# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S174 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — Dagon geſteilt wurde,n da wurdt ſoßitich diefer Götze von ſeinein Poſtamente geſttrzt; und ob⸗ Rieich er öfters wieder hingeſtellt wurde, ſo konnte er doch nicht ſtehen bleiben, ſo lange die Lade des Herrn da ſtand, ja wurde zuletzt ganz und gar in Stücke zerſchmiſſen. Ja, auch die Widerſacher ſelbſt merken und bekennen dieſes. Denn der Jeſuit Pighius, der ſonſt ſehr bitter iſt, ſagt von dem Artikel der Rechtfertigung Um dieſen Artikel dreht ſich, wie um eine Angel, und von demſelben hängt ab als vom oberſten Hauptſatz, faſt der ganze Streit, der zwiſchen den Lutheranern und uns, Religion und Glau⸗ ben betreffend, geführt wird. Denn mit dieſer Lehre verderben und beflecken ſie faſt alle Haupt⸗ ſrücke unſerer (der papiſtiſchen) Religion. Die⸗ ſes ſagt Pighius, der gar wohl und richtig ſieht, daß der Artikel von der Rechtfertigung, richtig, deutlich und gehörig erklärt, die ſchändliche Blöße aller Irrthümer und Mißbräuche im Papſtreiche aufdecke. Darum kämpfen ſie auch ſo erbittert, ſo feindſelig und ſo hinterliſtig ge⸗ gen die Wahrheit dieſes Artikels; daher kommt es, daß ſie fo frech und unverſchämt die offen⸗ barſten Irrthümer und Mißbräuche entweder ge⸗ radezu läugnen, oder mit allenthalben her zu⸗ ſammengeſuchten Lappen zu decken und zu flicken, oder wohl gar zu vertheidigen ſuchen; damit es nur ja nicht den Schein gewinne, als haben ſie der Wahrheit dieſes Artikels nachgeben und wei⸗ chen müſſen. Denn ſie ſehen wohl, was für eine jämmerliche Verrenkung in allen Nerven und Sehnen ihres Aberglaubens darauf erfol⸗ gen müſſe. An einem andern Orte bekennt der⸗ ſelbe Pighius: Wir können es nicht verhehlen noch verbergen, daß dieſer Haupitheil der chriſt⸗ lichen Lehre von den Unſern durch eine Menge ſcholaſtiſche, ſpitzfindige und ſtachlichte Fragen und Erklärungen mehr verdunkelt als aufgehellt worden iſt. Und ſolcher Klagen ſind noch viele andere auch unter den Papiſten ſelbſt je und je erhoben worden. Im Tridentiniſchen Concili⸗ um iſt dieſe ſo wichtige Lehrfrage in Berathung gezogen und zwar, wie ſie ſelbſt berichten. ſieben Monate hindurch gehandelt worden. Und wer haͤtte nicht hoffen ſollen, daß ſie, da dieſe Lehre aus ſo vielen und ſo klaren und offenbaren Zeugniſſen der Schrift von den Unſern zu dieſer Zeit in ein ſo helles Licht geſetzt worden iſt, die philoſophiſchen Pfützen der Scholaſtiker endlich einmal verlaſſen, und ſich den prophetiſchen und apoſtoliſchen Quellen, wo nicht ganz, doch mehr als vorher zuwenden, zumal, da durch ſo viele Monate hindurch darüber berathen worden iſt. Aber dieſe lange Berathung, dieſe häufigen Sitz⸗ ungen, dieſe vielen Disputationen im Coneil von dem Artikel der Rechtfertigung, haben end⸗ lich dieſen Ausgang gehabt, daß mit einer un⸗ mäßigen Fluth von Bannflüchen verdammt wor⸗ den iſt diejenige Lehre, welche die Lehre aller Propheten und Apoſtel iſt, nämlich: „daß der Menſch gerechtfertigt werde, das iſt, zu Gnaden und zum ewigen Leben an⸗ und aufgenommen werde allein durch die Zurechnung der Gerechtig⸗ keit Chriſti, oder allein durch Vergebung der Sünden, durch den Glauben, welcher die Barm⸗ Artikels. — 1.