Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer 20 › Seite 133

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1853-04-26, Seite 133

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ſich verwundern über das, was Egede ihnen
von Gottes unbegreiflicher Macht und Maſeſtät
erzählte. Im J. 1724 taufte Egede das erſte
Kind; als aber die anweſenden Grönländer
nun auch die Taufe begehrten, konnte er nichts
weiter thun als ſie auf fernere Zeit zu verwei—
ſen; er beging mit dieſem ſtrengen geſetzlichen
Weſen ein Unrecht, welches er ſelbſt ſpäter am
ernſtlichſten eingeſehen und bereut hat, aber wer
will den erſten Stein auf ihn werfen? Dage—
gen hielt er am 10. Januar 1724 ſeine erſte
Predigt in Grönländiſcher Sprache und ver⸗
faßte einen Kalechismus in einfültigen Fragen.
und Gebeten. Im J. 1725 taufte er einen
Grönländiſchen Knaben, Friedrich Chriſtian ge—
nannt, der ein trefflicher Lehrer ſeiner Lands—
leute wurde. Seinen Sohn Paul, der damals
18 Jahr alt war, ſandte er jetzt ſchon allein
unter die Heiden aus, obwohl derſelbe trotz al—
ler Liebe und Glaubensfrendigkeit, meiſt nur
mit Thränen fortging, weil die Grönländer ihn
wacker ausſpotteten, wenn er einmal Sprach—
febler machte. Kamen die Grönländer von ih—
rer Sommerbeſchäftigung, Fiſchfang und Jagd,
beim in ihre Winterzelte, dann mußte Egede
meiſt wieder mit ſeinem Unterricht von vorne
anfangen. Da geſchah denn oftmals, daß
er, wenn die Neigung zu Zauberei ſich in ihnen
ſichtharlich regte, er ihre Amulette und anderen
Kram zornig auf den Boden warf und zerbrach.
Dennoch geſchah ihm nimmer ein Leid. Kühn
und trotzig im Glauben des Sohnes Gottes
ſiand er überall in allen Anfechtungen, oftmals
auch zwiſchen den murrenden Genoſſen und der
klagenden Familie, denen beim Ausbleiben der
Schiffe von Dänemark auch in den nächſten
Jahren manchmal die Hungersnoth bevorzuſte—
ben ſchien. Er zeigt, daß ein rechter Chriſten—
menſch auch ein ganzer Mann iſt.
Die größte Noth hatte Egede einmal von den
däniſchen Soldaten, welche herübergeſchickt wa—
ren, in der zu Godthaab angelegten kleinen
Feſtung zu dienen. Unter den wilden Heiden
Grönlands könne man ſich ruhig niederlegen,
aber unter den Eignen, die ſich Chriſten nenne⸗
ten, ſei man ſeines Lebens nicht ſicher, klagt er.
Was aber das Schlimmſte war, dieſe ſogenann—
ten Chriſten erregten mit ihrem gräulichen Wan—
del ein ſolches Aergerniß unter den Grönlän⸗
rern, daß einer, Namens Okoko, einmal den
Vorſchlag machte, Angekoks d. i. grönländiſche
Zauberer nach Europa zu ſchicken, „um die
Leute dort zu guten Sitten zu bekehren.“ Ein
Grönländer ſchreibt z. B. ſpäterhin: „Eure
Lebrer belebren uns, daß wir den Teufel flirhen
ſollen, und die Matroſen beten mit großem Ernſt,
daß der Teufel ſie holen möge. Euer Volk
weiß, daß es einen Schöpfer und Erhalter aller
Dinge giebt, daß die Menſchen nach dieſem Le⸗
ben je nach ihren Werken Seligkeit oder Unſe⸗
ligkeit empfangen, und doch leben ſie, als ob es

rüberall Eingang.

ibnen befohlen wäre, böſe zu ſein, als ob es
ihre Ehre und Vortheil ſei, zu ſündigen. Me-
ne Landsleute dagegen wiſſen nicht, weder deß
ein Gett noch daß ein Teufel iſt, glauben wer

