Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 22 › Seite 173
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-22, Seite 173
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3
.* .
Kleinod in unſere Kirche wieder einführen woll⸗
ten, an dem theuren Herrn Dr. Harleß einen
Mann geſchenkt hat, der nicht nur die hohe Ver⸗
antwortlichkeit, die ihm ſein hohes Wächteramt
in unſerer geliebten Kirche reinen Bekenntniſſes
auferlegt, lebendig erkannt hat, ſondern der auch
eine ebenſo große Treue und Einfalt, als Bega⸗
bung in jeder Beziehung beſitzt, um als Vor⸗
kämpfer für das theuer errungene Kleinod der
reinen Lehre unſerer Kirche an der Spitze der
anderen Kämpfer zu ſtehen. —
Wir laſſen nun die Harleß'ſchen Theſen ſelbſt
folgen. Ohne die unter denſelben ſtehenden
Zeugniſſe aus Luthers Schriften; nicht darum,
weil wir dies wegen der in unſerer Schrift: „Die
Stimme unſerer Kirche,“ bereits gegebenen Zeug⸗
niſſe aus Luther für überflüſſig achteten; viel⸗
mehr müſſen wir geſtehen, daß ſich eine ziemliche
Anzahl Luther'ſcher Belegſtellen in der Harleß'⸗
ſchen Schrift vorfindet, die wir nicht aufgeführt
haben und die mehrere von uns dunkel gelaſſene
wichtige Punkte in ein helles Licht ſetzen. Wir
theilen die Citate nur wegen des beſchränkten
Raumes unſeres Blattes nicht mit, und hoffen,
„daß ſich wenigſtens unſere ſämmtlichen Paſtoren
das Schriftchen ſelbſt beſchaffen werden, um da⸗
durch immer tiefer in eine Lehre eingeführt zu
werden, die ſchon an ſich von ſo hoher Wichtig⸗
keit iſt und um welche ſich gerade jetzt und gera⸗
de hier ein in die Entwicklung unſerer Kirche ſo
tinſchneidender Kampf bewegt. Wir wenigſtens
müſſen es mit Dank gegen Gott erkennen und
betennen, daß wir dieſer Schrift nicht nur Stär⸗
kung in der bereits erkannten Wahrheit, ſondern
auch höchſt wichtige weitere Belehrungen ver—
danken.
Der Theſen ſind achtzehn. Es ſind folgende:
3.1. Man muß bei dem Streit über die Lehre
von Kirche und Amt nicht mit Kirche, Amt,
geiſtlich Prieſterthum u. ſ. w. anheben, ſondern
mit Chriſto und der Art, wieder heil.
Geiſt, der vom Vater und vom Sohne aus-
geht, auf Erden ſein Werk hat und
Chriſti Reich gründet u. baut. Das
führt zuerſt zum Verhältniß des heil. Geiſtes,
nicht zu Kirche, Amt, geiſtl. Prieſterthum und
dgl, ſondern zum Wort des Evangeliums.
9. 2. Da iſt gewiß, was Luther ſagt: „das
Wort iſt die einzige Brücke und Steig, durch
welche der heil. Geiſt zu uns kommt.“
§. 3. Das iſt das „leibliche oder
ſchriftliche Wort, in Buchſtaben gefa ßt,“
gleichviel zunächſt ob gepredigt und
gehört, oder geleſen und betrachtet.
Wo dies Wort iſt und wirkt, da iſt und wirkt
der heilige Geiſt, und wo er iſt und wirkt, da iſt
dil Kirche.
6.4. Wenn die durch das Wort wirkſame
Gegenwart des heiligen Geiſtes die Kirche grün⸗
det, baut und erhält, ſo muß darnach vor Allem
beſtimmt werden, was und wo die Kirche ſei,
und man darf ſich nicht durch eine fähr⸗
liche Mehrdeutigkeit des Wortes
Kirche irren laſſen.
0. 5. Wenn die Kirche weſentlich die von
der Wirkſamkeit des heiligen Gei⸗
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ſtes durchs Wort zum Glauben an
das Evangeliumgebrachte Gemein⸗
ſchaft und in dieſem Glauben ein chriſtlich,
heilig Volk iſt, ſo folgt, daß ſie in dieſem ihrem
weſentlichen u. wirklichen Daſein unſichbar,
und daß die Kirche, das Dafein eines heiligen,
chriſtlichen Volks (congregatio sanctorum et
vere credentium) in dieſer ſeiner weſentlichen
Wirklichkeit, kein Sehartikel, ſondern ein Glau⸗
bensartikel iſt.
9. 6. Weil aber Chriſtus der Herr in Kraft
des heiligen Geiſtes vornemlich durch das Wort,
ſodann durch die Sacramente als ſichtliche
Mittel ſein heilig, chriſtlich Volk, die „inwendige
Chriſtenheit, gründet, baut und erhält, ſo hat
die Kirche folgerichtiger Weiſe auch ihre ſich t-
baren Zeichen kraft der gottgeordneten Mit⸗
tel ihrer Gründung und Erhaltung.
§. 7. Dieſer Zuſammenhang der unſichtba⸗
ren Kirche mit ihren von ihr dargebotenen und
darzubietenden ſichtbaren Zeichen, beſſer Gnaden⸗
mitteln, oder das gottgeordnete Wechſelverhält⸗
niß zwiſchen der „geiſtlichen, innerlichen Chriſten⸗
heit“ und der „leiblichen, äußeren Chriſtenheit“
(externa societas signorum ecclesiae) verhält
ſich aber nicht wie bei dem natürlichen Men⸗
ſchen die untrennbare Einheit von Seele
und Leib, ſo daß, wo der Leib iſt, auch die
Seele ſein müßte, oder wo die ſichtbaren Zeichen
der wahren Kirche ſind, auch ein wirklich chriſt⸗
liches heiliges Volk mit Naturnothwen⸗
digkeit beſtehen müßte; ſondern es bleibt auch
da das wirkliche Daſein der wahren Kirche ein
Glaubensartikel und zwar kraft des Glau⸗
bens, daß wo Wort und Sacrament hauter iſt,
Gott ſich nicht unbezeugt laſſe. Aus dem blo⸗
ßen Aufweis des äußern Beſitzes der
ſichtlichen Gnadenmittel folgt noch nicht ein
ſichtlicher Beweis für das Daſein eines
wahrhaft gläubigen, chriſtlichen, heiligen Volkes.
