Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 21 › Seite 174
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-10, Seite 174
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Dagon geſteilt wurde,n da wurdt ſoßitich diefer
Götze von ſeinein Poſtamente geſttrzt; und ob⸗
Rieich er öfters wieder hingeſtellt wurde, ſo
konnte er doch nicht ſtehen bleiben, ſo lange die
Lade des Herrn da ſtand, ja wurde zuletzt ganz
und gar in Stücke zerſchmiſſen. Ja, auch die
Widerſacher ſelbſt merken und bekennen dieſes.
Denn der Jeſuit Pighius, der ſonſt ſehr bitter
iſt, ſagt von dem Artikel der Rechtfertigung
Um dieſen Artikel dreht ſich, wie um eine Angel,
und von demſelben hängt ab als vom oberſten
Hauptſatz, faſt der ganze Streit, der zwiſchen
den Lutheranern und uns, Religion und Glau⸗
ben betreffend, geführt wird. Denn mit dieſer
Lehre verderben und beflecken ſie faſt alle Haupt⸗
ſrücke unſerer (der papiſtiſchen) Religion. Die⸗
ſes ſagt Pighius, der gar wohl und richtig ſieht,
daß der Artikel von der Rechtfertigung, richtig,
deutlich und gehörig erklärt, die ſchändliche
Blöße aller Irrthümer und Mißbräuche im
Papſtreiche aufdecke. Darum kämpfen ſie auch
ſo erbittert, ſo feindſelig und ſo hinterliſtig ge⸗
gen die Wahrheit dieſes Artikels; daher kommt
es, daß ſie fo frech und unverſchämt die offen⸗
barſten Irrthümer und Mißbräuche entweder ge⸗
radezu läugnen, oder mit allenthalben her zu⸗
ſammengeſuchten Lappen zu decken und zu flicken,
oder wohl gar zu vertheidigen ſuchen; damit es
nur ja nicht den Schein gewinne, als haben ſie
der Wahrheit dieſes Artikels nachgeben und wei⸗
chen müſſen. Denn ſie ſehen wohl, was für
eine jämmerliche Verrenkung in allen Nerven
und Sehnen ihres Aberglaubens darauf erfol⸗
gen müſſe. An einem andern Orte bekennt der⸗
ſelbe Pighius: Wir können es nicht verhehlen
noch verbergen, daß dieſer Haupitheil der chriſt⸗
lichen Lehre von den Unſern durch eine Menge
ſcholaſtiſche, ſpitzfindige und ſtachlichte Fragen
und Erklärungen mehr verdunkelt als aufgehellt
worden iſt. Und ſolcher Klagen ſind noch viele
andere auch unter den Papiſten ſelbſt je und je
erhoben worden. Im Tridentiniſchen Concili⸗
um iſt dieſe ſo wichtige Lehrfrage in Berathung
gezogen und zwar, wie ſie ſelbſt berichten. ſieben
Monate hindurch gehandelt worden. Und wer
haͤtte nicht hoffen ſollen, daß ſie, da dieſe Lehre
aus ſo vielen und ſo klaren und offenbaren
Zeugniſſen der Schrift von den Unſern zu dieſer
Zeit in ein ſo helles Licht geſetzt worden iſt, die
philoſophiſchen Pfützen der Scholaſtiker endlich
einmal verlaſſen, und ſich den prophetiſchen und
apoſtoliſchen Quellen, wo nicht ganz, doch mehr
als vorher zuwenden, zumal, da durch ſo viele
Monate hindurch darüber berathen worden iſt.
Aber dieſe lange Berathung, dieſe häufigen Sitz⸗
ungen, dieſe vielen Disputationen im Coneil
von dem Artikel der Rechtfertigung, haben end⸗
lich dieſen Ausgang gehabt, daß mit einer un⸗
mäßigen Fluth von Bannflüchen verdammt wor⸗
den iſt diejenige Lehre, welche die Lehre aller
Propheten und Apoſtel iſt, nämlich: „daß der
Menſch gerechtfertigt werde, das iſt, zu Gnaden
und zum ewigen Leben an⸗ und aufgenommen
werde allein durch die Zurechnung der Gerechtig⸗
keit Chriſti, oder allein durch Vergebung der
Sünden, durch den Glauben, welcher die Barm⸗
Artikels.
