Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 117

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-28, Seite 117

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3

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an Unglauben, denn die heil. Schrift, in
deren Sinne die Erzählung ſollte wiedergegeben
ſtin, iſt nicht ein meuſchliches Fabelbuch, ſondern

Gottes eingegebenes und darum vollkommen

wahres Wort.—

an Schmälerung der Ehre Gottes,
tie Schöpfung des Menſchen aus Erde zu Got⸗
tes Ebenbilde mit Allem, was dazu gehört, iſt
die Krone der Schöpfung, —

an Schmälerung der Heilswahrheiten,
denn wenn wir uns Adam ſo vorſtellen ſollen,
daß er ſich kaum meſſen könnte mit den ſpäter

lebenden Menſchen, ſo wäre der Verluſt des

Ebenbildes Gottes nicht zu beklagen und die
Wiederherſtellung deſſelben zum wenigſten eine

Rggneichgültige Sache.

Genug hiervon.

Vir wenden uns noch zu einer andern Probe,

bei welcher wir, nach dem bisher Geſagten, kür—
zer ſein können. Dieſelbe betrifft

den Verluſt des Paradieſes.

Die heil. Schrift ſagt 1. Moſ. 3, 24.

„Und Gott der Herr trieb Adam aus und
lagerte vor dem Garten Eden den Cherubim
mit einem bloßen hauenden Schwert.“
Derhannöv. Kat. ſagt (Kurze Rel. Ge⸗

ſchichte S. 163.):

„Gott trieb ſie vermuthlich durch
Blitze oder durch einen entſtandenen Feu—
erſchlund aus der paradieſiſchen Gegend
hinweg.“

„Wir verwerfen nicht alle Vermuthungen auf
dem Gebicte der heil. Schrift ſchlechtweg, aber
ts gilt von ihnen, was von aller Auslegung,
Predigt und Lehrform gilt: ſie ſoll dem Glau—
ben ähnlich ſein nach dem Spruche:

„Hat Jemand Weiſſagung, ſo ſei ſie dem

Glauben ähnlich.“ Nöm. 12, 7.

Der ſchriftmäßige Glaube nun weiß bei die⸗
ſer Gelegenheit von nichts Anderem, als von
Cherubim. Das ſind (wie bekannt) Engel.

Der hannöv. Kat. aber übergeht die Engel
ganz und gar und bringt eine Vermuthung von

Blitzen und Feuerſchlünden.

Nun ſagt er zwar nicht, daß Gott der Herr
Blitze und Feuerſchlünde vor dem Garten gela⸗
gert, ſondern, daß er ſie damit ausgetrie⸗
ben habe, ſetzt auch das Wörtlein „ver muth⸗
lich“ hinz u. ‚ 3

Aber, 72˙7
YI) iſt eine Bemuthung i im Munde eines Leh⸗

rers mehr, als im Munde eines gemeinen Man⸗

nes,
2) iſt eine Vermuthung, die in Schrift und
Druck gefaßt iſt, mehr, als eine bloß mündliche,
3) Noch mehr iſt eine ſolche, die ſich findet in
tinem Volksſchulbuche, das zum Gebrauch be—

flmmt iſt für eine ganze Länderſtrecke in Deutſch⸗

land—
Demnach iſt eine ſolche Vermuthung nicht
weniger als ein Fingerzeig zum Verſiändniß der

heil. Schrift.

Wo zeigt nun dieſer Fingerzeig hin? — Eben

dahin, wo die Weglaſſung der Engel hinzeigt.

Denn wollte der Verfaſſer nun einmal vermu⸗
then, warum vermuthet er nicht lieber, daß Gott

*

Vorkämpfer

—115—

dieſe Austreibung durch dieſelben Diener, näm⸗
lich durch Engel, werde bewerkſtelliget haben,
durch welche er die Menſchen von der Rückkehr
zum Paradieſe abhalten ließ?

und warum läßt er ſeine Bermuthung nicht
gar weg?

Er hat ja eine ku rzgefaßte Geſchichte ge⸗
ben wollen. Dadurch gewinnt eine eingeſchal—
tete Vermuthung an Bedeutung; denn der Ver—
faſſer hat lieber die Kürze fahren laſſen, als

ſeine Vermuthung.

Warum? — darüber denke nach, lieber Leſer
und kannſt du keinen Grund finden, der aus dem
Glauben an die zuverläſſige Wahrhaftigkeit des
Wortes Gottes hervorgegangen iſt ſo erinnere
dich des Spruches:

„Was nicht aus dem Glauben gehet, das iſt

Sünde.“ Röm. 14, 23. ö

Gilt dir die heil. Schrift nicht als Gottes
eingegebenes und darum unfehlbares Wort, ſo
würde möglicher Weiſe dein Unglaube die Recht—

mäßigkeit meiner Anſchuldigung des hannöv.

Kat. beſtätigen. Gilt ſie dir aber als ſolches,,
ſo erzürne dich nicht über den, der denſelbigen

Glauben hat, bekennt und vertheidigt, ſondern

über den, der durch ſeine Vermuthungen über
die Austreibung aus dem Paradieſe,
über die Sprache der erſten Menſchen,
ſowie durch ſeine Lehrſätze von einem nicht
eingegebenen, ſondern nur unter außer⸗
ordentlichem Beiſtande Gottes geſchriebenen
Worte Gottes dieſen Glauben wankend zu ma⸗
chen droht — nicht über den, det das Aergerniß
richtet, ſondern über den, der das Aergerniß dar—
geſtellt hat.

