# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 04 26_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ö chismus wenig odver gar nicht bekͤmmern, wel⸗ ches freilich darin ſeinen Grund hat, daß ſie ihn ſelbſt noch nicht recht verſtehen, kennen und werthzuſchätzen gelernt haben. Deine Kinder, die noch in die Schule gehen, verhöre fleißig über das in der Schule Gelernte und forſche daneben auch fleißig nach, ob ſie ih— re Lectionen wohl können; denn dadurch wirſt Du Eurem Lehrer in der Schule eine gute Stüt— ze, die ihm gewiß nur lieb ſein kann. — Ge— wöhne auch Deine Kinder bei Zeiten daran, daß ſie, je nach ihrem Maaß, auch aus der Kirche Körnlein und Sämlein mit heimbringen, die ſie dann, etwa bei Tiſch, Dir vorzeigen und davon erzählen müſſen, welches gewiß, neben der Spei⸗ ſe für den Leib, eine gute Würze für die Seele iſt, und wodurch auch ſonſt manchen unnützen Reden vorgebeugt wird. Freilich wird es mit dem Merken u. Behalten des Wortes nicht im⸗ mer nach Wunſch gehen und auch in dieſer Wei⸗ ſe bei Dir die Geduld geprüft werden; denn der Teufel iſt nicht allein bei den Erwachſenen, ſon— dern auch bei den Kleinen ſchon geſchäftig genug, um ihnen das Wort wieder zu ſtehlen, damit ſie nicht glauben und ſelig werden ſollen, und da wird es ſich denn wohl zuweilen zutragen, daß Du bei dem Nachfragen mehr den vergeßlichen Hörer des Wortes erkennen mußt. Dagegen ſoll und darf man dann nicht gleichgültig ſein; denn es iſt ja eine große Sünde, auch bei Kin⸗ dern ſchon, wenn ſie das ſelige Wort Gottes leichtfertig hören und alsbald wieder vergeſſen. Man muß ſie von Gottes wegen darüber be— ſtrafen; freilich nicht ſogleich mit dem Stocke, denn das wäre nicht weislich gehandelt, ſon⸗ dern zunächſt mit dem Worte Gottes ſelbſt. Denn wiewohl, wenn die Strafe des Wortes und die Vermahnungen nichts fruchten, auch leibliche Züchtigungen erfolgen müſſen, ſo wird doch durch's Wort allein das Herz gebeſſert und vermöge des Wortes im Herzen die kindliche Furcht entzündet, die ſich ſcheuet etwas zu den— ken, zu reden und zu thun, das Gott miffällt. Zu den leiblichen Strafen, ſollen ſie heilſamlich wirken, muß alſo auch das Wort Gottes kom⸗ men, ſonſt kann höchſtens äußerlich dadurch der Sünde gewehret werden, aber das Herz bleibt ungebeſſert in der kuecht'ſchen Furcht ſtecken. Soll man nun aber ſtrafen, ſo muß man doch auch eine zum Strafen ſich eignende Ruthe ha— ben; denn das will ſich nicht ſchicken, daß man mit jedem beliebigen Stück Holz, was einem grade unter die Hände kommt, zuſchlägt. Will man daher mit dem Worte Gottes ſtrafen, ſo iſt ebenfalls nöthig, daß man ſolche Sprüche, wo⸗ rin von der zu ſtrafenden Sünde die Rede iſt, bei der Hand hat. Wir ſtehen nun für dieſes Mal beſonders bei der Leichtfertigkeit im Hören und Behalten des göttlichen Wortes und da, venke ich, wird es Dir, lieber Bruder, nicht un— lieb ſein, wenn ich Dich auf einige Sprüche aufmerkſam mache, die mir für ſolche Fälle recht paſſend zu ſein ſcheinen. 11, 28. und lautet: „Ja, ſelig ſind, die das Wort Gottes hören und bewahren.