Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 21 › Seite 165

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-10, Seite 165

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Papſttum 4

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aͤcht. Porphyrius z. B. einer der bedeutend⸗
ſten Beſtreiter des Chriſtenthum's in der zweiten
Hälfte des dritten Jahrhunderts, bemühte ſich
war, zu beweiſen, daß Petrus und Paulus in
det Lehre miteinander nicht ſtimmten, aber da⸗
von, daß er des Einen oder Andern oder Beider
Schriften für unächt ausgegeben hätte, findet
ſich keine Spur. Folgt daraus nicht wiederum,
daß ſie einſahen, daß das Chriſtenthum bei ihren
Zeitgenoſſen von dieſer Seite ganz unangreifbar
war, indem das Allen zu klar vor Augen lag,
daß die heiligen Schriften ächt waren?

Wer nun im Angeſicht ſolcher hiſtoriſchen
Zeugniſſe im Bunde mit der allgemeinen, bis
auf den heutigen Tag reichenden, kirchlichen
lberlieferung die Achtheit der Bücher des N. Te⸗
ſaments leugnen will, der muß mit ſich einig ge⸗
worden ſein, den Regeln des geſunden Menſchen⸗
verſtandes den Abſchied zu geben, und dagegen
u glauben und wiederum zu leugnen, was ihm
gefällt. Einem Solchen darf man's denn auch
nicht übel nehmen, wenn er leugnet, daß die
Augsburgſche Confeſſion von Melanchthon, und
der kleine und große Katechismus Lutheri von
Luiher verfaßt ſeien; ja wenn er Alles leugnet,
wovon er nicht Augen ⸗ und Ohrenzeuge gewe⸗
ſen und wovon man nur durch Überlieferung,
Geſchichte und Documente Kunde haben kann,
alſo auch z. B., daß Amerika einſt von Euro⸗
piern entdeckt iſt; denn dabei geweſen iſt er ja
auch nicht.
»Zuletzt ſagt Herr S. noch „Übrigens ſteht
auch in der Urſprache über gar keinem Evange—
lium, daß ein Apoſtel oder Apoſtel-Schüler der
witkliche Verfaſſer ſelber ſei; ſondern die Über⸗
ſchtiften genau, ſprachlich richtig überſetzt,
keißen: Evangelium gemäß dem Lucas, Jo⸗
hannes, Thomas u. ſ. w., nicht aber: Evan⸗
gellum des Matthäus, des Lucas u. . w.“
Hier giebt Herr S. ſeinen Leſern ein Beiſpiel an
ſeiner Perſon, deren man übrigens Viele ſieht,
vie es den Halbwiſſern geht, nämlich daß ſie
über den Bach ſpringen wollen, und hinein⸗
plumpen.

Alerdings kann man die Ueberſchriften der
Coangelien, da ſie lauten Kata Mattaion 2c.,
überſetzen „gemäß“; aber genau und in ſo
ſen ſprachlich richtig iſt's darum noch gar
nicht. Wer ſich nur ein wenig mit Sprachen,
gleichsiel ob alten oder neuen, beſchäftigt hat,
wird die Erfahrung gemacht haben, daß man für
ein Wort in einer Sprache nicht immer d aſ⸗
ſelbe in der andern ſetzen kann; thäte man's,
ſo würde man zuweilen nicht nur ſehr un ge⸗
nau, ſondern auch ſehr un richtig ſich aus⸗
rrücken; desgleichen, daß man zuweilen zwei
oder mehr Wörter in einer Sprache gebrau⸗
chen muß, um den Sinn von ein em in einer
andern Sprache wiederzugeben. Das trifft denn
in gewiſſer Weiſe nun auch eben bei dem Wort
lata zu. Die Grundbedeutung deſſelben iſt al⸗
kerdings „gemäß“; aber daneben heißt es auch
. von“, inſofern mit „von“ der Verfaſſer ange⸗
gigt wiid. Um nur einen Beweis für letzteres
anzuführen, ſo nennt der Kirchenvater Epipha⸗