Aber die bisjetzt vorgeführten Beiſpiele von
1610 üpverantwortlichen Weiſe, die Quelle al—
lerſchriſtlichen Erkenntniß verdächtig zu machen,
werden noch weit übertroffen von dem, wie der
Verfaſſer Geſchichte und Lehre von der Rin
Chriſti behandelt.

Doch davon in einem beſonderen Aufſatze.
(Fortſetzung folgt.)

(Für den „Lutheraner.“)

Karl Friedrich Wilhelm Catenhuſen,

weil. Superintendent des Herzogthums

Lauenburg, erſter geiſtlicher Aſſeſſor des

Königl. Conſiſtorii, Pastor primarius an

der St. Petrikirche, Ephorus der Gelehrten⸗
ſchule zu Ratzeburg.

Das Gekächtniß dieſes theuren Mannes

verdient auch in der Nordamerikaniſchen Luthe⸗

riſchen Kirche begründet zu werden, weil es den.

verheißenen Segen bringen wird, den das Ge—
dächtniß des Gerechten haben ſoll. Eine aus⸗
führliche gon einem Lauenburger genau und
ſchön gezeichnete Lebensbeſchreibung deſſelben
findet ſich in Nr. 66 u. 67 des SächſiſchenKirchen⸗

und Schulblattes, von der die gegenwärtige ein

Auszug iſt. — Der Selige war einer der erſten
unſerer evangeliſch
Kirche in unſerer Zeit, ein treuer Bekenner und
Diener des göttlichen Wortes, ein Prediger der

Gerechtigkeit allein aus dem Glauben, ein treuer,

mit vielen Früchten geſegneter Hirte ſeiner Heer⸗
de, ein rechter Vater eines ganzen Landes, ein
Mann mit einem Herzen voll Demuth und Ge⸗
horſam gegen Gott, voll Liebe Treue und Güte
gegen Menſchen, von Vielen verkannt und ohne
Grund geſch mabe, aber deſto mehr und mit
Grund von Vielen geliebt und verehrt. Was

das Weſen lutheriſcher Frömmigkeit characteriſirt:

vor Allem unbedingtes felſenfeſtes Halten am
Worte Gottes, ein Stehen auf dem Worte, das
alle Höhen und Tiefen menſchlicher Weisheit da⸗
gegen für nichts achtet und kein höheres Gut
auf der Welt kennt, als dieſes Wort; ein bren⸗
nender Eifer für die reine Lehre und das ſchrift⸗
gemäße Bekenntniß der Kirche, der im Kampfe
für das Heiligthum Gottes keinen Fuß breit
weicht und Alles für daſſelbe hinzugeben bereit
iſt, der es mit Schmerz zwar, aber mit Stand⸗
haftigkeit und Freudigkeit zu Gott trägt, wenn
er von ſonſt lieben aber irrenden Brüdern um
des Bekenntniſſes willen verkannt und geſchmäht
wird; tiefer Ernſt der Buße und Sündener⸗
kenntniß und fröhlicher allezeit getroſter Glaube
an die zugerechnete Gerechtigkeit Chriſti; kindlich
frohe Zuverſicht in der Gewißheit der Rechtfer⸗

ſtigung und ein von allem ſauern geſetzlichen

Weſen weit entfernter aber deshalb nicht minder
gründlicher Ernſt der Heiligung; Innerlichkeit
des Setlenverkehrs mit Gott, die am liebſten
ver der Welt verborgen mit Chriſto ein Leben in
Gott führt, aber dabei jener prieſterliche Sinn
und jener Bekennermuth, der auch in die Welt
aus gehen will mit dem Zeugniſſe von Chriſto
zur Rettung der Seelen und zur Mehrung des
Reiches Gottes, verbunden mit der ächten alt—
proteſtantiſchen Nüchternheit, die ſich weder auf
die Wege ſentimentaler Askeſe noch auf die ſelbſt⸗
gemachte en Dienſte verlocken läßt, ſondern vor
Allem in treuer Erfüllung des göttlich angewie⸗
ſenen Berufes dienen und Seelen gewinnen
will; ja, was wir von den Vätern unſerer Kirche
rühmen: die männliche Stärke und Tapferkeit,

lutheriſchen

vereint mit kindlicher Weichheit und Milde, der

hohe Crnſt des Streiters Chriſti, vereint mit
kindlicher Fröhlichkeit und Hin gebung, die allezeit
tragende und hoffende Liebe, die uterbirtsten
unter göttliche nnd menſchliche Ordnung, der
Eifer und der eiſerne Fleiß, die Standhaftigkeit
unter dem Kreuze, die Demuth gegen Gott und
auch gegen Menſchen — das Alles fand ſich auch
an ihm und hat ihn uns als einen treuen Sohn
der Kirche charackertſirt, in dem der Geiſt Luthers
und der Reformatoren lebte. Und das iſt in
unſerer Zeit etwas Großes! ö

Carl Friedrich Wilhelm Catenhuſen ward am
24. Aug. 1792 zu Ratzeburg im Herzogthum
Lauenburg geboren. Sein Vater, Lehrer an der
Töchterſchule in Natzeburg, war ein frommer,
ſtreng rechtlicher Mann, der ihn von früh an
zur Gottesfurcht und allem Guten anhielt. So
ward ihm das hohe Gut einer einfach bürger⸗
lichen criſtlichen Erziehung zu Theil und der
Segen derſelben begleitete ihn durch ſeine ganze
Lebenszeit. Denn obgleich ſeine Jugend in ein
Zeit fiel, wo in Deuiſchland das Bekenntniß vor
Chriſto durch den herrſchenden Unglauben faf

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