Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 22 › Seite 176
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-22, Seite 176
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
ſe, den unſere proteſtantiſche Dogmatik feſtgeſtellt
hat. Wer davon abweicht, muß auf Irrwege
gerathen, ſie mögen ſichtbar ſein oder nicht. Wer
auf die ſichtbare Kirche den Nachdruck legt
oder auf die ebenmäßige Durchdringung von
ſichtbar und unſichibar, der munß dahin kommen,
daß er ein unlutheriſches Kirchenamt begehrt.
Die nothwendige Folgerung der ſichtbaren Kirche
ſind ſichtbare Prieſter, Biſchöfe und endlich der
Pabſt. Wer den Nachdruck auf die ſichtbare
Kirche legt, der muß dahin kommen, zu be—
haupten, daß, wer nicht zu dieſer ſichtbaren Kirche
gehört, „„ein Feind iſt,“» wie nicht allein Cy—
prian geſagt, ſondern wie auch neuerlich wieder
cyprianiſirt worden iſt. Wer ſo die ſichtbare u.
unſichthare Kirche verwechſelt, der muß bei ſei⸗
ner Betonung der Sichtbarkeit der Kirche dahin
kommen, die der ganzen Chriſtenheit gehörenden
Titel: eine, heilige, allgemeine, auf die ſichtbare
Kirche zu übertragen. Dann wird auch, um
die Heiligkeit der ſichtbaren Kirche auch ſichtbar
herzuſtellen, behauptet werden müſſen, eine Kir⸗
che, wenn ſie auch ſonſt reines Wort und reines
Sacrament hat, iſt keine Kirche mehr, wenn ſie
keinen Bann hat. Statt zwei Gnadenmittel
muß ein ſolcher vorläufig drei annehmen: Wort,
Sacrament und Bann, ſtatt zwei Sacramente
muß ein ſolcher vorläufig drei annehmen: Tau⸗
fe, Abendmahl und Ordination. Was noch
folgen müßte, z. B. die altkatholiſchen Büßung⸗
en, ein ſichtbar kirchliches Oberhaupt, ein vor⸗
nehmes Herabblicken auf die Reformatoren und
ihre Schriften u. ſ. w., das würde von der mu⸗
thigen Regſamkeit der Zeiten und Perſonen
abhängen. Mir graut vor ſolchen unproteſtan⸗
tiſchen Sätzen: ſie werden uns eine lutheriſche
Hierarchie zu Wege bringen, die den alten pro⸗
teſtantiſchen Anſchauungen gänzlich entgegen iſt.
Wer ſo die Symbole und den ganzen altproteſt⸗
antiſchen Lehrſtoff mit einem Griffe beſeitigt, der
kann, da es überhaupt nur zwei folgerichtige
Kirchenwege giebt, einen Alt und einen Neu⸗
teſtamentlichen, nicht anders, er muß ſein Ange⸗
ſicht ſtracks gen Rom wenden. Es geht jetzt
ein katholiſchergug durch die Welt,
ſagt ein berühmter ſchweviſcher Geſchichtsforſcher:
hier fühlt man etwas davon! Aber welches
Wunder! Der römiſch- katholiſche Möhler
ſagt in ſeiner Symbolik (6. Auflage S. 425):
„ja gewiß dieſe, die unſichtbaren, die in das
Bild Chriſti Uebergegangenen und Vergöttlichten
ſind Träger der ſichtbaren Kirche: die Bößen in
der Kirche, die Ungläubigen, Scheinheiligen,
todten Glieder am Leibe Chriſti würden keinen
Tag die Kirche ſelbſt in ihrer Aeußerlichkeit zu
bewahren vermögen. Der Satz, daß die innere
Kirche zuerſt zu ſetzen ſei und dann erſt die äu⸗
ßere, hat eine vollkommen wahre Seite. Wir
find nicht eher lebendige Glieder der äußern Kir⸗
che, als bis wir der innern angehören.““ So
ſpricht ein römiſcher Dogmatiker von der Wahr⸗
heit der proteſtantiſchen Lehre uͤberwältigt, und
wir fangen an, die proteſtantiſche Lehre zu ver⸗
laſſen und zu — romaniſiren! Gott
helfe uns zur rechten Wahrheit uud Klar⸗
heit! — —
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Dr. Rudelbach üher die Ordination.
