazu dienen, daß Egede's rechter Glaube und
treues Bekenntniß zur reinen Lehre des Wortes
Gottes uns um ſo heller entgegenleuchtet, uns
beſchämt und vermahnt, ſeinem Exempel nach—
zufolgen und tretz des Schmähens der Leute
unſer ehrbares lutheriſches Bekenntniß treulich
zu bewahren.

Am Ende dieſer Trübſalszeit mußte Egede er⸗
fahren, daß Gott Zeit und Stunde, wie in ſei⸗
nem ganzen Reiche, ſo auch für die Arbeit ſeiner
Knechte geſetzt hat. Nachdem er nun 14 Jahre
lang in dem wüſten Lande hart gearbeitet hatte,
fühlte er ſowohl wie ſeine Gertrude, daß die
ſchweren Anſtrengungen während der Zeit der
Blatternſeuche ihrer ohnehin ſchon hart ange—
griffenen Lebesgeſundheit allzuheftig zugeſetzt
hatten. Gertrude ſtarb nach langem ſchmerzli—
chen Krankenlager am 21ſten December 1735.
„Wäre,“ ſchreibt Egede, „die tröſtliche Heffnung

nicht von einer frendigen Wiedervereinigung im

Reiche der Herrlichkeit, ich hätte kaum mich trö—
ſlen können über den Hingang einer ſo frommen
und tugendhaften Chefrau. . . .. Sie trug als
ein Gotteskind das ihr auferlegte Kreuz mit
greßer Geduld; und wie ſie vernahm, daß es
zum Tede ging, rief ſie ihren Gott und Erlöſer
recht innig um eine gnädige Erlöſung aus die—
ſem Jammerthal an. Nachdem ſie noch einen
liebevellen Abſchied von mir und den Kindern
genommen, erlöſte Gott ſie durch einen ſeligen
Tod von ihren ſchweren Leiden.“ Egede ſelbf.
litt damals an der Mundfäule und Bruſtſchwä⸗
che und wurde dazu von ſchweren geiſilichen An⸗

Das war eine männ⸗
lich chriſtliche Rede, aber wie wurde ſie erwi⸗

fechtungen geplagt. Die Gefahren, die Mühen,

die er im kräftigen Mannesalter beſtanden, konnte

er nicht mehr aushalten; der Wiederaufbau des

während der ſchrecklichen Seuche faſt ganz zer—

ſtörten Miſſionswerks, brachte neue Mühen und

Gefahren mit ſich. Es wäre thöricht geweſen,
jetzt noch in Grönland zu bleiben, da er jetzt ſei⸗

nem Sohne Panl die Leitung der Miſſion an⸗
vertrauen, ſelbſt aber erwarten durfte, daß er
demſelben Werke mit den ihm noch übrigen Kräf⸗
ten in der Heimath beſſer werde dienen können.

Er beſchloß, heimzukehren. Darüber ſchreibt er:

daß „mein Augenmerk bei dieſem Entſchluß war,
durch die Heimkehr deſto mehr zum Aufbau und

zur Förderung des Werkes beitragen zu können,

das iſt dem allwiſſenden Gott bekannt, ſowie daß

ich keine Art von Erquickung oder Belohnung für
die ausgeſtandene Arbeit ſuchte, welches wir

nicht frommen würde; denn ſo wie ich nicht um
zeitlichen Vortheils und Nutzens willen nach
Grönland 'gezogen bin, ſo habe ich es dieſerhal⸗
ben eben ſo wenig verlaſſen, ſondern Gortes Ehre
allein und die Erleuchtung dieſer armen, unwif⸗
ſenden Menſchen war, iſt und wird mein einzi⸗
ges Augenmerk, ja der unabläſſige Wunſch mei⸗
nes Herzens bis zu meinem Tode ſein. —Am
29. July 1736 hielt Egede ſeine Abſchievspre⸗
digt über Jeſaias 49, 4: ich dachte, ich arbeitete
vergeblich und brächte meine Kraft umſonſt und
unnützlich zu, wiewohl meine Sache des Herrn
und mein Amtmeines Gottes iſt. Von allen Sei⸗
ten waren die Grönländer herbeigekommen, ihren

Lehrer noch einmal zu ſehen und zu hören. Am

gien Auguſt 1736 ſuhr Egede ab von der Stätte
ſeiner Arbeit und Mühſal; er nahm mit ſich die
Liebe der Grönländer, unter denen er noch heute
„der unvergeßliche Vater“ heißt.

Am 24. September 1736 in Koppenhagen
angelangt, began Egede nun in anderer Weiſe
wie bisher für die Grönländiſche Kirche zu ſor⸗
gen. Es wurde ein Grönländiſches Seminar
errichtet aus Studenten, die Miſſionare, und
aus Kindern des Waiſenhauſes, die Lehrer wer—
den ſollten; Egede wurde Vorſteher daran und
erhielt 1740 dazu die Aufſicht über das ganze
Grönländiſche Miſſionsweſen. Da arbeitete er
nun mit alter Kraſt und Treue, die jungen Leute
zu wirklich lutheriſchen, zu fleißigen Predigern der
reinen Lehre zu erzichen, datheilte er ihnen ſeine
Erfahrungen in dem ſchweren Werke, das ihm
bevorſtand, mit, wie z. B. die Inſtruktion (An⸗
weiſung), die er für die Miſſionare ausgearbei⸗
tet hatte, kezrugt, da zeugte er auch effen und
mächtig gegen ren Leichtſinn, wür wilchem das
Miſſionscellegium Miſſienare ausſandte, dit in
der Lehre nicht feſt gegründet waren, und über⸗
haupt das Miſſionsweſen behandelte, wie eura
die Geſchäfte einer weltlichen Regierung oder
Kanzlei. Allein es brach damals eine Zeit her⸗
ein, in welcher die Leute die Previgt der reinen
Lehre, wie Egere ſte führte, nicht gern mehr er⸗
tragen mechten. Unkirchliches Weſen ergriff
auch riele der Miſüenare, ſo taß 3. B. einer
Namens Tracharrt es als verkelrt bezeichnete,
daß Egede angremnt die Grönlärder die drei
Artikel des Griflicken Glaubens zu kehren. Das.

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