Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 21 › Seite 187

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-10, Seite 187

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und eingedenk, daß der Chriſten Gerechtigkeit
allerdings vielmehr in Vergebung, als in eig⸗
utm Thun beſteht; was jene loſen Wäſcher um⸗
lehren, und ohne Vergebung allein auf unſer
Thun dringen.

3. Zeugniß. Wie zumchriſtlichen
Leben vorzüglich Glauben und

Liebe gehören; von welchen man
richtig lehren und predigen ſoll.

Dieſe zwei Artikel find zu lehren und zu pre⸗
digen. Erſtens ſoll man dafür ſorgen, daß der
Glaube an Chriſtum recht geprediget werde.
Sodann ſoll man predigen, daß die Früchte und
guten Werke recht getrieben werden. Zum
Glauben gehört, daß wir wiſſen, was die Sün⸗
te, das Geſetz und der Tod ſei, und was er
hberbeiführet. Ferner, wie wir wieder zum Le⸗
ben kommen, und in demſelben bleiben. Auf
dieſe Weiſe lehret Paulus in allen ſeinen Epi⸗
ſeln, ſonderlich in der an die Römer; zuerſt
vom Glauben an Chriſtum, und pflanzet einen
guten Baum; gleichwie Einer, der einen guten
Garten anlegen will, zuerſt gute Bäume haben
nuß: ſo thut auch Paulus: vorn herein pflan⸗
rer gute Bäume; und lehrt, wie wir gute
Bäume werden, nämlich: gläubig und ſelig
verden ſollen. Dieſes hat er bis an das 12.
Cavit. des Römerbriefes beſchrieben: Hier im
12. Capit. lehrt er die Früchte des Glaubens
+ bis ans Ende der Epiſt.; damit wir nicht falſche
Chriſien ſein ſollen, die allein den Namen ha—
ben, ſondern rechte, wahrhaftige Gläubige ſein
ollen. Dieſes iſt die Predigt von guten Wer⸗
ken, welche Gott vorzeichnet; daß wir, die wir
durh den Tod des Sohnes Gottes erlöſet ſind,
gettſelig leben ſollen, als die wir nicht in dieſes,
ſondern in das ewige Leben gehören, wenn wir
anders recht glauben, daß wir nicht nach dem
Glauben wieder in die Welt gerathen, wie er
deen kurz zuvor geſagt hat: Erneuert euch im
Geiſt eures Gemüthes. — Es ſoll unſere Sor⸗
ö ze ſein, daß wir Gott, dem Vater aller Barm⸗
henigkeit und Troſtes dankbar ſein, und hinfort
uns anſtellen, daß unſer Glaube nicht in den
Vorten, ſondern in der Kraft beſtehe. Denn
paulus ſpricht 1. Cor. 4.: Das Neich Gottes
hetehet nicht in Worten, ſondern in Kraft. Es
ſt nicht genug, daß wir fein davon reden und
ſhreiben können; ſondern das Leben und die
Hat muß der Wahrheit Zeugniß geben, daß
nir unſere Liebe und unſere Wohlthaten gegen
grunde und Feinde darbringen.

4. Zeugniß. Von der falſchen

Mittelſtraße der Welt.

Die Welt bleibt allezeit ſo, daß ſie entweder
ſlſch vom Glauben rühmt; oder daß ſie ohne
„Klauben allzuheilig ſein will. Predigt man
vm Glauben und von der Gnade, ſo will Nie⸗
nand Werke thun: dringt man auf die Werke,
ſo will Niemand an den Glauben; und es ſind
nijenigen ſelten, die ſich auf der rechten
Nittelſtraße halten; ja es wird auch wohl den
ſummen Chriſten ſchwer. Denn ich bekenne
ſle mich ſelbſt, und ohne Zweifel müſſen es
mdere auch bekennen, daß mirs an demjenigen
Reiß und Ernſte mangelt, den ich jetzt viel mehr

