Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 10, Nummer 15 › Seite 109
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1854-02-28, Seite 109
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gnadenwahlslehrſtreit. —— 33 · Katechismus 3
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und zu Ende ſeinés Briefes an die Coloſſer
ſchreibt er: „Und wenn die Epiſtel bei euch geleſen
iſt, ſo ſchaffet, daß ſie auch in der Gemeine zu
Laodirea geleſen werde, und daß ihr die von
Laodicea leſet,“ unter welcher letzteren Epiſtel
der Apoſtel wahrſcheinlich ſeinen Brief an die
Epheſer meint. Gäbe es nun endlich irgend ein
Buch, von welchem man, ſeiner natürlichen
Vernunft folgend, etwa dennoch muthmaßen
möchte,Waß es nicht jedermann leſen ſollte, Weil
es ſehr ſchwer zu verſtehen iſt, ſo iſt es ewih
die Offenbarung St. Johannis. Und
doch, wie heißt es ſelbſt zu Anfang dieſes Büchs?
Finden wir etwa wenigſtens da für Manche eine
Warnung vor dem Leſen deſſelben? Nein, das
Gegentheil. Es heißt nehmlich ſelbſt im Ein⸗
gange der Offenbarung St. Johannis: „Selig
ſſ, derda lieſet und die da hören die Worte
der Weiſſagung, und behalten, was darinnen
geſchrieben iſt.
Doch was ſuchen wir ſolche einzelne ausdrück⸗
liche Befehle zum Bibelleſen? Daß alle Menſchen
vit Bibel leſen ſollen, die es können, das iſt ſo
iſt geboten, ſo oft es den Apoſtehn geboten
iſt, allen Völkern das Evangelium zu
predigen, und ſo oft es allen Menſchen geboten
vird, die Apoſtel aufzunehmen und zu höͤren.
Daß alle Menſchen die Bibel leſen ſollen, das
iſt ferner ſo oft geboten, ſo oft es ihnen geboten
iſt, ihren Glauben nicht auf Menſchen⸗
ieugniß, ſondern auf die Schrift
iugründen und mit dem Schwerdte des
Geiſtes, mit dem Worte Gottes, zu kämpfen
und zu ſtreiten. So ſchreibt Jeſajas: „Ja,⸗
nach dem Geſetz und Zeugniß. Werden ſie das
nicht ſagen, ſo werden ſie die Morgenröthe nicht
haben.“ (8, 20.) Daß alle Menſchen die Bibel
leſen ſollen, das iſt ferner ſo oft geboten, ſo oft
es ihnen geboten iſt, alle Lehrer nach Gottes
Wort zu prüfen und zu beurtheilen und ſich nicht
von falſchen Propheten verführen zu laſſen. Daß
alle Menſchen die Bibel leſen ſollen, iſt ferner ſo
oft geboten, ſo oft alle Verführten darum,
weil ſie die Schrift haben, für unent⸗
ſchuldigt erklärt werden. „Sie haben Moſen
und die Propheten; laß ſie dieſelbigen hören,“
ſpricht Abraham aus dem Himmel zu dem reichen
Mann in der Hölle, als dieſer für ſeine verführten
und verblendeten Brüder um die Sendung eines
Boten aus der anderen Welt bittet. Ja, was
ſage ich? Das Bibelleſen iſt allen Menſchen ſo
oft geboten, ſo oft ſie nur aufgefordert werden,
ſch zu dem Herrn zu bekehren und für ihrer
ö Seelen⸗ Seligkeit zu ſorgen; denn die Schrift iſt
s, die den Weg zur Seligkeit zeigt; daher
paulus an den Timotheus ſchreibt: „Weil du
von Kind auf die heil. Schrift weißt, kann dich
dieſelbige unterweiſen zur Selig—
leit, durch den Glauben an Chriſto Jeſu.“
Johannes aber beſchließt das vorletzte Cap. ſeines
