Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 22 › Seite 183

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-06-22, Seite 183

162 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

⤓ Download .txt · copy text

F

1.11.1

aarr

zum Glauben entzündet.

Knecht z. B.) dieſe Langſamkeit für Feierlichkeit.

Alle alten und neueren Melodien mußten's ſich
daher entweder gefallen laſſen, daß man ihnen
den Rythmus nahm, wo das nicht anging, ſit
veränderte (ſo iſts z. B. mit der Melodie zu: Es
iſt das Heil uns kommen her, gegangen) und
überhaupt in lauter halben Noten mit trillern⸗
dem Zwiſchenſpiel zwiſchen den einzelnen Vers⸗
reihen dahin ſchleichen ließ; oder wenn nun
eine Weiſe ſich ſolcher Gewaltthat nicht fügen
wollte, wie namentlich die alten recht lutheriſchen,
ſo erklärte man ſie für unſingbar (z. B. Es woll
uns Gott genädig ſein). Was man ſo ums
Jahr 1700 vielfach angefangen, war um 1800
vollendet, die Kirchenmelodien waren zu päda⸗
gogiſchen Chorälen geworden, der Rythmus
vergeſſen.

Blickt ihr auf die eben brendete Darſtellung
zurück, ſo werdet ihr als Ergebniß derſelben dies
erkennen müſſen, daß in der chriſtlichen Gemeinde
allezeit dann rythmiſch geſungen iſt, wenn der
Glaube des Wortes Gottes in ihrem Herzen le⸗
bendig war und zum Bekenntniß mit demMunde
drängte, daß dagegen der niche rythmiſche Geſang
vor Alters der Prieſter und Chorgeſang war und
von der Knechtſchaft der chriſtlichen Gemeinde
unter Menſchen und Menſchenſatzungen zeugte
und ſpäter als ein Mittel angeſehen wurde, der
Gemeinde allerlei nützliche Lehren ſchmackhaft zu
machen. Verwundere ſich daher kein Chriſt, der
nun einmal die frühere langſame Weiſe in der
Kirche zu ſingen, für die rechte hält, wenn in
unſern lutheriſchen Gemeinden die Melodien al⸗
mälig in immer ſchnellerem Tacte geſungen werden;
dasWort Gottes wird ja Gott ſei Dank in all un⸗

ſeren Gemeinden gepredigt und hat auch, wenn

oft nicht viel, doch einige Frucht überall; da iſts
ja natürlich, daß die Gemeinden wieder ſingen,
weil ſie Luſt haben zu bekennen, und dann gehts
nicht mehr in der langſamen Weiſe. Die ryth⸗
miſche Bewegung wird aber auch nicht ausblei⸗
ben, je mehr die Gemeinden zum Bekennen kom⸗
men; o dann klage doch niemand über Neue⸗
rungen, wo eben das gute und tüchtige Alte
wieder eintritt, weil die gute und tüchtige alte
Lehre des Wortes Gottes von Neuem die Herzen
Mehrfach bin ich ge⸗
fragt worden, ob Layritz, der in drei Bänden
ein Choralbuch im rythmiſchen Satz der Melo⸗
dien geliefert hat, dieſen Satz in den alten Cho⸗
ralbüchern angezeigt gefunden und ihn nun ge⸗
nau wiedergegeben habe. Angezeigt fand er den
rythmiſchen Satz in allen Ehoralbüchern bis auf
das oben erwähnte 1687 herausgegebene Darm⸗
ſtädter Geſangbuch, in welchem nur noch wenig
auf den Rythmus Rückſicht genommen wird; ob
er den alten Rythmus genau wiedergegeben,
kann ich nur in ſo weit beantworten als er ſelbſt
angiebt: er bemerkt bei manchen Liedern, daß er
vträndert habe. Cr hat auch mehrere Lieder
neueſter Zeit, z. B. 369 im Zten Theile aus dem
geraden Tacte in den rpthmiſchen geſetzt und
andere theils aus ſchon vorhandenen Motiven
gemacht, theils ſelbſt erfunden. Daß er hie und
da Veränderungen vornehmen mußte, wurde
wohl dadurch nothwendig, daß die Melodien na⸗