“ Solch einen Spruch kann man nun dem Kinde Der erſte ſteht Lucä; —117— einfach zergliedern, und bei dieſem etwa ſagen: Siehe, hier hörſt du, daß Chriſtus nicht die ſe⸗ lig preiſ't, die das Wort Gottes hören und dar— nach wieder vergeſſen (wie Du es jetzt gemacht haſt); ſondern er ſetzt zum Hören auch das Be— wahren oder Behalten. Hören und Bewahren gehören alſo nothwendig zuſam⸗ men, und wo das nicht iſt, da kann man auch auf die Seligpreiſung Chriſti keinen Anſpruch machen. — Ferner: „Seid aber Thäter des Wortes und nicht Hörer allein, damit ihr euch ſelbſt betrüget.“ (Jacob. 1, 22.) und Lue. 2, 19.: „Maria behielt alle dieſe Worte und be— wegte ſie in ihrem Herzen.“ — Und weil das leichtfertige Hören und Vergeſſen des Wortes gleichſam eine Verachtung und Verwerfung deſ⸗ ſelben iſt, und alſo ſchnurſtracks wider das 3. Gebot läuft, ſo kann man auch den Spruch Hoſea 4, 6. anziehen, nemlich: „Mein Volk iſt dahin, darum, daß es nicht lernen will. Denn du verwirfſt Gottes Wort, darum will ich dich auch verwerfen,“ und dem Kinde dann dabel zu Gemüthe führen, was das heiße won Gott ver— worfen zu ſein. Auch kann man beiſpielsweiſe die große Seelengefahr vorſtellen, in welche der— jenige ſich bringt, der das Wort Gottes nur oberflächlich hört u. nicht zu Herzen faßt. Und da dient denn der Leib zu einem trefflichen Er— empel. Man kann alſo dem Kinde etwa ſo ſagen: ſiehe, dein Leib bedarf der täglichen Nah— rung und du verſorgſt ihn damit nicht nur ein⸗ mal, ſondern mehrere Male in einem Tage. Würdeſt Du nun Deinem Leibe die nöthige Nahrung mehrere Tage entziehen, ſo würde er gewiß bald matt und krank werden, ja endlich, wenn er gar keine Nahrung mehr bekäme, gar erſterben müſſen. Du haſt aber in Deinem ſterb⸗ lichen Leibe auch eine unſterbliche Seele wohnen, die ebenfalls der Nahrung bedarf und um ſo viel mehr, ſo viel ſie edler iſt, als der Leib. Die Nahrung der Seele iſt aber allein Gottes Wort, das wir gläubig hören und bewahren müſſen. Wer nun das nicht thut, ſondern Gottes Wort leichtfertig hinter ſich wirft, der entzieht damit ſeiner Seele die nöthige Nahrung und tödtet da⸗ durch ſeine Seele, freilich nicht leiblich, ſondern geiſtlich. Wenn aber die Seele geiſtlich todt iſt, ſo wohnt der liebe Gott nicht mehr darin. und ein ſolcher Menſch wird dann wieder eine Woh⸗ nung der Teufel und muß dann endlich, wenn er nicht bei Zeiten wieder umkehrt und wahre Buße thut, ewiglich verloren gehen. — Siehe, lieber Bruder! das ſind ſo einige Winke, die ich Dir auf Deine hieher bezügliche Frage gebe, u. wenn Du ſie im Aufſehen auf Gottes Gnade u. Beiſtand befolgſt, ſo werden gewiß die guten Früchte nicht außenbleiben. Und abgeſehen da— von, daß es etwa an Deinen Kindern, wenig— ſtens an dieſem oder jenem, fruchtlos bliebe — was Gott in Gnaden verhüten wolle — ſo hät— teſt Du doch Deine Seele errettet und Deine Kinder könnten dann am Tage des Gerichts nicht wider Dich zeugen. — Aber am Ende wirſt Du mir doch einwenden: Eine ſolche Einrich— tung und Uebung mit Deinen Kindern vorzu— nehmen, erlaubten Deine irdiſchen Berufsge⸗ ſchäfte nicht. Am Tage müſſeſt Du arbeiten u. fändeſt wenig Zeit, und des Abends wäreſt Du müde u. ſ. w. Darauf antworte ich: pruͤfe zu⸗ vor einmal, ob derlei Einwendungen auch ſtich⸗ haltig ſind u. ob ſie der HErr Chriſtus am Ge⸗ richtstage als genügende Entſchuldigung wohl paſſiren laſſen wird. Ich glaube nicht; ſondern ſie werden wie ein Nebel vor der Sonne zerſtie⸗ ben u. wie Waſſer verrinnen. Wie Chriſtus einſt zu ſeinen ſchlafenden Jüngern ſprach:,„ Vermö— get Ihr denn nicht eine Stunde mit mir zu wachen,“ ähnlich wird er gewiß den Eltern auf ſolche Einwendungen antworten und ſprechen: „Vermochtet Ihr denn nicht täglich eine Stun⸗ de von Euren irdiſchen Geſchäften abzubrechen, um dieſelbe Euren Kindern zur Unterweiſung in den Wegen des Heils zu widmen?“ — Ach, lieber Bruder! wo ſolche Einwendungen noch Statt finden, da fehlt es den Eltern gewiß noch an der rechten Erkenntniß, wozu ihnen denn ih— re Kinder vom HErrn eigentlich gegeben ſind, nemlich nicht dazu, daß ſie ihnen ein irdiſches Capital wären, wovon ſie reiche Zinſen zu hof⸗ fen hätten, ſondern vor Allem, um ſie für den Himmel zu erziehen. — Wie manche Eltern würden gewiß am Abend — ich will nur eine halbe Stunde rechnen — die Müdigkeit bei Sei— te ſetzen und vergeſſen, wenn ſie in derſelben 5 oder 10 Thaler verdienen könnten. Sind denn nun ihre Kinder, woran Chriſtus ſein theures Blut gewandt hat, nicht ſo viel werth, als 10 Thaler? — Zehn Thaler, ja die Schätze der ganzen Welt, ſind wie eine Hand voller Sand und werden im Hui verſchwinden, wenn einſt die Elemente vor Hitze zerſchmelzen und der Him⸗ mel Kräfte ſich bewegen werden; aber der Segen einer guten Zucht u. Vermahnung zum HErrn, auch nur von einer halben Stunde, bleibet in Ewigkeit. Ich bin überzeugt, wenn das Schät— zeſammeln für den Himmel bei Allen recht im Schwange ginge, ſo würden Einwendungen, wie die vorgenannten, wenn ſie ſich auch im Fleiſche, wegen der uns noch anklebenden Sünde, regten, vom heiligen Geiſte doch bald beſiegt und beſei— tigt werden. Daß es ſo ſein ſollte, ſagt Chri⸗ ſtus deutlich, wenn er Matth. 6, 33. ſpricht: „Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes u. nach ſeiner Gerechtigkeit, ſo wird euch das An⸗ dere — nemlich, was ihr für das kurze, zeitliche Leben gebrauchet — alles zufallen.“ Und St. Paulus Coloſſ. 3.: „Seir ihr nun mit Chriſto auferſtanden, ſo ſuchet was droben iſt, da Chri⸗ ſtus iſt, ſitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, das droben iſt, nicht nach dem, das auf Erden iſt.“ — Lieber Bruder! ich will mich hierbei nun aber keinesweges weiß brennen, als machte ich's auf's Härlein ſo wie ich ſollte; ach nein, ich ſehe durch Gottes Gnade meine Ge⸗— brechen wohl u. bitte Ihn, daß Er ſie mich nur immer mehr erkennen laſſen wolle. Ich ſtimme von Herzens Grund mit St. Paulus ein: „Nicht daß ich's ſchon ergriffen habe, oder ſchon voll⸗ kommen ſei; ich jage ihm aber nach, ob ich's auch ergreifen möchte, nachdem ich von Chriſto Jeſu ergriffen bin. Ich ſchätze mich ſelbſt noch nicht, daß ich's ergriffen habe. Eins aber ſage