Evangeliums mit den Worten: „Dieſe aber ſind
teſchrieben, daß ihr glaubet, Jeſus ſei
Ihriſt, der Sohn Gottes; und daß ihr durch den
Glauben das Leben habt in ſeinem Namen.“
So iſt denn alſo kein Zweifel, das Werk, zu
deſſen Betreibung wir uns verbunden haben,
—10 —
nehmlich das Werk der Verbreitung der Bibel in
der Muiterſprache, iſt ein gutes und daher
überauus ſeliges Werk. Denn iſt, wie wir geſehen
haben, das Leſen der Bibel allen Menſchen
von Gott geboten, ſo iſt auch die Verbreitung
derſelben unter allen Menſchen von Gott geboten;
iſt ſie aber ein von Gottgebotenes, ſo iſt
ſie auch ein gutes Werk; iſt ſie aber ein gutes
Werk, ſo iſt ſie auch ein Gott gefälliges und
überaus ſeliges Werk, ein Werk, das Gott und
alle Engel erfreut, ein Werk, das! gewißlich
Gottes Ehre befördert, ein Werk, das unter
Gottes Schutz ſteht, ein Werk, womit Gott ge⸗
dient wird, ein Werk, das auf einem ewigen
Grunde ruht, ein Werk, das nicht zu jenem
Holz, Heu und Stoppeln gehört und daher in
der Feuerprobe verzehrt wird, ſond ern das zu
jenem Gold, Silber und Edelſteinen gehört, die
da bleiben und ihren Lohn haben, ein rechtes
Chriſtenwerk, das kein Wind der Zeit verweht,
ſondern das da ewig bleibet. Selig iſt daher⸗
wer dieſes Werk in rechtem Glauben betreibet!
Obgleich es nun hiernach, meine Brüder, zur
freudigen Betreibung eines Werkes gewiß ſchon
hin reichend iſt, zu wiſſen, daß dasſelbe ein von
Gott ſelbſt geboteners Werk iſt, ſo kommt doch
bei dem Werke der Verbreitung der Bibel in der
Mutterſprache noch dieſes hinzu, daß es auch
ein überaus geſegnetes iſt. Laßt mich
daher nan noch 2. auch hiervon zu euch
ſprechen.
Da jetzt ein Bibelbuch um einen ſo geringen
Preis zu haben iſt, daß auch der Bettler im
Stande iſt, ſich ein Eremplar derſelben ſelbſt zu
beſchaffen, ſo ſcheint es freilich etwas Geringes
zu ſein, was eine Bibelgeſellſchaft thut, wenn
ſie dafür ſorgt, daß, wo möglich, in jedem Hauſe
und in jeder Hand eines jeden Chriſten ein
Bibelbuch ſei. Allein, meine Brüder, abgeſehen
davon, daß es eben die Bibelgeſellſchaften geweſen
ſind, durch deren Eifer es erſt dahin gekommen
iſt, daß jetzt kein Buch als das Bibelbuch um
ein ſo Geringes erlangt werden kann; ich ſage,
abgeſehen davon: was ſpricht Chriſtus von dem
Werthe eines Bibelbuchs in unſerm Terte? Er
ſpricht zu den Juden: „Suchet in der
Schrift, denn ihr meinet, ihr habt
das ewige Leben darin; und ſieiſt's,
die von mir zeuget.“ Chriſtus will ſa—
gen: Leſet nur ernſtlich und mik Fleiß in der
Schrift, denn ihr wißt es ja ſelbſt und geſteht es
ſelbſt zu, daß, wie die Perle in der Muſchel, und
wie das Gold im tiefen Schacht, ſo das ewige
Leben d. i. der Himmel mit aller ſeiner Seligkeit
in der Schrift verborgen liegt, und wenn ihr
darin ſuchet, werdet ihr finden, daß ſie o beden⸗
ket die große Gnade!- daß ſie das ewige Leben
euch nicht ſelbſt durch ſchwere Werke verdie—
nen, ſondern durch den Glauben an mich frei
und umſonſt nehmen und genießen heißt.