—

mentlich des 16teu Jahrh underts die 12 alten
Kirchentonarten zur Vorausſetzung hatten, ein
Tongebäude, welches von dem, in welchem wir
jetzt unterrichtet ſind und unterrichten, ſehr ver—
ſchieden war. Jedenfalls hat er viel gethan,
um uns die Herrlichkeit des alten Gemeindege⸗
ſanges zu zeigen und uns Anleitung zum ryth—
miſchen Geſange zu geben, ſobald das Gemein⸗
deleben unter uns dahin drängt. Gott nſer
hochgelobter Heiland lehre uns, das Wort des
Apoſtels Paulus Epheſer 5, 19 und 20 immer
eifriger und fröhlicher zu thun.

ö Zur Geſchichte
der am 2. Aug. v. J. zu Leipzig abgehaltenen

lutheriſchen Conferenz.

Wir können nicht unterlaſſen, unſeren Leſern
Einiges aus einem von Deutſchland erhaltenen
Briefe mitzutheilen, in welchem uns von zwei
Theologen und einem Doktor der Rechte (nicht
Dr. Marbach), welche den Brief zuſammen un⸗
terzeichnet haben, etwas Näheres über die letzt⸗
gehaltene Leipziger Conferenz mitgetheilt wird
Die Unterzeichner des Briefes waren mitgegen⸗
wärtige Glieder der Conferenz, gehörten aber
nicht zu denen, welche gegen die Beſchlüſſe der⸗
ſelben öffentlich proteſtirten, die die Amerikaniſche
Streitſache betrafen. Das Schreiben hat daher
zunächſt den Zweck, ſich wegen Unterlaſſens ei⸗
nes öffentliches Proteſtes zu rechtfertigen; zu—
gleich dient es aber auch dazu, uns einen tieferen
Blick in die Hergänge auf der Conferenz thun
zu laſſen. Da das Schreiben ein Privatſchrei⸗
ben iſt und die Schreiber uns nicht ausdrücklich
die Erlaubniß gegeben haben, ihr ſchriftliches
Bekenntniß mit ihrem Namen zu veröffentlichen,
ſo achten wir uns für jetzt nicht ermächtigt da⸗
zu, die Namen zu nennen.

Unter Anderem heißt es alſo in dem Briefe:

„Herrn ** liegt es am Herzen, daß Ihnen
ein Zeugniß über die Verhandlungen der Leip⸗
ziger Conferenz vom 2. Auguſt v. J. auch von
Solchen kund werde, welche auf derſelben nicht
mit öffentlichem Proteſt dawider hervorgetreten
ſind. Es geſchieht hiemit von mir, weil er mich
dazu aufgefordert hat; ich konnte mich ſchwer—
lich weigern, da es ein Zeugniß gilt. Ich lege
es zunächſt an meinem Theile ab; ich werde es
aber meinen näheſten Freunden mittheilen, und
wenn meine Worte ihren Sinn treffen, werden
ſie ſich durch ihre Unterſchrift dazu bekennen.

Wenn das was von genannter Conferenz be⸗
treffs Ihres Nordamerikaniſchen Kirchenſtreites
geurtheilt worden iſt, Geſammtausdruck der lu⸗
theriſchen Kirche Deutſchlands wäre, ſo müßte
dieſelbe allerdings mindeſtens eines allgemeinen
Irrthums geziehen werden. Laſſen Sie mich
aber den Hergang jener Verhandlungen einfach
berichten, um zu zeigen, daß

weder die Stimme der Conferenz auch die
Stimme des lutheriſchen Deutſchlands war;
noch alle Conferenzmitglieder, welche nicht
förmlich proteſtirt haben, auch beigeſtimmt
haben; noch endlich alle Conferenzmitglie⸗

der, welche beigeſtimmt haben, dies zufolge
einer falſchen Lehre von Kirche und Amt
gethan haben.
Gott wolle mich dabei vor Unrichtigkeit und
Unrecht nach beiden Seiten hin bewahren!
I.

