Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 110
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-28, Seite 110
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 3 · Anhang
en unſeren Brüdern die Gnade ihres Gottes,
Himmel und Seligkeit anbieten, obgleich wir
wüßten, daß viele, daß Tauſende, daß Millionen
dieſe unausſprechlichen Schätze der Ewigkeit nicht
annehmen würden 2—
Doch, meine Lieben, mag immerhin Tauſen⸗
den das Buch der Bücher vergeblich angeboten
werden, das Werf der Bibelverbreitung bleibt
dennoch ein unausſprechlich geſegnetes Werk.
Oder iſt es etwa ein geringer Segen, wenn
tauſend Bibeln vertheilt werven und wenn durch
dieſelben auch nur Eine Seele zur Erkenntniß
ihres Heils gebracht, errettet und ſelig gemacht
würde? Zagt nicht der Herr: „Was hülfe es
dem Menſchen, wenn er die ganze Welt gewön⸗
ne, und nähme Schaden an ſeiner Seele? „Iſt
alſo nicht Eine Seele mehr werth, als die ganze
Welt und alle ihre Schätze? Was für ein un⸗
ausſprechlicher Segen wäre es daher, wenn wir
auch jahrelang das heilige Werk der Bibelver⸗
breitung unterſtützt hätten, wenn dadurch auch
nur Eine, zum ewigen Leben geſchaffene, Seele
errettet worden wäre? Hat nicht der Sohn Got⸗
tes für iede einzelne ſein ganzes Blut vergoſſen?
Würde er daher nicht, wenn auch nur Eine Seele
bei ſeiner Erlöſung vergeſſen worden wäre, noch
einmal für ſie leiden und ſterben? Freuen ſich
nicht, wie er ſelbſt ſagt, alle Engel Gottes, freut
ſich nicht der ganze Himmel über Einen Sünder,
der Buße thut, mehr, denn über neun und neun⸗
zig Gerechte, die der Buße nicht berürfen? Und
wix ſollten es für ein Geringes achten, wenn
duͤrch unſer armſeliges Scherflein nur Eine Seele
des ewigen Lebens theilhaftig gemacht würde?
Doch, meine Lieben, meinet nicht, daß durch
die jetzt zu Millionen verbreiteten Bibeln nur
hie und da Eine Seele zum Himmel geführt
weide. So groß auch die Anzahl derjenigen iſt,
in deren Häuſern die Bibel im Staube liegt, ſo
giebt es doch noch Tauſende und aber Tauſende/
denen die Bibel ein Schlüſſel wird, womit ſie
ſich und anderen den Himmel erſchließen.
Bedenket, was für einen Segen hat die ein⸗
zige Bibel geſtiftet, welche einſt Luther in ſeinem
einſamen Kloſter fand! Darin fand er nicht
nur ſelbſt das lange vergeblich geſuchte Heil: wie
viele Millionen Seelen würde auch das Papſt⸗
thum mehr verſchlungen haben, wäre nicht Lu—
ther durch das Licht der Bibel erleuchtet worden,
das Geheimniß der antichriſtiſchen Bosheit zu
entdecken und die reine evangeliſche Lehre wie—
der zu verkündigen! Wohin würde es auch mit
den vielen verſchiedenen Secten unſerer Tage
gekommen, in wie viel ſchrecklichere Irrthümer
würden ſie gefallen und wir viel mehr Seelen
würden dadurch um ihre Seligkeit gekommen
ſein und noch kommen, wenn nicht gerade in den
letzten 100 Jahren die Bibel ſo allgemein ver—
breitet worden wärel Es iſt nun ja freilich
wahr, es iſt von unberechenbarer Wichtigkeit,
daß Gott neben ſeinem geſchriebenen Worte auch
das beil. Predigtamt eingeſetzt hat, damit durch
daſſelbe die Schrift auch ausgelegt werde; aber
was würde die mündliche Predigt ausgerichtet
baben und noch ausrichten, koͤnnten die erweck—
en Zuhörer nicht daheim in der Stille ihrer
Kammer in der Schrift forſchen, ob ſich's alſo
halte, wie ihnen gepredigt worden? Wie feſt
werven unter anderen in der rbmiſchen Kirche
Millionen Seelen in den allergräulichſten Irr⸗
thümern gehalten, da man in dieſer Kirche nicht
nur lehrt, daß die ſogenannten Traditionen mit
gleicher Ehrfurcht anzuſehen ſeien, wie das ge⸗
ſchriebene Wort Gottes, ſondern auch dem Laien
das Leſen, ja das Haben des Buches Gottes in
ſeiner Mutterſprache unter Androhung des Ban⸗
nes verbietet! r A4 2¹⁷
Wer⸗mag daher den Segen der Verbreitung
der Bibel in der Mutterſprache ausrechnen?