ſung auf Grönland für aufgehoben erklärt ha⸗

Leben, und doch leben ſie unſträflich, gehen mit
einander friedlich u. liebevoll um, theilen gerne
mit.“ Meinet ihr nicht, daß auch jetzt viele
Heiden, vielleicht viele Indianer in unſerem
Lande, ſolche Klage führen? — Das Aerger—
niß war groß, aber Egede's und ſeiner Familie
treffliches Beiſpiel bereitete ſeiner Predigt doch
Auch die Anfechtung, welche
ihm die Frage brachte, wie man unter den Hei—
den mit der hl. Taufe verfaͤhren ſolle, wurde
überwunden, als die beiden anderen Miſſio—

nare, welche nach ihm zu den Grönländern ge⸗

ſandt waren, unter ihnen der gelehrte Otto
Lange, nach Godthaab zu einer Conferenz ka—
men. Da wurden dieſe drei Gottesmänner
eins, daß ſie 1.) von nun an in des HErrn
Jeſu Namen die hl. Taufe den unmündigen
Kindern der zunächſt umher wohnenden Grön—
länder mittheilen wollten, vorausgeſetzt daß die
Eltern ſelbſt der chriſtlichen Lehre Beifall gä—
ben und zugleich willig wären, ihre kleinen Kin—

eben ſo mit den etwas älteren Kindern verfah—
ren wollten, wenn ſie die vornehmſten Haupt⸗
ſtücke unſeres chriſtlichen Glaubens einfältiglich
gefaßt; und 3.) nicht weniger mit den Er⸗
wachſenen und Alten, wenn dieſe, nächſt nöthi⸗
ger Erkenntniß und Verſtändniß der chriſtlichen
Lehre, Zeichen einer rechten Andacht und eines
wahren Eruſtes in der Sache der Seligkeit gä—
ben und ein Verlangen nach dem hochwürdigen
Sacrament der Taufe äußerten. — Dieſe Be—
ſchlüſſe wurden hernach vom Miſſionscollegium
beſtätigt und damit Egeden eine ſchwere Laſt.
vom Herzen genommen. Ueberhaupt machte er
in jenen Tagen viel troſtreiche Erfahrungen.
So kam im J. 1730 ein Mann von den wei⸗
ter nördlich wohnenden Gröuländern mit der

Botſchaft: „Sage dem Redner, daß er nach

Norden zu uns kommen und hier ſeine Woh—
nung aufſchlagen ſoll; denn hier iſt das Land
beſſer und es ſind mehr Leute hier als dort un⸗
ten, wo er jetzt wohnt. Er ſoll bei uns Alles
empfangen, was die Schiffsleute ſonſt zu erhal⸗
ten pflegen; denn dieſe können uns nichts von
Bedeutung ſagen und ſprechen auch von nichts

fanderem als von Speck.“ Wir möchten auch

gern gründlichen Unterricht vom großen Schö—
pfer empfangen, von welchem diejenigen mit
uns geſprochen, die ihn gehört haben.“ „Wer
wollte nicht,“ rief Egede bei dieſer Nachricht,
„von ſolcher merkwürdigen Rede und Botſchaft
ſich bewegen laſſen, in einer fruchtbringenden
Hoffnung Gott und den Schöpfer an jenen
Orten bekannt zu machen.“ Er ſandte alsbald
ſeinen Sohn Niels hinüber. Oft hörte er da—
mals die Grönländer ſprechen: ſage dem Kö⸗
nige, daß er uns mehr Prediger ſende.