Die Stimme der Conferenz war nicht die
Stimme des lutheriſchen Deutſchlands
überhaupt.

Gemäß dem einladenden Ausſchreiben ſollte
die Conferenz nicht einen allgemeinen, ſelbſtän⸗
digen Character tragen, ſondern vielmehr als

eine an das Miſſionsfeſt ſich anſchließende Be⸗

ſprechung ſich verhalten.
Mitgliederzahl geringer als früher. Aus Baiern

Darum war die

waren nur 2 Paſtoren, die Miſſionsabgeordneten

Diezel und Heller, zugegen. — Paſt. Brömel aus
Lauenburg—der in Ausſicht ſtehende Nachfolger
Catenhuſen's —, welcher ſchon ſeit Längerem für
die reine Lehre von der Rechtfertigung u. Kirche

aufgetreten iſt, war am andern Tage bereits ab⸗
gereiſt, als Ihre kirchlichen Angelegenheiten zur
Sprache kamen; er hat ſich gegen das Verfahren
der Conferenz erklärt in einem Aufſatze „die

unſichtbare Kirche? (Rudelb.—Guer. 1854, II).—
In Breslau, wohin ſich Grabau und v. Rohr
von Leipzig aus begaben, ſind von einer Paſto⸗

ralconferenz zwar ihre Sätze in genere bejaht,

in specie aber ſie ſelbſt ſolchermaßen bedeu tet
worden, daß ſie ſpäter für gut befanden, dagegen
(als ob ſie jenen Vorhalt ſich angenommen hät⸗
ten) unter Vorwand eines Mißverſtändniſſes zu
remonſtriren (Preuß.— luth. Kirchenblatt von

Ehlers 1853, 19 p. 236 sq. ef. 1854, 1, p.

16).— Daß endlich Harleß in dieſem Puncte
keineswegs mit der Leipziger Conferenz. deren
früherer Präſident er war, einverſtanden iſt,
kann ich mit Gewißheit ſagen; wie er es auch
in der Vorrede zu ſeiner neueſten Schrift „Kirche
und Amt'' ausgeſprochen hat.

Hiemit habe ich nur einen flüchtigen Ueberblick
gethan. Dennoch läßt ſich daraus ſoviel erken⸗
nen, daß die Leipziger Conferenz ſchon der äu⸗
ßeren Vertretung nach nicht als der Mund für

die ganze lutheriſche Kirche Deutſchlands gelten

kann; zumal da von Abweſenden (und zwar
hoi docuntes styloi einai Gal. 2, 9.) Wider⸗
ſpruch erhoben worden iſt.
II. ö ö
Allein nicht bloß auswärts, auch innerhalb
der Conferenz hat der Widerſpruch betreffs der
Nordamerikaniſchen Streitfrage beſtanden.
Nicht alle Mitglieder, welche nicht förmlich
proteſtirt haben, haben darum beige⸗
ſtimmt; ſondern ſie haben ſich ein⸗
fach der Abſtimmung enthalten.
Ich ſelbſt bin unter ihnen, und weiß mir bis
dieſe Stunde kein Gewiſſen darüber zu machen.
Münchmeyer trug am letzten Tage der Conferenz
die Fragen vor, auf welche Die vonBuffalo Ant⸗
wort begehrten, nachdem er die mit ihnen ge⸗
pflogene Vorbeſprechung kurz mitgetheilt hatte.
Er erklärte dabei, daß die Fragen „abſichtlich
„ganz allgemein gehalten ſind. Es ſchien nicht
„gerathen, hier in die perſönlichen Verhaͤltniſſe

English translation

Not yet translated.