Noch eine Schattenſeite der deutſch⸗
lutheriſchen Kirche.
Dr. Rudelbach iſt durch ſein entſchiedenes
Zeugniß gegen Rationalismus und Union und
für lutheriſche Kirche u. lutheriſche Lehre, zu einer
Zeit, wo faſt alle, die zu den großen Gelehrten
unſerer Tage zu rechnen ſind, ſchwiegen, unſe⸗
rer Kirche zu ſo großem Segen geworden, daß es
ſcheint, als fordere es die Dankbarkeit eines Lu⸗
theraners, über die Gebrechen eines ſolchen Man⸗
nes den Mantel der Liebe zu werfen. Allein dem
iſt nicht ſo. Je begabter ein Mann iſt und je
mehr er ſich durch ſeine anderweitige Treue das
Zutrauen der Glieder der Kirche erworben hat,
deſto fruchtbarer iſt auch immer gerade ſein Irr⸗
thum. Solche große Männer, wie ſie durch Got⸗
tes Gnade Viele für die Wahrheit gewinnen, zie⸗
hen gerade da, wo ſie irren, gemeiniglich einen
noch größeren Troß mit ihnen Irrender nach ſich.
Nun iſt aber jeder Irrthum wider Gottes Wort
immer ein tödtliches Seelengift, das eben
um ſo verderblicher und ausgebreiteter in der
Kirche wirkt, je ſublimirter (feiner) u. mit je beſ⸗
ſerer Empfehlung es als Arznei ausgeht. So
ſehen wir uns denn, wiewohl mit tiefem Be⸗
vauern, da wir einen Rudelbach am liebſten
nur rühmen möchten, genöthigt, auf einen Irr⸗
thm hinzuweiſen, den dieſer von uns ſonſt hoch—
verehrte Mann früher zwar ſchon blicken ließ,
aber nun weitläuftig entwickelt und der Kirche
öffentlich vorgelegt hat. Es betrifft dieſer Irr—
thum die Lehre von der Ordination und die
damit zuſammenhängende Lehre vom hl. Predigt⸗
amt. Es findet ſich die Auseinanderſetzung die⸗
ſer Lehre aus der Feder Dr. Rudelbach's in dem
erſten diesjährigen Quartalheft der unter ſeinem
und Dr. Guericke's Namen erſcheinenden „Zeit⸗
ſchrift.“ Wir wollen zwar das Hieronymianiſche:
Haereticorum sententias prodidisse, superasse
est. d. h. die Meinungen der Ketzer bekannt ge⸗
macht haben, heißt, dieſelben überwunden ha—
ben— auf den Irrthum Dr. Rudelbach's keines⸗
wegs anwenden, für diesmal genüge es jedoch,
den Leſern nur mitzutheilen, was derſelbe wider
Gottes Wort und das Bekenntniß unſerer Kir⸗
che über den genannten Punkt lehre.
Am angezogenen Ort ſchreibt der Genannte
erſtlich u. A. Folgendes: „Es iſt keineswegs zu
billigen, daß man“ (von Seiten der alten luthe⸗
riſchen Theologen) „die Ordination weſentlich
blos als „„die öffentliche und Ifeierliche Beſtä⸗
tigung oder gleichſam Verkündigung der Voca⸗
tion“ » auffaßte. Um zu zeigen, daß es nicht
eigentlich auf die Handauflegung dabei
ankomme (gleichſam als ob irgend ein, von den
erſten Tagen des Chriſtenthums an bezeugtes,
Stück einer heiligen Handlung weniger bedeu⸗
tend ſein könne *),erwähnte man mit beſonde⸗
rem Nachdruck der feurigen Gebete.“
In dem Folgenden kommt Dr. Rudelbach auf
Auch die in Einſchluß geſtellten Worte ſind Dr. Rudel⸗
bach's Worte. Derſelbe achtet alſo auch die Han daufle⸗
gung für ein weſentliches Stück der Ordination, geht alſo
auch hitrin von dem Vorhild der Lehre un ſerer Kirche ab.
