Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 21 › Seite 162

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-10, Seite 162

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bat: daſſelbe, ſagen wir, iſt je der Schatz und
kein anderer, dadurch ſolche Vergebung erwor—
ben iſt.“

Ferner lügt Herr Naſt wider uns, als lehrten
wir: „daß der Gebrauch des Sakramentes ohne
den Gehorſam des Glaubens ſelig mache“. Im
Gegentheil bekennen wir von der Taufe in un⸗
ſerem kleinen Catechismus: „Sie wirket Verge⸗
bung der Sünden, erlöſet von Tod und Teufel
und giebt die ewige Seligkeit allen, die es
glauben, wie die Worte und Verheißung
Gottes lauten;“ und vom heil. Abendmahl:
„der iſt recht würdig und woͤhlgeſchickt, der den
Glauben hat an dieſe Worte: Für euch gegeben
und vergoſſen zur Vergebung der Sünden.
Wer aber dieſen Worten nicht gläubet oder zwei⸗
felt, der iſt unwürdig und ungeſchickt, denn das
Wort: „Für euch“, fordert eitel gläubige
Herzen“. Und im 13ten Artikel der Augs⸗
burgiſchen Confeſſion vom Gebrauche der Sa—
kramente heißt es: „daß ſie Zeichen und Zeug⸗
niſſe ſind göttlichen Willens gegen uns, unſern
Glauben dadurch zu erwecken und zu ſtärken:
deßhalb ſie auch Glauben fordern, und
dannn recht gebraucht werden, ſo man's im
Glauben empfängt, und den Glauben dadurch
ſtärkt“. Ebenſo heißt es in der Apologie von
den Sakramenten und ihrem rechten Gebrauch:
„Das iſt aber mehr von Nöthen zu disputiren
und zu wiſſen, was der rechte Gebrauch der Sa⸗
kramente ſei; da müſſen wir frei verdammen
den ganzen Haufen der Scholaſtiker und ihren
Irrthum ſtrafen, da ſie lehren, daß diejenigen,
ſo die Sakramente ſchlecht gebrauchen, wenn ſie
nicht obicem (Riegel, Hinderniß) ſetzen, ex opere
operato (durch das gethane Werk) Gottes Gna⸗
de erlangen, wenn ſchon das Herz alsdann kei⸗
nen guten Gedanken hat. Das iſt aber ſtracks
ein jüdiſcher Irrthum, ſo ſie halten, daß wir
ſollten durch ein Werk und äußerliche Ceremonie
gerecht und heilig werden ohne Glauben und
wenn das Herz ſchon nicht dabei iſt. u. ſ. w.
Darum ſagen wir auch, daß zum rechten Ge⸗
brauch der Sakramente der Glaube gehöre,
der da glaube der göttlichen Zuſage und die zu⸗
geſagte Gnade empfange, welche durch Sakra⸗
ment und Wort angeboten wird. Und dies iſt
ein gewiſſer rechter Gebrauch der heil. Sakra⸗
mente, darauf ſich ein Herz und Gewiſſen wagen
und laſſen kann; denn die göttliche Zuſage kann
Niemand faſſen, denn allein durch den Glauben.
u. ſ, w. Ja Auguſtinus ſagt, daß der Glau⸗
be im Gebrauch des Sakraments, nicht das
Sakrament vor Gott uns fromm mache.“

Nachdem wir ſo die Beſchuldigungen des Herrn
Naſt als verläumderiſch und lügenhaft dargethan
und widerlegt haben, ſo wollen wir weiter ſehen,
welche Vorſtellungen ſich derſelbe von den heil.
Sakramenten macht. „Wir müſſen, ſagt er,
einen allgemeinen Überblick thun über das, was
zum Seligwerden nöthig iſt. Dies zerfällt in
zwei Theile, erſtens in die Gnade Gottes, durch
welche uns Seligkeit erworben und angeboten,
und nach den Bedingungen des Evangelium's
in uns gewirkt wird, und zweitens in den Glau⸗
ben, durch welchen als die Bedingung ſie von

