# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S165 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) aͤcht. Porphyrius z. B. einer der bedeutend⸗ ſten Beſtreiter des Chriſtenthum's in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts, bemühte ſich war, zu beweiſen, daß Petrus und Paulus in det Lehre miteinander nicht ſtimmten, aber da⸗ von, daß er des Einen oder Andern oder Beider Schriften für unächt ausgegeben hätte, findet ſich keine Spur. Folgt daraus nicht wiederum, daß ſie einſahen, daß das Chriſtenthum bei ihren Zeitgenoſſen von dieſer Seite ganz unangreifbar war, indem das Allen zu klar vor Augen lag, daß die heiligen Schriften ächt waren? Wer nun im Angeſicht ſolcher hiſtoriſchen Zeugniſſe im Bunde mit der allgemeinen, bis auf den heutigen Tag reichenden, kirchlichen lberlieferung die Achtheit der Bücher des N. Te⸗ ſaments leugnen will, der muß mit ſich einig ge⸗ worden ſein, den Regeln des geſunden Menſchen⸗ verſtandes den Abſchied zu geben, und dagegen u glauben und wiederum zu leugnen, was ihm gefällt. Einem Solchen darf man's denn auch nicht übel nehmen, wenn er leugnet, daß die Augsburgſche Confeſſion von Melanchthon, und der kleine und große Katechismus Lutheri von Luiher verfaßt ſeien; ja wenn er Alles leugnet, wovon er nicht Augen ⸗ und Ohrenzeuge gewe⸗ ſen und wovon man nur durch Überlieferung, Geſchichte und Documente Kunde haben kann, alſo auch z. B., daß Amerika einſt von Euro⸗ piern entdeckt iſt; denn dabei geweſen iſt er ja auch nicht. »Zuletzt ſagt Herr S. noch „Übrigens ſteht auch in der Urſprache über gar keinem Evange— lium, daß ein Apoſtel oder Apoſtel-Schüler der witkliche Verfaſſer ſelber ſei; ſondern die Über⸗ ſchtiften genau, ſprachlich richtig überſetzt, keißen: Evangelium gemäß dem Lucas, Jo⸗ hannes, Thomas u. ſ. w., nicht aber: Evan⸗ gellum des Matthäus, des Lucas u. . w.“ Hier giebt Herr S. ſeinen Leſern ein Beiſpiel an ſeiner Perſon, deren man übrigens Viele ſieht, vie es den Halbwiſſern geht, nämlich daß ſie über den Bach ſpringen wollen, und hinein⸗ plumpen. Alerdings kann man die Ueberſchriften der Coangelien, da ſie lauten Kata Mattaion 2c., überſetzen „gemäß“; aber genau und in ſo ſen ſprachlich richtig iſt's darum noch gar nicht. Wer ſich nur ein wenig mit Sprachen, gleichsiel ob alten oder neuen, beſchäftigt hat, wird die Erfahrung gemacht haben, daß man für ein Wort in einer Sprache nicht immer d aſ⸗ ſelbe in der andern ſetzen kann; thäte man's, ſo würde man zuweilen nicht nur ſehr un ge⸗ nau, ſondern auch ſehr un richtig ſich aus⸗ rrücken; desgleichen, daß man zuweilen zwei oder mehr Wörter in einer Sprache gebrau⸗ chen muß, um den Sinn von ein em in einer andern Sprache wiederzugeben. Das trifft denn in gewiſſer Weiſe nun auch eben bei dem Wort lata zu. Die Grundbedeutung deſſelben iſt al⸗ kerdings „gemäß“; aber daneben heißt es auch . von“, inſofern mit „von“ der Verfaſſer ange⸗ gigt wiid. Um nur einen Beweis für letzteres anzuführen, ſo nennt der Kirchenvater Epipha⸗ ſus die 5 Bücher Moſis (von denen er glaubt, —165— daß Moſes ſie verfaßt habe): die 5 Bücher kata Moysen. Dieſer zwiefache Sinn war denn auch offenbar derjenige, welchen die chriſtliche Zeit, welche den Evangelien jene Ueberſchrift gab, mit derſelben verband. Denn hätte ſie nicht „ge— mäß“ gemeint, ſo hätte ſie ſchlechthin geſagt „des Matthäus u. ſ. w.“, was ſich in alten Sprachen ebenſowohl als in neuern ſagen läßtz hätte ſie daneben nicht auch gemeint „von“ in dem Sinne von Verfaſſer, ſo iſt nicht abzuſehen, wie die Evangelien einen ſolchen Titel ſollten zu einer Zeit haben bekommen können (nämlich im Lauf des zweiten Jahrhunderts), wo man, wie durch klare, unwiderſprechliche Beweiſe erwieſen iſt, allgemein glaubte, daß Matthäus, Marcus, Lucas und Johannes deren Verfaſſer ſeien; wo⸗ zu noch kommt, daß ganz alte Ueberſetzungen z. B. die ſyriſche aus dem dritten Jahrhundert, die Ueberſchriften der Evangelien durch „Evan⸗ geiium des Matthäus u. ſ. w. (wie ſie ſich ja auch überſetzen laſſen) wiedergegeben haben. So ſcheint denn auch in den Ueberſchriften der Evangelien, wie ſie in der Urſprache lauten, ein tiefer, herrlicher Sinn, wie er eben nur in der Kirche zu Hauſe iſt, zu liegen; nämlich im Be⸗ wußtſein, daß es nur Ein Evangelium, das von Chriſto dem Gekreuzigten, gebe, nach dem Worte des Apoſtels „So auch wir, oder ein En⸗ gel vom Himmel euch wollte