ſus die 5 Bücher Moſis (von denen er glaubt,

—165—

daß Moſes ſie verfaßt habe): die 5 Bücher kata
Moysen. Dieſer zwiefache Sinn war denn auch
offenbar derjenige, welchen die chriſtliche Zeit,
welche den Evangelien jene Ueberſchrift gab, mit
derſelben verband. Denn hätte ſie nicht „ge—
mäß“ gemeint, ſo hätte ſie ſchlechthin geſagt
„des Matthäus u. ſ. w.“, was ſich in alten
Sprachen ebenſowohl als in neuern ſagen läßtz
hätte ſie daneben nicht auch gemeint „von“ in
dem Sinne von Verfaſſer, ſo iſt nicht abzuſehen,
wie die Evangelien einen ſolchen Titel ſollten zu
einer Zeit haben bekommen können (nämlich im
Lauf des zweiten Jahrhunderts), wo man, wie
durch klare, unwiderſprechliche Beweiſe erwieſen
iſt, allgemein glaubte, daß Matthäus, Marcus,
Lucas und Johannes deren Verfaſſer ſeien; wo⸗
zu noch kommt, daß ganz alte Ueberſetzungen
z. B. die ſyriſche aus dem dritten Jahrhundert,
die Ueberſchriften der Evangelien durch „Evan⸗
geiium des Matthäus u. ſ. w. (wie ſie ſich ja
auch überſetzen laſſen) wiedergegeben haben.
So ſcheint denn auch in den Ueberſchriften der
Evangelien, wie ſie in der Urſprache lauten, ein
tiefer, herrlicher Sinn, wie er eben nur in der
Kirche zu Hauſe iſt, zu liegen; nämlich im Be⸗
wußtſein, daß es nur Ein Evangelium, das
von Chriſto dem Gekreuzigten, gebe, nach dem
Worte des Apoſtels „So auch wir, oder ein En⸗
gel vom Himmel euch wollte Evangelium predi⸗
gen, anderes denn das wir euch verkündigt ha⸗
ben, der ſei verflucht“, daß alſo auch alle 4
Evangelien nur Ein Evangelium verkündigen,
welche 4 zuſammen die Kirche das „viergeſtal⸗
tige Evangelium“ nennt, im Bewußtſein dieſes
gebraucht die Kirche ein Wort, in welchem der
Begriff „gemäß“ vorwaltet, aber auch der „von“
eine Stelle hat. Der Kirche kam's ja auch nicht
ſo wohl darauf an, daß die 4 Evangelien von
jenen Männern geſchrieben waren — denn was
ſind Menſchen anders, als Werkzeuge! — ſon⸗
dern darauf, daß ſie in den Evangelien von
jenen Männern geſchrieben das Evangelium
hatte, das da kann ſelig machen Alle, die es
glaͤuben. Und ſo iſt's, Gott ſei Dank, allezeit.
Obwohl es ſo gewiß iſt, als irgend etwas in der
Welt, daß Matthäus, Markus, Lu kas
und Johannes die Verfaſſer der 4 Evange⸗
lien ſind, ſo macht uns doch nicht das ſelig, ſon⸗
dern daß wir in den Evangelien, von ihnen ver⸗
faßt, Gottes theures Wort haben, das uns
wiedergebiert, und in eine neue, dieſer Welt gar
unbekannte, nämlich das Reich Gottes einführt,
das unſerer Seelen Freude und Troſt, ein Licht
auf unſeren Wegen im Leben, und unſere Kraft
und unſer Sieg im Tode iſt. O, daß doch die,
die es dem Namen und Buchſtaben nach kennen,
und Zeit und Kräfte auf ſo klägliche Weiſe ver⸗
ſchwenden, ſich dawider zu ſetzen, es auch ſeiner
Kraft und ſeinem Geiſte nach kennen lernten!

E

22**

Papiſtiſche Wortbrüchigkeit.

