# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1854 02 28_S117 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) an Unglauben, denn die heil. Schrift, in deren Sinne die Erzählung ſollte wiedergegeben ſtin, iſt nicht ein meuſchliches Fabelbuch, ſondern Gottes eingegebenes und darum vollkommen wahres Wort.— an Schmälerung der Ehre Gottes, tie Schöpfung des Menſchen aus Erde zu Got⸗ tes Ebenbilde mit Allem, was dazu gehört, iſt die Krone der Schöpfung, — an Schmälerung der Heilswahrheiten, denn wenn wir uns Adam ſo vorſtellen ſollen, daß er ſich kaum meſſen könnte mit den ſpäter lebenden Menſchen, ſo wäre der Verluſt des Ebenbildes Gottes nicht zu beklagen und die Wiederherſtellung deſſelben zum wenigſten eine Rggneichgültige Sache. Genug hiervon. Vir wenden uns noch zu einer andern Probe, bei welcher wir, nach dem bisher Geſagten, kür— zer ſein können. Dieſelbe betrifft den Verluſt des Paradieſes. Die heil. Schrift ſagt 1. Moſ. 3, 24. „Und Gott der Herr trieb Adam aus und lagerte vor dem Garten Eden den Cherubim mit einem bloßen hauenden Schwert.“ Derhannöv. Kat. ſagt (Kurze Rel. Ge⸗ ſchichte S. 163.): „Gott trieb ſie vermuthlich durch Blitze oder durch einen entſtandenen Feu— erſchlund aus der paradieſiſchen Gegend hinweg.“ „Wir verwerfen nicht alle Vermuthungen auf dem Gebicte der heil. Schrift ſchlechtweg, aber ts gilt von ihnen, was von aller Auslegung, Predigt und Lehrform gilt: ſie ſoll dem Glau— ben ähnlich ſein nach dem Spruche: „Hat Jemand Weiſſagung, ſo ſei ſie dem Glauben ähnlich.“ Nöm. 12, 7. Der ſchriftmäßige Glaube nun weiß bei die⸗ ſer Gelegenheit von nichts Anderem, als von Cherubim. Das ſind (wie bekannt) Engel. Der hannöv. Kat. aber übergeht die Engel ganz und gar und bringt eine Vermuthung von Blitzen und Feuerſchlünden. Nun ſagt er zwar nicht, daß Gott der Herr Blitze und Feuerſchlünde vor dem Garten gela⸗ gert, ſondern, daß er ſie damit ausgetrie⸗ ben habe, ſetzt auch das Wörtlein „ver muth⸗ lich“ hinz u. ‚ 3 Aber, 72˙7 YI) iſt eine Bemuthung i im Munde eines Leh⸗ rers mehr, als im Munde eines gemeinen Man⸗ nes, 2) iſt eine Vermuthung, die in Schrift und Druck gefaßt iſt, mehr, als eine bloß mündliche, 3) Noch mehr iſt eine ſolche, die ſich findet in tinem Volksſchulbuche, das zum Gebrauch be— flmmt iſt für eine ganze Länderſtrecke in Deutſch⸗ land— Demnach iſt eine ſolche Vermuthung nicht weniger als ein Fingerzeig zum Verſiändniß der heil. Schrift. Wo zeigt nun dieſer Fingerzeig hin? — Eben dahin, wo die Weglaſſung der Engel hinzeigt. Denn wollte der Verfaſſer nun einmal vermu⸗ then, warum vermuthet er nicht lieber, daß Gott * Vorkämpfer —115— dieſe Austreibung durch dieſelben Diener, näm⸗ lich durch Engel, werde bewerkſtelliget haben, durch welche er die Menſchen von der Rückkehr zum Paradieſe abhalten ließ? und warum läßt er ſeine Bermuthung nicht gar weg? Er hat ja eine ku rzgefaßte Geſchichte ge⸗ ben wollen. Dadurch gewinnt eine eingeſchal— tete Vermuthung an Bedeutung; denn der Ver— faſſer hat lieber die Kürze fahren laſſen, als ſeine Vermuthung. Warum? — darüber denke nach, lieber Leſer und kannſt du keinen Grund finden, der aus dem Glauben an die zuverläſſige Wahrhaftigkeit des Wortes Gottes hervorgegangen iſt ſo erinnere dich des Spruches: „Was nicht aus dem Glauben gehet, das iſt Sünde.“ Röm. 14, 23. ö Gilt dir die heil. Schrift nicht als Gottes eingegebenes und darum unfehlbares Wort, ſo würde möglicher Weiſe dein Unglaube die Recht— mäßigkeit meiner Anſchuldigung des hannöv. Kat. beſtätigen. Gilt ſie dir aber als ſolches,, ſo erzürne dich nicht über den, der denſelbigen Glauben hat, bekennt und vertheidigt, ſondern über den, der durch ſeine Vermuthungen über die Austreibung aus dem Paradieſe, über die Sprache der erſten Menſchen, ſowie durch ſeine Lehrſätze von einem nicht eingegebenen, ſondern nur unter außer⸗ ordentlichem Beiſtande Gottes geſchriebenen Worte Gottes dieſen Glauben wankend zu ma⸗ chen droht — nicht über den, det das Aergerniß richtet, ſondern über den, der das Aergerniß dar— geſtellt hat. Aber die bisjetzt vorgeführten Beiſpiele von 1610 üpverantwortlichen Weiſe, die Quelle al— lerſchriſtlichen Erkenntniß verdächtig zu machen, werden noch weit übertroffen von dem, wie der Verfaſſer Geſchichte und Lehre von der Rin Chriſti behandelt. Doch davon in einem beſonderen Aufſatze. (Fortſetzung folgt.) (Für den „Lutheraner.