den bekannten Beſchluß des vierten, im Jahre
451 gehaltenen ökumeniſchen Concils (des Chal⸗
cadonenſiſchen), nach welchem ganz richtig nie⸗
ſmandabſolut, das heißt, niemand eher or⸗
dinirt werden ſoll, als bis er eine Vorati⸗
on zu einem beſtimmten Amte in der Kirche er⸗
halten hat, weil man eben von Anfang an in
der ganzen altkatholiſchen Kirche mit wenigen
vereinzelt daſtehenden Aus nahmen die Ordinati⸗
on nicht für eine Weihe gehalten hat, durch wel⸗
che man in einen gewiſſen Prieſter ſt an d auf⸗
genommen wird, ſondern für eine feierliche öffent⸗
liche Beſtätigungdes Berufes, den man
zu einem beſtimmten Amte bereits erhalten hat.
Dr. Rudelbach aber verwirft jenen Beſchluß des
ökumeniſchen Concils und gibt merkwürdiger
Weiſe, da ſonſt ſo wenig für ſeine Anſicht
ſpricht, ſagleich Folgendes zu bedenken: „Uebet
allen Zweifel erhaben iſt es, daß die Römiſche
Kirche ſpäter, namentlich das ganze Mittel⸗
alter hindurch, nicht daran feſthielt, ſondern Jahr
für Jahr zu Taufenden ordinirte, ohne daß
die Ordinirten ein beſtimmtes Amt hatten, und
blos durch paſſende Beſtimmungen (zuletzt am
*
ausführlichſten durch die Deerete des Triden⸗
tiniſchen (Coneils) Sorge dafür trug,
daß die ſo Ordinirten ſowohl einen Wirkungs⸗
kreis finden, als ein nothwendiges Auskommen
haben könnten.“
„Werfen wir nun, fährt Dr. Nudelbach fort,
einen Blick. zurück auf die Altlutheriſche Theorie
von der Vocation und Ordination, ſo iſt zuerſt
unbedingt einzuräumen, daß ſie den Sinn Lu⸗
thers u. der Schmalkaldiſchen Artikel
klar ausdrückt.“ Ein wichtiges Zugeſtändniß!
Aber wer ſollte denken, daß nun Dr. R. dennoch
ſich gegenn eine Lehre erklärt, die, wie er ſelbſt
ſagt, den auch von ihm beſchworenen Bekennt⸗
niſſen unſerer Kirche durchaus gemäß iſt? Aber,
leider! ſchreibt er nun u. A. folgendes weiter:
„Im erſten Anhange zu den Schmalk. Art. wird,
freilich im Vorbeigehen u. ohne ordentlicht
archäologiſche Gewähr“ (d. h. ohne
daß es aus der alten Geſchichte bewieſen werden
könnte), „bemerkt: „„daß wenn in der alten
Kirche das Volk die Prieſter u. Biſchöfe erwähll,
ſo ſei der Biſchof derſelben oder einer naheliegen⸗
den hinzugetreten u. habe den Erwählten durch
Handauflegung beſtätigt; die Ordination
ſeimithin nichts Anders als eine
ſolche Beſtätigungu. Bekräftigung
geweſen.“ Allein abgeſehen von alle die⸗
ſem muß das Reſultat unſerer bisherigen Unter⸗
ſuchung ſich in Folgendem herausſtellen. Zu⸗
erſt: daß unſere älteren Dogmatiker in der Re⸗
gel und wenigſtens nach einer Richtung, meiſt
aus einem in mehreren Stücken“ (alſo
nicht in allen ?) „wohlgegründeten polemiſchen.
Intereſſe wider die Römiſch-Katholi⸗
ſchen, den Begriff der Ordination nicht zu
ſeinem vollen Rechtekommenließen
Sodann (wenn man uns über den Typus der
Darſtellung fragt welchen weir für allein ſchrift⸗
mäßig u. vollkommen kirchlich *) achten):
Der Leſer ſieht, daß man jetzt in Deutſchland unter dem
„kirchlich' nicht verſieht, dem Sinn unſerrr rechtgläubigen
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