— 1.—
herzigkeit Goltes ergreift, der die Sünde ver⸗
gibt um Chriſti willen.“ Dieſe Lehre iſt von
dem Tridentiniſchen Concil mit erſchrecklichen
Bannflüchen verdammt worden! O der armen,
unglückſeligen Kirche, der es durch das Triden⸗
tiniſche Concil verboten iſt, zu glauben, zu pre⸗
digen nnd zu lehren die Seligkeit des Menſchen,
die durch Moſis, Davids und aller anderen Pro⸗
pheten Zeugniß beſtätigt und verſichert iſt, näm⸗
lich, daß Gott dem Menſchen die Gerechtigkeit
Chriſti zurechnet ohne Werke, nach dem Spruch:
Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben
ſind, Nöm. 4.
Deſto mehr, (ſagt Chemnitz in ſeinen locis,)
ſollen wir uns befleißigen, daß wir den wahren
Sinn und die apoſtoliſche Reinheit der Lehre
von der Rechtfertigung erhalten und auf die
Nachkommen fortpflanzen, und daß wir uns
weder durch Spitzfindigkeit und andere Täuſche⸗
rey der Menſchen, noch durch Gewalt und Trug
die ſelbe entreißen oder fälſchen laſſen. Und das
können wir mit Gottes Beiſtand um ſo leichter,
als wir in die Arbeiten Anderer, (unſerer from⸗
men Väter und Vorfahren) eintreten Joh. 4,
15. Denn eine ungeheure und übermenſchliche
Arbeit war es, aus ſo dichten Finſterniſſen, und
aus ſo ſtiukenden und ſchmutzigen Pfützen des
Antichriſt das wahre Licht hervorzubringen, und
die apoſtoliſche Reinheit der Lehre aus den
Brünnlein Israels wieder herzuſtellen. Auch
wäre dieß nicht möglich geweſen, wo nicht der
heilige Geiſt ſelber das Licht des Wortes ange⸗
zündet und vorgeleuchtet hätte. Eine ſchänd⸗
liche, heilloſe und gottloſe Trägheit wäre es da⸗
her, wenn wir das, was mit ſo großer Arbeit
und durch ſo wunderbare Wohlthat Gottes aus
den Quellen der Propheten und Apoſtel uns ge⸗
ſchenket und gezeigt iſt, durch Nachläſſigkeit im
Lernen und durch Lauheit und Mattigkeit im
Lehren wiederum verlieren, oder in Kämpfen
durch eine gewiſſe Weichheit uns wieder entreiſ⸗
ſen ließen. Wir dürfen aber nicht denken, daß
wir bei ſo großem Licht keine Finſterniß zu fürch⸗
ten baben; denn, wie ſchon geſagt, wir tragen
unſern Schatz in irdenen Gefäßen; unſer Wi⸗
derſacher, der Teufel, ſtellet demſelben Tag und
Nacht nach; und die letzten Zeiten werden, wie
der Herr ſagt, ſehr gefährlich ſein, da er keinen
Glauben finden wird auf Erden. — Die Ein⸗
leitung zu dieſem Artikel beſchließt Chemnitz mit
folgendem Wunſch und Ermahnung: der Sohn
Gottes, unſer Herr Jeſus Chriſtus wolle durch
ſeinen heiligen Geiſt der Lehrenden und Lernen⸗
den Herzen mit rechtſchaffener Liebe zur reinen
Lehre erfüllen, ſie regieren und erleuchten, und
innerhalb der Schranken der einfältigen Wahr⸗
heit erhalten, daß wir lernen, lehren, lieben
und fördern, was wahr, einfach, Gott ange⸗
nehm und der Kirche nützlich und heilſam iſt;
daß wir uns nicht ſcheuen noch weigern, jeder
Art Kämpfe zu beſtehen zur Vertheidigung und
Erhaltung der reinen und geſunden Lehre dieſes
Wie hoch und wichtig Luther dieſen
Artikel gehalten habe, erhellet unter Anderem
auch aus folgenden Worten von ihm: In mei⸗
nem Herzen herrſchet allein und ſoll auch herr⸗