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als vorhin haben ſollte; und daß ich viel nach⸗
läſſiger bin, als unter dem Papſtthum; und
es iſt jetzt nirgends ein ſolcher Ernſt bei dem
Evangelio, wie man vorher bei Mönchen und
Pfaffen geſehen; wo man ſo viel geſtiftet und
gebauet hatte; und wo Niemand ſo arm war,
der nicht Etwas hätte geben wollen. Aber jetzt
iſt nicht eine Stadt, die einen Prediger ernähren
will; und nur Rauben und Stehlen herrſcht
unter den Leuten, und ſie laſſen ihnen Niemand
wehren. Woher kommt dieſe ſchändliche Plage?
Von der Lehre, ſagen die Widerſacher, daß man
lehrt, man ſolle nicht auf die Werke bauen und
trauen. Aber nein! es iſt der leidige Teufel,
welcher der reinen, heilſamen Lehre fälſchlich das
zumiſſet, woran vielmehr ſeine und der Leute
Bosheit Schuld iſt, die dieſe Lehre mißbrauchenz
ſo wie auch die Trägheit unſeres alten Adams,
der immer den Holzweg zur Seiten hinaus will,
und denket, es habe nicht Nöth, ob wir gleich
nicht viel gute Werte thun; und wir werden
unverſehens faul und unachtſam, und verſau⸗
ern darin, bis wir den Saft und die Kraft des
Glaubens gar verlieren. — Auf der rechten
Mittelſtraße will Niemand bleiben; daß wir
nns nämlich gerade vor Gott verläugneten, als

Solche, die Nichts ſuchen, als lauter Gnade;

und dieſe, die auch angeboten und verheißen
wird, empfangen; dann aber hingingen und
thäten, was wir könnten, und zwar auch frei
umſonſt, um keines Verdienſts oder eigenen Ge—
nuſſes willen; man ſagt und predigt dieß; man
hörts wohl; es kann es aber Niemand, wenn
mans können und beweiſen ſoll. —

Ich habe ja fleißig bisher und noch gelehret
und ermahnet, daß man Glaube und Liebe nur
wohl von einander unterſcheide, und ein Jedes
recht lehre und treibe. Denn man gibt uns ſonſt
Schuld, weil wir des Glaubens Lehre ſo hoch
treiben, daß wir von guten Werken Nichts pre⸗
digen, noch halten; obgleich wir doch vor aller
Welt bezeugen können, daß wir viel herrlicher
und gewaltiger von guten Werken gepredigt ha⸗
ben, als ſie ſelbſt, die uns läſtern. Aber das
ſtrafen wir, daß ſie die Werke und den Glauben
nicht unterſcheiden, ſondern unter einander
bräuen und mengen, daß man nicht weiß, was
der Glaube oder was die Werke thun und ge⸗
ben; ja daß ſie vom Glauben, bevor wir mit
unſerer Lehre aufgetreten ſind, gar Nichts ge⸗
wußt, und Alles den Werken beigelegt baben,
was Chriſtus durch den Glauben geben ſoll.
Wir aber dringen darauf, daß man von Beiden
einen rechten Unterricht und gewiſſen Verſtand
habe und behalte, wie weit der Glaube und die
Liebe, oder wie weit die Werke gehen. Denn
die Welt will doch der wahren Wege keinen
recht, ſondern immer den Holzweg gehen: ent⸗
weder gar Nichts thun und wirken, oder nicht
gläuben; ſie fährt immer zur Seiten hinaus,
indem ſie entweder den Glauben oder die Liebe
fahren läßt; die Mittelſtraße nur will ſie nicht
treffen, dadurch, daß ſie den Glauben gegen
Gott rein und unverſehrt, und die Liebe gegen
den Nächſten von rechtſchaffenem Herzen übte;
wie dieſes auch St. Johannes Beides fordert