“) Karl Friedrich Wilhelm Catenhuſen, weil. Superintendent des Herzogthums Lauenburg, erſter geiſtlicher Aſſeſſor des Königl. Conſiſtorii, Pastor primarius an der St. Petrikirche, Ephorus der Gelehrten⸗ ſchule zu Ratzeburg. Das Gekächtniß dieſes theuren Mannes verdient auch in der Nordamerikaniſchen Luthe⸗ riſchen Kirche begründet zu werden, weil es den. verheißenen Segen bringen wird, den das Ge— dächtniß des Gerechten haben ſoll. Eine aus⸗ führliche gon einem Lauenburger genau und ſchön gezeichnete Lebensbeſchreibung deſſelben findet ſich in Nr. 66 u. 67 des SächſiſchenKirchen⸗ und Schulblattes, von der die gegenwärtige ein Auszug iſt. — Der Selige war einer der erſten unſerer evangeliſch Kirche in unſerer Zeit, ein treuer Bekenner und Diener des göttlichen Wortes, ein Prediger der Gerechtigkeit allein aus dem Glauben, ein treuer, mit vielen Früchten geſegneter Hirte ſeiner Heer⸗ de, ein rechter Vater eines ganzen Landes, ein Mann mit einem Herzen voll Demuth und Ge⸗ horſam gegen Gott, voll Liebe Treue und Güte gegen Menſchen, von Vielen verkannt und ohne Grund geſch mabe, aber deſto mehr und mit Grund von Vielen geliebt und verehrt. Was das Weſen lutheriſcher Frömmigkeit characteriſirt: vor Allem unbedingtes felſenfeſtes Halten am Worte Gottes, ein Stehen auf dem Worte, das alle Höhen und Tiefen menſchlicher Weisheit da⸗ gegen für nichts achtet und kein höheres Gut auf der Welt kennt, als dieſes Wort; ein bren⸗ nender Eifer für die reine Lehre und das ſchrift⸗ gemäße Bekenntniß der Kirche, der im Kampfe für das Heiligthum Gottes keinen Fuß breit weicht und Alles für daſſelbe hinzugeben bereit iſt, der es mit Schmerz zwar, aber mit Stand⸗ haftigkeit und Freudigkeit zu Gott trägt, wenn er von ſonſt lieben aber irrenden Brüdern um des Bekenntniſſes willen verkannt und geſchmäht wird; tiefer Ernſt der Buße und Sündener⸗ kenntniß und fröhlicher allezeit getroſter Glaube an die zugerechnete Gerechtigkeit Chriſti; kindlich frohe Zuverſicht in der Gewißheit der Rechtfer⸗ ſtigung und ein von allem ſauern geſetzlichen Weſen weit entfernter aber deshalb nicht minder gründlicher Ernſt der Heiligung; Innerlichkeit des Setlenverkehrs mit Gott, die am liebſten ver der Welt verborgen mit Chriſto ein Leben in Gott führt, aber dabei jener prieſterliche Sinn und jener Bekennermuth, der auch in die Welt aus gehen will mit dem Zeugniſſe von Chriſto zur Rettung der Seelen und zur Mehrung des Reiches Gottes, verbunden mit der ächten alt— proteſtantiſchen Nüchternheit, die ſich weder auf die Wege ſentimentaler Askeſe noch auf die ſelbſt⸗ gemachte en Dienſte verlocken läßt, ſondern vor Allem in treuer Erfüllung des göttlich angewie⸗ ſenen Berufes dienen und Seelen gewinnen will; ja, was wir von den Vätern unſerer Kirche rühmen: die männliche Stärke und Tapferkeit, lutheriſchen vereint mit kindlicher Weichheit und Milde, der hohe Crnſt des Streiters Chriſti, vereint mit kindlicher Fröhlichkeit und Hin gebung, die allezeit tragende und hoffende Liebe, die uterbirtsten unter göttliche nnd menſchliche Ordnung, der Eifer und der eiſerne Fleiß, die Standhaftigkeit unter dem Kreuze, die Demuth gegen Gott und auch gegen Menſchen — das Alles fand ſich auch an ihm und hat ihn uns als einen treuen Sohn der Kirche charackertſirt, in dem der Geiſt Luthers und der Reformatoren lebte. Und das iſt in unſerer Zeit etwas Großes! ö Carl Friedrich Wilhelm Catenhuſen ward am 24. Aug. 1792 zu Ratzeburg im Herzogthum Lauenburg geboren. Sein Vater, Lehrer an der Töchterſchule in Natzeburg, war ein frommer, ſtreng rechtlicher Mann, der ihn von früh an zur Gottesfurcht und allem Guten anhielt. So ward ihm das hohe Gut einer einfach bürger⸗ lichen criſtlichen Erziehung zu Theil und der Segen derſelben begleitete ihn durch ſeine ganze Lebenszeit. Denn obgleich ſeine Jugend in ein Zeit fiel, wo in Deuiſchland das Bekenntniß vor Chriſto durch den herrſchenden Unglauben faf