—162 —

unſerer Seite angenommen wird r. Wenn denn
die Gnade Gottes in Chriſto Jeſu die einzige
wirkſameUrſache und der in Liebe thätige Glaube
die einzige Bedingung unſerer Seligkeit iſt: wo
iſt ein Raum gelaſſen für eine inwohnende, ſelig
machende Wirkſamkeit der Sakramente?“

Wir antworten darauf, daß in der Bibel für
die krummen Sprünge des Naſtiſchen Schwarm⸗
geiſtes allerdings kein Raum gelaſſen iſt und daß
Herr Naſt, der ſich doch vermiſſet, zu ſein ein

Leiter der Blinden, ein Licht derer, die in Fin—
ſierniß ſind, nicht weiß, weder was Sakrament,
noch was das Wort Gottes, noch was der Glau—
be iſt. Nicht der Glaube, weil und ſo fern
er in der Liebe thätig iſt, macht ſelig, wie
Herr Naſt ſchwärmt, ſondern der den Herrn
Jeſum ergreifende Glaube macht ſelig. Der
wahre, rechtfertigende Glaube iſt allerdings die
Mutter, Quelle und Wurzel aller guten Werke
und Tugenden, gute Werke müſſen dem Glau⸗
ben nothwendig folgen; ſie ſind Früchte des
Glaubens und bezeugen, daß der Glaube leben⸗
dig und rechter Art ſei: allein zur RNechtferti—
gung helfen die guten Werke nichts. Es bleibt
dabei, was der Apoſtel ſagt: Aus Gnaden
ſeid ihr ſelig geworden, durch den Glauben;
und daſſelbige nicht aus euch, Gottes Gabe iſt
es; nicht aus den Werken, auf daß ſich
nicht jemand rühme. (Epheſ. 2, 8. 9.) Daß
alſo der Glaube gerecht macht, hat er nicht von
der Liebe, durch welche er thätig iſt, nicht von
den guten Werken, welche er hervorbringt, ſon⸗
dern von Chriſto, den er ergreift. Denn wer
an Chriſtum glaubt, der wird von Gott gerecht—
fertigt oder für gerecht erklärt, indem Gott ihm
die Gerechtigkeit und das Verdienſt Chriſti zu—
rechnet und ihn um deßwillen von allen Sünden
los und ledig ſpricht. Denn alles, was der
Herr Jeſus Chriſtus gethan und gelitten hat,
hat er für uns, um unſertwillen und an unſerer
Statt gethan und gelitten; für uns hat er das
ganze Geſetz Gottes erfüllt, unſere Sünden hat
er auf ſich genommen und dafür die Strafe er⸗
duldet, welche wir damit verdient hatten, näm⸗
lich die Pein des zeitlichen und ewigen Todes
und um unſerer Gerechtigkeit willen iſt er von
Gott dem Vater auferwecket, zum ewigen Zeug⸗
niſſe, daß er das Werk der Erlöſung vollbracht
und der göttlichen Gerechtigkeit an unſerer Statt
vollkommen genug gethan habe. Der rechtfer⸗
tigende Glaube beſtehet nun darin, daß ich
Chriſtum auch als meinen Heiland zuverſichtlich
ergre ife, und mir alles, was er für mich gethan
und gelitten hat, ſo aneigne, als hätte ich es
ſelbſt gethan und gelitten. Denn der Apoſtel
Paulus ſpricht Röm. 6, 11.: Alſo auch ihr,
haltet euch dafür, daß ihr der Sünde abgeſtor⸗
ben ſeid, und lebet Gott, in Chriſto Jeſu un—
ſerem Herrn. 7. 8. Wer geſtorben iſt, der iſt ge⸗
rechtfertiget von der Sünde. Sind wir aber mit
Chriſto geſtorben, ſo glauben wir, daß wir auch
mit ihm leben werden. 2 Cor. 5, 14. Wir hal⸗
ten, daß, ſo einer für alle geſtorben iſt, ſo ſind ſie
alle geſtorben. 15. Und er iſt darum für alle
geſtorben, auf daß die, ſo da leben, hinfort

