Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 21 › Seite 167

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-06-10, Seite 167

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kenntniß der Wahrheit zu thun und willſt du
jcht, wo ſo viel über Kirche geredet und geſchrle⸗
ben wird, aus Gottes Wort lernen, was eigent⸗
lich die wahre Kirche, was ihr Weſen und was
ihre Gewalt ſei; willſt du die hohen heiligen
Rechte kennen lernen, welche eine jede chriſtliche
Gemeinde hat, die Gottes Wort und Sacra⸗
mente hat und im Namen JEſu vereinigt iſt;
willt du erkennen lernen, was es heiße, ein
Chriſt ſein, und welche edle köſtliche Freiheit,
welche Vorzüge, welche herrliche Freiheit du, ſo
du ein Chriſt biſt, als ein geiſtlicher Prieſter be⸗
ſizeſt; willſt du zu jetziger Zeit, wo ſo viel von
Predigtamt und Pfaffenthum disputirt wird,
des Predigtamtes wahren Grund und Heiligkeit,
aber auch ſeine gemeſſenen Grenzen kennen ler⸗
uen; willſt du göttliche Waffen haben, damit du
dich wider alles Pfaffenthum und wider alle Ge⸗
viſſenstyrannei wehren könneſt, und ein Ver⸗
wabrungsmittel dagegen, daß du um die, dir
durch des Sohnes Gottes Blut theuer erkaufte
greiheit unter dem Namen des Lutherthums oder
des Proteſtantismus nicht betrogen und doch un—
ter ein päbſtliches Joch gebracht werden könneſt;
willſt du die eigentliche Beſchaffenheit und Größe
der Erlöſung erkennen, welche der Kirche einſt
durch das Werk der Reformation widerfahren
und daß gerade das alte Lutherthum von allem
jrinen und groben Papismus, von aller Prieſter⸗
herrſchaft und allem Pfaffenthum ſo fern iſt, wie
der Himmel von der Hölle; willſt du Rath ha⸗
ben, wie du dich zu verhalten haſt, wenn du un⸗
ter der Gewiſſenstyrannei eines herrſchſüchtigen
„Prieſters“ ſeufzeſt oder wenn du von der Ge⸗
neinſchaft mit rechtgläubigen Predigern fern biſt
und einſam unter lauter falſchen Propheten lebſt;
willſt du lernen, von Menſchen loskommen und,
alle menſchlichen Mittler zwiſchen dir und dei⸗
nem Gott verlaſſend, geradezu zu JEſu gehen
und mit ihm allein deine Sache ausmachen, und

dennoch ſeine heilige Ordnung nicht verachten,

ſondern heilig halten: ſo kaufe dir obiges Büch⸗
ltin, und du wirſt mit mir Gott preiſen, daß er

unſerer Kirche ein ſolches koſtbares Kleinod ge⸗

ſchenkt hat“.

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Gute Gedanken für einen Prediger, der

über die Beſchwerlichkeit ſeines Berufes
angefochten wird.
Luther über 1. Moſe 17, 9.

Gott hat mich zu einem Prediger haben wol⸗
ln, das iſt, hat gewollt, daß ich um ſeines
Wortes willen der Welt Neid, Haß und Feind⸗
ſchaft auf mich laden ſollte. Andern Leuten le⸗
get er auf die Hand-Arbeit, die ich, wenn ich
ſie anſehe, für glückſelig halte, und ihren Stand
für viel beſſer achte, denn ſie meinen: denn
ibre Arbeit iſt ihnen luſtig und lieblich, leben
dahin ohne Sorgen, und ſonderliche Beſchwe—
ſung und Anfechtung, und wollten nicht gerne,
daß ſie nicht arbeiten, oder in einem ſtillen und
müſſigen Stand ſein ſollten; denn Arbeit ſtär⸗
in den Leib, und erhält die Geſundheit. Weil

— 67—

aber ein andrer ſeine Arbeit ſpielend thut, wie
ein Kind von ſieben Jahren, muß ich mit Ge⸗
fährlichkeit und Anfechtung übel geplagt wer⸗
den, und wird dennoch ein gemeiner Handwerks⸗
mann ſo wohl ſelig als ich.

Was ſoll ich denn darum thun? Soll ich
ungeduldig werden, oder mich meinem Berufe
entziehen? Nein, ſondern ſo ſoll ich denken,
daß Gott mancherlei Wege hat der Gnade, und
dieſelbe nach ſeinem Willen unter uns austhei⸗
let, uns aber gebühret es, daß wir Gott, wann
und wozu er uns fordert, gehorſam ſein. Röm.
12. 1 Petr. 4.

In eines Menſchen Leibe läſſet es ſich erſehen,
als haben es die Hände viel ärger, als die Au⸗
gen, dieweil ſie arbeiten müſſen, die Füße aber
müſſen den ganzen Leib halten und tragen; und
ſo man ſolche Beſchwerung anſehen will, ſein ſie
das allerelendeſte und geplagteſte Gliedmaß am
ganzen Leibe. Denn die Zunge hat es viel beſ⸗
ſer, die da fühlet, was ihr Gutes geſchieht, und
wird herrlich geprieſen. Aber wie dem allen,
ſo ſein die Gaben mancherlei, die Unluſt aber
und Beſchwerung ſoll man geduldig tragen,
nachdem ſie einem jeden von Gott auferlegt iſt,
der den Vermögen und Stärke giebt, daß man
ſie ertragen kann, und ſoll ein jeder daran den⸗
ken, daß Paulus ſagt: Laß dir an meiner Gna⸗
de gnügen. Denn obwohl die Füße allein des
Leibes Laſt tragen müſſen, ſo haben ſie doch aus
dem Leibe ihr Vermögen und Geſundheit, und
befinden Fröhlichkeit alles des, ſo dem Leibe zu
Gut und Nutzen geſchieht. Es können auch die
Augen, wie ein herrlich Gliedmaß ſie auch ſein,
ſich dieſes geringen Dienſtes, wie es ſcheint,
den Leib zu tragen, nimmermehr unterſtehn.
Deun ſie ſind anders, und zu einem andern
Amte und Dienſte des Leibes geſchaffen. Daß
man alſo dieſe Regel durchaus halten ſoll, daß
ein jeder bei ſeinem Berufe bleiben, und ihm
an ſeiner Gabe ſoll genügen laſſen, nach andern
aber ſoll er nicht fragen.

