# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S187 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und eingedenk, daß der Chriſten Gerechtigkeit allerdings vielmehr in Vergebung, als in eig⸗ utm Thun beſteht; was jene loſen Wäſcher um⸗ lehren, und ohne Vergebung allein auf unſer Thun dringen. 3. Zeugniß. Wie zumchriſtlichen Leben vorzüglich Glauben und Liebe gehören; von welchen man richtig lehren und predigen ſoll. Dieſe zwei Artikel find zu lehren und zu pre⸗ digen. Erſtens ſoll man dafür ſorgen, daß der Glaube an Chriſtum recht geprediget werde. Sodann ſoll man predigen, daß die Früchte und guten Werke recht getrieben werden. Zum Glauben gehört, daß wir wiſſen, was die Sün⸗ te, das Geſetz und der Tod ſei, und was er hberbeiführet. Ferner, wie wir wieder zum Le⸗ ben kommen, und in demſelben bleiben. Auf dieſe Weiſe lehret Paulus in allen ſeinen Epi⸗ ſeln, ſonderlich in der an die Römer; zuerſt vom Glauben an Chriſtum, und pflanzet einen guten Baum; gleichwie Einer, der einen guten Garten anlegen will, zuerſt gute Bäume haben nuß: ſo thut auch Paulus: vorn herein pflan⸗ rer gute Bäume; und lehrt, wie wir gute Bäume werden, nämlich: gläubig und ſelig verden ſollen. Dieſes hat er bis an das 12. Cavit. des Römerbriefes beſchrieben: Hier im 12. Capit. lehrt er die Früchte des Glaubens + bis ans Ende der Epiſt.; damit wir nicht falſche Chriſien ſein ſollen, die allein den Namen ha— ben, ſondern rechte, wahrhaftige Gläubige ſein ollen. Dieſes iſt die Predigt von guten Wer⸗ ken, welche Gott vorzeichnet; daß wir, die wir durh den Tod des Sohnes Gottes erlöſet ſind, gettſelig leben ſollen, als die wir nicht in dieſes, ſondern in das ewige Leben gehören, wenn wir anders recht glauben, daß wir nicht nach dem Glauben wieder in die Welt gerathen, wie er deen kurz zuvor geſagt hat: Erneuert euch im Geiſt eures Gemüthes. — Es ſoll unſere Sor⸗ ö ze ſein, daß wir Gott, dem Vater aller Barm⸗ henigkeit und Troſtes dankbar ſein, und hinfort uns anſtellen, daß unſer Glaube nicht in den Vorten, ſondern in der Kraft beſtehe. Denn paulus ſpricht 1. Cor. 4.: Das Neich Gottes hetehet nicht in Worten, ſondern in Kraft. Es ſt nicht genug, daß wir fein davon reden und ſhreiben können; ſondern das Leben und die Hat muß der Wahrheit Zeugniß geben, daß nir unſere Liebe und unſere Wohlthaten gegen grunde und Feinde darbringen. 4. Zeugniß. Von der falſchen Mittelſtraße der Welt. Die Welt bleibt allezeit ſo, daß ſie entweder ſlſch vom Glauben rühmt; oder daß ſie ohne „Klauben allzuheilig ſein will. Predigt man vm Glauben und von der Gnade, ſo will Nie⸗ nand Werke thun: dringt man auf die Werke, ſo will Niemand an den Glauben; und es ſind nijenigen ſelten, die ſich auf der rechten Nittelſtraße halten; ja es wird auch wohl den ſummen Chriſten ſchwer. Denn ich bekenne ſle mich ſelbſt, und ohne Zweifel müſſen es mdere auch bekennen, daß mirs an demjenigen Reiß und Ernſte mangelt, den ich jetzt viel mehr — 187— als vorhin haben ſollte; und daß ich viel nach⸗ läſſiger bin, als unter dem Papſtthum; und es iſt jetzt nirgends ein ſolcher Ernſt bei dem Evangelio, wie man vorher bei Mönchen und Pfaffen geſehen; wo man ſo viel geſtiftet und gebauet hatte; und wo Niemand ſo arm war, der nicht Etwas hätte geben wollen. Aber jetzt iſt nicht eine Stadt, die einen Prediger ernähren will; und nur Rauben und Stehlen herrſcht unter den Leuten, und ſie laſſen ihnen Niemand wehren. Woher kommt dieſe ſchändliche Plage? Von der Lehre, ſagen die Widerſacher, daß man lehrt, man ſolle nicht auf die Werke bauen und trauen. Aber nein! es iſt der leidige Teufel, welcher der reinen, heilſamen Lehre fälſchlich das zumiſſet, woran vielmehr ſeine und der Leute Bosheit Schuld iſt, die dieſe Lehre mißbrauchenz ſo wie auch die Trägheit unſeres alten Adams, der immer den Holzweg zur Seiten hinaus will, und denket, es habe nicht Nöth, ob wir gleich nicht viel gute Werte thun; und wir werden unverſehens faul und unachtſam, und verſau⸗ ern darin, bis wir den Saft und die Kraft des Glaubens gar verlieren. — Auf der rechten Mittelſtraße will Niemand bleiben; daß wir nns nämlich gerade vor Gott verläugneten, als Solche, die Nichts ſuchen, als lauter Gnade; und dieſe, die auch angeboten und verheißen wird, empfangen; dann aber hingingen und thäten, was wir könnten, und zwar auch frei umſonſt, um keines Verdienſts oder eigenen Ge— nuſſes willen; man ſagt und predigt dieß; man hörts wohl; es kann es aber Niemand, wenn mans können und beweiſen ſoll. — Ich habe ja fleißig