Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 113

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-28, Seite 113

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Jahresſchluß · Katechismus 3

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KEräſte der Verzweiflung. Da ſiehen ſich endlich
hiide Theile einander gegenüber, finſter und ſtil⸗
It, wie es vor dem Ausbruch eines ſchweren
Gewitters iſt. Ein einziger Schuß, und es
wäte losgebrochen in ſeinen verheerenden
Schauern und blutiger Kampf wäre entbrannt
und die Lutheriſchen hätten ihre gute Sache übel
beflekt. Doch der Geiſt des HErrn verhütete
ſolch großes Unglück. Er wandelte den Muth
ter Verzweiflung in hohen Glauben an Gottes
Corge, Gottes Hilfe und in Ergebung in ſeinen
dunkeln, aber ſeligen Rath. Die ſchweigenden
Reihen öffnen ſich, die Häuptlinge werden er⸗
griffen und fortgeführt und die Zurückbleibenden
bereiten ſich, um ſie trauernd, auf ein gleiches
Loos. Wahrlich, nun hätte ſelber der Feind
nicht mehr ſagen ſollen, daß die Lutheriſchen
Rebellen ſeien.

Am andern Tage wählten ſie ſich andere Vor⸗
ſeher, und ſegneten ſie ein zu dieſem gefahrvollen
Amte.

(Fortſetzung folgt.)

ö ö (Für den Lutheraner.)

6 Heidenmiſſion.
Der Ziſte Jahresbertcht der Ev. Lutheriſchen
RNiſſion auf das Jahr 1851-1852 enthält den
hei der letzten Jahresfeier vom Herrn Miſſions⸗
Bicrdirektor DiRac. Schneider in Leipzig erſtatte⸗
en Bericht. „Auf unſern 6 Oſtindiſchen Sta—
tonen wirkten 6 Miſſionare (Cordes und Ap⸗
helt in Trankebar, letzterer zugleich in Tirumen⸗
janam, Wolff in Poreiar, Ochs in Mayaveram,
Schwarz in Trichinopali mit Pudokottah und
Lunjore, Kremmer in Madras;) neben 2 Can⸗
üdaten, 2 Diaconen, 16 Catecheten, 12 Leſer,
Schullehrer, außerdem noch 15 untere Kir⸗
hendiener. In 26 Schulen wurden 874 Kin⸗
der unterrichtet. Die Zahl der getauften Chri⸗
knkinder betrug 113, der Confirmanden 42, der
gttauften Heiden 189, der Convertiten 100;
Lonmunicanten waren 1580, Trauungen 39,
Gcllorbene 93. Unſere dortige Gemeinde be⸗
ſand zuſammen aus 3080 Gliedern, die in 92
Otten zerſtreut wohnen. —

Die Einnahme war gegen das vorhergehende
gahr um 8050 Thaler 29mgr. 6 pf. geſtiegen.
der Bericht bemerkt dazu: „Mit beſonderem

Danke gegen Gott erfüllt uns die bedeutende
Beiſteuer aus unſerem Sachſen (über 3000 Tha⸗
lu,) wo die Theilnahme an unſerer Miſſion in
keten Zunehmen begriffen iſt. Die Evange⸗
lſch⸗Lutheriſche Kirche Preußens, die ärmſte un⸗
kr allen, hat auf's neue gezeigt, wie reich ihre
Gott gefällige Armuth iſt (über 2000 Thl. durch
das Ev. Luth. Oberkirchencollegium zu Bres⸗
lu.) Von Mecklenburg aus (über 1000 Thlr.)
berden uns nächſtens die Zinſen eines bedeu⸗
tnden Legates zu gewieſen werden. Kräftig, wie
iumer, hat uns auch in dieſem Jahre Bayern
beigeſtanden (über 3800 Thlr.), ungeachtet in
veiten Strecken des Landes die äußerſte Noth
überhand genommen hatte. Daneben treten na⸗
nentlich noch hervor Copenhagen (über 1300
Ulr.) und Han nover (über 2350 Thaler.)“

ö Sächſ. K. u. Sch. Blatt.