Wie wunderbar iſt des HErrn Nath! Ge⸗
rade in jener Zeit, da Egede die erſten Früchte
ſeiner mühſeligen Arbeit zu ſehen erhielt, kam
die Nachricht nach Groͤnland, daß König Frie⸗
drich IV. im Jahre 1730 geſtorben ſei, deſſen
Nachfolger aber Chriſtian VI. die Niederlaſ—

1
der dem HErrn Jeſu zu opfern: 2.) daß ſie

ben, ſo ſolle man denen Lebensmittel auf ein

Jahr zurücklaſſen. Egede konnte ja nicht fort⸗
gehen: als es bekannt wurde, daß er vielleicht 3
werde davonziehen müſſen, kamen viele Grön—

länder mit ernſtlichen Klagen und Bitten, ſie
nicht zu verlaſſen; er könne ja ſtets bei ihnen

bleiben und, wie ſie, von Rennthieren, See—
hunden, Vögeln und Fiſchen, an welchen ſit
Ueberfluß hätten, leben. Ein Grönländer na⸗
mentlich brachte ſeine kürzlich getauften zwei
Kinder herbei und ſprach zu Egede: dieſe wol⸗
len dir keineswegs erlauben, wegzuziehen Er
blieb, aber er ſchrieb auch damals: „ſo bin ich
denn allein mit meiner Frau, drei Kindern,
zehn Matroſen und acht grönländiſchen Kna—
ben und Mädchen, die faſt von Anfang bei mir
geweſen ſind, zurückgelaſſen.“ „Gott laſſe mich
die ſelige Stunde erleben, da ich wieder erfreu⸗
lichere Nachrichten vom Vaterkand zu hören be—
kommen werde. Er erhielt freilich bald darauf
die Nachricht, daß der König auf Berwendung
des Grafen Zinzendorf beſchloſſen habe, die
Miſſion in Grönland wieder kräftig zu unter—
ſtützen, allein es war dies wie ein Labetrunk,
einem Sterbenden gereicht. Amn Neujahrstage
1732 ſtarb einer der Knaben, welcher 7 Jahre
lang Egede's Unterricht genoſſen hatte und hof⸗
fen ließ, daß er bald ſeine Landsleute ſelbſt
werde unterrichten können. Egede ſchreibt über
ihn: „Weil es dem alleinweiſen Gott ihn jetzt
bereits zu ſich zu rufen gefallen hat, muß ich
mit ſeinem gnädigen Willen vergnügt ſein und
kann ihm das glückſelige, freudenvolle u. ewige
Neujahr nicht mißg önnen, wozu er jetzt der
Seele nach berufen iſt.“ Im Septennber 1733
aber brachen in der Anſiedkung die Kinderblat⸗
tern aus, welche durch einen grönländiſchen
Knaben von Kopenhagen herübergebracht wa—
ren; bald ſtand Egede wie in einem großen
Krankenhauſe. Einer der erſten, welchen die
Seuche hinriß, war EChriſtian Friedrich, der
Grönländer, welcher nun ſchon in's dritte Jahr
Lehrer (Katechet) geweſen war und Egeden und
deſſen Sohn Paul vorzüglich in der Gröunlän⸗
diſchen Sprache unterrichtet hatte. Er zeigte in
ſeiner Krankheit die größte Geduld und rief in—
nig und unabläſſig zu Gott um Seine Hülfe
und Gnade. „Wie wunderbar und unbegreif⸗
lich,“ ſchrieb Egede dabei, „iſt doch des Höchſten
Rath und Weg, indem er uns ganz der Mittel
beraubt, welche nach unſerer menſchlichen Ein⸗
ſicht am meiſten die Ausbreitung Seiner Ehre
fördern können! Lehre uns, o Gott, daß wir
uns darin ergeben und in einer lauteren ein—
fältigen Hingabe uns deiner wunderlichen, doch
ſeligen Leitung und Führung befehlen!“ —
Die armen hülfloſen Grönländer flohen vor der
ſchrecklichen Krankheit von Ort zu Ort und ver⸗
breiteten ſie ſo über das ganze Land; bald la⸗
gen ganze Haufen unbeerdigter Leichen auf den
Feldern umher. Die Kranken, welche zu Egede
kamen, nahm er auf, ſo lange ſeine Wohnung
ſie faſſen konnte, und pflegte ſie. Ven ganzen
Winter hatte er keine Ruhe weder Tag noch
Nacht, manchmal wenn einer der Kranken in

der. an Belohnung noch an Sirafe nach dieſem rbe. Wolle Egede und ſonſt noch jemand blei-der Nacht ſtarb, mußte er ſelbſt den Torten in

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