# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 06 22_S173 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) .* . Kleinod in unſere Kirche wieder einführen woll⸗ ten, an dem theuren Herrn Dr. Harleß einen Mann geſchenkt hat, der nicht nur die hohe Ver⸗ antwortlichkeit, die ihm ſein hohes Wächteramt in unſerer geliebten Kirche reinen Bekenntniſſes auferlegt, lebendig erkannt hat, ſondern der auch eine ebenſo große Treue und Einfalt, als Bega⸗ bung in jeder Beziehung beſitzt, um als Vor⸗ kämpfer für das theuer errungene Kleinod der reinen Lehre unſerer Kirche an der Spitze der anderen Kämpfer zu ſtehen. — Wir laſſen nun die Harleß'ſchen Theſen ſelbſt folgen. Ohne die unter denſelben ſtehenden Zeugniſſe aus Luthers Schriften; nicht darum, weil wir dies wegen der in unſerer Schrift: „Die Stimme unſerer Kirche,“ bereits gegebenen Zeug⸗ niſſe aus Luther für überflüſſig achteten; viel⸗ mehr müſſen wir geſtehen, daß ſich eine ziemliche Anzahl Luther'ſcher Belegſtellen in der Harleß'⸗ ſchen Schrift vorfindet, die wir nicht aufgeführt haben und die mehrere von uns dunkel gelaſſene wichtige Punkte in ein helles Licht ſetzen. Wir theilen die Citate nur wegen des beſchränkten Raumes unſeres Blattes nicht mit, und hoffen, „daß ſich wenigſtens unſere ſämmtlichen Paſtoren das Schriftchen ſelbſt beſchaffen werden, um da⸗ durch immer tiefer in eine Lehre eingeführt zu werden, die ſchon an ſich von ſo hoher Wichtig⸗ keit iſt und um welche ſich gerade jetzt und gera⸗ de hier ein in die Entwicklung unſerer Kirche ſo tinſchneidender Kampf bewegt. Wir wenigſtens müſſen es mit Dank gegen Gott erkennen und betennen, daß wir dieſer Schrift nicht nur Stär⸗ kung in der bereits erkannten Wahrheit, ſondern auch höchſt wichtige weitere Belehrungen ver— danken. Der Theſen ſind achtzehn. Es ſind folgende: 3.1. Man muß bei dem Streit über die Lehre von Kirche und Amt nicht mit Kirche, Amt, geiſtlich Prieſterthum u. ſ. w. anheben, ſondern mit Chriſto und der Art, wieder heil. Geiſt, der vom Vater und vom Sohne aus- geht, auf Erden ſein Werk hat und Chriſti Reich gründet u. baut. Das führt zuerſt zum Verhältniß des heil. Geiſtes, nicht zu Kirche, Amt, geiſtl. Prieſterthum und dgl, ſondern zum Wort des Evangeliums. 9. 2. Da iſt gewiß, was Luther ſagt: „das Wort iſt die einzige Brücke und Steig, durch welche der heil. Geiſt zu uns kommt.“ §. 3. Das iſt das „leibliche oder ſchriftliche Wort, in Buchſtaben gefa ßt,“ gleichviel zunächſt ob gepredigt und gehört, oder geleſen und betrachtet. Wo dies Wort iſt und wirkt, da iſt und wirkt der heilige Geiſt, und wo er iſt und wirkt, da iſt dil Kirche. 6.4. Wenn die durch das Wort wirkſame Gegenwart des heiligen Geiſtes die Kirche grün⸗ det, baut und erhält, ſo muß darnach vor Allem beſtimmt werden, was und wo die Kirche ſei, und man darf ſich nicht durch eine fähr⸗ liche Mehrdeutigkeit des Wortes Kirche irren laſſen. 0. 5. Wenn die Kirche weſentlich die von der Wirkſamkeit des heiligen Gei⸗ —171— ſtes durchs Wort zum Glauben an das Evangeliumgebrachte Gemein⸗ ſchaft und in dieſem Glauben ein chriſtlich, heilig Volk iſt, ſo folgt, daß ſie in dieſem ihrem weſentlichen u. wirklichen Daſein unſichbar, und daß die Kirche, das Dafein eines heiligen, chriſtlichen Volks (congregatio sanctorum et vere credentium) in dieſer ſeiner weſentlichen Wirklichkeit, kein Sehartikel, ſondern ein Glau⸗ bensartikel iſt. 9. 6. Weil aber Chriſtus der Herr in Kraft des heiligen Geiſtes vornemlich durch das Wort, ſodann durch die Sacramente als ſichtliche Mittel ſein heilig, chriſtlich Volk, die „inwendige Chriſtenheit, gründet, baut und erhält, ſo hat die Kirche folgerichtiger Weiſe auch ihre ſich t- baren Zeichen kraft der gottgeordneten Mit⸗ tel ihrer Gründung und Erhaltung. §. 