Wer mag die Gnadenregungen und Bewegun⸗
gen zählen, die in allen denjenigen vorgingen
und vorgehen, welche in dem heil. Bibelbuche ge⸗
leſen haben und noch leſen? Erſt die Ewigkeit
wird dieſe Geheimniſſe der göttlichen Gnade ent⸗
decken. Da werden wir ſehen, daß laut der gött⸗
lichen Verheißung auch nicht Ein Bibelbuch ver⸗
geblich gedruckt, nicht Eines vergeblich in die
Hand eines Menſchen gekommen, nicht Eines
vergeblich geleſen worden ſei, ſondern daß ein
jedes ausgerichtet hat, wozu der Herr es geſen—
det hatte, dem einen nehmlich zur wirklichen Er⸗
langung der Seligkeit, dem andern hingegen
doch zu einem Zeugniß, daß Gott ſeine Seligkeit
gewollt hat. L4 851
ſo laßt uns denn heute uns herzlich freuen
und Gott preiſen und loben, daß er uns erweckt
hat und es uns hat gelingen laſſen, uns zu ge⸗
meinſamer Verbreitung des heil. Bibelbuches zu
verbinden. Dadurch nehmen wir Theil an der
Ausführung der großen Gnadenheimſuchung un⸗
ſerer letzten Zeit; dadurch treiben wir mit das
Werk der allerlauterſten und allerreinſten Miſ⸗
ſlon; dadurch werden wir Mithelfer und Mit—
arbeiter Gottes an der Rettung und Seligma⸗
chung der Welt; und ſo wir das Unſrige aus
Liebe zu Chriſto und zu den durch Ihn erkauf⸗
ten Seelen dazu beitragen, ſo wird auch das ge⸗
ringſte dafür von uns geopferte Scherflein nicht
verloren ſein; es wird uns dort ausgewechſelt
werden mit erretteten Sündern und mit einem
überſchwänglich herrlichen Gnadenlohn ewiger
Freude. Ja, ſelig iſt, wer hier voll Glaubens
und Liebe mit an dem Werke Theil genommen,
daß das Buch Gottes in aller Menſchen Hände
komme I— der wird einſt am jüngſten Tage nicht
erſchrecken, wenn dieſes Buch aufgethan wird
von dem ewigen Richter; denn dieſes Bch wird
ihn nicht verdammen, ſondern losſprechen.—
Ach Herr Jeſu, das hilf' uns allen!—
Schreib' unſern Ram'n auf's Beſit
In's Buch des Lebens ein,
Und bind' unſ'r Seel ſein ſeſte
In's ſchöne Bündeltin
Der'r, die im Himmel grünen
Und vor dir leben frei,
So wollen wir ewig riihmen,
Daß dein Herz treue ſei. Amen!
211 1252
+1◻ + *
Allerneueſte wichtige Entdeckung.