§. 8. Weil da, wo die äußerliche Gemein⸗
ſchaft der wahren Zeichen der Kirche, des Worts
und der Sacramente iſt, nicht mit Naturnoth⸗
wendigkeit folgt, daß der heilige Geiſt überall
ohne Widerſtreben empfangen werde und ſein
Werk habe, alſo auch da das wirkliche Vor⸗
handenſein einer wahren Chriſtenheit ein Glau⸗
bensartikel, das einzig ſichtbare und untrügliche
Zeichen aber allein das Daſe in der lautern Pre⸗
digt und ſtiftunggemäßen Sacramentſpende
bleibt, ſo darf auch nicht eine ſichtbare Ei⸗
nigkeit und Reinheit zum Zeichen der
wahren Kirche gemacht werden.
§. 9. Es iſt alſo die Kirche, trotz aller Sün⸗
den und Gebrechen, ihrem äußern Beruf
un dZeichen nach die rechte, wenn ſie Wort
und Sacrament rein und lauter
hat und reicht; während den Perſonen
nach, oder nach der Kirche innerm Weſen und
Beſtand, die Kirche nur dann die rechte, wahre
Chriſtenheit iſt, wenn und wo ihre Glie⸗
der Chriſtum in Einheit ſchriftge⸗
mäßen Glaubens recht erkennen
ſund bekennen.
9. 10. Dieſe Darreichung des Worts in
gläubigem Bekenntniß, des Wortes mit ſeiner
bindenden und löſenden Kraft, iſt urſprüng⸗
licher und grundlegender Weiſe ein
Beruf aller Chriſten, des ganzen
heiligenſchriſtlichen Volkes.
§ 11. Der Sonderberuf des Amts in
der Gemeinde wird nur dann recht feſtgehalten,
wenn man zwiſchen prieſterlichem und
dienerlichem Beruf wohl unterſcheidet, u.
andrerſeits das Weſen des Dienſtes am Worte
in nichts Anderem ſucht, als in dem, was auch
jedem gläubigen Chriſten kraft
ſeines prieſterlichen Berufs zu⸗
kommt.
§. 12. Hieraus folgt indeſſen nicht im Min⸗
deſten, daß das was ſeinem Weſen nach Beruf
aller gläubigen Chriſten iſt, gle ichförmig
von Allen ausgeübt werde. Im Gegentheil,
vben weil alle den Beruf haben, Chriſtum und
die Tugenden deß, der uns von der Finſterniß
errettet hat, zu verkündigen, ſo darf deßhalb
es ſich nicht der Ein zelne herausnehmen,
dies willkürlich vor der Gemeinde öffentlich zu
thun, ſondern hat dafür beſondere Wahl oder
Berufung abzuwarten, wie die gläubige Ge⸗
meinde ſchon ordnungsgemäß es für ihre Pflicht
erachtet, für ſolche Wahl oder Berufung zu ſor⸗
gen.
§. 13. Eben ſo wenig folgt aus der
von der Gemeinde ausgehenden, ordnungsmäßi⸗
gen Wahl oder Berufung in das Amt, das die
Verſöhnung predigt, daß ſolches Amt ein blo⸗
ßer Gemeindedienſt, eine Gemein⸗
deordnung, eine Gemeindevoll macht
ſei; ſondern eben weil die gläubige Gemeinde in
ſolchem Dienſt Stiftung, Ordn ung un d
Vollmacht Chriſti erkennt, der durch ſein
Wort und den Dienſt ſeines Wortes ſeine Chri⸗
ſtenheit gründet, baut und erhält, ſs beruft ſie zu
ſolchem Amte.
5. 14. Während ſo die gläubige Gemeinde,
das chriſtliche Volk, der Ordnung wartet und
die von Chriſto geſtifteten Aemter beſtellt, wurzelt
ſie bei dieſem Thun gar nicht auf einem Geſetz
der Ordnung oder einer Vorſchrift der Son⸗
derung, ſondern auf einem Wort der Ver⸗
heihung, kraft deſſen der Herr allezeit ſeiner
Gemeinde die ſonderlichen Gaben, ſo zur Erfül⸗
lung der beſondern Aemter noththun, zu geben
verheißt; und dieſer Verheißung Erbe iſt nicht
ein beſonderer, geſetzlich geſtifteter
Stand, ſondern die ganze gläubige
Gemeinde, welche der Herr durch
Erfüllung ſeiner Verheißungglied⸗
lich ſondert.
5. 15. Man kann deßhalb wohl von einer
beſondern Vollmacht, auch von beſonderer Amts⸗
begabung, nicht aber von einer beſondern Kraft
und Gnade reden, die dem Amt an ſich inne⸗
wohnete; ſondern wo das Amt Kraft u.
Gnade hat und bringt, da wur zelt
dieſelbe im Wort, welches das Amt zu
reichen hat, und alle Kraft und Gnade des
Worts wurzelt in dem lebendigen Chriſtus, wel⸗
cher der Geber des Worts und Geiſtes und der
§. 16. Weil das Wort, auf welches die
Stifter des Amtes iſt.
—
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