So ſchreibt der Spanier Didacus Simancas
in ſeinem Buch „von den catholiſchen Einrich⸗
tungen“ (Cap. 46. Nro. 52.): „Den Ketzern
darf man auf keine, keine, keine Weiſe das ge⸗
gebene Verſprechen halten, ſelbſt wenn dasſelbe
mit einem Eidſchwur beſtätigt worden wäre“.
Und man darf nicht etwa meinen, daß nur die⸗
ſer und jener ausgefeimte Jeſuit ſo urtheilt, aus
deſſen Herzen durch die Erziehung ſeiner Oberen
ſelbſt das natürliche Gefühl für Gerechtigkeit ſy⸗
ſtematiſch ausgetilgt worden iſt. Der katholiſche
Rechtsgelehrte Tiberius Decianus bezeugt viel⸗
mehr: „Obgleich es allgemein angenommen iſt,
daß man auch dem Feinde das gegebene Ver⸗
ſprechen halten müſſe, ſo leidet dies doch nach
Aller einſtimmiger Meinung auf ei⸗
nen Ketzer keine Anwendung, weil dieſem auch
das gegebene Verſprechen nicht zu halten iſt;
was die Coſtnitzer Kirchenverſammlung beobach⸗
tet hat, indem fie Johann Huß und Hierony⸗
mus von Prag wider das gegebene Verſprechen
verdammte“ ꝛc. (Tract. crim. I. 5., c. 20.,
n. 55.). Was nehmlich die jetztgenannten hei⸗
ligen Märtyrer Chriſti betrifft, ſo hatte Kaiſer
Sigismund denſelben, nachdem ſie vor das in
Coſtnitz verſammelte Concilium citirt worden
waren, auf Antrag des Königs von Böhmen,
Wenzel, einen kaiſerlichen Geleitsbrief und die
Verſicherung gegeben, ſie ſollten ſicher und un⸗
angetaſtet wieder nach Hauſe kommen. Nichts
deſto weniger wurde aber zunächſt Huß, der, ſich
Gottes Schutz befehlend, erſchienen war, als
Ketzer verdammt und zum Feuertode verurtheilt.
Zwar ſchon als Huß in den Kerker geworfen
worden war, ſandte der Kaiſer, ſeines Verſpre⸗
chens eingedenk, nach Coſtnitz den Befehl, Huß
frei zu laſſen, widrigenfalls er das Gefängniß
erbrechen laſſen werde; man befolgte jedoch den
Befehl nicht; und als der Kaiſer ſelbſt nach Coſt⸗
nitz kam, erklärte er, es ſei weder recht, das dem
König gegebene Wort zu brechen, noch die öf—
fentliche Sicherheit zu verletzen“; aber eine De⸗
putation des Concils ſtellte ihm vor, daß er als
Lale in dieſe Sache ſich nicht miſchen dürfe, und
ein dem Ketzer gegebenes Wort nicht binde. Ja,
die Väter des Concils entwarfen folgendes merk⸗
würdige Decret: „Die gegenwärtige heilige (0
Synode erklärt, daß durch keinerlei Geleitsbrief,
welchen der Kaiſer, Könige und andere weltliche
Fürſten Ketzern oder wegen Ketzerei Berüchtigten
geben, wie hoch ſie ſich auch dazu verbindlich
gemacht haben ſollten, in der Meinung, ſelbige
ſo von ihren Irrthümern zurückzurufen ꝛc., dem
catholiſchen Glauben und der kirchlichen Ge⸗
richtsbarkeit etwas vergeben oder ein Hinderniß
gemacht werden könne, daß dem zuſtändigen und
kirchlichen Richter nicht trotz des gegebenen Si⸗
cherheitsbriefes erlaubt ſein ſollte, über die Irr⸗
thümer ſolcher Perſonen eine Unterſuchung anzu—
ſtellen, gegen dieſelben, wie ſie es verdient haben,
zu verfahren und ſie zu ſtrafen, je nachdem es
die Gerechtigkeit rathen mag, wenn ſie ihre Irr⸗
thümer zu widerrufen hartnäckig verweigert ha⸗

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