Evangelium predi⸗ gen, anderes denn das wir euch verkündigt ha⸗ ben, der ſei verflucht“, daß alſo auch alle 4 Evangelien nur Ein Evangelium verkündigen, welche 4 zuſammen die Kirche das „viergeſtal⸗ tige Evangelium“ nennt, im Bewußtſein dieſes gebraucht die Kirche ein Wort, in welchem der Begriff „gemäß“ vorwaltet, aber auch der „von“ eine Stelle hat. Der Kirche kam's ja auch nicht ſo wohl darauf an, daß die 4 Evangelien von jenen Männern geſchrieben waren — denn was ſind Menſchen anders, als Werkzeuge! — ſon⸗ dern darauf, daß ſie in den Evangelien von jenen Männern geſchrieben das Evangelium hatte, das da kann ſelig machen Alle, die es glaͤuben. Und ſo iſt's, Gott ſei Dank, allezeit. Obwohl es ſo gewiß iſt, als irgend etwas in der Welt, daß Matthäus, Markus, Lu kas und Johannes die Verfaſſer der 4 Evange⸗ lien ſind, ſo macht uns doch nicht das ſelig, ſon⸗ dern daß wir in den Evangelien, von ihnen ver⸗ faßt, Gottes theures Wort haben, das uns wiedergebiert, und in eine neue, dieſer Welt gar unbekannte, nämlich das Reich Gottes einführt, das unſerer Seelen Freude und Troſt, ein Licht auf unſeren Wegen im Leben, und unſere Kraft und unſer Sieg im Tode iſt. O, daß doch die, die es dem Namen und Buchſtaben nach kennen, und Zeit und Kräfte auf ſo klägliche Weiſe ver⸗ ſchwenden, ſich dawider zu ſetzen, es auch ſeiner Kraft und ſeinem Geiſte nach kennen lernten! E 22** Papiſtiſche Wortbrüchigkeit. So ſchreibt der Spanier Didacus Simancas in ſeinem Buch „von den catholiſchen Einrich⸗ tungen“ (Cap. 46. Nro. 52.): „Den Ketzern darf man auf keine, keine, keine Weiſe das ge⸗ gebene Verſprechen halten, ſelbſt wenn dasſelbe mit einem Eidſchwur beſtätigt worden wäre“. Und man darf nicht etwa meinen, daß nur die⸗ ſer und jener ausgefeimte Jeſuit ſo urtheilt, aus deſſen Herzen durch die Erziehung ſeiner Oberen ſelbſt das natürliche Gefühl für Gerechtigkeit ſy⸗ ſtematiſch ausgetilgt worden iſt. Der katholiſche Rechtsgelehrte Tiberius Decianus bezeugt viel⸗ mehr: „Obgleich es allgemein angenommen iſt, daß man auch dem Feinde das gegebene Ver⸗ ſprechen halten müſſe, ſo leidet dies doch nach Aller einſtimmiger Meinung auf ei⸗ nen Ketzer keine Anwendung, weil dieſem auch das gegebene Verſprechen nicht zu halten iſt; was die Coſtnitzer Kirchenverſammlung beobach⸗ tet hat, indem fie Johann Huß und Hierony⸗ mus von Prag wider das gegebene Verſprechen verdammte“ ꝛc. (Tract. crim. I. 5., c. 20., n. 55.). Was nehmlich die jetztgenannten hei⸗ ligen Märtyrer Chriſti betrifft, ſo hatte Kaiſer Sigismund denſelben, nachdem ſie vor das in Coſtnitz verſammelte Concilium citirt worden waren, auf Antrag des Königs von Böhmen, Wenzel, einen kaiſerlichen Geleitsbrief und die Verſicherung gegeben, ſie ſollten ſicher und un⸗ angetaſtet wieder nach Hauſe kommen. Nichts deſto weniger wurde aber zunächſt Huß, der, ſich Gottes Schutz befehlend, erſchienen war, als Ketzer verdammt und zum Feuertode verurtheilt. Zwar ſchon als Huß in den Kerker geworfen worden war, ſandte der Kaiſer, ſeines Verſpre⸗ chens eingedenk, nach Coſtnitz den Befehl, Huß frei zu laſſen, widrigenfalls er das Gefängniß erbrechen laſſen werde; man befolgte jedoch den Befehl nicht; und als der Kaiſer ſelbſt nach Coſt⸗ nitz kam, erklärte er, es ſei weder recht, das dem König gegebene Wort zu brechen, noch die öf— fentliche Sicherheit zu verletzen“; aber eine De⸗ putation des Concils ſtellte ihm vor, daß er als Lale in dieſe Sache ſich nicht miſchen dürfe, und ein dem Ketzer gegebenes Wort nicht binde. Ja, die Väter des Concils entwarfen folgendes merk⸗ würdige Decret: „Die gegenwärtige heilige (0 Synode erklärt, daß durch keinerlei Geleitsbrief, welchen der Kaiſer, Könige und andere weltliche Fürſten Ketzern oder wegen Ketzerei Berüchtigten geben, wie hoch ſie ſich auch dazu verbindlich gemacht haben ſollten, in der Meinung, ſelbige ſo von ihren Irrthümern zurückzurufen ꝛc., dem catholiſchen Glauben und der kirchlichen Ge⸗ richtsbarkeit etwas vergeben oder ein Hinderniß gemacht werden könne, daß dem zuſtändigen und kirchlichen Richter nicht trotz des gegebenen Si⸗ cherheitsbriefes erlaubt ſein ſollte, über die Irr⸗ thümer ſolcher Perſonen eine Unterſuchung anzu— ſtellen, gegen dieſelben, wie ſie es verdient haben, zu verfahren und ſie zu ſtrafen, je nachdem es die Gerechtigkeit rathen mag, wenn ſie ihre Irr⸗ thümer zu widerrufen hartnäckig verweigert ha⸗