und treibt, dei, ob er gleich vornehmlich ſich
vorgenommen, zur Liebe zu ermahnen, doch
auch des Glaubens nicht vergißt, und ſich im⸗
mer auf ihn bezieht. — So wollen und konnen
jene, unſere Widerſacher, nicht lehren, ſondern
wollen entweder den Werken Alles geben, oder,
wie Andere, die Liebe gar unterlaſſen, und mei⸗
nen, es ſei genug, daß ſie viel vom Glauben
ſagen können. Du aber bleibe auf dieſer rech⸗
ten Mittelſtraße, daß du nicht nur den Haupt⸗
ruhm gegen Gott behalteſt, auf den wir endlich
und gründlich unſere Zuverſicht ſetzen müſſen,
auf den wir auch getauft ſind, und Beides, le⸗
ben und ſterben müſſen; welcher iſt unſer Herr
Jeſus Chriſtus, der unſere Sünde durch ſein
Blut abgewaſchen hat, und jetzt zur rechten
Hand des Vaters ſitzet und uns Alles ſchenket;
ſondern daß du auch dabei gegen der Welt dich
rühmen, und von deiner Liebe trotzen könneſt,
daß es nicht in bloßen Worten beſtehe, ſondern
vor Gottes Gericht beſtehen, und daſelbſt bewei⸗

ſen können, daß es ein rechter, ungefärbter

Glaube, und eine rechtſchaffene, völlige Liebe
geweſen ſei, die ihre Tugend und ihre Art durch
rechte Werke darthut ſo daß man's ſehen und
und greifen könne. — Denn der wahre Glaube
iſt nicht ohne die Liebe, ſondern iſt durch dieſelbe
thätig, ſoll er anders kein erdichteter, heuchleri⸗
ſcher, ſendern ein rechter, lebendiger Glaube
ſein. Denn ein lebendiger Glaube iſt derjenige,
der ſich in guten Werken durch die Liebe übt und
und anhält. Das iſt denn nichts anders als ſo
viel geſagt: Wer ein rechter Chriſt und in Chriſti
Reich ſein will, der muß wahrlich einen rechten
Glauben haben: nun iſt aber freilich der Glaube
nicht recht, wo nicht die Werke der Liebe nach⸗
folgen. — Denn, wenn der Menſch durch den
Glauben an Chriſtum gerecht worden iſt, und
ihn durch den Glauben bekommen hat; und
nun weiß, daß derſelbe ſeine Gerechtigkeit und
ſein Leben iſt: alsdann wird er gewiß nicht
müſſig und ohne Werke bleiben; ſondern er hat
den heiligeu Geiſt; wo aber der iſt, läſſet er
den Menſchen nicht faul noch müſſig ſein; ſon⸗
dern treibt ihn zu allerlei Gutem. Darum ſa⸗
gen wir auch, daß der Glaube ohne Werke nichts
werth oder unnütz ſei; das iſt, daß der Glaube,
der ohne Werke iſt, lauter Nichts, das iſt, ein
ſchlechter, erdichteter Wahn und Traum des
Herzens iſt, welcher falſch iſt und nicht gerecht
macht. Gleichwohl machen die Werke der Liebe
den Glauben nicht rechtſchaffen, ſondern mein
Glaube macht die Werke rechtſchaffen. Darum
ſagt Paulus, daß weder die Beſchneidung noch
Vorhaut etwas gelte, ſondern eine neue Ereatur,
wodurch wir dem Ebenbilde Gottes ähnlich wer⸗
denz welche nicht durch Werke der Liebe geſchaf⸗
fen wird, ſondern durch den heiligen Geiſt, wel⸗
cher durch den Glauben die Herzen reinigt, uns

einen neuen Verſtand und Willen gibt, daß wir

Gott fürchten, lieben und ihm vertrauen; und

der uns Kraft verleiht, das Fleiſch zu zähmon,

und uns vor der Welt Gerechtigkeit und Weis⸗
heit zu hüten.“ Es heißt demnach eine neue
Creatur die Erneurung des Sinnes, die durch
den heiligen Geiſt geſchieht. Hieraus folgt denn

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