7. Dieſer Zuſammenhang der unſichtba⸗ ren Kirche mit ihren von ihr dargebotenen und darzubietenden ſichtbaren Zeichen, beſſer Gnaden⸗ mitteln, oder das gottgeordnete Wechſelverhält⸗ niß zwiſchen der „geiſtlichen, innerlichen Chriſten⸗ heit“ und der „leiblichen, äußeren Chriſtenheit“ (externa societas signorum ecclesiae) verhält ſich aber nicht wie bei dem natürlichen Men⸗ ſchen die untrennbare Einheit von Seele und Leib, ſo daß, wo der Leib iſt, auch die Seele ſein müßte, oder wo die ſichtbaren Zeichen der wahren Kirche ſind, auch ein wirklich chriſt⸗ liches heiliges Volk mit Naturnothwen⸗ digkeit beſtehen müßte; ſondern es bleibt auch da das wirkliche Daſein der wahren Kirche ein Glaubensartikel und zwar kraft des Glau⸗ bens, daß wo Wort und Sacrament hauter iſt, Gott ſich nicht unbezeugt laſſe. Aus dem blo⸗ ßen Aufweis des äußern Beſitzes der ſichtlichen Gnadenmittel folgt noch nicht ein ſichtlicher Beweis für das Daſein eines wahrhaft gläubigen, chriſtlichen, heiligen Volkes. §. 8. Weil da, wo die äußerliche Gemein⸗ ſchaft der wahren Zeichen der Kirche, des Worts und der Sacramente iſt, nicht mit Naturnoth⸗ wendigkeit folgt, daß der heilige Geiſt überall ohne Widerſtreben empfangen werde und ſein Werk habe, alſo auch da das wirkliche Vor⸗ handenſein einer wahren Chriſtenheit ein Glau⸗ bensartikel, das einzig ſichtbare und untrügliche Zeichen aber allein das Daſe in der lautern Pre⸗ digt und ſtiftunggemäßen Sacramentſpende bleibt, ſo darf auch nicht eine ſichtbare Ei⸗ nigkeit und Reinheit zum Zeichen der wahren Kirche gemacht werden. §. 9. Es iſt alſo die Kirche, trotz aller Sün⸗ den und Gebrechen, ihrem äußern Beruf un dZeichen nach die rechte, wenn ſie Wort und Sacrament rein und lauter hat und reicht; während den Perſonen nach, oder nach der Kirche innerm Weſen und Beſtand, die Kirche nur dann die rechte, wahre Chriſtenheit iſt, wenn und wo ihre Glie⸗ der Chriſtum in Einheit ſchriftge⸗ mäßen Glaubens recht erkennen ſund bekennen. 9. 10. Dieſe Darreichung des Worts in gläubigem Bekenntniß, des Wortes mit ſeiner bindenden und löſenden Kraft, iſt urſprüng⸗ licher und grundlegender Weiſe ein Beruf aller Chriſten, des ganzen heiligenſchriſtlichen Volkes. § 11. Der Sonderberuf des Amts in der Gemeinde wird nur dann recht feſtgehalten, wenn man zwiſchen prieſterlichem und dienerlichem Beruf wohl unterſcheidet, u. andrerſeits das Weſen des Dienſtes am Worte in nichts Anderem ſucht, als in dem, was auch jedem gläubigen Chriſten kraft ſeines prieſterlichen Berufs zu⸗ kommt. §. 12. Hieraus folgt indeſſen nicht im Min⸗ deſten, daß das was ſeinem Weſen nach Beruf aller gläubigen Chriſten iſt, gle ichförmig von Allen ausgeübt werde. Im Gegentheil, vben weil alle den Beruf haben, Chriſtum und die Tugenden deß, der uns von der Finſterniß errettet hat, zu verkündigen, ſo darf deßhalb es ſich nicht der Ein zelne herausnehmen, dies willkürlich vor der Gemeinde öffentlich zu thun, ſondern hat dafür beſondere Wahl oder Berufung abzuwarten, wie die gläubige Ge⸗ meinde ſchon ordnungsgemäß es für ihre Pflicht erachtet, für ſolche Wahl oder Berufung zu ſor⸗ gen. §. 13. Eben ſo wenig folgt aus der von der Gemeinde ausgehenden, ordnungsmäßi⸗ gen Wahl oder Berufung in das Amt, das die Verſöhnung predigt, daß ſolches Amt ein blo⸗ ßer Gemeindedienſt, eine Gemein⸗ deordnung, eine Gemeindevoll macht ſei; ſondern eben weil die gläubige Gemeinde in ſolchem Dienſt Stiftung, Ordn ung un d Vollmacht Chriſti erkennt, der durch ſein Wort und den Dienſt ſeines Wortes ſeine Chri⸗ ſtenheit gründet, baut und erhält, ſs beruft ſie zu ſolchem Amte. 5. 14. Während ſo die gläubige Gemeinde, das chriſtliche Volk, der Ordnung wartet und die von Chriſto geſtifteten Aemter beſtellt, wurzelt ſie bei dieſem Thun gar nicht auf einem Geſetz der Ordnung oder einer Vorſchrift der Son⸗ derung, ſondern auf einem Wort der Ver⸗ heihung, kraft deſſen der Herr allezeit ſeiner Gemeinde die ſonderlichen Gaben, ſo zur Erfül⸗ lung der beſondern Aemter noththun, zu geben verheißt; und dieſer Verheißung Erbe iſt nicht ein beſonderer, geſetzlich geſtifteter Stand, ſondern die ganze gläubige Gemeinde, welche der Herr durch Erfüllung ſeiner Verheißungglied⸗ lich ſondert. 5. 15. Man kann deßhalb wohl von einer beſondern Vollmacht, auch von beſonderer Amts⸗ begabung, nicht aber von einer beſondern Kraft und Gnade reden, die dem Amt an ſich inne⸗ wohnete; ſondern wo das Amt Kraft u. Gnade hat und bringt, da wur zelt dieſelbe im Wort, welches das Amt zu reichen hat, und alle Kraft und Gnade des Worts wurzelt in dem lebendigen Chriſtus, wel⸗ cher der Geber des Worts und Geiſtes und der §. 16. Weil das Wort, auf welches die Stifter des Amtes iſt. —