# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S167 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) kenntniß der Wahrheit zu thun und willſt du jcht, wo ſo viel über Kirche geredet und geſchrle⸗ ben wird, aus Gottes Wort lernen, was eigent⸗ lich die wahre Kirche, was ihr Weſen und was ihre Gewalt ſei; willſt du die hohen heiligen Rechte kennen lernen, welche eine jede chriſtliche Gemeinde hat, die Gottes Wort und Sacra⸗ mente hat und im Namen JEſu vereinigt iſt; willt du erkennen lernen, was es heiße, ein Chriſt ſein, und welche edle köſtliche Freiheit, welche Vorzüge, welche herrliche Freiheit du, ſo du ein Chriſt biſt, als ein geiſtlicher Prieſter be⸗ ſizeſt; willſt du zu jetziger Zeit, wo ſo viel von Predigtamt und Pfaffenthum disputirt wird, des Predigtamtes wahren Grund und Heiligkeit, aber auch ſeine gemeſſenen Grenzen kennen ler⸗ uen; willſt du göttliche Waffen haben, damit du dich wider alles Pfaffenthum und wider alle Ge⸗ viſſenstyrannei wehren könneſt, und ein Ver⸗ wabrungsmittel dagegen, daß du um die, dir durch des Sohnes Gottes Blut theuer erkaufte greiheit unter dem Namen des Lutherthums oder des Proteſtantismus nicht betrogen und doch un— ter ein päbſtliches Joch gebracht werden könneſt; willſt du die eigentliche Beſchaffenheit und Größe der Erlöſung erkennen, welche der Kirche einſt durch das Werk der Reformation widerfahren und daß gerade das alte Lutherthum von allem jrinen und groben Papismus, von aller Prieſter⸗ herrſchaft und allem Pfaffenthum ſo fern iſt, wie der Himmel von der Hölle; willſt du Rath ha⸗ ben, wie du dich zu verhalten haſt, wenn du un⸗ ter der Gewiſſenstyrannei eines herrſchſüchtigen „Prieſters“ ſeufzeſt oder wenn du von der Ge⸗ neinſchaft mit rechtgläubigen Predigern fern biſt und einſam unter lauter falſchen Propheten lebſt; willſt du lernen, von Menſchen loskommen und, alle menſchlichen Mittler zwiſchen dir und dei⸗ nem Gott verlaſſend, geradezu zu JEſu gehen und mit ihm allein deine Sache ausmachen, und dennoch ſeine heilige Ordnung nicht verachten, ſondern heilig halten: ſo kaufe dir obiges Büch⸗ ltin, und du wirſt mit mir Gott preiſen, daß er unſerer Kirche ein ſolches koſtbares Kleinod ge⸗ ſchenkt hat“. ..T.TTTTTTCTCTCC Gute Gedanken für einen Prediger, der über die Beſchwerlichkeit ſeines Berufes angefochten wird. Luther über 1. Moſe 17, 9. Gott hat mich zu einem Prediger haben wol⸗ ln, das iſt, hat gewollt, daß ich um ſeines Wortes willen der Welt Neid, Haß und Feind⸗ ſchaft auf mich laden ſollte. Andern Leuten le⸗ get er auf die Hand-Arbeit, die ich, wenn ich ſie anſehe, für glückſelig halte, und ihren Stand für viel beſſer achte, denn ſie meinen: denn ibre Arbeit iſt ihnen luſtig und lieblich, leben dahin ohne Sorgen, und ſonderliche Beſchwe— ſung und Anfechtung, und wollten nicht gerne, daß ſie nicht arbeiten, oder in einem ſtillen und müſſigen Stand ſein ſollten; denn Arbeit ſtär⸗ in den Leib, und erhält die Geſundheit. Weil — 67— aber ein andrer ſeine Arbeit ſpielend thut, wie ein Kind von ſieben Jahren, muß ich mit Ge⸗ fährlichkeit und Anfechtung übel geplagt wer⸗ den, und wird dennoch ein gemeiner Handwerks⸗ mann ſo wohl ſelig als ich. Was ſoll ich denn darum thun? Soll ich ungeduldig werden, oder mich meinem Berufe entziehen? Nein, ſondern ſo ſoll ich denken, daß Gott mancherlei Wege hat der Gnade, und dieſelbe nach ſeinem Willen unter uns austhei⸗ let, uns aber gebühret es, daß wir Gott, wann und wozu er uns fordert, gehorſam ſein. Röm. 12. 1 Petr. 4. In eines Menſchen Leibe läſſet es ſich erſehen, als haben es die Hände viel ärger, als die Au⸗ gen, dieweil ſie arbeiten müſſen, die Füße aber müſſen den ganzen Leib halten und tragen; und ſo man ſolche Beſchwerung anſehen will, ſein ſie das allerelendeſte und geplagteſte Gliedmaß am ganzen Leibe. Denn die Zunge hat es viel beſ⸗ ſer, die da fühlet, was ihr Gutes geſchieht, und wird herrlich geprieſen. Aber wie dem allen, ſo ſein die Gaben mancherlei, die Unluſt aber und Beſchwerung ſoll man geduldig tragen, nachdem ſie einem jeden von Gott auferlegt iſt, der den Vermögen und Stärke giebt, daß man ſie ertragen kann, und ſoll ein jeder daran den⸗ ken, daß Paulus ſagt: Laß dir an meiner Gna⸗ de gnügen. Denn obwohl die Füße allein