Die Papiſten und die Bibel.

Wird den Papiſten vorgeworfen, daß ſie ſich
dadurch, daß ſie das Leſen der Bibel den Laien
nicht zulaſſen wollen, doch ganz offenbar als des
Teufels Synagoge offenbaren, ſo iſt ihre ge⸗
wöhnliche Ausrede: ſie verböten ja nicht das
Leſen der Bibel, ſondern ſie ſeien nur gegen die
Verbreitung proteſtantiſcher Bibeln, weil dieſe
verfälſcht ſeien. Daß dies nur eine Jeſuitiſche
Flauſe iſt, weiß jeder, der die Geſchichte des an⸗
tichriſtiſchen Papſtthums kennt. In der neueſten
Nummer des „Wahrheitsfreundes“ findet ſich
wieder einmal ein Beleg dazu. Daſelbſt wird
aus Crefeld geſchrieben, daß die dortigen Ka⸗
tholiken diejenigen, welche ihnen Bibeln anbie⸗
ten, „oft recht unſanft und derb abfertigen“.
Darauf fährt der Schreiber alſo fort: „Wir hof—
fen, daß auch die Katholiken an anderen Orten
dieſen zudringlichen Perſonen, wenn es nöthig
würde, in gehöriger Weiſe zu begegnen wiſſen
werden; ſie mögen bedenken, daß ſie durch den

Ankauf ſolcher Bibeln ohne Erklär ungen, wenn
auch der Tert ſonſt gut iſt, nicht al⸗
lein dem Wunſche der Kirche entge⸗
gen handeln, ſondern auch das Werk der
Bibelgeſellſchaften fördern“L. — Wer wird bei
dieſem unbegreiflich frechen Geſtändniß nicht an
die Worte des HErrn erinnert: „Wehe euch
Schriftgelehrten, denn ihr den Schlüſſel der Er—
kenntniß habt. Ihr kommt nicht hinein, und
wehret denen, ſo hinein wollen“! Luc. 11, 52.

Bekenntniſſe Luther's von ſeinem Leben
un ter dem Papſtthum.

—

(Was die Lehre im Pabſtthum betrifft,.) da⸗
ſelbſt können wir nicht Scherz leiden, denn es
gilt mir meine Seligkeit. Ich bin gemartert
und geplaget; ſo tief iſt das ſchändliche Oel des
Pabſtihums mir durch Mark und Bein gangen,
daß ichs noch heute zu tage nicht kann los wer—
den, und ich wollte lieber in der Zerſtörung Je⸗
ruſalems gelebt haben, denn in dieſer Gefäng⸗
niß des Pabſtthums. Denn was iſts um eine
Peſtilenz, Armuth oder Krieg? Und wenn du
gleich auch den Hals mußt dran ſetzen, allein
daß das Herz und der Glaube rein bleibe. In
Klöſtern hatten wir genug zu eſſen und zu trin⸗
ken, aber da hatten wir Leiden und Marter am
Herzen und Gewiſſen, und der Seelen
Leiden iſt das allergrößte. Ich bin oft für dem
Namen IeEſu erſchrocken, und wenn ich ihn an⸗
blickte am Creuz, ſo dünkte mich, er war mir als
ein Blitz, und wenn ſein Name genennet wurde,
ſo hätte ich lieber den Teufel hören nennen;
denn ich gedachte, ich müßte ſo lange gute Werke
thun, bis Chriſtus mir dadurch zum Freunde
und gnädig gemacht würde. Im Kloſter ge⸗
dachte ich nicht an Geld, Gut oder Weib, ſon⸗
dern das Herz zitterte und zappelte, wie Gott
mir gnädig würde. Denn ich war vom Glan⸗
ben abgewichen und ließ mich nicht anders dün⸗
ken, denn ich hätte Gott erzürnet, den ich mit
meinen guten Wetken mir wiederum verſühnen

müßte. Aber Gott ſei Lob und Dank, daß wir

ſein Wort wieder haben, welches uns Chriſtum
alſo abmalet und weiſet, daß Er unſere Gerech⸗
tigkeit ſei. Darum ſo kann ich nicht leiden, daß
man das Pabſtthum noch ſchmücken und ent⸗
ſchuldigen wolle. Ich kann mich an ihm nicht
genug rächen; denn der Schade iſt zu groß, den
er gethan. Man kann den Pabſt nicht genug⸗
ſam ſchelten und ſchänden. Nur keine Barm⸗
herzigkeit mit ihm gehabt. Denn er iſt mit aller
Unbarmherzigkeit mit uns auch umgangen, auch
leiblich. Denn er hat die Kaiſer als Schälke
und Böſewichter hingerichtet, welches dennoch
wäre zu leiden; aber daß er meine ſchöne Ju⸗
gend ſo jämmerlich zubracht und mein Gewiſſen
über das noch ſo zumartert und zerplagt hat,
daß ich noch heutiges Tages nicht kann zufrie⸗
den ſein, das iſt zu viel.

(Luther's ungedruckte Predigten, herausgegeben
von Hreck, 1847. S. 473.)

English translation

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