bisher und noch gelehret und ermahnet, daß man Glaube und Liebe nur wohl von einander unterſcheide, und ein Jedes recht lehre und treibe. Denn man gibt uns ſonſt Schuld, weil wir des Glaubens Lehre ſo hoch treiben, daß wir von guten Werken Nichts pre⸗ digen, noch halten; obgleich wir doch vor aller Welt bezeugen können, daß wir viel herrlicher und gewaltiger von guten Werken gepredigt ha⸗ ben, als ſie ſelbſt, die uns läſtern. Aber das ſtrafen wir, daß ſie die Werke und den Glauben nicht unterſcheiden, ſondern unter einander bräuen und mengen, daß man nicht weiß, was der Glaube oder was die Werke thun und ge⸗ ben; ja daß ſie vom Glauben, bevor wir mit unſerer Lehre aufgetreten ſind, gar Nichts ge⸗ wußt, und Alles den Werken beigelegt baben, was Chriſtus durch den Glauben geben ſoll. Wir aber dringen darauf, daß man von Beiden einen rechten Unterricht und gewiſſen Verſtand habe und behalte, wie weit der Glaube und die Liebe, oder wie weit die Werke gehen. Denn die Welt will doch der wahren Wege keinen recht, ſondern immer den Holzweg gehen: ent⸗ weder gar Nichts thun und wirken, oder nicht gläuben; ſie fährt immer zur Seiten hinaus, indem ſie entweder den Glauben oder die Liebe fahren läßt; die Mittelſtraße nur will ſie nicht treffen, dadurch, daß ſie den Glauben gegen Gott rein und unverſehrt, und die Liebe gegen den Nächſten von rechtſchaffenem Herzen übte; wie dieſes auch St. Johannes Beides fordert und treibt, dei, ob er gleich vornehmlich ſich vorgenommen, zur Liebe zu ermahnen, doch auch des Glaubens nicht vergißt, und ſich im⸗ mer auf ihn bezieht. — So wollen und konnen jene, unſere Widerſacher, nicht lehren, ſondern wollen entweder den Werken Alles geben, oder, wie Andere, die Liebe gar unterlaſſen, und mei⸗ nen, es ſei genug, daß ſie viel vom Glauben ſagen können. Du aber bleibe auf dieſer rech⸗ ten Mittelſtraße, daß du nicht nur den Haupt⸗ ruhm gegen Gott behalteſt, auf den wir endlich und gründlich unſere Zuverſicht ſetzen müſſen, auf den wir auch getauft ſind, und Beides, le⸗ ben und ſterben müſſen; welcher iſt unſer Herr Jeſus Chriſtus, der unſere Sünde durch ſein Blut abgewaſchen hat, und jetzt zur rechten Hand des Vaters ſitzet und uns Alles ſchenket; ſondern daß du auch dabei gegen der Welt dich rühmen, und von deiner Liebe trotzen könneſt, daß es nicht in bloßen Worten beſtehe, ſondern vor Gottes Gericht beſtehen, und daſelbſt bewei⸗ ſen können, daß es ein rechter, ungefärbter Glaube, und eine rechtſchaffene, völlige Liebe geweſen ſei, die ihre Tugend und ihre Art durch rechte Werke darthut ſo daß man's ſehen und und greifen könne. — Denn der wahre Glaube iſt nicht ohne die Liebe, ſondern iſt durch dieſelbe thätig, ſoll er anders kein erdichteter, heuchleri⸗ ſcher, ſendern ein rechter, lebendiger Glaube ſein. Denn ein lebendiger Glaube iſt derjenige, der ſich in guten Werken durch die Liebe übt und und anhält. Das iſt denn nichts anders als ſo viel geſagt: Wer ein rechter Chriſt und in Chriſti Reich ſein will, der muß wahrlich einen rechten Glauben haben: nun iſt aber freilich der Glaube nicht recht, wo nicht die Werke der Liebe nach⸗ folgen. — Denn, wenn der Menſch durch den Glauben an Chriſtum gerecht worden iſt, und ihn durch den Glauben bekommen hat; und nun weiß, daß derſelbe ſeine Gerechtigkeit und ſein Leben iſt: alsdann wird er gewiß nicht müſſig und ohne Werke bleiben; ſondern er hat den heiligeu Geiſt; wo aber der iſt, läſſet er den Menſchen nicht faul noch müſſig ſein; ſon⸗ dern treibt ihn zu allerlei Gutem. Darum ſa⸗ gen wir auch, daß der Glaube ohne Werke nichts werth oder unnütz ſei; das iſt, daß der Glaube, der ohne Werke iſt, lauter Nichts, das iſt, ein ſchlechter, erdichteter Wahn und Traum des Herzens iſt, welcher falſch iſt und nicht gerecht macht. Gleichwohl machen die Werke der Liebe den Glauben nicht rechtſchaffen, ſondern mein Glaube macht die Werke rechtſchaffen. Darum ſagt Paulus, daß weder die Beſchneidung noch Vorhaut etwas gelte, ſondern eine neue Ereatur, wodurch wir dem Ebenbilde Gottes ähnlich wer⸗ denz welche nicht durch Werke der Liebe geſchaf⸗ fen wird, ſondern durch den heiligen Geiſt, wel⸗ cher durch den Glauben die Herzen reinigt, uns einen neuen Verſtand und Willen gibt, daß wir Gott fürchten, lieben und ihm vertrauen; und der uns Kraft verleiht, das Fleiſch zu zähmon, und uns vor der Welt Gerechtigkeit und Weis⸗ heit zu hüten.“ Es heißt demnach eine neue Creatur die Erneurung des Sinnes, die durch den heiligen Geiſt geſchieht. Hieraus folgt denn