des Leibes Laſt tragen müſſen, ſo haben ſie doch aus dem Leibe ihr Vermögen und Geſundheit, und befinden Fröhlichkeit alles des, ſo dem Leibe zu Gut und Nutzen geſchieht. Es können auch die Augen, wie ein herrlich Gliedmaß ſie auch ſein, ſich dieſes geringen Dienſtes, wie es ſcheint, den Leib zu tragen, nimmermehr unterſtehn. Deun ſie ſind anders, und zu einem andern Amte und Dienſte des Leibes geſchaffen. Daß man alſo dieſe Regel durchaus halten ſoll, daß ein jeder bei ſeinem Berufe bleiben, und ihm an ſeiner Gabe ſoll genügen laſſen, nach andern aber ſoll er nicht fragen. Die Papiſten und die Bibel. Wird den Papiſten vorgeworfen, daß ſie ſich dadurch, daß ſie das Leſen der Bibel den Laien nicht zulaſſen wollen, doch ganz offenbar als des Teufels Synagoge offenbaren, ſo iſt ihre ge⸗ wöhnliche Ausrede: ſie verböten ja nicht das Leſen der Bibel, ſondern ſie ſeien nur gegen die Verbreitung proteſtantiſcher Bibeln, weil dieſe verfälſcht ſeien. Daß dies nur eine Jeſuitiſche Flauſe iſt, weiß jeder, der die Geſchichte des an⸗ tichriſtiſchen Papſtthums kennt. In der neueſten Nummer des „Wahrheitsfreundes“ findet ſich wieder einmal ein Beleg dazu. Daſelbſt wird aus Crefeld geſchrieben, daß die dortigen Ka⸗ tholiken diejenigen, welche ihnen Bibeln anbie⸗ ten, „oft recht unſanft und derb abfertigen“. Darauf fährt der Schreiber alſo fort: „Wir hof— fen, daß auch die Katholiken an anderen Orten dieſen zudringlichen Perſonen, wenn es nöthig würde, in gehöriger Weiſe zu begegnen wiſſen werden; ſie mögen bedenken, daß ſie durch den Ankauf ſolcher Bibeln ohne Erklär ungen, wenn auch der Tert ſonſt gut iſt, nicht al⸗ lein dem Wunſche der Kirche entge⸗ gen handeln, ſondern auch das Werk der Bibelgeſellſchaften fördern“L. — Wer wird bei dieſem unbegreiflich frechen Geſtändniß nicht an die Worte des HErrn erinnert: „Wehe euch Schriftgelehrten, denn ihr den Schlüſſel der Er— kenntniß habt. Ihr kommt nicht hinein, und wehret denen, ſo hinein wollen“! Luc. 11, 52. Bekenntniſſe Luther's von ſeinem Leben un ter dem Papſtthum. — (Was die Lehre im Pabſtthum betrifft,.) da⸗ ſelbſt können wir nicht Scherz leiden, denn es gilt mir meine Seligkeit. Ich bin gemartert und geplaget; ſo tief iſt das ſchändliche Oel des Pabſtihums mir durch Mark und Bein gangen, daß ichs noch heute zu tage nicht kann los wer— den, und ich wollte lieber in der Zerſtörung Je⸗ ruſalems gelebt haben, denn in dieſer Gefäng⸗ niß des Pabſtthums. Denn was iſts um eine Peſtilenz, Armuth oder Krieg? Und wenn du gleich auch den Hals mußt dran ſetzen, allein daß das Herz und der Glaube rein bleibe. In Klöſtern hatten wir genug zu eſſen und zu trin⸗ ken, aber da hatten wir Leiden und Marter am Herzen und Gewiſſen, und der Seelen Leiden iſt das allergrößte. Ich bin oft für dem Namen IeEſu erſchrocken, und wenn ich ihn an⸗ blickte am Creuz, ſo dünkte mich, er war mir als ein Blitz, und wenn ſein Name genennet wurde, ſo hätte ich lieber den Teufel hören nennen; denn ich gedachte, ich müßte ſo lange gute Werke thun, bis Chriſtus mir dadurch zum Freunde und gnädig gemacht würde. Im Kloſter ge⸗ dachte ich nicht an Geld, Gut oder Weib, ſon⸗ dern das Herz zitterte und zappelte, wie Gott mir gnädig würde. Denn ich war vom Glan⸗ ben abgewichen und ließ mich nicht anders dün⸗ ken, denn ich hätte Gott erzürnet, den ich mit meinen guten Wetken mir wiederum verſühnen müßte. Aber Gott ſei Lob und Dank, daß wir ſein Wort wieder haben, welches uns Chriſtum alſo abmalet und weiſet, daß Er unſere Gerech⸗ tigkeit ſei. Darum ſo kann ich nicht leiden, daß man das Pabſtthum noch ſchmücken und ent⸗ ſchuldigen wolle. Ich kann mich an ihm nicht genug rächen; denn der Schade iſt zu groß, den er gethan. Man kann den Pabſt nicht genug⸗ ſam ſchelten und ſchänden. Nur keine Barm⸗ herzigkeit mit ihm gehabt. Denn er iſt mit aller Unbarmherzigkeit mit uns auch umgangen, auch leiblich. Denn er hat die Kaiſer als Schälke und Böſewichter hingerichtet, welches dennoch wäre zu leiden; aber daß er meine ſchöne Ju⸗ gend ſo jämmerlich zubracht und mein Gewiſſen über das noch ſo zumartert und zerplagt hat, daß ich noch heutiges Tages nicht kann zufrie⸗ den ſein, das iſt zu viel. (Luther's ungedruckte Predigten, herausgegeben von Hreck, 1847. S. 473.)