Was ſind alſo alle Schätze der Erde gegen ein
Bibelbuch? Was der vergängliche Staub der
Erde iſt gegen die unvergänglichen Schätze des
Himmels. ö
Was iſt alſo das fuͤr ein Werk, was wir
Hun, Wert Eir dir Pibelin en Haus bringen 2-
O ſegensvolles Werk! Wir führen damit in ein
ſolches Haus den ganzen Chor der Apoſtel und ö
Propheten, die den Vewohnern deſſelben eint
aus freier Gnade zu erlangende ewige Seligkeit
wie mit Einer Stimme verkünden. Wir graben
damit in einem ſolchen Hauſe einen Brunnen,
in welchem die Bewohner ſtets lebendigen Waf⸗
ſers finden die Fülle. Wir pflanzen damit in
ein ſolches Haus den Baum des Lebens und
machen es ſo für alle, die von ſeinen Früchten
genießen wollen, zum ſeligſten Paradieſe. Wir
zünden damit in einem ſolchen Hauſe den Stern
der Weiſen aus dem Morgenlande an, der dit
ſuchenden Seelen noch immer nach Vethlehem
leitet zum Heiland der Welt; ja wir legen damit
das Jeſuskindlein ſelbſt, in die Windeln der
Schrift gewickelt, in ein ſolches Haus und machen
daſſelbe dadurch zu dem Stalle, wo das neuge⸗
borne Heil der Welt liegt für alle, die es nur
im Hauſe begehren. Wir bauen damit in ein
ſolches Haus eine offene Pforte, durch' welche
alle Bewohner des Hauſes jede Stunde einen
offenen Zugang haben zur Gnade, ja, in den
Himmel. Wir tragen damit die rechte Himmels⸗
leiter Jacobs in ein ſolches Haus und verwandeln
daſſelbe in ein Allerheiligſtes, wo Gott ſelbſt
ſich offenbart, ſich fragen laſſen und der heils⸗
begierigen Seele antworten will.
Doch wie? meine Zuhörer! müſſen wir es
den Feinden der Bibelverbreitung nicht zugeſte⸗
hen, daß jetzt Unzählige zwar eine Bibel haben,
aber dieſen Segen nicht genießen?
Wohl iſt es wahr, daß ach! nur zu viele mit
der Bibel den Baum des Lebens haben, die doch
nicht von ſeinen Früchten genießen; daß ach!
nur zu viele mit der Bibel den Quell der Gnade
beſitzen, die doch nicht daraus trinken; daß ach!
nur zu viele mit der Bibel die offene Pforte des
Himmels haben, die doch durch dieſelbe nicht ein⸗
gehen! Aber beweiſt dies etwa, daß die Bibel
dunkel und daß das Leſen derſelben daher nutz⸗
los, ja ſchädlich, und daß ſonach das Werk der
Bibelverbreitung ein ungeſegnetes ſei? Das
ſei ferne! Die dies mit den römiſchen Prieſtern
ſagen, ſprechen ſich damit ſelbſt das Urtheil, denn
der heil. Apoſtel ſpricht: „Iſt unſer Evan—
gelium verdeckt, ſo iſt es bei denen,
die verloren werden, verdeckt!“
Und geſetzt meine Brüder, der Segen der Bi⸗
belverbreitung wäre auch wirklich wenigſtens
ſehr gering, ſollten wir darum die Hand von
dieſem Werke zurückziehen? Wie verfährt Goit?
Wußte Gott nicht im Voraus, daß die Güter
der Erde von Millionen nur gemißbraucht wer⸗
den würden, und hat er nicht dennoch die aller⸗
herrlichſte Welt und eine Erde geſchaffen, die voll
iſt ſeiner Güter? Wußte Gott nicht ferner ſchon
von Ewigkeit, daß Millionen die Erlöſung nicht
annehmen würden, die er durch die Dahingabe
ſeines Sohnes in den Tod vollbringen wollte,
und hat er nicht dennoch das unausſprechliche
Wunder ſeiner Liebe gethan und ſeinen einge⸗
bornen Sohn nicht dennoch in die Welt geſen—
det?— Sollten wir nun nicht „Gottes Nachfol—
ger“ ſein, und mit dem heiligen Bibelbuche al⸗
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