— herzigkeit Goltes ergreift, der die Sünde ver⸗ gibt um Chriſti willen.“ Dieſe Lehre iſt von dem Tridentiniſchen Concil mit erſchrecklichen Bannflüchen verdammt worden! O der armen, unglückſeligen Kirche, der es durch das Triden⸗ tiniſche Concil verboten iſt, zu glauben, zu pre⸗ digen nnd zu lehren die Seligkeit des Menſchen, die durch Moſis, Davids und aller anderen Pro⸗ pheten Zeugniß beſtätigt und verſichert iſt, näm⸗ lich, daß Gott dem Menſchen die Gerechtigkeit Chriſti zurechnet ohne Werke, nach dem Spruch: Wohl dem, dem die Uebertretungen vergeben ſind, Nöm. 4. Deſto mehr, (ſagt Chemnitz in ſeinen locis,) ſollen wir uns befleißigen, daß wir den wahren Sinn und die apoſtoliſche Reinheit der Lehre von der Rechtfertigung erhalten und auf die Nachkommen fortpflanzen, und daß wir uns weder durch Spitzfindigkeit und andere Täuſche⸗ rey der Menſchen, noch durch Gewalt und Trug die ſelbe entreißen oder fälſchen laſſen. Und das können wir mit Gottes Beiſtand um ſo leichter, als wir in die Arbeiten Anderer, (unſerer from⸗ men Väter und Vorfahren) eintreten Joh. 4, 15. Denn eine ungeheure und übermenſchliche Arbeit war es, aus ſo dichten Finſterniſſen, und aus ſo ſtiukenden und ſchmutzigen Pfützen des Antichriſt das wahre Licht hervorzubringen, und die apoſtoliſche Reinheit der Lehre aus den Brünnlein Israels wieder herzuſtellen. Auch wäre dieß nicht möglich geweſen, wo nicht der heilige Geiſt ſelber das Licht des Wortes ange⸗ zündet und vorgeleuchtet hätte. Eine ſchänd⸗ liche, heilloſe und gottloſe Trägheit wäre es da⸗ her, wenn wir das, was mit ſo großer Arbeit und durch ſo wunderbare Wohlthat Gottes aus den Quellen der Propheten und Apoſtel uns ge⸗ ſchenket und gezeigt iſt, durch Nachläſſigkeit im Lernen und durch Lauheit und Mattigkeit im Lehren wiederum verlieren, oder in Kämpfen durch eine gewiſſe Weichheit uns wieder entreiſ⸗ ſen ließen. Wir dürfen aber nicht denken, daß wir bei ſo großem Licht keine Finſterniß zu fürch⸗ ten baben; denn, wie ſchon geſagt, wir tragen unſern Schatz in irdenen Gefäßen; unſer Wi⸗ derſacher, der Teufel, ſtellet demſelben Tag und Nacht nach; und die letzten Zeiten werden, wie der Herr ſagt, ſehr gefährlich ſein, da er keinen Glauben finden wird auf Erden. — Die Ein⸗ leitung zu dieſem Artikel beſchließt Chemnitz mit folgendem Wunſch und Ermahnung: der Sohn Gottes, unſer Herr Jeſus Chriſtus wolle durch ſeinen heiligen Geiſt der Lehrenden und Lernen⸗ den Herzen mit rechtſchaffener Liebe zur reinen Lehre erfüllen, ſie regieren und erleuchten, und innerhalb der Schranken der einfältigen Wahr⸗ heit erhalten, daß wir lernen, lehren, lieben und fördern, was wahr, einfach, Gott ange⸗ nehm und der Kirche nützlich und heilſam iſt; daß wir uns nicht ſcheuen noch weigern, jeder Art Kämpfe zu beſtehen zur Vertheidigung und Erhaltung der reinen und geſunden Lehre dieſes Wie hoch und wichtig Luther dieſen Artikel gehalten habe, erhellet