—111t—

Der „Friedensbote“
von Marthasville ſchreibt in ſeiner Februars⸗
nummer, daß der „Lutheraner“ ſich ſelbſt nicht

eutblödet habe, verläumderiſche Unwahr⸗

heiten über die „Evangeliſchen zu verbreiten,“
und ſetzt hinzu: „aber man ſchweigt und
denkt: es kann eben nicht anders ſein, da beide
Synoden“ (nehmlich auch die Buffalo-Synode)
„die Evangeliſche“ (unirt-evangeliſche) „Kirche
als eine falſchgläubige anſehen.“ Wunderbar!
Der liebe „Friedensbote“ ſagt: „Aber man
ſchweiget auf alle uns gemachten Vorwürfe“
und eben hat er geredet und dieſelben „ver⸗
läumderiſche Unwahrheiten“ genannt. Das
heißt in der That, ſich wohlfeil aus der Affaire
ziehen: den ſchweigenden Dulder ſpielen und
dabei Gift und Galle auf den Gegner ſpritzen.
Das iſt bisher immer dit Frieden sſtellung
des Herrn „Friedensboten“ geweſen. Aber dies⸗
mal kann es dabei unmöglich ſein Verbleiben
haben. Wir fordern vielmehr hierdurch den
„Friedensboten“ in allem Ernſte dazu auf, ſeine
Belege dafür zu bringen, daß der „Lutheraner“
„verläumderiſche Unwahrheiten über
die ſ. g. Evangeliſchen verbreitet habe.“ Widri⸗
genfalls wird der „Friedensbote“ ſelbſt ermeſſen,
wie Er anzu ſehen iſt. —Daß der „Friedensbote“
übrigens aus unſerem Streite mit Paſtor Gra⸗
bau, in welchem er, der „Friedensbote,“ wie wir
aus ſicherer Quelle wiſſen, der Miſſouriſynode
privatim Recht geſprochen hat,“) öffent⸗
lich Capital wider uns macht, auch falſch dar⸗
über berichtet, ſtimmt durchaus mit ſeinkr ſonſtig
documentirten unirten Moral überein. Wir
haben daher nichts weiter darüber zu erinnern.
Wir bemerken ſchließlich nur noch dieſes, daß die
in Deutſchland vorläüfig über unſere Sache ge⸗
fällten Urtheile noch keinesweges für die letzte
definitive Entſcheidung von Lutheranern in
Deutſchland anzuſehen ſind. Darf man ja doch
a Pa pa male informato ad papam melius in-
formandum appelliren d. h. vom unrichtig be⸗
richteten Pab ſt an den beſſer zu unterrichtenden
appelliren; wie vielmehr wird dies in Betreff ei⸗
ner lutheriſchen Conferenz erlaubt ſein, zumal
dieſelbe, leider! wider das Bekenntniß
unſerer lutheriſchen Kirche den Pabſt
nicht mehr für den Antichriſt halten will! Man
meine jedoch nicht, daß wir hiermit erklären wol⸗
len, daß Herr Paſtor Grabau wider ſein eigenes
Gewiſſen die Sache anders dargeſtellt habe, als
er dieſelbe nach ſeinem Informatorinm anſieht.
Darin irrt er aber jedenfalls, und darum ap⸗
pelliren wir a papa male informato ad papam
melius informandum.

Es verſteht ſich von ſelbſt, daß wir dies nicht darum er⸗
wähnen, weil wir eine günſlige Beurtheilung unſeres Handels
von Seiten der Herrn Unirten für uns ſchmeichelhaft achte⸗
ten, wir müſſen es rielmehr höchlich wüuſchen, mit beiſtim⸗

menden Aeußerungen derſelben verſchont zu werden, damit
hierdurch unſere Sache nicht in Verdacht gerathe.