Der „Lutheran Observer“ vom 20. Januar
d. J. berichtet ſeinen Leſern, daß vor kurzem ein
Herr Kohlmann, Paſtor zu Horn bei Hamburg
ein altes Manuſcript von der Hand des berüch—
*
tigten Bremer Hardenberg aufgefunden habe, in
welchem bezeugt ſei, daß Luther noch kurz vor ⸗
ſeinem Tode gegen Melanchton ſeinen Kampfn
gegen Hie Sacramentirer widerrufen habe. —
Was doch die Leute in dieſem „Jahrhundert der
Entdeckungen,“ wie es im Observer heißt, alles
entdecken! Nach dieſem Beiſpiel zu urtheilen,
wird man ſicher in dieſem neunzehnten Jahrhun⸗
dert noch das Pulver und die Buchdruckerkunſt
erfinden und America entdecken, ſo daß die ſchon
undankbar genug behandelten Berthold Schwarz,
Guttenberg und Columbus vollends allen Credit
verlieren. Denn bekanntlich iſt jene von dem
„Observer““ bekanntgemachte Entdeckung des
neunzehnten Jahrhunderts bereits im 16. Jahr⸗
hundert gemacht worden, 5 Jahre nach Melanch⸗
tons Tode, aber freilich erſt nach dem Tode
deſſelben. Seit dieſer Zeit erzählte man ſich jene
Geſchichte in ganz Deutſchland als die bekannte
„Heidelberger Landlüge“ bis zu An⸗
fange des neunzehnten Jahrhunderts. Mit
Anfang deſſelben verlor ſie ſich wieder auf Tage,
Wochen und Jahre, bis ſie endlich, wie der
„Observer““ verkündigt, in Rorddeutſchland.
wieder attrapirt und über London nach Gettps⸗
burg erpedirt und von da der amerien niſchen Welt
communieirt worden iſt. Da der „Lutheraner“,
ſchon einmal dieſe dicke fette Lüge gegen Herrn
Nollau, d. Z. in St. Louis, widerlegt hat (ſiehe
Jahrgang 2. Nro. 12.), ſo verweiſt er die Leſer
dorthin, erſucht aber den Perrn „Observer'e,
dieſeAnſern Beiträge zur Biographie jents
neualten Mährchens gefälligſt ſeinen Leſern nicht
vorzueuthalten.
Neue politiſche Zeitſchriften.
Es iſt erfreulich, zu bemerken, daß das Ver⸗
langen, Kunde von den gegenwärtigen Zeiter⸗
eigniſſen nicht mehr vermittelſt der ſataniſchen
Preſſe zu erhalten, immer größer und daß dieſem
Verlangen mehr und mehr durch das Erſcheinen
von ſolchen politiſchenOrganen entſprochen wird,
welche dem Leſer jene Kunde bringen, ohne den⸗
ſelben zugleich mit Läſterungen über das Heilige
und mit Zoten zu beſchmutzen. Die Stunde,
wo den hieſigen atheiſtiſchen Zeitungsſchreibern
das Monopol endlich genommen wird, ſcheint
geſchlagen zu haben. In den letzten Wochen
ſind uns zwei neue politiſche Wechſelblätter zu⸗
gekommen, welche beide den Zweck ausſprechen,
Chriſten zu einem Organe für ihre Orientirung
auf dem weltlichen Gebiete zu dienen. Das er⸗
ſtere kommt in Louisville, Ky., unter dem Titel:
„Wächter im Weſten“ heraus. Das Blatt
wird von einer Geſellſchaft „evangeliſcher“ (unir⸗
ter und reformirter) Proteſtanten je wöchentlich
einmal h erausgegeben und von einem Herrn Leo⸗
pold Mader redigirt. Das andere Blatt er⸗
ſcheint in Buffalo unter dem Titel: „Zeit⸗
ſchrift für Staats⸗, Schul⸗ und Bür⸗
ger⸗Sachen,“ redigirt von Herrn Conrad
Bär, dem Herausgeber des von Herrn P. Gra⸗
bau redigirten „Informatorium.“ Es iſt ditſe
Zeitſchrift der von Herrn Bär früher publicirte
„Schul- und Hausfreund“ in veränderter Form.
English translation
Not yet translated.