ſcheu dieſer einige Artikel, naͤmch det Glaudt
an meinen lieben Herrn Chriſtum, welcher aller
meiner geiſtlichen und zöttlichen Gebanken, ſo
ich immerdar Tag und Nacht haben mag, dit
einige Anfang, Mittel und Ende iſt. Und wir⸗
wohl ich ſehr viel Worte davon gemacht, empfinde
ich dennoch gleichwol, daß ich von der Höhe, Tieft
und Breite dieſer unmäſſi igen, unbegreiflichen
und unendlichen Weisheit, kaum ein geringes,
ſchwaches Anheben erreichen, und kaum etliche,
kleine Stücklein unv Bröcklein aus der allerköst⸗
lichſten Fundgrube habe an das Licht bringen
mögen. Denn ich kann ja dieſe hohen Sachen
nicht ſo völlig darthun und an den Tag vor Au⸗
gen ſtellen; aber mich zwinget und dringet dann
der unmäſſige und unzählige große Wuth und
Greuel, welche je und je in der Chriſtenheit al⸗
len Jammer und Herzeleid angerichtet hat, und
noch heutiges Tages nicht aufhören noch ablaſ⸗
ſen will wider dieſen Artikel, welcher lehret, wie
und wodurch man vor Gott gerecht
geſchätzt und zu Gnaden angen om⸗
men werden muß, zu toben und zu wüthen,
welcher der einige feſte Fels und ewige beſtän⸗
dige Grundfeſte iſt alles unſers Heils und Se⸗
ligkeit, nämlich, daß wir nicht durch
uns ſelbſt, viel weniger durch unſere eige⸗
nen Werke und Thun, (welche freilich viel
geringer und weniger ſind, denn wir ſelbſt),
ſondern, daß wir durch fremde Hilfe,
nämlich, daß wir durch den einge⸗
bornen Sohn Gottes, Jeſum Chri⸗
ſtum, von Sünden, Tod und Teufel
erlöſet und zum ewigen Leben ge⸗
bracht ſeyen. Dieſen Felſen hat der Satan
im Paradies angefochten, da er unſere erſten
Eltern überredet, daß ſie den Glauben an Golt
fahren laſſen, und durch ihre eigene Weisheit
und Kraft Gott gleich werden ſollten welcher
ihnen doch das Leben anfänglich und zum aller⸗
erſten gegeben, und daſſelbe auch zu erhalten
verheißen hatte.
hernach wider dieſen Glauben gewüthet und ge⸗
tobet, daß ſie unzählig viel Abgöttereien und
falſche Gottesdienſte erfunden, darinnen ein Jeg⸗
licher auf ſeinem eigenen und ſonderlichen Wege
einhergegangen und gewandelt hat, Jedermann
damit umgegangen iſt, daß er wollte ohne die
fremde Hilfe Chriſti, durch ſeine eigenen Werke
ſich ſelbſt frei machen und retten von Sünden
und allem Ubel, wie ſolches Alles genugſam be⸗
zeugen aller Heiden Schriften und Hiſtorien. —
Darum es ſehr nütz und nöthig iſt, daß dieſe
Lehre vom Glauben immerdar geleſen und ge⸗
höret werde. Und wenn man ſie gleich aufs
Beſte immermehr durchlernen und durchleſen
möchte, ſo iſt gleichwohl der Teufel, unſer Feind,
Und die ganze Welt hat
der immerdar umher gehet, und ſuchet, welchen
er verſchlingen möge, noch nicht geſtorben: auch
lebet unſer Fleiſch noch; dazu ſind auf allen
Seiten allerlei Anfechtungen, die uns auf dem
Halſe liegen und drücken. Derhalben man die
Lehre nimmermehr genugſam, vielweniger allzu⸗
viel treiben, und den Leuten einbilden kann.
Denn wenn dieſe Lehre untergehet und danieder
lieget, ſo fällt dahin zuglrich und lieget auch dar⸗
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