unter Anderem auch aus folgenden Worten von ihm: In mei⸗ nem Herzen herrſchet allein und ſoll auch herr⸗ ſcheu dieſer einige Artikel, naͤmch det Glaudt an meinen lieben Herrn Chriſtum, welcher aller meiner geiſtlichen und zöttlichen Gebanken, ſo ich immerdar Tag und Nacht haben mag, dit einige Anfang, Mittel und Ende iſt. Und wir⸗ wohl ich ſehr viel Worte davon gemacht, empfinde ich dennoch gleichwol, daß ich von der Höhe, Tieft und Breite dieſer unmäſſi igen, unbegreiflichen und unendlichen Weisheit, kaum ein geringes, ſchwaches Anheben erreichen, und kaum etliche, kleine Stücklein unv Bröcklein aus der allerköst⸗ lichſten Fundgrube habe an das Licht bringen mögen. Denn ich kann ja dieſe hohen Sachen nicht ſo völlig darthun und an den Tag vor Au⸗ gen ſtellen; aber mich zwinget und dringet dann der unmäſſige und unzählige große Wuth und Greuel, welche je und je in der Chriſtenheit al⸗ len Jammer und Herzeleid angerichtet hat, und noch heutiges Tages nicht aufhören noch ablaſ⸗ ſen will wider dieſen Artikel, welcher lehret, wie und wodurch man vor Gott gerecht geſchätzt und zu Gnaden angen om⸗ men werden muß, zu toben und zu wüthen, welcher der einige feſte Fels und ewige beſtän⸗ dige Grundfeſte iſt alles unſers Heils und Se⸗ ligkeit, nämlich, daß wir nicht durch uns ſelbſt, viel weniger durch unſere eige⸗ nen Werke und Thun, (welche freilich viel geringer und weniger ſind, denn wir ſelbſt), ſondern, daß wir durch fremde Hilfe, nämlich, daß wir durch den einge⸗ bornen Sohn Gottes, Jeſum Chri⸗ ſtum, von Sünden, Tod und Teufel erlöſet und zum ewigen Leben ge⸗ bracht ſeyen. Dieſen Felſen hat der Satan im Paradies angefochten, da er unſere erſten Eltern überredet, daß ſie den Glauben an Golt fahren laſſen, und durch ihre eigene Weisheit und Kraft Gott gleich werden ſollten welcher ihnen doch das Leben anfänglich und zum aller⸗ erſten gegeben, und daſſelbe auch zu erhalten verheißen hatte. hernach wider dieſen Glauben gewüthet und ge⸗ tobet, daß ſie unzählig viel Abgöttereien und falſche Gottesdienſte erfunden, darinnen ein Jeg⸗ licher auf ſeinem eigenen und ſonderlichen Wege einhergegangen und gewandelt hat, Jedermann damit umgegangen iſt, daß er wollte ohne die fremde Hilfe Chriſti, durch ſeine eigenen Werke ſich ſelbſt frei machen und retten von Sünden und allem Ubel, wie ſolches Alles genugſam be⸗ zeugen aller Heiden Schriften und Hiſtorien. — Darum es ſehr nütz und nöthig iſt, daß dieſe Lehre vom Glauben immerdar geleſen und ge⸗ höret werde. Und wenn man ſie gleich aufs Beſte immermehr durchlernen und durchleſen möchte, ſo iſt gleichwohl der Teufel, unſer Feind, Und die ganze Welt hat der immerdar umher gehet, und ſuchet, welchen er verſchlingen möge, noch nicht geſtorben: auch lebet unſer Fleiſch noch; dazu ſind auf allen Seiten allerlei Anfechtungen, die uns auf dem Halſe liegen und drücken. Derhalben man die Lehre nimmermehr genugſam, vielweniger allzu⸗ viel treiben, und den Leuten einbilden kann. Denn wenn dieſe Lehre untergehet und danieder lieget, ſo fällt dahin zuglrich und lieget auch dar⸗