Wo ſteckt der „Sendbote des Cvange⸗
liums?“

Wir haben bis dato nicht mehr, als die vier

erſten Rummern dieſes Blattes (der hieſigen

Wiedertäufer) erhalten. Grrade in den und.
nicht zugeſendeten Nummern ſoll aber der Send⸗
bote“ ſehr muthvoll gegen den „Luiheraner“
augehen. Es ſcheint, der „Sendbote“ leidet an
der Leidenſchaft des weiland Herrn von Münch⸗
hauſen, der bekanntlich am liebſten mit Feinden
kämpfte, die nicht auf dem Platze waren. Auch.
an jenes Böcklein will uns das Ausbleiben des
„Sendboten“ erinnern, das, auf dem Dache ſpa⸗
zierend, mit beiſpielloſen Muthe allem vorüber⸗
gehenden Gethier die furchtbarſten Wahrheiten
in's Geſicht ſagte. Es nimmt uns dies freilich
um ſo weniger Wunder, da bekenntlich die Wie⸗
dertäufer ſich immer ſehr tapfer und kühn bewie⸗
ſen haben. So hat Münzer vor der letzten
Schlacht in ſeiner Anrede an die Bauern u. A.
geſagt: „Ihr dürft das Geſchütz nicht fürchten;
denn ihr ſollt ſehen, vaß ich alle Büchſenſteine in
Ermel faſſen will, die ſie gegen uns ſchießen.“
Ja, erklärte er, „mit einem Filzhut würden ſie
fünfe todt werfen und die Büchſenſteine würden
zurückkehrer im Schießen und die Feinde tref⸗
fen.“ Wie dies alles Luther und Melanchthon
erzählen. Wer darf ſich alſo wundern, daß die
jetzigen Wiedertäufer eben ſo muthig ſind? Gott
gebe min, daß es ihnen nicht auch zuletzt wie
dem Münzer ergeht, der, als er ſterben ſollte, vor
Kleinmuth das apoſtoliſche Symbolum nicht
ſelbſt herſagen konnte, ſondern es ſich vorheten
laſſen unßte.

71 77⁷

ö Proſpeetus.
Der Unterzeichnete beabſichtigt, eine Samm⸗
lung von Kirchenmuſik, betitelt: „Cantica Sa-
cra“, auf Subſcription herauszugeben.
Jn dieſer Sammlung hofft er der Kirche eine
Auswahl der auserleſenſten und hbeliebteſten,
deutſchen und engliſchen vierſtimmigen Choräle
zu liefern, welche, in Rückſicht auf die Versart,
den verſchiedenen, jetzt üblichen, lutheriſchen

Geſangbüchern dieſes Landes angemeſſen ſein

und, der Geſangsweiſe der Zeit Luthers ſich
nähernd, mehr dem eigentlichen Charakter des
lutheriſchen Gottesdienſtes entſprechen werde.
Der Rhyrhmus des deutſchen Geſangs wird
dieß Werk von allen andern der Art in unſrer
Kirche in dieſem Lande mit Vortheil auszeichnen.

Die vortreffliche und berühmte Sammlung alter,

deutſcher, rhythmiſcher Kirchenmuſik des Dr. F.

Layriz, Deutſchland, ſoll dem deutſchen Theilt
dieſer Sammlung zum Grunde gelegt werden.

Die meiſten, wo nicht alle deutſchen Choräle,

welche es nöthig ſein wird in dieſe Sammlung

aufzunehmen, wird der Unterzeichnete mit großer
Sorgfalt aus der beſagten Sammlung von Dr.
F. Layriz ausleſen. Und damit der engliſche
Theil, ſo wie der deutſche, auch, ſo viel wir
möglich dem eigenthümlichen Charakter des luthe⸗
riſchen Gottesdienſtes entſprechen möge, wird der
Unterzeichnete ſich die Hülfe ſachverſtändiger und

urtheilfähiger Glieder der Kirche ſichern, um die

Auswahl aus den verſchiedenen bekaͤnnten eng⸗
liſchen Muſikſammlungen zu machen.

Das Werk wird drei- bis vierhundert Choräle
enthalten, nebſt einem Anhange von Pſalmodie
und andern auserleſenen Muſikſtücken. Deuiſche
und engliſche Worte aus den üblichen Geſang⸗
büchern werden, wenn möͤglich, zu allen Stücken
geſetzt. Es wird auch eine kurze Anweiſung in
den Anfangsgründen der Singkunſt enthulten;
ſo wie auch eine ſyſtematiſche Tabelle derVersarten,

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