nicht ihnen ſelbſt leben, ſondern dem, der für ſie

—

Gnade herabzuholen.
eigentlichen Methodiſten noch in den gräulichen

—

geſtorben und auferſtanden iſt. Röm. 8, 1. So
iſt nun nichts Verdammliches an denen, die in
Chriſto Jeſu ſind, die nicht nach dem Fleiſch
wandeln, ſondern nach dem Geiſt. Demnach
hält ſich ein Chriſt nicht für das, was er von
Ratur in Adam iſt, für einen verdammten Sün⸗
der, ſondern für das, was er aus Gnaden in
Chriſto iſt, nämlich für ein gerechtfertigtes Kind
Gottes. Darum ſpricht er mit Paulo: Ich bin
durch's Geſetz dem Geſetz geſtorben, auf daß ich
Gott lebe; ich bin mit Chriſto gekreuzigt. Gal.
2, 19. Das heißt: In Chriſto, welchen ich
durch den Glauben in der heiligen Taufe ange—
zogen habe, Gal. 3, 27., dem ich durch die
heil. Taufe einverleibt bin, 1 Cor, 12. 13.,
und mit dem ich durch den Glauben ein Geiſt
bin, 1 Cor. 6, 17., habe ich das Geſetz erfüllt;
denn Chriſtus iſt mein mit allem, was er hat;
ſeine Geſetzes-Erfüllung iſt daher auch die
meinige. Darum bin ich durch Chriſti Geſetzes—
Erfüllung dem Geſetze abgeſtorben; es geht mich
nun nichts mehr an, es iſt für mich gar nicht
mehr da, denn dem Gerechten iſt kein Geſetz ge⸗
geben, 1 Tim. 1, 9. Was es verheißt, das
ewige Leben, habe ich überſchwänglich in Chriſto;
denn wer an den Sohn glaubet, der hat das
ewige Leben, Joh. 3, 36. Was es den Ueber⸗
tretern droht, Fluch, Verdammniß, Gottes Zorn,
zeitliche und ewige Strafe, das habe ich alles
in Chriſto vollkommen gebüßt und bezahlt, ich
bin mit Chriſto gekreuzigt, mit ihm auferſtan⸗
den, und damit von allen Sünden gerechtfer⸗
tigt. — Was wir übrigens leider befürchten
müſſen, iſt, daß die Methodiſten bald nicht mehr
in Chriſto, ſondern in ihren Werken den Grund
und die Urſache ihrer Seligkeit ſuchen werden.
Indem nun Herr Naſt als das, was zum
Seligwerden nöthig iſt, „die Gnade Gottes,
durch welche uns Seligkeit erworben und ange—
boten und nach den Bedingungen des Evange⸗
lium's in uns gewirkt wird, und zweitens den
Glauben nennt, durch welchen, als die Bedin⸗
gung, ſie von unſerer Seite angenommen wird“;
— ſo ſchweigt er von den Mitteln, durch welche
Gott uns ſeine Gnade anbietet, aneignet und
verſiegelt. Und darüber kann er auch unmög⸗
lich eine genügende, dem Worte Gottes gemäße
Auskunft geben, denn das eigentliche Weſen der
methodiſtiſchen Schwärmerei beſteht darin, daß
er Gott verſucht, indem er den von Gott geord⸗
neten Gnadenmitteln Wort und Sakrament die
von Gott ihnen gegebene ſeligmachende Wirkſam⸗
keit und Kraft abſpricht. und ſie dagegen dem
eigenen Thun, den ſelberdachten, fälſchlich ſoge—
nannten Gnadenmitteln, ſtürmiſchen Schreige⸗
beten, Bußbank, Campmeetings ꝛc. zuſpricht.
Der Methodismus verachtet die von Gott uns
in Wort und Sakrament gegebene Himmels leiter,
worauf der Glaube zu Gott kommt und ſpricht:
Wer will hinauf genHimmel fahren? Röm. 10,
6.; er ſucht außer und ohne die Gnadenmittel
ſich durch ſein eigenes Thun in den Himmel zu
ſchwingen und von dort den heil. Geiſt und
Conſequent werden die

Irrthum ſinken, daß ſie auch den Glauben nicht.

English translation

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